Wien im Glas: die Votivkirche & Anleitung zur Nutzung des Seelenschlüssels: wie geht Traumdeutung auf psychologischer Basis?

Seit Wochen ringe ich mit mir, weil ich einen Text schreiben will, der sich aus einem Gefühl speist, doch dieses Gefühl will sich nicht und nicht in Worte zwängen lassen. Vielleicht ist es nicht reif, denn dieses Sträuben der Worte kenne ich sonst nicht, üblicherweise tanzen sie vor meinen Augen während sie sich im Moment in den Windungen meines Gehirns zu verstecken scheinen. Ein anderes Gefühl sagt mir aber, dass ich schreiben will und dass ich mich hinsetzen und die Ruhe finden soll, damit die Worte sich ans Licht wagen.

Also versuche ich es zum zweiten Mal. Beim ersten Mal entstand ein sehr sachlicher und distanzierter Text über das Unbewusste, vielleicht, weil ich das Gefühl habe, euch erst einmal vertraut machen zu wollen mit dem Thema, das bei mir so präsent ist. Für mich ist es normal, mit Dingen um mich zu werfen, die sich für andere vielleicht wie ausgemachter Humbug anhören. Doch was will ich euch, was will ich mir mit diesem Text eigentlich sagen?

Es geht mir ein wenig darum, festzuhalten, was in meinem Leben grade ein großes Thema ist. Da es sich aber hier um meine innersten Dinge dreht, ist es auch für mich ein Balanceakt, nicht zu viel und nicht zu wenig zu erzählen. Um überhaupt drüber schreiben zu können ist eine Art Einleitung notwendig, denn auch bei mir war es ein Entwicklungsprozess und um zu verstehen, womit ich mich heute viel beschäftige ist es hilfreich, wenn man das theoretische Konstrukt kennt, auf Basis dessen ich an und mit mir arbeite. Wer es interessant findet, der kann vielleicht für sich etwas daraus mitnehmen, wer nicht, sieht sich einfach die Bilder an 🙂

Wie manche von euch wissen, schreibe ich so nebenbei bei Bedarf ein gänzlich anonymes Traumblog (wer die URL wissen möchte, der schreibe mir bitte. Aus google-technischen Gründen will ich das hier nicht verlinken). Ich habe damit angefangen, weil ich in meinem Leben schon oft genug die Erfahrung gemacht habe, dass Träume der Schlüssel zum Unbewussten und damit zu den dunklen Kammern der Seele sind. Träume aufzuschreiben und zu analysieren ist für mich Hobby und Therapie gleichzeitig. Sie sind so spannend und aufregend und verraten so viel!

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Ob ich mich an Träume erinnere oder nicht ist zum einen Übungssache, aber zum anderen auch phasenspezifisch. Es gibt Zeiten, da erinnere ich mich wochenlang nicht einmal an einzelne Fragmente, während es dann wieder Wochen gibt, in denen hintereinander intensive Geschichten stattfinden, an die ich mich noch Stunden nach dem Aufwachen erinnere. Früher habe ich mich sehr viel mit meinen Träumen beschäftigt, aber aus welchen Gründen auch immer hat das aufgehört. Letztes Jahr, während meines ersten Reha-Zyklus, hat das intensive Träumen wieder begonnen – und damit ein Prozess der immer noch andauert.

Traumdeutung: warum mir Google nicht sagen kann, was mich beschäftigt

Traumdeutung ist nämlich ganz und gar nicht so ein esoterisches Instrument , wie sie manchmal daherzukommen scheint, wenn man sie ernsthaft betreibt. Die Wissenschaft ist sich in vielem was das Thema betrifft uneinig, aber eines wissen sie alle: Träume dienen dazu, Erlebtes zu verarbeiten. Und wenn sie das tun, enthalten sie Informationen, die man extrahieren kann. Um sich ernsthaft mit seinen Träumen auseinanderzusetzen gibt es nun zwei „Grundgesetze“:

  1. Traumdeutungen aus Büchern oder aus dem Internet sind niemals allgemeingültig. Eine Antwort darauf, was der Traum für uns bedeutet, finden wir nur in unserem Inneren. JA, es gibt gesellschaftlich konnotierte Systeme und JA, aus diesem Grund KÖNNEN Dinge etwas bedeuten, das sie auch bei anderen bedeuten. Müssen sie aber nicht.
  2. Niemand außer uns selbst kann unsere Träume deuten. Menschen, die uns gut kennen oder Menschen, die etwas davon verstehen, können uns auf diesem Weg unterstützen, aber sie können niemals eine allgemeingültige Antwort geben. Ob eine Interpretation stimmt oder nicht merkt man am Gefühl. Wenn man etwas enschlüsselt hat, „fällt einem die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen“. Ein „hm, könnte sein, ja, vielleicht“ deutet meist eher darauf hin, dass es nicht der Kern der Sache ist.
Träume sind wie Motive in Glaskugeln. Verzerrt, verdreht und irgendwie befremdlich. Man muss sie erst zerpflücken, auf den Kopf stellen, näher rangehen, bis man die Geschichte erkennt.

3 Schritte-Anleitung, um meinen Traum selbst zu entschlüsseln

(ich musste grade selbst über meine Zwischenüberschrift lachen)

Wenn aber das Internet und andere Menschen uns nur bedingt helfen können, wie können wir uns selbst helfen? Es gibt ein paar einfache Anhaltspunkte, mit denen man sich auseinandersetzen kann und die durchaus Aufschluss geben können:

  • Die Verbindung des Traums zum realen Leben kann nur über das Gefühl hergestellt werden, darum ist die wichtigste Frage, die man sich auch selbst immer gleich stellen kann: was habe ich dabei empfunden?
  • Ein weiterer Punkt ist die Zeit: je länger der Traum vorbei ist, umso mehr verblasst er. Das gilt manchmal schon nach wenigen Minuten. Wenn ihr aufwacht und euch an etwas erinnert, dann erinnert euch bewusst. Am besten erzählt ihr jemandem, was ihr geträumt habt oder schreibt es gleich (!) auf. Lasst euch hierbei nicht von Lebewesen, Gegenständen oder anderen widersinnigen Dingen irritieren, die ihr zu erklären versucht. Erzählt oder schreibt, wie es euch grade in den Sinn kommt, die Wortwahl kann wichtig sein. Aus dem unhinterfragten Schreiben entstehen oft Worte und Formulierungen, die später beim Entschlüsseln helfen.
  • Am gefinkeltsten ist es, hinter dem manifesten Trauminhalt (der „Geschichte“, die sich abspielt) den latenten Trauminhalt (den Gedanken/das Gefühl, der/das dahintersteckt) zu entdecken, denn unser Unbewusstes gibt sich redlich Mühe, den wahren Gehalt zu verstecken. Träume dienen dazu, Erlebtes unbewertet zu verarbeiten. Damit das gelingt, muss das Unbewusste diese Kniffe anwenden, sonst würden wir uns am Morgen danach nur selbst verurteilen und unser Unbewusstes hätte noch mehr zu tun. Es passieren also verschiedene Mechanismen wie Verdichtung, Verschiebung und Symbolisierung, durch die das Grundthema, um das es eigentlich geht, verzerrt wird. Um dieses Puzzle im Bewusstsein wieder zusammenzusetzen, müssen wir den Traum in die kleinstmöglichen Einzelteile zerlegen und diesen Elementen Bedeutung geben – und dafür braucht es vor allem Übung.
Der latente Trauminhalt verbirgt, wie dieser Baum, den manifesten Trauminhalt, das Haus. Manchmal muss man sich durch die Zweige wühlen, unten durch ducken oder aber einen Schritt weit weg gehen um den Blick auf das relevante Thema freizulegen.

Traumdeutung: Wieso, weshalb, warum?

Dazu denke ich gibt es zwei verschiedene Ansätze:

Der eine ist: Neugierde. Weil man Interesse an diesem Thema an sich und an seinen inneren Vorgängen hat und wissen möchte, was da drunter alles so los ist. Es ist spannend, sich selbst zu einer Art Forschungsobjekt zu machen. Aber Vorsicht: es kann durchaus passieren, dass man auf dieser Forschungsreise über Erkenntnisse stolpert, die schmerzen und die einiges aus dem Gleichgewicht bringen.

Der zweite Ansatz, der vermutlich weiter verbreitete: etwas im Leben funktioniert nicht, wie es könnte/sollte. Irgendwo hakt es. Man steht immer wieder am selben Punkt, sei es beruflich, in der Beziehung, mit der Familie, mit Freunden oder der Gesundheit. Man spürt, dass irgendetwas nicht stimmt, man denkt sich „wieso passiert das immer mir?“. An diesem Punkt stand ich selbst und da kann ich definitiv aus eigener Erfahrung sagen: die Reise wird anstrengend. Aber ich weiß, dass sie sich irgendwann gelohnt haben wird.

Eines darf man jedoch nicht vergessen, eine Binsenweisheit, die viel Wahres enthällt:

Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

Aber es ist eben tatsächlich der erste Weg. Der Weg, der nicht außen vorbei, drumherum drunter durch oder oben drüber verläuft, sondern mitten durch.

Dinge zu verstehen bedeutet nicht, dass sie gelöst sind. Aber erst mit dem Verstehen lässt sich das ganze Bild sehen und erst wenn man das ganze Bild kennt ist ein ehrliches und langfristiges, bewusstes Lösen möglich.