Pia sehen und sterben.

Was für ein dramatischer Titel. Aber manchmal braucht es dramatische Titel, wenn man sich dramatisch fühlt. Ich fühle mich dramatisch. Keine Hormone. Keine Chemie. Keine Modi mehr um weiter zu schlucken, zu unterdrücken. Nur ich. Pur und ungefiltert. Nach all den Jahren.

Seit meinem letzten Beitrag hat es sich tatsächlich nicht ganz vermeiden lassen, den Kopf ein wenig zuzuschalten, die Blase zu verlassen, in der ich mich seit der konzertanten Aufführung von Elisabeth befand. Ganz vorsichtig habe ich mich in den Stunden schlafloser Nächte den Gefühlen genähert und sie versucht mit Erinnerungen zu verbinden. Das ist mir manchmal gelungen. Manchmal auch nicht.

An manchen Abzweigungen, an denen ich in Gedanken wieder stand, formten sich silhouettenartige Erinnerungen, aus denen Bilder wurden. Andere blieben grau und schwammig.

Nur eines ist klar: das Atmen fällt schwer, die Luft ist schwarzer Samt, ich schwebe, ich schwimme, ich sinke, diese dunkle Materie ist immer da, gleich hinter mir, wenn ich einen Moment innehalte berührt sie mich, breitet sich über mir und in mir aus.

Darum laufe ich wenn ich kann. Manchmal schneller als ich es kann. Weil ich nur so Abstand gewinne.

Es ist alles wieder da, wie damals, als wäre es gestern gewesen, obwohl es Jahre her ist. Dieses Gefühl ist so vertraut, auf eine schräge Art ist es wohligwarm, wie es immer mehr die Luft abschnürt.

Was ist es nur? Wem gehört es bloß? Meines ist es nicht, obwohl ich es so gut kenne. Es ist nicht mein Verlust, es ist nicht mein Schmerz und doch gehört es zu mir.

Ich begrüße die Wolke wie einen alten Freund, es ist ein Nachhausekommen in eine Intensität, die ich lange vermisst habe. Es ist echt und authentisch ich, es ist das Dunkel in bunt. Ich tauche ein, ich schwimme, ich schwebe, ich sinke.

 

Verfasst von

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

40 Kommentare zu „Pia sehen und sterben.

  1. liebe paleica, das sind so unfassbar schöne fotos, wow. ich bin voll geflasht. 🙂
    ich weiß nicht genau, wo du emotional gerade bist, es liest sich suchend und
    vielleicht hast du (dich) inzwischen wieder ganz gefunden. es liest sich auch
    friedlich und liebevoll, obwohl oben „dramatisch“ drüber steht, aber etwas
    daran oder darin hat einen anderen klang, und der ist sehr, sehr schön. ich
    schicke dir ganz liebe grüße. hab einen grandiosen tag. alles liebe.

    1. ach meine liebe, danke dir so sehr für deine worte! ja, es ist mit sicherheit viel suche dabei, aber auch viel erkennen. es ist auch mit frieden verbunden, das stimmt sicher. ich finde es wirklich schön, was du zwischen meinen worten spüren kannst. es ist aber auch grade sehr viel schmerz dabei, der für mich grade viel überlagert. aber im moment muss er glaub ich da sein, weil ich ihn für etwas brauche, auch wenn ich noch nicht weiß, wofür, wozu und wohin.

  2. Liebe Paleica, es klingt nach einem guten Weg für dich. Einmal ganz tief runter in die übelsten Gefühle, um dann aufzutauchen und sie haben ihre Schwere für immer verloren. Kann das?
    Alles Gute weiterhin und liebe Grüße, Annette 🙂

    1. liebe annette, im moment weiß ich das noch nicht. ja, es ist die hoffnung, das licht, das durchscheint, ein weg zeichnet sich noch nicht direkt ab für mich, aber er wird kommen.

  3. Liebe Paleica,
    in Deinen Bildern hast Du alles eingefangen, alles ausgedrückt, was Du versuchst, in Worte zu fassen. Das ist eine Kunst, eine Gabe….Du solltest sie pflegen und nicht nach Worten suchen, wenn Du eine andere, viel bessere Möglichkeit hast, Deine Empfindungen auszudrücken.
    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du bald wieder jeden Tag als Chance sehen kannst und Dich nicht treiben, versinken lässt.
    Herzliche Grüße
    moni

    1. liebe moni, es ist schön, dass du das so empfindest. die bilder sind ja schon eine weile älter, entstanden am 2. weihnachtstag 2017 und als ich diese worte und gedanken im herzen getragen habe, habe ich gefunden, dass sie gut dazupassen, das irgendwie ausdrücken.
      es kommen sicherlich auch wieder andere zeiten. manchmal glaube ich jedoch, dass man das versinken zulassen muss, um wieder schwimmen zu können.

  4. Welch ergreifende Worte, ich lese sehr viel Schmerz raus und etwas haltloses. Die Bilder dazu sind einfach unglaublich bewegend. 😢 Es stimmt mich traurig, irgendwie. Und doch auch ein wenig hoffnungsvoll. Ich hoffe dir geht es gut meine liebe. Vielen Dank nochmal für deinen so lieben Kommentar 💕 Deine Mailadresse müsste ich sogar noch haben. Doch geschrieben habe ich noch nicht, obwohl ich will, unbedingt, will ich doch so vieles, unbedingt, doch schaffe ich es nicht. Fühl dich doll umarmt.😘

    1. ja, all diese aspekte sind grade sehr stark ausgeprägt. aber ich glaube, sie sind die konsequenz eines sehr starren weges, an dem ich mich aus pflichtgefühl und entgegen meinem bauchgefühl in den letzten jahren angehalten habe. wenn man versucht loszulassen ist erstmal alles haltlos und das macht es auch so schwer, weil das ja auch immer die größte angst ist.
      du schreibst einfach, wenn es grade passt, gut? ❤

  5. Liebe Paleica,
    ich betrachte deine Fotos und lese deine Worte und spüre dass etwas in meine Seele damit in Resonanz geht.
    Ich erinnere mich an das Buch „ Der Sprung in den Brunnen“ von Hubert Halbfass ( wenn ich den Namen noch recht in Erinnerung habe) das ich vor sehr langer Zeit gelesen habe und an die Worte von Pierre Stutz, der in seinem Leben auch an den Punkt kam, dass er „zu Grunde ging“. Gerade er hat mir schon oft geholfen einen anderen Weg einzuschlagen, einen heilsamen Weg wie ich empfinde, Ängste und Emotionen die unangenehm sind nicht zu „umschiffen“ sondern hindurch zu gehen.
    Herzlichst Beate

    1. liebe beate, ich danke dir sehr für deine worte, ich finde es immer wieder schön und berührend zu lesen, dass meine texte ankommen und auch andere menschen solche situationen und gefühle kennen. mittendurch, das ist tatsächlich gerade der weg, den ich vor einiger zeit abgebrochen habe, weil ich es nicht aushalten konnte. aushalten, darum geht es viel im leben, das lerne ich auch im rahmen meiner psychotherapieausbildung immer wieder. und als ansonsten sehr aktiver mensch ist das oft eine der größten herausforderungen.

  6. Manchmal, in solchen Momenten, denke ich, dass es wichtig wäre in 100% teilen zu können. Aber das geht nicht. Man ist so tief in seiner eigenen Situation, das es KEINER schafft direkt neben einem zu stehen. Das geht ja auch nicht, weil man ja selbst überrascht ist so tief in sich zu sein. Isjaauchnichschlimm. Man bekommt so die Chance Dinge mit sich selbst zu klären und nicht nur in kurzen, oberflächlichen Momenten über sich selbst zu reflektieren. Eigentlich ein Geschenk.

    1. ja, eigentlich ein geschenk. eigentlich. da gebe ich dir absolut recht. in der situation selbst fühlt es sich allerdings meistens eher wie ein fluch an. das gute ist, dass das meistens irgendwann vergeht – und dann ist man immerhin hoffentlich einen schritt weiter.

  7. Oh wow!! Deine Bilder vom See sind einfach phantastisch! ♥
    Und die Beschreibung deiner Gefühle, dieses „sich gehen lassen“ ist schon grandios formuliert.
    Hoffe, du hast dich nicht lange „in der Tiefe“ verirrt…

    Liebe Grüße!

    1. es freut mich sehr, dass dir die bilder gefallen ❤ im moment brechen lichtscheine durch und zumindest kann ich sehen, wo oben und unten ist. ich bin also irgendwo dazwischen, zwischen schweben und sinken.

  8. Warum auch immer mag dich mein reader gerade nicht und dabei habe ich so wunderschöne Salzkammergutnebelbilder versäumt. Eine wahre Pracht und nicht mit diesem Filter, den du in letzter Zeit so oft verwendet hast und der mir so gar nicht gefallen hat. Ist natürlich Geschmackssache, diese Nebelbilder finde ich ungemein atmosphärisch. Ich hoffe aber sehr für dich, dass die Nebelin deinem Leben sich lichten mögen …

    1. oh das ist aber traurig 😦 also das mit dem reader. sehr komisch, warum das so ist kann ich mir gar nicht erklären, ich habe hier im vorder- oder hintergrund nix umgestellt.
      es freut mich jedenfalls, dass dir diese bilder hier gefallen, ich mag sie auch sehr. manchmal hat man phasen, wenn man bilder bearbeitet, da ist ein farbset, das irgendwie was in einem auslöst – und dann kommt auch noch die unterschiedliche darstellung auf den bildschirmen dazu. die meisten bilder, die ich zeige, habe ich ja schon vor über einem jahr bearbeitet und vermutlich würde ich es heute ganz anders machen. ist aber irgendwie für mich auch spannend zu sehen, dass sich das verändert.
      das mit dem nebel, ja, ich denke, er lichtet sich langsam, stück für stück, aber dahinter liegt ein riesen berg arbeit, der auf mich wartet und möglicherweise bleiben die dinge auch deswegen grade ein wenig verborgen, um mich nicht sofort zu erschlagen…

  9. Du machst eine große Veränderung mit, zu der dich dein Bauchgefühl geführt hat. So schmerzhaft diese Worte auch klingen, sie lösen in mir auch ein „richtiges“ Gefühl aus. Weil es sich richtig anhört, für dich.

    Und deine Fotos, meine Liebe, unterstreichen das alles wirklich unglaublich schön. Weiter oben schrieb jemand etwas von Gänsehaut – die hab ich auch bekommen.

    1. ganz lieben dank fürs lesen und deine worte, das bedeutet mir wirklich viel! und ja, du hast recht, es hat sich in den letzten wochen und monaten wirklich viel in mir bewegt. es war – wie du gespürt hast – sehr viel schmerz dabei, aber auch freude, es war ein wirklich „dunkelbunter“ cocktail an gefühlen, die es an die oberfläche geschwappt hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.