Das war 2019: so wie man plant und denkt so kommt es nie!

2019 begann für mich mit dem hehren Plan, wieder das perfekte Wort für mein Jahr zu finden, als Vorsatz, als Anhaltspunkt, als Wegweiser, als Richtwert. Am 7. Jänner des Jahres teilte ich also diesen Beitrag mit euch. Während ich mich 2017 in Gelassenheit übte und mir 2018 der Mut einiges an wunderbaren Erlebnissen bescherte, sollte sich dieses Jahr alles um die Balance drehen. Ein Plan, den ich im Mai als kläglich gescheitert angesehen hatte. Doch, wie der Titel schon sagt: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt und so erkannte ich, dass die Balance in meinem Fall nicht der Inhalt, sondern nur das Ergebnis sein konnte und sich mein Fokus auf etwas anderes würde richten müssen, um die so erhoffte Balance auch irgendwann zu finden.

Ich will einen Mittelweg finden zwischen „Ja“ und „Nein“ sagen. Konsequent sein im auf mich achten, im Zeit für mich finden und nehmen, Zeit dafür, zuhause zu sein, Zeit für all das, was es braucht, um bei mir zu sein, Zeit dafür, meinem Körper Gutes zu tun und meiner Seele und eine Ausgewogenheit finden, was ich für mich, für andere, für den Job und für die Uni mache. Meine Grenzen erkennen und ziehen, sie manchmal ausreizen, aber nicht immer bis ans Limit gehen.

…schrieb ich Anfang des Jahres.

Und die Zeit gut nutzen bedeutet eben nicht immer „soviel reinstopfen wie nur irgendwie geht“, sondern „sie mit den richtigen Dingen zu füllen“.

Das hatte ich ja schon längst erkannt. Nur dauerte es etwas, bis ich verstanden hatte, was denn nun „die richtigen Dinge“ für mich waren.

Ich möchte mich auspowern, aber auch einfach einmal nichts machen – ohne schlechtes Gewissen. Ich will Menschen treffen und alleine sein. Mich selbst besser kennen – besser verstehen – besser spüren.

Und ja, der Rest ist Geschichte. Es kam unsere Reise in die Provence und das Gefühl, dass es so nicht mehr geht, nicht gut für mich ist (mal wieder). Das Absetzen der Antidepressiva, das Konzert am 5. Juli und dann der große Bruch, der Schritt zurück, der Schritt hinein, der Blick aufs große Ganze und der endgültige Entschluss, den Weg zu gehen, der sich vor so langer Zeit zu zeigen begonnen hat und dem ich seither immer wieder ausgewichen bin.

Darum aber ist das Fazit dieses Jahres ein anderes, es ist nicht die Balance, nein, es ist die

Inspiration

Dieser Begriff taucht immer wieder auf wenn ich die letzten Monate rekapituliere und es ist offenbar das, was ich gebraucht habe, um wieder balancieren zu können.

Mit der Musik kamen die Gefühle und mit den Gefühlen der Schmerz, aber auch das Sehnen, der Wille, die Überzeugung und das Vertrauen und aus all dem die Inspiration endlich ja zu sagen zu dem Weg, den ich gehen will, zu dem Menschen, der ich sein will.

Nach dem Konzert am 5. Juli sagte ich zu meiner Kollegin: „Dieser Abend wiegt alles, was in diesem Jahr bisher schiefgelaufen ist, auf. Nur dafür hat sich all das gelohnt.“ und oh, ich hatte noch keine Ahnung, was es noch wirklich für mich bedeuten würde.

Ich habe meine Glaubenssätze und negativen Affirmationen ins Bewusstsein geholt und arbeite daran, sie auszutauschen.

<Wenn du so bist wird dich niemand mehr mögen.>

Wenn ich nicht offen bin, wer bin ich dann?

<Sorge dafür, dass du niemals über- sondern immer nur unterschätzt wirst. Vermeide es um jeden Preis Fehler zu machen.>

Hab‘ Vertrauen und bleib‘ dran!

<Ich bin nicht „meant to be“. Ich passe nicht, kein Platz für mich, mich bin zu laut.>

Ich gehör‘ nur mir!

<Wirtschaft = Leistung = (Geld = Wert = ) Leben>

Fass‘ den Entschluss frei zu sein.

<Sei lieber vernünftig!>

…dass auf einmal ein Wunder passiert!

2019 war eine Menge Schatten, aber auch so viel Licht.

Wenn Jahrzehnte zu Ende gehen, scheinen sie noch einmal voll aufzudrehen. Vor genau 10 Jahren habe ich hier einen Post veröffentlicht, ein Resumée der 00er-Jahre. Dass es Ende diesen Jahres an der Zeit wird, die 10er-Jahre zusammenzufassen, ist mir erst in den letzten Wochen bewusst geworden. Und gerade musste ich schmunzeln, denn die Einleitung dazu ist einem Text so ähnlich, den ich im Gefühlschaos dieses Sommers geschrieben habe. Ich bin einerseits so viel weiter als damals, aber ich bin immer noch ich – oder vielleicht endlich wieder.

In dem Post 2009 habe ich vom Vakuum geschrieben, das der Studienabschluss hinterlassen hat und die offene Frage in den Raum gestellt, wie es weitergehen sollte. 10 Jahre später gibt es darauf endlich eine Antwort.

2019 hat sich – im Gegensatz zu den Jahren davor – weitgehend im Inneren abgespielt. Ich habe kaum Bucketlist-Items abgehakt, wenig Fotos mit etwas anderem als dem Apfel gemacht, selten unter Wasser und gar nicht über der Baumgrenze geatmet. Ich stand auf keinen Brettern, saß auf keinen Kufen und habe auch sonst wenig social media-taugliche Erlebnisse zu verbuchen. Aber für dieses Jahr war all das, was ich nicht getan habe, genau das richtige.