Herbstspaziergang in meinem Föhrenwald

Der Herbst ist die Jahreszeit, zu der ich all meine Lieblingsorte besuchen möchte. Vielleicht kennt ihr das, diese Plätze, an die man einfach mehrmals im Jahr – wenn die Umstände es zulassen – zurückkehren will. Der Schwarze Turm bei Mödling ist einer dieser Plätze. Durch seinen Namen fasziniert er mich seit ich als Kind zum ersten Mal dort vorbeigekommen bin. Lange wusste ich nicht wirklich, wie ich ihn finden kann, aber seit ich den Weg nun kenne, komme ich wenigstens 1, 2x im Jahr vorbei und statte ihm einen Besuch ab.

Der Schwarze Turm und all seine Wege rundherum sind mein „Heimatwald“. Ich erreiche ihn in etwa 20 Minuten Fußweg vom Haus meiner Eltern. Es ist der Wald, der mir vertraut ist, obwohl ein Wald mit all seinen Geräuschen für mich immer etwas Fremdes hat. Es ist ein heller Wald, weil er vorwiegend aus Föhren besteht. Die Wege sind gesäumt von Nadeln, die die Schritte dämpfen.

Ich war so oft in diesem Wald und mit verschiedenen Menschen. Es ist mein Familienwald, denn ich war immer schon mit meinen Eltern auf den Wegen rund um die Burg Liechtenstein spazieren. Ich habe Stunden um Stunden damit verbracht, mit meinem Opa kreuz und quer über die Wege zu flanieren, das „Vornamen-Spiel“ zu spielen und Liebeskummerverarbeitung mit ihm zu betreiben. In diesem Wald, auf einer kleinen Lichtung spielte sich die Geburtsstunde meiner Liebe zur Fotografie ab, denn dort entdeckte ich auf meiner uralten Panasonic Lumix die Tiefenschärfe im Makromodus, die den Grundstein für alles andere legte. Der Wald inspirierte mich zu meinen ersten Texten im Episodenfilm, die metaphorisch den Abschied meiner ersten Beziehung begleiteten. In dem Sommer, als ich alleine war, ging ich dort in den Wald, um bewusst mit mir alleine zu sein, und fand meine Kraft, mein Ich und meine Lebensfreude wieder.

Es gibt diese Orte, die nach außen hin für viele nichts besonderes sind und für einen selbst eine kleine Welt bedeuten.