Die Suche nach dem perfekten Kamerarucksack: der Manfrotto Off road

Die Suche nach dem perfekten Kamerarucksack gestaltet sich für Perfektionisten wie mich ebenso schwierig wie die Suche nach dem heiligen Gral (und nein, ich übertreibe keineswegs!). Seit ich mich im Besitz einer Spiegelreflexkamera mit mehr als einem Objektiv befinde, suche ich ihn. So landete ich im Jahr 2008 bei der Marke Crumpler und kaufte mir damals bei der Geschäftsauflösung des Wiener Stores einen stark reduzierten, knallroten „Muffin Halftop“, von mir später liebevoll „unser Marienkäfer“ genannt. Er leistete uns viele Jahre gute Dienste, doch irgendwann wird so ein Teil einfach grindig, Zippverschlüsse fangen an zu zwicken und da und dort beginnen die Macken halt doch mehr zu nerven. Also die Entscheidung: es soll ein Neuer her. Nur: leichter gesagt als getan. Die Odyssee begann.

[Dieser Beitrag ist NICHT gesponsert und beschreibt einfach meinen Recherche- und Erfahrungsprozess. Nachdem die liebe Daniela gefragt hat, wie sich denn der „Neue“ so macht, dachte ich, ich mache einfach einen Rezensions-Post draus.]

Die größten Mankos des Crumpler Rucksacks waren für mich folgende:

  • Er hat keine Stativhalterung und ist daher für gewisse Touren in Wahrheit unbrauchbar. Denn für Sternenhimmel- oder Lightpaintingbilder oder Langzeitbelichtungen aller Art ist ein Stativ nunmal unerlässlich und das Teil will man ja auch nicht unbedingt in der Hand herumschleppen.
  • Es gibt keine wirklich vernünftige Möglichkeit, eine größere Wasserflasche unterzubringen.
  • Er hat keinen Hüftgurt, was langes Tragen anstrengend macht.
  • Für zwei Personen und einen Tagesausflug ist er einfach zu klein.
  • Er hat außenrum keine weiteren Fächer und für mich damit eigentlich um Ordnung zu halten zu wenig Unterteilungen.

Die daraus abgeleiteten Anforderungen an „den Neuen“:

  • Der Rucksack muss eine Kombination aus Kamerarucksack und Daypack sein, wobei das Daypack ein gewisses Platzvolumen beinhalten sollte, aber auch nicht so groß, dass ich ihn im Fall des Falles nicht tragen kann (meistens trägt der Herzjunge den Rucksack, damit mein Rücken nicht zusätzlich leiden muss – daher muss auch meistens einer für beide reichen).
  • Es wäre schön, wenn er die Features eines Wanderrucksackes hätte mit Regenschutz, guter Tragefunktion und Belüftung, Hüftgurt, verstellbarem Brustgurt (damit er uns beiden passt).
  • Er soll eine knallige Farbe haben, damit wenigstens einer den anderen im Urlaubsstädtereisengewusel anhand des Rucksackes auch aus etwas größeren Entfernungen erkennen kann.
  • Er soll einen einfachen Zugriff haben, damit man nicht immer den ganzen Rucksack runternehmen und abstellen muss, um die Kamera rein- und rauszugeben oder Objektiv zu wechseln (nervt!).
  • Er braucht eine Stativhalterung und Platz für Wasser, sowie viele kleine Fächer, dass Reiseunterlagen, Dokumente, etc. sinnvoll verstaut werden können, ohne dass man auf jeder Rolltreppe Angst haben muss, beklaut zu werden.
  • Das ganze soll einen annehmbaren Umfang haben – nicht gleich groß sein wie ich! (wir haben einen „Riesen“ daheim, wenn wir wirklich Fototouren unternehmen wo wir unser ganzes Equiptment brauchen – den Lowepro Rover pro 45l – der ist allerdings definitiv nicht alltagstauglich!)

Am Ende waren 4 Modelle in die engere Auswahl gekommen:

  1. Lowepro Photo Sport 200 in knallorange
  2. Mantona Elements Outdoor Rucksack in limette
  3. Crumpler Proper Roady Halftop in grau/orange
  4. Manfrotto Off road in grün

Ich denke ehrlich gesagt, dass alle 4 wirklich gute Rucksäcke wären und weitgehend unseren Anforderungen entsprochen hätten. Ein paar Details waren dann allerdings ausschlaggebend, dass es der Manfrotto Off road geworden ist:

Er ist ein Stück größer als die anderen drei aber die kleineren sind nicht wesentlich leichter (nur der Lowepro mit 1,4kg, der Manfrotto wiegt leer 1,9kg). Daher ist aber deutlich mehr Platz für Kamera und Objektive im Kamerataschenabschnitt und wir haben grade auf Reisen für Tagestouren einfach mehr Platz für Wasser und zusätzliches Gewand.

Außerdem ist das Kamerafach vollständig vom oberen Teil abgetrennt, das heißt, dass weder kleine Gegenstände noch Brösel o.Ä. durchrutschen können. Dennoch ist es möglich, die Kameratasche zu entfernen und die Trennung zu öffnen und den Rucksack als vollständigen Wanderrucksack zu nutzen.

Der Rucksack hat ein besonders schlaues kleines Gimmick: zwischen Brust- und Bauchgurt ist eine weitere Halterung befestigt – diese dient dazu, die DSLR zu stabiliseren, wenn man sie um den Hals hängen hat, damit sie nicht immer so nervig herumbaumelt.

Bisher habe ich nur ein einziges Manko für mich feststellen können: es fehlt ihm eine Art „iPad-Fach“ oder Ähnliches, wo man ausgedruckte Unterlagen oder eben Tablets gut geschützt unterbringen kann. Zur Not lässt sich das aber zwischen Rücken und Kameratasche unterbringen, da diese zumindest A4 breit und lang ist. Dort ist es zusätzlich noch gut diebstahlgeschützt.


Auf unserem Abstecher nach Garmisch Partenkirchen hatten wir nun auch die Möglichkeit, den Rucksack ausgiebig zu testen. Unser Fazit:

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Das Daypack ist angenehm groß und ausreichend für einen Tagesausflug an Wasser und auch Gewand, damit ist der gewünschte Zweck erfüllt.

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Der Regenschutz ist gut untergebracht und das kleine Fach auf der Innenseite des „Deckels“ außerdem ein gutes „Versteck“ für den Pass.

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Das Kamerafach ist gut dimensioniert. Wir waren unterwegs mit meinem Kit (Nikon D7200, Nikkor 18-200mm), drei Graufiltern in der Verpackung, einem Selbstauslöser und der Canon G 1 X, die wir hier untergebracht haben. Alternativ hätte die Nikon mit zwei Wechselobjektiven oder einem Objektiv und einem Blitz ebenfalls Platz. Oben halten meine Finger ein flaches Zusatzfach auseinander, das sich für Papierkram eignet, wenn man damit leben kann, Buchungsunterlagen und Reiseunterlagen eventuell einmal in der Hälfte zusammenzufalten – das Ursprungs“manko“ ist damit also auch praktisch gelöst.

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Auf der Seite lässt sich problemlos eine große Wasserflasche verstauen und der Hüftgurt hat ebenfalls nochmal jeweils ein kleines Fach pro Seite, gut für Schlüssel o.Ä., das man schnell greifbar haben will.

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Der Herzjunge war mit dem Tragekomfort sehr zufrieden, der Rucksack ist eher hoch als dick und legt sich damit gut an den Rücken an, behindert also auch bei etwas wackligeren Tätigkeiten nicht wirklich – was ein (relativ unvernünftiger und leichtsinniger) ungesicherter Aufstieg zum Gipfelkreuz der Zugspitze demonstriert.

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PS: Natürlich hat er einen Namen. Er ist unser Flip!


Wer von euch – wie ich – bei Fotorucksäcken die eierlegende Wollmilchsau sucht, dem empfehle ich auf jeden Fall, wenn euch ein Modell interessiert, auf Youtube nach Videos danach zu suchen. Es ist oft schwierig, sich den Rucksack anhand der Produktfotos wirklich gut vorzustellen. Mir hat das sehr geholfen, weil ich so einen besseren Eindruck von Größen und Dimensionen bekommen habe. Leider gibt es ja – zumindest hier bei uns – keine Geschäfte mit entsprechender Auswahl, besonders die Kombination aus Fotorucksack und Daypack scheint mir ein Nischenprodukt zu sein, das in physischen Stores eigentlich nirgends geführt wird.