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„Ein Mensch ist auch ohne Leistung etwas wert.“

Nach der Reise hat sich etwas verändert. Auf einmal war da Endgültigkeit. Vom Weg, den ich eingeschlagen hatte. Ernsthaftigkeit. Vom Berufsleben ohne Ausrede zum Studieren. Gleichgültigkeit. Vom Kind des anderen. Vermeintlich – denn nichts ist endgültig und nichts ist ernsthaft und nichts ist gleichgültig – doch das konnte ich damals nicht wissen.

Das hatte ich in einem Artikel 2015 geschrieben, als meine persönliche Reise zurück zu mir selbst gerade wieder ihren Anfang genommen hatte.

„Fragen Sie sich, wer Sie sein wollen. Konzentrieren Sie sich nicht auf das jetzt, auf die Schmerzen, auf das Negative. Fragen Sie sich, wo Sie hinwollen und fokussieren Sie das. Sie brauchen ein Ziel.“

In diesem Beitrag hatte ich ein paar Zitate gesammelt und festgehalten, die mir von unterschiedlichen Personen gesagt wurden, die mir auf dieser Reise begegnet waren. An das eine oder andere erinnerte ich mich noch, als ich letztens über den Artikel gestolpert bin, andere las ich wie zum ersten Mal.

„Hören Sie auf damit, alles zu bewerten und in Empfindungen umzuwandeln. Nehmen Sie wahr – aber beurteilen Sie nicht. Sie können es ohnehin nicht ändern. Die Natur ist nicht dazu geschaffen, um beurteilt zu werden.“

Und ich hatte ein Fazit:

Ich habe ein Ziel. Ich will wieder werden wer ich bin. Begeistert. Fordernd. Melancholisch. Anstrengend. Rockergirl. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. Emotional, präsent, nachdenklich, reflektiert und sensibel, laut, den Kopf voller Pläne und das Herz voller Ideen. Ich bin kein stilles Bächlein, das langsam vor sich hinplätschert. Ich bin ein Wasserfall.

Wo stehe ich heute? Fünf Jahre nach diesem Artikel? Fünf Jahre nach sehr sehr vielen Erfahrungen und Entscheidungen? Es gab viel Licht, in dieser Zeit, aber auch viel Schatten. Es sollte noch dauern, bis ich einen Weg fand, die Schmerzen in den Griff zu bekommen, doch bis dahin hatte ich sukzessive gelernt, etwas besser damit klarzukommen und mein Leben anzuehmen als das, was ich eben gerade hatte, in der Überzeugung, dass alles wieder besser und mehr werden würde.

Zum Glück sollte ich mit diesem Optimismus recht behalten.

A Journey of thousand miles starts with a single step.

Auch eins dieser Zitate, das mich schon seit zwei Jahrzehnten begleitet. Zuerst ein Schritt und dann tausend Schritte, die mich langsam, langsam vorwärts gebracht haben. einen Weg entlang, der steinig war und durch dessen Dickicht ich nicht wirklich sehen konnte, aber trotz metaphorisch zerkratzten Armen und Beinen ging ich weiter und weiter, bis die Sicht besser wurde auf das, was ich selbst und mein Leben waren. Immer wieder gab es Meilensteine, an denen ich neue Entscheidungen traf oder sich Dinge veränderten. Manche Zäsuren waren schnell und plötzlich, andere konnte ich erst im Nachhinein ausmachen. Und eine davon scheint sich grade erst langsam zu zeigen.

„Ein Mensch ist auch ohne Leistung etwas wert.“

Als ich diese Zeile las, begann sich wieder ein neues Rädchen im Getriebe zu drehen und ein rostiger, alter Teil meines Gedankenapparats fing an, langsam wieder in Gang zu kommen.

Ich darf eine andere Meinung haben. Es ist okay, Dinge anders zu sehen. Ich bin ein eigener Mensch. Ich habe ein eigenes Leben. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen.

Ein Mensch ist auch ohne Leistung etwas wert. Wow. Klingt logisch? Ist nicht für jeden so. Für mich auch nicht. Du musst deine Leistung erbringen, du musst (in deiner Rolle funktionieren) und letztlich ist immer das Geld die Währung und Wertung.

Natürlich ist das bis zu einem gewissen Grad nicht wegzudiskutieren, wir sind alle Teil eines Systems, in dem wir leben wollen und müssen. Dennoch gibt es da noch etwas dazwischen, zwischen der Definition über diese Bewertung, der Gleichsetzung von sich selbst mit einem Titel oder einem Betrag und dem einfachen Fakt, dass man zum Leben hier nunmal gewisse Mittel braucht. Es gibt so viele Eigenschaften an Menschen, die mir wichtig sind bei den Personen, die Teil meines Lebens sein sollen. Erfolg ist keine davon. Es geht um Empathie, um den Wunsch nach Verstehen und Wachstum, danach, seinen Weg im Leben zu finden und um Humor. Um die Liebe für Dinge und die Bereitschaft das Schöne zu sehen und manchmal auch das Dunkle und Hässliche. Darum, Interesse zu haben, Wissen zu teilen und reden und zuhören wollen.  Es geht darum, gehalten und unterstützt zu werden, wenn mal alles schiefläuft, eine Notfall-Couch auch während dem Lockdown angeboten zu bekommen. „Ob die Entscheidung richtig war, können wir nur hoffen.“

Das stimmt. Glaskugel gibt es (leider?) keine. Dennoch. Entscheidungen können wir so oder so treffen. Aktiv oder passiv. Weil wir einen Weg einschlagen oder weil wir warten, wohin wir getrieben werden. Wir treffen sie bewusst nach Abwägen der Alternativen oder wir treffen sie unbewusst nach unseren alten Mustern. Das einzige, was wir in der Hand haben, ist: den Weg der bewussten und aktiven Entscheidungen zu gehen. Uns damit auseinandersetzen, wenn wir nicht glücklich sind. Ins kalte Wasser springen, wenn wir Angst haben. Zulassen, dass wir anders sind oder uns ändern müssen, um wir selbst zu sein. Uns selbst treu bleiben. Um den Menschen kämpfen, der wir wirklich sind, auch wenn sich der Preis dafür hoch anfühlt.

Du musst dein Ändern leben.

Es ist der einzige Weg, wie wir am Ende nicht mit Reue zahlen müssen. Denn auch, wenn wir Fehler machen, auch, wenn wir manchmal in die falsche Richtung rennen und umdrehen müssen oder über Umwege unseren Weg finden, können wir zumindest sicher sein, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben.

Ich selbst Sein/ Brief an mein inneres Kind

 

 

Von Paleica

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

9 Antworten auf „„Ein Mensch ist auch ohne Leistung etwas wert.““

Ich kenne das was du da erzählst. und mein Motto ist mittlerweile: ALLES (auch mich eingschlossen) ist gut genau so wie es ist (ich bin) – mit allem und in jedem Moment. Ich bin Schöpferin, entweder bewusst, oder unbewusst. Das hört sich alles so klar an, ist es unterbewusst meistens aber nicht. Ich wünsch dir alles Liebe! herzensgrüße von Nicole

„Ein Mensch ist auch ohne Leistung etwas wert.“
Manchmal habe ich das Gefühl, dass vor allem Menschen mit unser beider Sternzeichen das regelmäßig gesagt werden müssen, weil sie das selbst nicht wissen oder glauben wollen.
Herzliche Grüße
Karina

Ich möchte ein lautes „YAWP“ rufen: Deine Worte erinnern mich an den Inhalt der „Club der toten Dichter“…. Ja, es geht immer nur um den ganzen Menschen: mit all seinen Facetten… und niemals um „seine Leistung“. – Wie ärmlich sind die, die andere darauf reduzieren.
Lass uns weiter durch die Welt ziehen, laut und leise sein, krakeeln, Spaß haben und traurig sein. Demut und Dankbarkeit mit uns im Herzen tragen… So wie wir sind. Und vielleicht morgen nicht mehr sein werden.
Ganz liebe Grüße,
Werner

„Ein Mensch ist auch ohne Leistung etwas wert“ – was für ein Satz! Das ist halt für mich auch so ein Thema, an dem ich immer mal wieder arbeiten muss. Je nachdem wie es mir gerade geht, wie es läuft, eben mal mehr oder weniger. Schätze da hilft es manchmal nicht gerade, dass ich eben das ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe. Da verschwimmen Grenzen noch viel mehr…
Aber mittlerweile stehe ich auch schon an einem ganz anderen Punkt, als noch vor ein paar Jahren. Zum Glück.;)

Ein Mensch ohne Leistung etwas wert? Na, das bringt ja unsere ganze Arbeitsmoral durcheinander! Am Ende liest das noch jemand, im Gegensatz zum deutschen Grundgesetz. In dem so Zeug steht wie „die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Tatsächlich frage ich mich, ob heute noch so ein Satz in einem neu zu formulierenden Text stünde oder vielleicht lieber: „Wir lassen keine Fremden rein, allenfalls zahlungskräftige oder leistungswillige Touristen oder Arbeiter.“ Oder auch: „Wozu Kinder, wir kaufen fertige Arbeitskräfte. Und wenn es halt doch passiert, dann verkürzen wir die Schulzeit – die tragen sonst nichts zum Bruttosozialprodukt bei. Bildung ist überflüssig, wenn es denn sein muß reicht Ausbildung!“ Oder was Ähnliches…
Deshalb ist jeder selbst verpflichtet, seinen menschlichen Raum zu erobern, denn die Staaten und Gesellschaften sehen sich nicht unbedingt dazu verpflichtet, derlei zur freien Verfügung zu stellen. Durchaus auch nach außen, vor allem aber nach innen – denn wir alle haben doch diese Religion zumindest teilweise verinnerlicht, die da heißt Leistungsgesellschaft & materielle Werte.
Es ist schön, wenn Menschen sich aufraffen, aufrichten und sagen können: hier bin ich, ich selbst. Ich als Mensch.

„Es gibt so viele Eigenschaften an Menschen, die mir wichtig sind bei den Personen, die Teil meines Lebens sein sollen. Erfolg ist keine davon. Es geht um Empathie, um den Wunsch nach Verstehen und Wachstum, danach, seinen Weg im Leben zu finden und um Humor. Um die Liebe für Dinge und die Bereitschaft das Schöne zu sehen und manchmal auch das Dunkle und Hässliche. Darum, Interesse zu haben, Wissen zu teilen und reden und zuhören wollen.“

Ja! Das, und nur das ist auch mir wichtig. Was ist am Ende eines Lebens wohl wichtig? Was wird mich auf dem Sterbebett rückblickend lächeln lassen? Es ist genau das.

Liebe Grüße, Conny

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