Wenn es hier draußen leise ist, ist es in mir drinnen oft laut. Sehr laut. Wenn es hier draußen zu lange leise bleibt, dann wird es in mir drinnen irgendwann so laut, dass es an einer anderen Stelle einen Knall gibt. Dieser Knall passierte am Abend des 5. Juli bei der konzertanten Aufführung des Musicals „Elisabeth“, vor dem Schloss Schönbrunn. Seit mittlerweile 20 Jahren liebe ich diese Musik (und den Ort noch länger), auch wenn sie lange von meinem Radar verschwunden war. Zu den Konzertkarten kam ich mehr durch Zufall als durch Absicht, dass es stattfand hatte ich bis wenige Tage vorher fast vergessen und dann, am Abend zuvor, meldete sich ins Bewusstsein: du wirst dieses Stück sehen, das dir schon so lange so viel bedeutet, mit der Künstlerin, deren Stimme du schon so lange so sehr liebst – und ich wurde aufgekratzt, nervös, vorfreudig – in einem Ausmaß, das ich schon ewig nicht mehr erlebt hatte. Zur Einstimmung suchte ich auf Youtube das Hauptlied, aus der Uraufführung, 1992, Theater an der Wien. Zum ersten Mal hörte ich sie nicht nur singen, ich sah sie als Elisabeth und in mir passierte etwas. Zum ersten Mal begriff ich wirklich, was dieses Lied bedeutete.

Mein letzter Text hat in gewissem Maße ein bisschen Wellen geschlagen. Wellen der Besorgnis. Ich war total perplex, erstaunt und gerührt, welche Nachrichten mich außerhalb der Kommentarfunktion hier erreicht haben, wieder einmal zu merken, dass viele einfach still mitlesen, aber da sind. Der Gedanke daran überschwemmt mich mit einer Welle voll Wärme. Danke an jeden von euch ❤ aber, aber! zur Beruhigung und vielleicht auch ein bisschen zur Differenzierung: es ist mit mir alles okay. Es ist gerade alles ein bisschen viel, aber im Großen und Ganzen ist (das meiste davon) richtig. Nur ist der Blog mittlerweile doch wieder zu dem geworden, was das Schreiben im Internet von Anfang an für mich war: ein Ventil. Der Ort, an dem Platz finden kann, was im Alltag zu viel, zu laut, zu negativ, zu dramatisch, zu pathetisch ist. Momentaufnahmen und Auszüge, eine Sammlung, ein Notizbuch, ein Reflexionsraum.

Wenn ich meine 69 Seiten Entwürfe durchforste, wundert mich meine aktuelle Fotografiemüdigkeit gar nicht mehr so. Ich habe soviele Herzensprojekte umgesetzt in den letzten Jahren. Strände, Feuerwerk, Seifenblasen, Raureif, Gegenlicht, Wassertropfen, Herbstblätter, Schneeflocken. Für jedes dieser Dinge hat mein Herz höher geschlagen und jedes tut es noch, wenn ich die Bilder sehe. Natürlich reizt es mich immer noch, aber das Erfolgserlebnis, der Spaß, die Freude sind nicht dieselben, da man unweigerlich zu vergleichen anfängt. Hab ich es dieses Mal besser hingebracht? Ist das Foto „perfekter“ geworden? Wenn ja, schön, wenn nein, frustrierend. Wenn ja, entwerte ich gleichzeitig das „alte“ Bild. Eine Zwickmühle. Also hat sich meine Fotografie verändert. Zur Zeit ist es einfach ein Stimmungsbarometer, eine Sammlung von Momentaufnahmen, nicht ein jagen von Motiven. Und das fühlt sich gut an, weil dadurch auch der Druck weniger geworden ist. Der Output aber natürlich auch. Was widerum damit zusammenhängt, dass der Blog ein wenig auf Sparflamme läuft und damit die Postingplattform der Bilder einen enormen Backlog aufbaut. Immerhin habt ihr die Ponta da Piedade noch nicht gesehen, das Schloss Miramare, das meiste von Kroatien und von Amerika, Kuba und Mexiko will ich gar nicht erst anfangen. Was für eine Einleitung. Eigentlich wollte ich die gar nicht schreiben. Nunja, jetzt steht sie da und für euch gibt es erstmal: Schneeflocken.