Vom Fotografieren und Schreiben. Mit Bildern aus dem Salzkammergut 2018: Am Almsee

Unlängst – im Zuge meines Wort-Bild-Projektes – habe ich darüber nachgedacht, was Fotografie und Schreiben für mich bedeuten, was ich wofür warum brauche und nutze und was die beiden Ausdrucksformen mit mir machen.

Geschrieben habe ich quasi „schon immer“. Seit ich einen Stift halten kann und weiß, dass Buchstaben Wörter formen. Mein erstes Tagebuch begann ich mit 7 oder 8 Jahren und ich erinnere mich noch daran, dass ich meistens am Wochenende und oft über das Frühstücken geschrieben habe. Mit Buntstiften und quer über die ganze Seite, da das Buch nicht liniert war und das Setzen von Texten nicht zu meinen großen kindlichen Talenten gehörte. Inhalte vielleicht auch nicht, aber für die hegte ich trotzdem große Begeisterung. Ich schrieb bei jeder Gelegenheit und über alles mögliche. Irgendwann erhielten die Bücher, in die ich schrieb, Schlösser und wieder einige Zeit später wurden sie durch virtuelles Papier ersetzt.

Seitdem schreibe ich nicht mehr nur für mich, sondern immer auch für ein Publikum, ich schreibe um des Ausdrucks und des Austauschs wegen. Sowohl in der Schule, als auch hier, an diesem Ort. Ich schreibe darüber, was ich erlebe, was ich denke, was ich empfinde – und freue mich, wenn es jemanden interessiert, einen Gedankenanstoß gibt, etwas in meinem Gegenüber bewegt, aber der ursprüngliche Grund dahinter ist simpler Narzissmus: ich MUSS schreiben, weil es mich – wie ich in einem für mich sehr wichtigen Brief formuliert habe – ordnet und erdet. Ohne Schreiben verliere ich irgendwann den Überblick, den Halt, die Bodenhaftung und das Gefühl für mich selbst.

Die Fotografie hingegen kam erst viel später in mein Leben. Sie begann eine Rolle zu spielen, als viele düstere Flecken in meine Gefühlslandkarte Einzug hielten, die ich Angst hatte in Worte zu fassen oder für die ich keine Kraft mehr hatte, sie zu beschreiben. Anfangs koexistierten die beiden Medien, doch mit der Zeit schwand mein Mut, offen über das zu schreiben, was mich wirklich bewegte. Das Web 2.0 begann langsam, Identitäten zu verknüpfen, zuviele Menschen aus meinem „echten“ Leben könnten möglicherweise mitlesen und ich fühlte mich zu verletzlich, um ohne die frühere Anonymität des Internets offen und ehrlich zu sein.

Die Bilder ermöglichten mir trotzdem, mich mitzuteilen, auf eine jedoch wesentlich weniger angreifbare Art. Durch Motive und Farbwahl lässt sich viel Gefühl transportieren, aber ein großer Teil der Interpretation bleibt immer beim Betrachter – zumindest in meinem Fall. Ich weiß, dass das bei anderen Menschen anders ist, aber ich nehme nur wahr, was ich sehe, was mir begegnet. Alles, was ich fotografiere, war schon da. Ich verrate durch das Bild also nur, DASS ich es sehe, aber nicht WIE ich etwas sehe. Mit dem Schreiben ist das anders, denn während ich beim Fotografieren absichtlich versuche, mit möglichst wenig Technik einfach nur etwas abzubilden, das mich bewegt, arrangiere, drapiere und platziere ich beim Schreiben jedes einzelne Wort auf ein leeres Blatt Papier.

Fotografie ist ein Eindruck, schreiben ist ein Ausdruck.

Ich bin dabei, mir die Worte zurückzuerobern und ich merke, dass die Bilder dadurch ein wenig in die zweite Reihe rutschen. Aber das ist okay. Für mich. (Ich hoffe, auch für euch). Und deswegen war es auch Zeit für ein neues Logo. Weniger perfekt als das alte es war, das mir jemand gezeichnet hat, der das auch kann. Aber dafür so sehr meins – das Motiv, das ich am Schlüsselbein trage.