Der erste siebte zweitausendsiebzehn. Sechskommafünf Jahre oder Dudu und Yuyu sagen JA!

Heute ist ein ganz normaler Donnerstag im Juli. Der erste Donnerstag im Juli, um genau zu sein. Also an sich nichts Besonderes. Und dann doch wieder schon – denn ich bin nun seit fünf Tagen verheiratet. Eine Tatsache, die irgendwie nicht wirklich greifbar ist – noch weniger, als mein Schulabschluss, mein erster und zweiter Studienabschluss und die Tatsache, einen akademischen Titel zu tragen, denn nach diesen Begebenheiten änderte sich auch mein Alltag. Und doch ist es irgendwie eine große Sache. Eine Verbindung, die vor dem Gesetz gilt. Eine Verbindung, die rechtlich festgeschrieben ist und gleichzeitig etwas, das an „uns“ erstmal gar nichts ändert.

Heiraten. So eine Sache, die für mich in meiner Lebensplanung irgendwie immer schon klar war. Nicht, dass ich es nicht verstehe, wenn andere es nicht wollen. Nicht, dass ich nicht wüsste, dass es nahezu öfter schiefgeht als es klappt. Nicht, dass wir in 6,5 Jahren Beziehung nicht auch unsere Krisen erlebt haben. Aber wir haben uns jedes Mal und jedes Mal stärker füreinander entschieden. Und ich wollte immer schon ganz offiziell eine Familie mit dem Menschen sein, der an meiner Seite ist und bleiben soll, auf lange Sicht.

[Wer nochmal nachlesen will, wie die aktiven Schritte in Richtung dieses Tages begonnen haben, kann dies hier tun.]

Der Tag begann also mit strömendem Regen und daraus resultierend sehr unentspannten Brauteltern und einer Diskussion über die Anzahl der Frühstückstomaten. Mit dem Lichten der Wolken lichtete sich zum Glück auch die Stimmung und das Universum schenkte uns einen dieser wenigen, herrlichen Frühsommertage, an denen die Welt strahlt ohne von der Hitze erdrückt und erstickt zu werden.

Um 11 Uhr ging die Action los und das Team Braut samt Trauzeuginfloristinschminkschwester und bestem Freund trudelten ein und nahmen sich meiner #outofbed-Gestalt an. Es gab Pizza, Sekt und Kuchen und alle alten Fotos, die ich finden konnte.

Kurz bevor wir zum Standesamt aufbrachen, musste definitiv ein #brautselfie mit der stylischsten Sonnenbrille der Welt und ein #fwis mit meinem heißgeliebten Pünktchenkleid,  dem pinken Petticoat und den Glitzerpeeptoes sein. Und das erste „Vollbild“. Ich stehe komisch, weil meine Absätze in der Wiese nicht unbedingt versinken sollten. Nur so am Rande.

Der Brautvater und ich waren nun also unterwegs, als Schlusslicht der Truppe, die mich zuvor geföhnt, frisiert, geschminkt, geschneuzt und gebügelt hatte. Er: „Soll ich denn da jetzt wirklich rechts abbiegen, oder fahren wir einfach grade weiter?“. Sehr süß, wie er im Fall des Falles mit mir durchgebrannt wäre. Aber wär ja schade drum und immerhin waren alle so hübsch angezogen. Neinein, das schaffen wir schon, wir ziehen das durch! Bisher sehr entspannt und gelassen (einer muss es ja sein!), trotz einer Million Fragen, ob ich denn nun endlich nervös sei und wie es denn möglich wäre, dass dem nicht so ist. Aber warum denn auch? Ist ja irgendwie das Natürlichste von der Welt. What comes around goes around und what fits together goes together (vielleicht sollte ich das Sprichwörterimprovisieren jemand anderem überlassen).

Wir kamen an, wir betraten das Gebäude, wir standen im Mittelstock und baaaaam, da war sie nun, die Nervosität. Warum konnte ich nicht einmal genau sagen. Ein heller Moment, was da gerade passierte. Aber dann wurden wir reingewunken und im Trubel der Leute war auch schon wieder keine Zeit mehr dafür.

Der Herzjunge, der nun bald der Herzmann sein würde, begrüßte mich mit roten Backen und einem Puls, der sich möglicherweise so um die 200 bewegte. Ginge mir wohl auch nicht anders, wenn ich mir die Herausforderung einer persönlichen Rede in diesem Rahmen aufgehalst hätte. Nur, dass er sowas – im Gegensatz zu mir – ziemlich gut kann. Und ich gebe zu, ich war mehr als gespannt, was er sich denn nun für diesen Tag hatte einfallen lassen. Ich sollte es bald erfahren.

Erst einmal setzten wir uns, ich legte meine Hand auf seine und spürte, wie wir beide langsam ruhiger wurden und begriffen, was wir da grade machten. Und sehr sehr sehr breit grinsten, während Alicia Keys „Not even the King“ für uns sang.

Ich muss gestehen, dass der Rest der Zeremonie etwas verschwommen in meiner Erinnerung ist. Die Standesbeamtin, die wir sehr ins Herz geschlossen haben, erzählte einige liebe, nette und schöne Dinge und las sogar unseren Mythos vom Kugelmenschen vor. Also unseren. Eigentlich stammt er von Platon. Aber ihr wisst schon. Zwischendurch sangen S.T.S. „Zeig‘ mir dein‘ Himmel“, Stefan unterhielt uns mit einer ganz wunderbaren kleinen Rede (wie ich ihn für dieses Talent beneide!), Klee sangen „Willst du bei mir bleiben“, wir und unsere Trauzeugen unterschrieben und schwuppduwipp ertönten Kodaline mit „The One“ und es war offiziell – und auch schon wieder vorbei. Nun ging das große Umarmen los, es flossen einige Tränen (nicht bei uns, no worries!) und die Anspannung war verflogen.

(Man muss ja auch das Brautauto würdigen)

Es folgten eine waghalsige (für Nina) und lustige (für uns) Gruppenfotosession, bevor wir die Gäste Richtung Sektempfang im Restaurant verabschiedeten und selbst noch zu einem kleinen Fotoshooting aufbrachen. Tags zuvor hatten wir noch ganz wunderbare Weizenfelder gefunden und eine Million Ideen – und ich dankte dem Universum für meine Spontaneingebung, Converse als Brautschuhe #2 mitzunehmen. Die Zeit war wie immer zu kurz, aber der Output super und diese wunderbaren Bilder werde ich euch nicht vorenthalten, sie kommen, versprochen!

Da wir uns irgendwo verpflichtet fühlten, unsere Gäste nicht verhungern oder sich ohne Unterlage komplett betrinken zu lassen, beehrten wir sie wie versprochen gegen 18 Uhr mit unserer Anwesenheit.

Teile der Gang, die den Tag für mich so unvergesslich, wunderschön und vor allem stressfrei gemacht haben ❤

Es wurde angestoßen und noch ein Haufen Fotos da und dort gemacht, bis die Tafel schlussendlich eröffnet war. Auch hier hatte alles geklappt wie geplant und versprochen, die wunderbare Trauzeuginfloristinschminkschwester hat super hübsche Blumengestecke gemacht und meine Schiefernamenstafeln und Retrofotoprints waren nach Plan und wunderbar verteilt. Es wurde geschlemmt und gelacht und eigentlich lässt sich dazu gar nicht mehr soviel sagen.

[Der Grund, warum der Herzmann die Hand oben hatte ist übrigens der, dass er sich nicht entscheiden konnte, zum Messer zu greifen :P]

***

Ich kann nicht sagen, ob es der bisher schönste Tag meines Lebens war, aber in jedem Fall war es ein sehr schöner, sehr toller, sehr großartiger, sehr wunderbarer, an dem alles tatsächlich genauso geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich wollte den offiziellen Part im kleinen Kreis feiern, mit denen, die schon besonders lange und auch besonders innig Teil meines Lebens waren. Eine kleine Runde, in der alle mittendrin statt nur dabei wären, in der alle Teil der Veranstaltung und niemand nur Zaungast wäre. Ich wollte keine Fremden und externen Dienstleister in diesem kleinen Rahmen dabei haben und glaubte, mich dadurch auf Pannen einzulassen, doch genau das Gegenteil war der Fall. Alles lief so geschmiert, als hätten sie alle nie etwas anderes gemacht. Als würden sie jeden Tag Haare stylen, Make-Ups malen und Blumen binden (ok, zweiteres macht sie tatsächlich jeden Tag 😉 ), als wären professionelle Konditoren und lang gediente Fotografen am Werk. Jeder steuerte für mich und uns seinen Teil mit soviel Liebe bei, dass es vermutlich noch eine Spur perfekter war, als wenn wir jemanden dafür bezahlt hätten. Die Vorgabe für Oktober ist also ziemlich groß 🙂

Ich weiß diese Freundschaftsdienste mehr als zu schätzen und bin seit Tagen überwältigt für diese Art von Geschenken, die mir an dem Tag gemacht wurden, denn ich weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist. Wer zu einer Hochzeit eingeladen wird, schenkt oft Geld oder besorgt etwas von einer Geschenkeliste und das ist wunderbar, aber wer sich die Zeit nimmt und etwas von sich selbst schenkt, das ist unbezahlbar.

Wir durften an diesem Tag im Rahmen der Menschen, die uns ganz besonders wichtig sind, zeigen und besiegeln, was wir füreinander bedeuten. Wir haben an diesem Tag uns und all jene gefeiert, die uns das ermöglicht haben. An diesem 1. Juli waren wir alle ein Kreis, der sich bei uns geschlossen hat und auch wenn es pathetisch klingt, ist es etwas, das uns verbindet.