Amsterdam: Panoramen von hellen und von dunklen Tagen

Teil 1 – Die hellen Tage:

Ich spüre, dass ich etwas Essenzielles wieder gewonnen habe. Inspiration anzunehmen, mich einlassen zu können, mich begeistern zu können und offen dafür zu sein, das auch zu zeigen und zu teilen. Manchmal fühle ich mich fast, als würde ich innerlich leuchten, auch wenn das bedeutet dass der diffuse dunkelgraue Nebel, die Schwermut und die Traurigkeit wesentlich öfter hallo sagen. Was in diesem Sommer mit und in mir passiert ist, hätte ohne gewisse Vorarbeit dennoch vermutlich keine Resonanz finden können. Auch im Schreiben ist mir bewusst geworden, dass sich etwas verändert hat. Der Zugang zum Gefühl ist offen, es formen sich wieder Metaphern zu den Bildern, die ich lange vergeblich gesucht habe, die Texte, die entstehen, sind für mich wieder mehr als kognitive Reflexion, sie entstehen nicht im Kopf (oder zumindest nicht nur) sondern irgendwo zwischen Herz und Bauch und helfen mir, mich leichter zu fühlen, zu ordnen und zu erden.

Teil 2 – die dunklen Tage:

Plötzlich, wie aus dem Nichts fällt das Atmen schwer, an den Rändern des peripheren Sehens ragen metaphorische Gewitterwolken in mein aktives Gesichtsfeld. Schwer und drückend fühlt sich die Seele an, dieses raumlose Gebilde, die vor einem Augenzwinkern gerade noch so luftig vor sich hin zu tänzeln schien, erfüllt von Musik, Zuversicht und Vertrauen. Jetzt ist sie voll von nasskaltgrauem Nebel, in diesem Jahr auch schon im Sommer, im Spätsommer, im frühen Herbst, immer wieder lässt der November seine Spuren da. Der Geist balanciert mit all seinen geschulterten Gefühlen auf dem Drahtseil, voll von Angst vor dieser einen falschen Bewegung, dem endlosen Fallen und dem großen Fragezeichen, wohin der Aufprall führen würde, wenn es einen gäbe. Angst, Schmerz und Unsicherheit ergeben zusammen einen trägen Kleber, der an den Schuhsohlen der Gefühle haftet und jeden Gedanken grau färbt.