Blogparade: Welcher Reisetyp bist du? oder „Ferien meiner Kindheit“

Thomas will bei seiner Blogparade wissen, welcher Reisetyp wir andere Blogger sind. Bis 31.7. kann man noch teilnehmen. Und ich tu das – pünktlich zu Beginn der Urlaubssaison 🙂

Seine Ausführungen fand ich interessant, insbesondere die Abgrenzung, welche Reisetypen auf ihn alle nicht zutreffen. Mir ist wohl noch nie bewusst geworden, auf wie viele unterschiedliche Arten man reisen/Urlaub machen kann 🙂 Mein Zugang ist ein bisschen ein anderer, auch, damit sich mein Artikel von seinem abgrenzt. Ich erzähle euch, wie ich zu der Reisenden geworden bin, die ich heute (erstmal) bin und stöbere ein bisschen in meinen Erinnerungen.

Reisen war – bis zu einem gewissen Grad – bei mir in meiner Familie immer Bestandteil eines Kalenderjahres. Ein Jahr ohne den einen oder anderen Kurztrip und einen längeren Sommerausflug wäre kaum denkbar gewesen, vermutlich, weil beide meine Eltern zumindest in jungen Jahren extrem vom Fernweh geplagt wurden. Mein Papa war in seiner Jugend ein klassischer Backpacker, Interrail durch Europa, Greyhound durch Nordamerika – für Südamerika kam ihm dann irgendwie das Leben dazwischen. Aber so hat er jedenfalls doch einige Wochen und Monate der 70er Jahre in allen möglichen Ländern Europas und Amerikas zugebracht.

Meine Mama war weniger mit dem Rucksack unterwegs, sondern eher Work&Travelmäßig bei Familien – Au-Pair in England und Frankreich (wenn auch kürzer als erwartet), als Zugbegleiter quer durch Europa, bei Verwandten in Kanada und einfach so den USA.

Miteinander wurde dann weniger lang und weniger abenteuerlich geurlaubt (beschränkte Urlaubstage ließen grüßen), aber immer noch recht individuell und eigentlich zumeist mit (Miet)Auto unterwegs. Solang ich zu klein war, mir das zuzumuten, wurde pausiert und stationiert strandgeurlaubt, was zumindest bei meinem Papa meist recht schnell Lagerkoller und Unzufriedenhaus ausgelöst hat. Drum war ich wohl bei meinem ersten Roadtrip dabei, als ich etwa 4 (oder 6?) Jahre alt war – einmal von Österreich in die Schweiz, bitteschön. Danach folgte der Klassiker Österreich – Italien, im Jahr drauf eine Runde Spanien (falls die Chronologie nicht mehr ganz stimmt, verzeiht mir bitte, es liegt schon ein Weilchen zurück 😉 ). Ich habe unterschiedlichste Erinnerungen an die Reisen. Meine allererste (3 Jahre: Zypern) war: „ich hasse dieses essen! Nichts schmeckt wie daheim!“ 2 Jahre später, Fuerteventura: „ich liebe den Strand, man kann sich in den Dünen einfach verlieren und MUSCHELN sammeln!!“ Am Gardasee war ich das erste Mal verliebt (mit 7?). Marcel aus Deutschland. Seinem Papa habe ich 1/2 italienischen Rotwein über das einstmals weiße Hemd geleert und eines Abends habe ich eine Igelfamilie gesehen. Mama Igel mit 3 Babyigel. In Spanien war es einfach nur heiß (48 Grad im Landesinneren) und ich habe meine Eltern ziemlich verflucht, weil an Schlaf nicht zu denken war. Es folgte die erste Amerikareise (Wien – Miami). Ich wollte nie wieder einen Flughafen betreten. Buttertoast mag ich bis heute nicht mehr sehen. In unserem Hotel gab es Dschungel und Flamingos. Ich habe riesige, gelb-schwarze Spinnen in noch viel riesigeren Netzen entdeckt und mich trotz Angst davon faszinieren lassen. Ich habe gelernt squirrel zu sagen und Amis versucht „Oachkatzlschwoaf“ beizubringen. Ich habe mich in die kleinen seitwärts laufenden Krabben verliebt, war in Henry Fords und Thomas Edisons Haus, habe 3 Bücher in 3 Wochen 5x gelesen weil mir auf Amerikas geraden Straßen nie schlecht wurde beim lesen im Auto. Ich habe im Swimming Pool 4 Dollar gefunden und mir davon so ein pink blaues Puschelballspielzeug gekauft. Ich habe jeden Tag gegrillte Hühnerbrust mit Ketchup zu Mittag gegessen. Ich habe gelernt, dass in den USA Mc Donald’s nicht cool ist und Pepsi besser schmeckt als Cola und dass Pizza Hut den Rand mit Käse füllt. Dass mein Papa panische Angst hatte, auf den Keys im Auto von einem Alligator gefressen zu werden, dass es innerhalb von 5 Minuten so schütten kann, dass die Straße knöcheltief im Wasser steht und alle barfuß im warmen Regen laufen oder Scheibenwischer nichts mehr nützen. Dass Achterbahnfahren im Dunkeln total geil ist (ich hab es danach nie wieder ausprobiert) und einem nicht schlecht wird wenn man nur laut genug kreischt. Dass es sich auf Plastikmatratzen bei hoher Luftfeuchtigkeit nicht gut schlafen lässt und man dann gar nichts vom tollen Meer mitkriegt, weil man einfach nur erschöpft ist und aufhören will zu schwitzen. Dass es einen Mädchennamen gibt, der Chayenne lautet und dass asiatisch aussehende Menschen auch Amerikaner sein können. Außerdem dass ich Wale und Delfine in irgendwelchen Aquarienbecken arm und doof finde. Free Willy!!!

(Ich finde, die Kappe und mein Gesichtsausdruck rocken!)

Zwei Jahre später lernte ich, dass New York eine sehr große Stadt ist, in der es sehr viele bettelnde Menschen gibt, eine Stadt, in der alle Menschen immer zu rennen scheinen und nie Luft zu holen. Eine Stadt, von der ich nicht verstehen konnte, wie irgendjemand sich hier zurechtfinden kann und wie es möglich ist, dass man 2 Stunden zu Fuß geht und das verfluchte Empire State Building immer noch nicht näher gekommen ist. Dass mein Papa Höhenangst hat und nicht auf Glasböden stehen kann, wenn es ein paar viele Meter drunter runtergeht. Dass es einem im Lift die Ohren verschlagen kann und man Swatch auch in Amerika kaufen kann. Mit Erdbeeruhrband und einer lustigen (nervigen) Musikfunktion. Dass das Chrysler Building das schönste Gebäude der Welt ist (ich war 10 und meine Meinung hat sich bis heute nicht geändert) und dass stretched Limo fahren alle anderen cool finden und ich nicht verstehe, was daran so toll sein soll, aber die anderen werden es schon wissen. Dass es in Amerika für Kleinigkeiten wie Mückenstiche immer die perfekte chemische Keule gibt. Das Zeug riecht abartigst, hilft aber dafür auch. Dass SAKS Fifth Avenue für 10jährige total langweilig ist und mit dem Taxi im Stau stehen auch. Viel lustiger ist es, zum Broadway zu laufen und verschwitzt in der letzten Minute vor Beginn des Musicals anzukommen. Dass es blöd ist, wenn man nicht versteht, was die Leute sagen. Dass ich immer schon lieber in meinem eigenen Bett schlafen wollte und auch 2 Nächte zu dritt in einem King Size Bed einfach zu viel sind. Und dass es im Waldorf Astoria in New York aufgrund von Aberglauben keinen 13. Stock gibt. Außerdem erinnere ich mich noch daran, bei irgendeinem Touristandl vor dem World Trade Center, das wegen Renovierung grade für Touristen nicht begehbar war, einen Magneten vom Empire State Building gekauft zu haben, der bis heute an der Mikrowelle in der Küche meiner Eltern klebt (der einzige, nur in Gesellschaft eines Harrods-Bären vom Wiener Flughafen). An Orlando erinnere ich mich kaum noch, außer, dass ewig lang nach einem freien Hotel zu suchen sehr mühsam sein kann und an die perfekten Schokocroissants zum Frühstück, die mir der entzückende Kellner des Hotels jeden Tag reserviert hat. Dass ich 3 Rochen direkt an der Küste gesehen hab und einen Waschbären. Und dass es im Staate Florida viele, viele Einkaufscenter gibt (Und Victoria’s Secret auch nur Unterwäsche verkauft).

In Tunesien habe ich gelernt, dass ich mich nicht wohlfühle, wenn ich überall angequatscht werde und der kleinste Schluck Wasser sehr unerfreuliche Auswirkungen hat. Ich war mir auch mittlerweile sicher, dass ich große Hitze nicht besonders mochte. Also verbrachte ich die Zeit damit, T-Shirts zu bemalen. Indoor mit Klimaanlage.

Bei meinem dritten Mal Amerika lernte ich nicht mehr soviel, außer, dass es alleine mit den Eltern ganz schön langweilig sein kann und ein Jetlag auch mal ein Monat lang nervig sein kann.

Die folgenden Urlaube im Generationenkonflikt überspringe ich, da sie mit dem Thema wenig zu tun haben ^.^ Nur soviel: mein soziales Bedürfnis in diesen Jahren war weitaus größer als mein selbstgewachsenes Interesse an anderen Ländern und Orten.

Als sich dann die Chance auftat, ohne elterliche Begutachtung eine Reise ins Ausland anzutreten, ging es auch vorrangig um „eine Woche allein mit meinem Freund“ – alles andere war völlig irrelevant. Dies hatte sich im Jahr drauf noch nicht geändert und im Folgejahr ebenfalls nicht. Seitdem wusste ich aber eines gewiss: große Hitze ist definitiv nichts für mich (Griechenland im Sommer, adé). Dann kam Italien – und eine Schlechtwetterfront, die uns zwang, den Strand zu verlassen und uns andere Beschäftigungen zu suchen. Also hopps, ins Auto und los. Und hier begann es dann, von dem ich euch schon an anderer Stelle erzählt habe. Auf einmal entdeckte ich all das tolle Essen und die spannende Geschichte. Und auf einmal war „All inclusive“, „Strandurlaub“ und Co passé. Langsam aber sicher schienen die Wurzeln, die meine früheren Erlebnisse geschlagen hatten, sich an der Oberfläche zu zeigen. Als dann die Fotografie kam, wollte ich auf einmal alles aufsaugen, festhalten, abspeichern, denn ich wusste ja, an wie wenig ich mich nur noch erinnern konnte und wie verwaschen die Bilder in meinem Kopf waren.

Was ist aus dieser Geschichte aber für ein Reisetyp aus mir geworden? Ich würde mich selbst jetzt einmal in den recht weit gefassten Begriff des „Flashpackers“ einordnen. Ich bin bei weitem nicht mehr so heikel bei der Entscheidung für eine Übernachtung, als ich es war – als ich für 2 Wochen an einem Ort gebucht habe. Die Tendenzen gehen vermutlich aber dennoch eher zum Posh- als zum Backpacker. Ich habe leider viel weniger Urlaubstage im Jahr als mir lieb ist und während diesen will ich mich nicht einschränken. Ich verfluche mich ein bisschen dafür, dass ich die Zeit verpasst habe, als ich Zeit hatte und eben nicht besonders heikel war. Ich habe (leider) aus verschiedenen Gründen nie gelernt, als Camper und Backpacker unterwegs zu sein. Ich liebe das Reisen, aber nicht ohne ein bisschen Komfort. Wichtigstes Kriterium ist dennoch: am Ende etwas mehr von der Welt erlebt zu haben. Dafür gibt es für mich zwei Varianten: auf eigene Faust oder mit dem Schiff. Denn wenn die Route passt, kann man in doch recht kurzer Zeit sehr viele ganz wunderbare Eindrücke mit nachhause nehmen – und danach jederzeit individuell wiederkommen, wenn es einem besonders gefallen hat. Es ist herrlich, jeden Tag wo anders aufzuwachen – und das ganz entspannt. Darauf, dass man sich Zeit und Ort nicht aussuchen kann, kann ich mich gut einstellen. Es ist aber nicht für alles das richtige und es gibt viele Orte, die man besser anders bereist. Ich liebe es genauso, individuell unterwegs zu sein, niemanden zu haben, der mir sagt, wann ich wo sein muss. Ich will in dieser Zeit ein Maximum von allem, denn es sind diese Augenblicke, in denen man Momente sammelt.

Nachtragen möchte ich die Blogparade gerne noch bei Larsfriedrich, weil es einfach so ganz genau zum Thema „Ferien meiner Kindheit“ passt.