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Pia sehen und sterben pt. II (Amsterdam: Details)

Amsterdam im Spätherbst ist eine melancholische Sache. Die Tage sind kurz, nass, dunkel, düster, die Sonnenstrahlen kurz und voller bunter Spiegelungen in den Grachten. Zwei mal habe ich es nun schon erlebt, zum ersten Mal für ein paar Stunden, zum zweiten Mal für ein paar Tage – und am liebsten wäre ich geblieben.

Amsterdam ist ein spezielles Universum, ein kleiner Kosmos in der Idee Europa. Es ist die Stadt, in der die Fahrpläne öffentlicher Verkehrsmittel nie aktuell sind, weil dort ohnehin alle mit dem Rad fahren – und es scheinbar niemand eilig hat. Es ist die Stadt von Tulpen und Space Cakes, von Bier und heißen Waffeln, von Pommes und Hausbooten. Es ist die Stadt von Rembrandt und Anne Frank. (Es ist die Stadt von Pia und der Kunstgalerie Douwes Fine Art – doch davon wusste ich im letzten Jahr noch nichts.)

Amsterdam ist die Stadt, in der du sein kannst, was du willst. Hauptsache es ist unkonventionell. Oder auch nicht. Eigentlich egal. Hauptsache mit Käse.

Wenn du soviel Du sein willst, dann geh bitte in dein Zimmer.

Wenn du so bist, wird dich niemand mehr mögen.

Sorge dafür, dass du niemals über- sondern immer nur unterschätzt wirst. Behaupte nie dass du etwas kannst das du nicht kannst.

Ich bin nicht „meant to be“. Ich passe nicht, kein Platz für mich.

Sei nicht immer so laut.

Vermeide es um jeden Preis Fehler zu machen.

Wirtschaft = Leistung = (Geld = Wert =) Leben.

„People always leave.“

Sei lieber vernünftig!

Empfinde immer nur soviel, wie du zu verlieren verkraften kannst.

Gefangen

In einem Käfig
dessen Gitterstäbe
Menschen sind

Menschen
die mich lieben

und fordern

(paleika, 2007)

 

Hallo Winter!

Endlich bist du da.
Wo warst du so lange?
Ich habe dich sehr vermisst.
Das Feuchte, das durch jeden Mantel, durch jeden Schal, durch jeden Handschuh dringt.
Die Kälte, die sich durch und durch frisst.
Das Graue rundherum, das keinen Horizont erkennen lässt.
Deine trübe Stimmung von außen, denn so merke ich sie nicht mehr von innen…

(paleika 2007)

Aus Angst, kleiner zu werden, hören wir auf zu wachsen. Aus Angst zu weinen, hören wir auf zu lachen.

(Paulo Coelho)

<Was weißt du? (aus: Next to normal)> <My Secret (aus: Ein wenig Farbe)>

Es ist ungewöhnlich für mich zuzulassen, dass ein Mensch, der nicht einmal weiß, dass ich existiere, etwas in mir auslöst, emotional etwas in mir bewegt. Manchmal bedarf es jedoch ungewöhnlicher Dinge und neuer Wege, um neue Ergebnisse zu erhalten (so etwas Ähnliches sagte wohl mal Einstein). Ich bin unendlich dankbar, dass durch dieses Konzert und die vielen Interviews, die ich danach gesehen habe, Fragen und Antworten aufgetaucht sind und eine Brücke entstanden ist, eine Verbindung zwischen Kopf und Herz, die ich vor Jahren gekappt und seit so langer Zeit gesucht hatte. Auch wenn sie dunkel sind.

Happy birthday Pia!

Von Paleica

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

25 Antworten auf „Pia sehen und sterben pt. II (Amsterdam: Details)“

„Fass‘ den Entschluss dich zu heilen“ – eine Liedzeile aus Next to Normal, das ich grade rauf und runter höre – ist mir grade sehr nah am Herzen und dem „befreien“ wohl ähnlich 🙂

„Amsterdam ist die Stadt, in der du sein kannst, was du willst. Hauptsache es ist unkonventionell. Oder auch nicht. Eigentlich egal. Hauptsache mit Käse.“ *lol*

Was hält dich ab, in Amsterdam zu bleiben, wenn du dich dort so frei fühlst?

wenn es sich mal ergibt, sofort. im moment: dass ich endlich ein ziel habe und hier meine psychotherapieausbildung mache. zumal ist das eine metapher für mich, ein gefühl, ich bin nicht unbedingt überzeugt, dass die realität dann ebenso aussehen würde 😉

… und jetzt – nach Deinem Beitrag – will ich noch mehr nach Amsterdam!!! Wir waren ja kürzlich einige Tage auf einem Hausboot in London. Das schwebt mir auch für Amsterdam vor … irgendwann … nur nicht auf die gaaaanz lange Bank schieben! Lieben Gruß
Antje

oh ein hausboot, ja, das will ich auch unbedingt mal machen. amsterdam läuft wahrscheinlich nicht weg, aber dennoch ist es immer schön, solche wünsche zu zielen zu machen und sie einzuplanen. tu das unbedingt!

Ich bin ein wenig verwirrt, und auch auf die Gefahr hin mich zur Idiotin zu machen: Wer ist denn diese Pia? Bist das du einmal gewesen? Noch immer? Oder eine nicht existente Person in deinem Kopf? Oder doch dein 2. Ich? Und sie hat heute Geburtstag? Oder du? Ich bin verwirrt!😩
Amsterdam schaut super schön aus.💕

Wenn du magst lies Mal in den Artikel „Wenn ich nicht offen bin, wer bin ich dann“ rein – da hab ich über sie geschrieben, drum jetzt nur mehr so die Referenz auf ihren Vornamen.

Liebe Paleica,
beeindruckender Artikel, sowohl in Bild wie auch in Worten.
All diese belehrenden (einengenden) Sätze haben wir doch irgendwann einmal im Laufe des Lebens gehört und (leise) verflucht. Stets sind wir auf der Suche nach den echten Werten, nach einem Platz für uns, nach einem Gefühl, das wir nicht in Worte fassen können.
Jeder von uns hat einen Sehnsuchtsort, Deiner ist Amsterdam, aber Du weißt, dass Du auch dorthin Deine Sehnsucht mitnehmen würdest….und das ist gut so.
Ich wünsche Dir einen angenehmen, unbelasteten Start in die neue Woche,
herzlichst moni

ja du sagst es liebe moni, ich glaube auch, dass das eine art lebensweg ist, etwas, das man immer wieder aufs neue sucht, vermutlich, weil es sich nunmal auch verändert. das gefühl, das wir nicht in worte fassen können – das ist gerade so stark präsent bei mir, dass es mir manchmal die luft zum atmen nimmt.

Sehr schöne Worte und echt ein toller Text. Passt irgendwie auch perfekt zu Amsterdam. Die Stadt möchte ich wirklich sehr gerne Mal besuchen. Der Reiseführer steht schon hier, nur leider mussten wir vor ein paar Jahren den Trip absagen und haben ihn irgendwie noch nicht nachgeholt… 😉
Die Stimmung muss im Herbst dort sehr schön gewesen sein!

ach das wird schon irgendwann. amsterdam wird ja wohl nicht davonrennen 😉 aber ich drücke dir auf jeden fall die daumen, dass du es bald schaffst. die stadt lohnt sich echt so sehr und ja, der herbst ist wunderbar, obwohl es ziemlich nasskalt ist, aber das kennst du ja aus dem norden.
danke auch für die worte zum text. ich merke, wie mir das schreiben gerade wieder sehr sehr gut tut und sehr wichtig ist.

Deine Bilder von Amsterdam sind großartig. Teilweise melancholisch und passen zu den krassen Zitaten und Verse. Hoffe, du hast sie nicht wie ein Mantra verinnerlicht.Hast mich auch daran erinnert, dass ich in meiner dunklen Phase solche Texte gesammelt habe. Wozu das gut war, weiß ich bis heute nicht…

Liebe Grüße!

ach weißt du, diese worte sind schon alle sehr stark in mir verankert. aber eigentlich sind sie nicht ich. sie sind fremdkörper, die sich irgendwie in meiner seele verhakt haben und die ich gerade versuche, zu entwirren und loszulassen. ich glaube, in solchen phasen tut man dinge, die man in dieser zeit eben braucht. das folgt nicht immer einer kognitiven logik, aber es ist schon gut, dem zu dieser zeit nachzugeben…

Aus Angst, kleiner zu werden, hören wir auf zu wachsen. Aus Angst zu weinen, hören wir auf zu lachen.
Angst vor wem? Mesnchen die dich nicht verstehen? Dir Grenzen setzen wollen?
Bitte, bitte bitte nicht!

angst vor? ich weiß nicht, wer weiß das schon. vor sich selbst, oft, vor ablehnung, vor kritik. es ist etwas, das mich lange lange blockiert hat. zum glück hat das aufgehört, aber es war einmal wichtig, darum musste es hier auch mit rein.

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