Erinnerungen – Fotostopps durch Portugal: Bootsfahrt am Tejo & gelbe Funiculairs

Ich habe meine Entwürfe durchforstet, auf der Suche nach den ältesten unverbloggten Bildern und festgestellt, dass ich fast alle meine portugiesischen Lieblingsmotive für mich behalten habe. Da das wirklich eine dumme Idee ist, habe ich mich entschieden, euch jetzt mal die erste Runde um die Ohren zu werfen.

Beginnen werde ich mit den Motiven aus Lissabon, die mich überhaupt erst zu dieser Rundreise in das mir sonst so fremde Portugal bewogen haben. Die gelben Funiculairs, die alte 28er Tram und diese wunderschöne Brücke, die mich so sehr an das Sehnsuchtsding Golden Gate Bridge erinnern. Und dann noch dieser zauberhafte Tower of Bélém..

Portugal war für mich eine sehr spezielle Reise. Sie startete am Höhepunkt meines körperlichen Tiefpunkts und markierte doch auch einen Neustart. Es war der erste Flug nach dem Trommelfellriss, eine so harmlose Reise, während der ich mit soviel mit Angst und Misstrauen in mich selbst gekämpft habe. Angst vor Schmerzen, Angst davor, krank zu werden und wieder auszufallen, nicht zu funktionieren. Aber es war auch das erste Mal, dass ich nicht die sorgenvolle Stimme in mir habe gewinnen lassen. Dass ich nicht auf die Reise verzichtet habe, nur weil die Chance bestanden hat, dass etwas passiert – wie ich das sonst immer gemacht hatte. Der erste Schritt wieder zurück zu mir.

Seitdem ist viel passiert. Ich habe Antidepressiva genommen und wieder abgesetzt. Ich habe gekündigt, neu angefangen und bin dann unter den für mich passenden Parametern doch wieder zurückgekommen. Ich habe mein Praktikum begonnen und wurde durch Corona in all meinen Plänen auf die Warteliste meines eigenen Lebens befördert. Ich habe gemerkt, dass ich auch in meinem Privatleben Dinge ändern muss, so kompliziert, schwierig und manchmal auch schmerzhaft das sein mag.

  1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.
  2. Ich wünschte, ich hätte nicht soviel gearbeitet.
  3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.
  4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrecht erhalten.
  5. Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.

Aus: „5 Dinge, die sterbende am meisten bereuen“, Bronnie Ware

Ich habe nicht besonders viele Grundsätze in meinem Leben, die ich als unumstößlich empfinde und an denen ich festhalten will. Ich habe 5, nach denen ich lebe. Diese 5, die in der Tinte auf meinem Schlüsselbein und „Ich gehör nur mir“ stecken. Es sind genau die, die Bronnie Ware in ihrer Zeit als Palliativpflegerin immer wieder hört.

Wir haben ein Leben (von dem wir sicher wissen). Dieses eine, das wir gerade leben. Und ich möchte es am Ende nicht bereuen, weil ich Angst hatte oder etwas unbequem schien. Wir verändern uns ständig. Alles fließt. Ankommen ist eine Illusion einer Generation, die für meine nicht mehr gilt. Und anstatt daran festzuhalten, mich an etwas zu krallen, das in der Realität nur noch verblasste Erinnerung ist, lerne ich immer wieder loszulassen und Vertrauen zu haben, dass der Weg entlang dieser 5 Grundsätze mein Weg sein wird.

Verfasst von

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

33 Kommentare zu „Erinnerungen – Fotostopps durch Portugal: Bootsfahrt am Tejo & gelbe Funiculairs

      1. „Gefühlt“ ist vieles, fast alles vorstellbar … aber mit der objektiven Wahrheit hat das nur selten was zu tun …
        liebe Grüße vom Lu

      2. da hast du auch recht. aber da kommt gleich wieder die philosophische frage quer: was ist wohl eine objektive wahrheit und gibt es die überhaupt?

  1. Die Erkenntnis alleine ist es ja schon und dann noch zu handeln ist der richtige Weg. Jeder von uns wird am Ende etwas bereuen aber das Leben macht einfach zuviel Spaß um es nicht voll auzukosten. Man muss sich immer nur treu bleiben, von leicht war ja nie die Rede

  2. „alles fließt“, soll der Grieche Heraklit erkannt haben … Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln … wir steigen in den selben Fluss und doch nicht in den gleichen … um in diesem stetigen Wandel bestehen zu können gibt es verschiedene Strategien … eine sehr hilfreiche ist wohl das Loslassen, den das Festhalten bedarf viel Kraft und Mühsal … schöne Grüße .. Robert

    1. ja, das ist eines meiner liebsten zitate, weil ich finde, dass es so wahr ist. das loslassen ist wichtig, manchmal auch verlockend und nicht immer ist man sicher, was die bessere wahl ist. man kann sich nur auf sein gefühl verlassen und versuchen, immer so ehrlich wie möglich zu sich selbst zu sein.

  3. Moin Süsse!
    Du kriegst das schon alles hin! ❤

    Gut das die wunderschönen Fotos das Licht der Welt erblicken dürfen und du sie mit uns teilst!
    Ich freue mich jetzt schon auf Teil 2 & 3!!!

    Hab ein schönen Start in die Woche!
    Und lass dich virtuell ganz feste drücken!

    1. ich hoffe es. danke für deine lieben worte ❤
      ja es gäbe noch so viele fotos, mal sehen, ob die irgendwann mal hier auftauchen oder wie viele davon letztlich doch auf der festplatte versauern. achja, gar nicht so einfach, wenn die worte dann nicht zu den bildern passen.
      alles liebe für dich!

  4. Das Leben ist HEUTE – du weißt nie, was Morgen sein wird. Wie war der Spruch noch: „Das Leben ist schön! Von einfach war nie die Rede!“ Ich glaube, dass die Hürden, die wir alle zu nehmen haben das eigentliche Leben ausmachen.

    Ich denke ja auch, dass das Leben Schicksal ist. Es ist passend für Dich gemacht. Jeder bekommt die „Aufgaben“, denen er gewachsen ist. So wie du bist ist alles richtig und das was du tust auch! Und Du weißt auch schon, warum gerade DU diese AUFGABE bekommen hast? Niemand sonst ist so stark und würde diese Entwicklung schaffen und darüber noch für andere so schöne Bilder und Texte hinterlassen, mit denen Du bestimmt auch vielen Mut machst.

    Ich schaue gerne die Bilder von deinen Reisen und so kann ich virtuell viele Orte besuchen, die ich noch nie gesehen habe. Danke für den morgendlichen Ausflug nach Portugal 🙂

    Herzliche Grüße
    Birgit

    1. ja, das denke ich auch. das leben passiert und die frage ist, wie wir damit umgehen.
      danke dir für deine lieben und aufbauenden worte ❤ wahrscheinlich hast du recht. trotzdem fällt es mir halt oft schwer, entscheidungen zu treffen und durchzuziehen und sicher zu sein und überhaupt. vor allem wenn man alleine etwas entscheidet, das zwei leute betrifft und die andere person das eigentlich nicht will… aber gut, alles wird gut, irgendwann, irgendwie, nicht wahr?

      es freut mich jedenfalls sehr, dass meine posts so auf dich wirken, dann machen sie genau das, was ich mir von ihnen wünsche ❤

  5. Nun bin ich selbst beim wiederholten Lesen immer an diesem einen Satz hängen geblieben: Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.
    Er erscheint mir wie der Schlüsselsatz und das Tor zur Erfüllung der anderen 4 Wünsche.
    Und er trifft bei mir auf Resonanz, weil da eines meiner Lebensthemen, Lebensaufgaben angesprochen wird.
    Irgendwann vor einigen Jahren, durfte ich erkennen, dass ich bis dato immer mit dem unbewussten Glaubenssatz unterwegs war, dass ich es nicht wert sei, glücklich zu sein: „ Das Leben ist ein Kampf, da gibt es ständig etwas zu überwinden. Es wird nicht leicht sein…
    Ich freue mich, dass du deine vergrabenen Schätz jetzt zeigst und bin schon gespannt auf die weiteren Fotos. Da fällt mir auf, dass ich in der letzten Zeit öfter mal Eindrücke von Portugal entdecke. Es scheint mir ein sehr „lohnendes“ Reiseziel zu sein!

    1. ja, dieser satz trifft einen hart, gell? der berührt mich auch jedes mal wenn ich ihn lese. ich versteh dich da sehr, sehr gut. wie oft es mir so geht, in den unterschiedlichsten lebenslagen, aus den unterschiedlichsten gründen, dass es sich anfühlt, als dürfte das jetzt nicht sein.
      portugal ist wirklich wunderschön. ich war sehr schnell verzaubert von diesem land, von dem ich davor praktisch gar keinen eindruck hatte.

  6. Liebe Christina,
    wie schön, dass Du diese herrlichen Bilder jetzt mit uns teilst. Ich freue mich schon auf weitere traumhaft feine Erinnerungen.
    Alle 5 Gedanken/Wünsch von Bronnie Ware kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Besonders die Nr. 5 spricht mich stark an.
    Es nützt alles nichts, wir müssen mit der Erkenntnis leben, dass – wenn sich etwas ändern soll – nur wir allein es ändern können.
    Hab ein angenehmes und entspanntes Wochenende,
    herzlichst moni

    1. liebe moni, danke für deine worte und ich freu mich sehr, dass es auch für dich einen persönlichen bezug gibt in diesem beitrag. ich finde auch den letzten punkt irgendwie besonders berührend. ich denke, dass viele menschen zumindest mit einem dieser sätze irgendwie in resonanz gehen, obwohl viele das vielleicht sogar abblocken.

  7. Liebe Paleica,
    mein erster Gedanke zu deinem Text war, ja, und es ist völlig okay, wie ich lebe. Wenn es mich zufrieden macht, ist es okay. Kein Optimierungsdruck von aussen. Meine Gefühle und ich sind die einzigen Parameter, die zählen. Und dann kommen die Optimierten, die mir einreden wollen, dass ich doch noch so viel mehr aus meinen Leben herausholen könnte ;-).

    Liebe Grüße

    Conny

    1. liebe conny, du hast absolut recht. die optimierten am besten ignorieren, die wollen andere optimieren, damit sich ihr optimiertes leben nicht so optimiert anfühlt, sondern echt. wie du sagst: die einzig wichtigen parameter sind deine gefühle.

  8. Meine Liebe,
    wir wahr wieder einmal deine Worte sind. ❤ Die 5 Grundsätze aus "5 Dinge, die sterbende am meisten bereuen" könnten treffender nicht sein (ich hatte überlegt, mir das Buch zu kaufen, es aber bislang nicht getan) und doch vergisst man es leider viel zu schnell wieder, was wichtig im Leben ist. Weil es ein "außen" gibt, was einen beeinflusst (Arbeit, Uni, Menschen) oder man selber vielleicht gerade andere Sorgen hat. Da heißt es immer wieder "üben, üben, üben" und nahe an den fünf Grundsätzen bleiben.
    Ansonsten habe ich mich sehr über die Lissabon-Fotos gefreut. 🙂 Ab nächster Woche folgen endlich meine Portugal-Reiseeinträge, die schon seit zwei Jahren schlummern …
    Alle Liebe, bleib gesund und pass auf dich auf,
    Karina

    1. ich hab das buch ewig im kopf gehabt aber irgendwie hab ichs nie gemacht, bis ich bei meiner therapeutin zufällig drübe gestolpert bin und es mir geliehen hab und ich hätts mir nicht gedacht, aber das war wirklich schön und wertvoll zu lesen, also ich kann es sehr empfehlen!
      ich denke auch, dass man sich immer wieder davon weg bewegt, wichtig ist nur, dass man sie nie vergisst.
      oh cool, na dann bin ich mal gespannt, was du in unserem westlichsten land so entdeckt hast 🙂

  9. Hach, Lissabon hat sich in Windeseile in eine meiner Lieblingstädte katapultiert! Und diese 5 „Dinge“ klingen eigentlich sehr simpel und doch sind sie gar nicht so leicht umzusetzen… Aber warum stehen wir uns so oft selbst im Weg? Warum vergönnt man anderen Menschen Glück nicht? Manchmal kommt es mir vor als müsste man sich schuldig fühlen wenn man richtig glücklich ist oder sein will 😦

    1. oh ja, lissabon und du, das ist eine liebevolle liaison ❤ da erinnere ich mich an wirklich wunderschöne bilder!
      eine gute frage, warum das so schwierig ist. aber ich glaube, es liegt daran, dass die meisten von uns eben anders sozialisiert wurden und uns andere werte eingetrichtert wurden, die mit diesen 5 grundsätzen einfach oftmals nicht so leicht zu vereinbaren sind…
      ja das ist komisch, oder? mir gehts genauso und das kam hier auch nicht zum ersten mal. ist das nicht verrückt…

  10. Ich habe jetzt schon oft gehört und gesehen, dass Lissabon wirklich eine tolle Stadt sein soll! die Fotos von dort sehen echt immer sehr schön aus. Grad die gelben Straßenbahnen gefallen mir. 😉
    Hach ja… das Reisen vermisse ich. Oder die Möglichkeit eine zu planen; das wäre auch schon mal sehr schön. 😉

    1. lissabon ist wirklich zauberhaft. ganz portugal hats mir echt angetan. ein perfektes reiseland für mich… tolle natur, diese wunderschönen klippen am meer und dann diese entzückenden städte. und es war außerdem der günstigste urlaub ever, das hat mich am meisten verwundert.

  11. Hast mit deinen wunderschönen Bilder wieder Fernweh bei mir geweckt. 🙂
    Das Buch hab ich vor ein paar Jahren gelesen und fand es klasse. Was die 5 Punkte betrifft, wäre meins, würde ich heute im Sterben liegen, definitiv: „Ich wünschte, ich wäre viel mutiger und frecher gewesen…“

    Ganz liebe Grüße!

    1. mir gehts auch jedes mal so, wenn ich die bilder anschaue.
      das war bei mir auch lange ein großer punkt, deswegen hab ich den ja 2018 mit dem wort „mut“ ganz gezielt in angriff genommen. das hat mir sehr geholfen – und hallt immer noch nach. vielleicht wäre das auch für dich mal eine schöne art von „challenge“?

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