Reisefreiheit vs. Reisewarnung

In Zeiten von Corona beginne ich wieder zu lernen, was wahre Sehnsucht ist und was Reisefreiheit wirklich bedeutet.

Letzte Woche schrieb eine Freundin in unsere Whatsapp-Gruppe: „Bin heute ganz melancholisch und wünsch mir das alte Leben zurück.“ Ironischerweise erhielt ich diese Nachricht genau an dem Tag, an dem mich die Gegenwart auch fies am linken Fuß erwischt hatte. Auf Instagram war ich einfach nur ganz harmlos über ein durchschnittlich hübsches Posting aus meiner mittlerweile-Lieblingsstadt Amsterdam gestolpert. Und zack, da war er, der Stich im Herzen, der ein Brennen hinterließ, das noch Stunden anhalten sollte und selbst grade jetzt noch immer spürbar ist. Amsterdam, dieser Ort, den ich drei Mal innerhalb von eineinhalb Jahren besucht hatte – das letzte Mal nur einen knappen Monat vor dem Lockdown – der so viele verschiedene Emotionen gespeichert hat und der nun einfach (für mich) so ziemlich alles symbolisiert, was momentan in dieser Welt nicht möglich ist. Spontan. Fliegen. Mit Freunden. Übernachten. Kultur. Musik.

Gerade erst hatte ich gelernt, ein wenig spontan zu sein. Gerade erst hatte ich erkannt, dass die Welt gar nicht so groß und weit war. Gerade erst hatte ich begonnen zu begreifen, dass so vieles möglich ist, wenn man sich nur traut. Und dann kam Corona.

Die meiste Zeit bin ich vernünftig. Die meiste Zeit denke ich daran, dass es auch erleichternd ist, in der Dynamik des „höher, weiter, schneller“-Reisens nicht mitmachen zu müssen. Die meiste Zeit beruhige ich mich damit, dass es im Grunde nur ein Privileg ist, das wir ausnutzen, weil wir es uns leisten können, wir aber der Natur und dem Planeten gut tun, wenn wir darauf verzichten. Die meiste Zeit sehe ich viel Schönes „vor der Haustüre“, das es zu tun gibt und das man sonst aufschiebt, weil es eh immer da ist. Die meiste Zeit glaube ich daran, dass wir als Gesellschaft lernen müssen, dass die Welt kein Selbstbedienungsladen ist. Dass die permanente Verfügbarkeit von Dingen ein Privileg, aber kein Recht ist. Dass uns diese Zeit vielleicht einen achtsameren Umgang mit unserer Umwelt lehren kann.

„Wenn dir die Welt zu klein wird, geh‘ zu Fuß“ schrieb ich vor ein paar Jahren andernorts aus anderen Gründen. Und das stimmt auch heute wieder, wenn auch auf eine andere Art.

Doch manchmal, hin und wieder, überkommt mich der Schmerz der Sehnsucht und ich würde mein Wochenende lieber (ganz coronagerecht) irgendwo in einem Ferienhaus in den Niederlanden verbringen und mir den kalten Herbstnordseewind um die Nase blasen lassen und Waffeln und Pommes mit eiskalten Fingern essen. Aber die Reisewarnung für Wien schwebt über uns wie ein Damoklesschwert, die Schließung der Grenzen (zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts) sitzt mir im Nacken und so träume ich vom kalten Herbstnordwind, während ich ich kontaktlos Kaffee trinke und Wiener Mehlspeisen zuhause esse und mich daran erinnere, dass ich bei all der Krise an dem Ort an dem ich bin trotzdem noch das bessere Ende der Welt erwischt habe.

 

Verfasst von

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

41 Kommentare zu „Reisefreiheit vs. Reisewarnung

  1. Ich teile deine kritischen Gedanken und es ist höchste Zeit, dass wir uns diese Fragen und damit der Realität stellen. Ich kann aber auch deine Sehnsucht verstehen. Menschen müssen jetzt auf vieles verzichten und die Sehnsüchte sind sicher so vielfältig wie die Menschen selbst. Ich sehne mich danach, mir nahe Menschen wieder herzlich und selbstverständlich umarmen zu dürfen.

    Irgendwann wird es vorbei sein und dann kannst du selbst entscheiden, ob du dir deine Sehnsucht nach Holland erfüllen möchtest. Vielleicht reicht dann auch, dass es tun könntest, wenn du wolltest ;-).

    Liebe Grüße, Conny

    1. ja das umarmen. schon verrückt, welche kleinigkeiten irgendwie in weite ferne gerückt scheinen.
      also ganz ehrlich, ich glaube, ein ich könnte wenn ich wollte wird da nicht genug sein. sobald es geht und es das bankkonto zulässt, werd ich ein flugticket kaufen. aber bis dahin wird es wohl noch ein weilchen dauern, denke ich.

  2. die Spontaneität ist futsch, und damit auch Leichtigkeit und Freude – das ist, meine ich, das A und das O. Alles wird beklommen und zwanghaft. Das Reisen ist nur ein Aspekt davon. Es ist schrecklich, was da mit uns als Menschheit geschieht, wenn wir uns nicht zur Wehr setzen, indem wir unser Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Als Einzelne und in der Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen.

    1. man darf gespannt sein, was davon am ende zurückbleiben wird, von dieser zeit, in der wir gelernt haben, dass kontakt zu anderen menschen (lebens)gefährlich sein kann

  3. Mich packt auch manchmal das Fernweh, wenn ich im Internet (vor allem auf Instagram – ich sollte dringend die App für eine Weile meiden und meinen Konsum herunterschrauben) Fotos meiner Lieblingsstadt London sehe. Für dieses Jahr war keine Reise dahin geplant, generell war kein Urlaub gebucht. Normalerweise fahren wir seit ein paar Jahren immer mit Freunden für ein Wochenende an die niederländische Nordseeküste. Das eine befreundete Paar war dieses Jahr sogar schon mindestens 2x da. Mein Mann und ich sind uns aber einig, dass es sicherer ist, nicht ins Ausland zu reisen, auch wenn es „nur“ kurz über die Grenze ist. Wir wohnen ja direkt an der Grenze zu NL und das für uns nächste Eiscafé ist auch dort. Aber wegen der Pandemie sind wir noch nicht mal eben in den Ort hinter der Grenze spaziert, geschweige denn weiter in das Land reingefahren. Wir gehen noch nicht mal in unsere eigene Stadt (wir wohnen ca. 3km von der Innenstadt entfernt). Vielleicht sind wir, in den Augen anderer, zu vorsichtig. Aber ich bin lieber übervorsichtig als mich anzustecken. All die Reiseziele laufen nicht weg. Wir können später auch noch nach London oder Amsterdam, ans Meer oder sonst wohin. Bis dahin ist es okay zu träumen. Wichtig ist, gesund zu bleiben.
    Vielleicht hilft die Pandemie ja auch, uns bewusst zu machen, wie wir vorher gelebt haben, dass wir immer alles … mir fällt irgendwie nur das Englische Wort ein, for granted, also als gegeben angesehen haben. Das fing ja schon beim Klopapiermangel an (war bei euch in Österreich sicher nicht anders, oder?).

    Viele Grüße nach Wien; ich hoffe, du machst dir trotzdem eine schöne Zeit (Mehlspeisen ist ja schon mal ein guter Ansatz. Ich liebe z. B. Kaiserschmarren!)

    1. ich verstehe dich gut. darum war ich dieses jahr auch „nur“ in österreich auf urlaub. wohl auch aus sorge, dass man nie weiß, wie die einreisebestimmungen dann wieder geändert werden. grundsätzlich denke ich aber auch, vorsicht ist besser als nachsicht. aber ach, ich beneide dich grad sehr, dass du so nah an holland wohnst, selbst wenn es im moment auch für dich unerreichbar ist.

      ich denke das auch. ich kann mir nicht vorstellen, dass danach alles wieder genauso wird wie vorher. mir persönlich sind schon viele dinge bewusst geworden, die ich so definitiv nicht zurück haben will.

      ja, mehlspeisen, damit sind wir ja gesegnet und müssen dank lieferdienste auch nicht drauf verzichten. immerhin – aber corona speck schreit hallo 😉

  4. Als chronisch Fernweh-Kranke fällt es mir unendlich schwer, nicht planen, nicht losziehen zu können. Zumal mir – altersbedingt – nicht die Ziele, sondern die Jahre ausgehen.

    Aber – war es nicht auch irgendwie notwendig, dass wir mal einen Schuss vor den Bug bekommen? Dass wir mal innehalten, uns bewusst machen, dass all das, was wir als völlig selbstverständlich vorausgesetzt haben, eben genau das nicht war/ist? Das wir kein „Recht“ auf Besuche in anderen Ländern haben, sondern dass es ein großes Privileg ist, fast unbeschränkt reisen zu können.
    Vielleicht führt dieser Schock jetzt dazu, dass man künftig anders reist. Langsamer, bewusster, achtsamer. Nicht nur, um irgendwo tolle Selfies zu machen und die in irgendeinem Reiseblog mit dem Titel „100 Dinge, die du hier UNBEDINGT gemacht/gesehen haben musst“, zu posten.
    Vielleicht auch anders lebt – simple Dinge wieder mehr schätzt. Ein Essen mit Freunden ganz anders genießt, Nähe wieder viel mehr schätzt.
    Klar – spontan geht derzeit nicht viel, tagtäglich ändert sich manchmal alles – aber auch das sind Herausforderungen, die man einfach annehmen kann, statt darüber zu klagen.

    Mal ganz ehrlich – ein bisschen sind wir auch verwöhnt! Haben vergessen, dass vieles, was heute selbstverständlich scheint – wie Fernreisen – in der Kindheit und Jugend der Älteren unter uns gar nicht vorkam, Luxus für einige ganz wenige war.
    Ich will die Zeit absolut nicht zurück drehen – nur manchmal dran erinnern, dass langsamer zu gehen, nicht bedeutet, dass man nicht auch ankommt. Aber, dass man unterwegs möglicherweise sehr viel mehr sieht und erlebt.

    1. ich habe auch manchmal das gefühl dass das eine art warnschuss, wink mit dem zaunpfahl war, ein „so gehts nicht ewig weiter“, immer schneller, immer mehr… ich frage mich ehrlich, wie es danach werden wird. ob alle wie irre sofort fernreisen buchen, oder ob manches bewusster und achtsamer wird. mir persönlich geht es zumindest so. ja es gibt auch reiseziele in der ferne, die mich anziehen. aber die wirkliche sehnsucht, die liegt irgendwie lustigerweise zu große teilen in europa. ich möchte auch ein bisschen ehrfurcht daraus behalten, das bewusstsein, dass privilegien eben genau das sind – und keine geburtsrechte.

  5. Da ist so vieles neu und anders in diesem Jahr. Das fühlt sich alles merkwürdig und bisweilen befremdlich an.
    Das eingeschränkte Reisen ist dabei nur ein Aspekt – Ich kann verstehen, dass es bisweilen als Einschränkung empfunden wird. Es wird sich wieder ändern, da bin ich sicher.
    Aber auch dann wird es vielleicht „anders“ bleiben: Wer weiß schon, ob nicht andere Gründe zu einem veränderten Verhalten führen (Klimawandel z.B.)? Zuversichtlich bleiben und das Beste daraus machen.

    Liebe Grüße,
    Werner

    1. lieber werner, ich gebe die hoffnung nicht auf, dass sich danach etwas zum guten verändern wird. ich habe das schon oft gelesen – das den großen brüchen in den zeitaltern immer solche krisen vorangegangen sind. und zeit für veränderung, das wäre es nun wohl wirklich. also hoffen wir, dass wir als gesellschaft daraus lernen, besser sein zu wollen und dass dieses bewusstsein, dass das leben so unvermittelt bedroht werden kann, irgendwie dazu führt, uns darauf zu besinnen, was uns WIRKLICH wichtig ist.

  6. Wir versuchen gerade etwas Urlaub in Deutschland an der Nordsee zu erhaschen. Nicht so einfach, erste Frage war, wo wir herkommen. Gut das es nicht Berlin war. Ich genieße jede schöne Stunde mit meinem Hund an der frischen Nordseeluft. Alles andere ist beschwerlich, im Restaurant oder auch nur in der Eisdiele. Ein kleiner Sturz bei meiner Mutti und jetzt beim Arzt, mal schauen was das noch wird. Ich glaube mal abgesehen von der Luft im Moment ist es zuhause am günstigsten. Liebe Grüße nach Wien.

    1. liebe frau doktor, habt ihr es geschafft urlaub an der nordsee zu machen? ich beneide euch momentan wahnsinnig um euren meerzugang. das ist es, was für mich österreich grad ein klein wenig zu einem gefängnis macht. trotz all der tollen landschaft liebe ich doch vor allem das meer so sehr und das ist in unerreichbare ferne gerückt.

  7. liebe paleica, ich versteh dich gut. ich wäre auch gern verreist in meinem urlaub, habe dann aber mit der stadt vorlieb genommen, was auch okay war. ich habe reichlich gemalt und geschrieben und auch sonst schöne dinge gemacht. ich spüre auch diese sehnsucht, dieses „aber nächstes jahr (hoffentlich) dann.“ dann möchte ich nämlich auch gern wieder verreisen. ich hoffe, dass es bis dahin wieder geht! die niederlande sind klasse, in amsterdam war ich auch schon. hab einen entspannten abend, liebe grüße aus berlin.

    1. ❤ es ist gut wie du für dich das beste draus gemacht hast. ich habe ja heuer das erste mal seit irgendwie immer mal urlaub in österreich gemacht und es war wirklich wunderschön. wenn schon "gefangen", dann ist es hier eh ziemlich super. nur das meer, das fehlt mir halt arg. und wohin zu fahren, wo man nicht deutsch spricht. das ist für mich erst richtig urlaub. urlaub davon, immer zuhören zu müssen was die leute so reden und meckern. wie du sagst, nächstes jahr, hoffentlich, dann. italien ruft so laut nach mir. und amsterdam. ja, amsterdam. hach. über meinem bett hängt jetzt ein print meiner bilder, nachtaufnahme von damrak und jeden tag schau ich es an, mit herzklopfen und einem ziehen in der magengegend.

      1. ich versteh dich gut, liebe paleica. mir fehlt das reisen auch. auch das meer, ja. die idee mit den fotos finde ich gut. und italien finde ich auch sehr reizvoll. ich hoffe, dass das reisen und überhaupt das leben wieder „normal“ wird, du weißt, wie ich es meine.
        hab ein angenehmes wochenende, liebe grüße aus b.

      2. ja, das hoffe ich auch sehr – obwohl ich langsam das gefühl habe, dass es für mich ein neues „normal“ geben wird. in das alte möchte ich gar nicht mehr zurück und ich bin irgendwo schon nervös-gespannt, wie das dann aussehen wird können…

  8. All diese Gedanken und Empfindungen kann ich gut nachvollziehen, ja sie sind mir nicht unbekannt. Mich treffen die Reiseeinschränkungen nicht so sehr, weil wir ohnehin nur alle paar Jahre mal zum Urlaub verreisen. Aber es wäre sehr schmerzhaft, wenn wir z.B. wie im November geplant unsere Tochter, die zur Zeit in Chemnitz studiert, nicht besuchen könnten. Überhaupt war für mich bisher in dieser ganzen Zeit die Tatsache, während des harten Lockdowns meine Freundinnen und meine Töchter, meinen Bruder nicht sehen zu können das Allerschlimmste.
    Eine Zeit mit vielen Herausforderungen und vielen Chancen zu lernen, zu hinterfragen, neu zu bewerten, achtsamer, dankbarer zu werden…

    1. liebe bea, ich glaube der lockdown trifft fast alle, jeden an einer bisschen anderen stelle. man darf denke ich jedoch gespannt sein, was davon zurückbleiben wird, wenn wir uns wieder sicherer und freier bewegen können. wird die angst bleiben? das frage ich mich oft. was für folgen wird es haben, über monate zu lernen, dass andere menschen zu sehen unsichtbar gefährlich sein kann.

  9. Ich kann dich gut verstehen und diese Zeit ist eine große Herausforderung für die Menschheit. Ich hoffe auch sehr, dass wir nächstes Jahr Freunde wieder sorglos umarmen können und uns freuen können diese Jahrhundertpandemie überstanden zu haben
    LG Andrea

  10. Ich kann dir sehr gut nachfühlen. Manchmal habe ich Momente, wo ich solche Sätze wie, „dankbar sein und das beste aus der Situation machen“ nicht mehr hören kann. Immer mehr Veranstaltungen wie das Oktoberfest werden abgesagt. Weihnachtsmärkte sollen dieses Jahr ja höchstwahrscheinlich auch nicht stattfinden. So langsam gibt es wieder nichts mehr, um etwas Freude und einen Ausgleich für den Alltagsstress zu bekommen. An den Mundschutz im Alltag habe ich mich irgendwie schon gewöhnt, aber diese Panikmache in den Medien wegen evtl. weiteren Lockdown ist schlimm. Auch weil es Menschen mit tiefliegenden Ängsten in einer Weise so extrem beeinflusst, dass sie an Verschwörungstheorien anderer Art, wie die die in den Medien kursieren glauben und massenhaft Vorräte anhäufen…erst neulich habe ich mich mit so jemandem unterhalten…

  11. Hi :-),
    ja diese Sehnsucht begleitet mich ebenfalls hier und da. Beim betrachten oder bearbeiten von alten Bildern, die einen in wunderbaren Erinnerungen schweifen lassen und gleichzeitig genau diese Sehnsucht hochkommen lassen. Ja und das was mich am meisten einengt ist der Verlust von Spontanität in diversen Bereichen des Lebens. Gerade dieses Jahr haben wir uns als Familie vorgenommen doch hier und da mal einen Kurzurlaub (langes Wochenende) irgendwo zu verbringen, im Sommer hatten wir noch Glück :-).
    Nun wohne ich im Risikogebiet und muss schauen was die nächste Zeit bringt. Ich denke trotzdem noch positiv weil dieses sollte man sich in dieser Zeit nicht nehmen lassen :-).

    LG
    Andreas

    1. lieber andreas, mittlerweile wohnen wir ja irgendwie alle in einem risikogebiet. schon komisch, was auf einmal für den lebensalltag „normal“ geworden wäre. wenn das vor einem jahr jemand zu mir gesagt hätte… der verlust der spontanität, stimmt, das fehlt mir auch. die möglichkeiten zu haben, die freiheit zu haben… aber immerhin dürfen wir hoffen, dass es wieder kommen wird…

  12. Liebe Paleica, du sprichst auch mir aus dem Herzen mit diesen Zeilen!! Danke.. Lasst uns alle schon mal ausmalen wie es sein wird, wenn wir wieder jederzeit dorthin dürfen, wohin es uns zieht. Und wer weiß, vielleicht zieht es uns künftig gar nicht mehr sooo oft in die Ferne 🤗
    Ganz liebe Grüße aus Salzburg zu dir!

  13. Hallöchen Paleica 🙂
    ich hab gerade das Passwort für meinen seit Jahren in der Versenkung verschwundenen Blog neu geordert – und anschließend in meine Liste von Abos geschaut:
    Ja, da ist doch die mit diesen außergewöhnlichen Fotos und Texten!

    Dein Beitrag stimmt nachdenklich.
    Corona hat bei uns auch so einiges ausgebremst. Plötzlich ist nichts mehr selbstverständlich.
    Irgendwohin fahren will überlegt sein.
    Letzten Herbst haben meine Kinder noch freudig geplant, wie es nach dem Studium weitergeht – und jetzt fühlen sie sich, als hätten sie die Füße in Beton.

    Aber so allmählich geht es vorwärts – wenn auch im Schildkrötengang. Wir werden sehen, wie es weitergeht.
    Liebe Grüße ins schöne Wien
    von
    Sabine

    1. liebe sabine, wie schön, dich hier mal wieder zu lesen! ich freu mich sehr, dass du dein passwort neu gesetzt hast und wieder hier bist! ja, ich bin noch da. nicht mehr so oft, weil auch andere kanäle und das real life doch gelegentlich (öfter) ihren tribut fordern, aber das hier… wird irgendwie immer mein online zuhause bleiben.

      mir tun momentan schüler und studenten wirklich leid. grade in dem alter, wo jedes jahr so bedeutsam ist, wenn da alles wegfällt… und von außen wird es immer abgetan als wäre das nichts. ich finde das sehr unfair.

      ja man darf gespannt sein… wie lange das so noch weitergeht. was davon bleiben wird. wie die welt „danach“ aussehen wird….

  14. Hallo Du Liebe!
    Ich finde es sehr spannend, was Du schreibst, weil das Thema ‚Reisen‘ mich auch sehr beschäftigt – aber ganz anders, als ich es gedacht hätte. Mir geht es mit Schottland wie Dir mit Amsterdam. Da gibt es diese Fotografen aus Schottland, die regelmäßig die tollsten Bilder produzieren von diesem Land, das einem erst so richtig umhaut, wenn man es live sieht. Und weil ich das weiß, kommt dann auch dieser Stich und alles in mir will nach Schottland.
    Aber nicht aus Reiselust, wie ich jetzt gerade merke. Ich habe mich immer für jemanden mit Reise-Gen gehalten, jemand der rastlos ist, jemand, der die Welt sehen will. Und jetzt merke ich, dass das so – zumindest jetzt und auf absehbare Zeit – gar nicht stimmt. Schottland ist irgendwie ein Teil von mir, ein Land, mit dem ich einen Vertrag habe und es ist Heimweh, das ich spüre. So ähnlich ging es mir früher mit dem Norden und regelmäßig im Jahr überkommt es mich, dass ich sich alles in mir nach dem Berchtesgadener Land sehnt. Aber überall dort sind Wurzeln von mir vergraben und darum geht es. Wurzeln. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich an einem Ort, wo ich tatsächlich Wurzeln habe und ich will gar nicht weg. Sehr passend, in Zeiten von Corona. Ich darf den Norden mein Zuhause nennen, das Land zwischen den Meeren und auch, wenn es manchmal zieht und sticht, selbst nach Schottland würde ich jetzt gerade nicht wollen. Weil ich ein echtes neues Zuhause habe, das ich in allen seinen Einzelheiten erkunden möchte. Da fühle ich mich gerade sehr beschenkt ❤
    Aber ich kann mir vorstellen, wie es sich anfühlt für Dich und drücke Dir die Daumen, dass die Lage sich um uns herum bald wieder beruhigt. Wann auch immer das sein wird, es wird uns etwas geschenkt haben. Ich schicke Dir herbstliche Grüße immerhin von der Ostsee 😉 Alles Liebe! Laney

    1. liebe laney,
      es ist wirklich schön, wenn du in zeiten wie diesen so ein gefühl verspürst und richtig „da“ sein kannst. bei mir ist es mit dem reisen aber auch irgendwie so. mein herz sehnt sich nach orten, die sich auf welche art auch immer nach zuhause anfühlen, auch wenn sie fremd und anders sind, aber es ist, als würde ein teil meines herzens dahin gehören. und in amsterdam ist das auf jeden fall so. das ist wie… heimkommen. genauso geht es mir mit italien. das sind die orte, nach denen mein herz sich gerade sehnt, diese zuhauseplätze, die grade unerreichbar weit weg sind.

  15. Hach, da zeigst du zu so einem Post ausgerechnet Fotos von Amsterdam…
    Wir wären eigentlich im November hin gefahren; das hatten wir jetzt schon sehr lange geplant und durch die Reisewarnungen nun auch schon einige Zeit ad acta gelegt. Dann hatten wir mal über Belgien nachgedacht (Brügge und Antwerpen wären schön gewesen), auch das hat sich erledigt.
    Und manchmal nervt das alles einfach! Klar, es zählt vor allem die gemeinsame Zeit und die kann man auch daheim oder eben in Deutschland verbringen, aber na ja. Reisen und andere Städte/Kulturen zu entdecken, ist einfach etwas schönes und spannendes und gibt mir viel. Es hilft zwar nix, aber es nervt auch manchmal was da aktuell so passiert.

    1. es nervt, ja, das ist noch ziemlich untertrieben >.< und ich denke, das darf es manchmal auch. man darf es zwischenzeitlich auch mal einfach echt scheiße finden, auch wenn es ein luxusproblem ist blabla. die sache dahinter ist nunmal kein "luxus", da geht es um so viel mehr und es drückt sich eben auch im schmerz darüber aus.

      nach brügge will ich auch schon ewig – antwerpen ist toll, da war ich schon. beste waffel meines lebens *.*

  16. Dann reise doch einfach.
    Lass dich nicht abhalten!

    Ich war mit meinen Mädels im Sommer auf Lanzarote und Fuerteventura, vor zwei Wochen noch in Domburg und Den Haag.

    Nun muß ich auch sagen, daß ich ein Covidiot bin. Ein Aluhut-Träger. Ein Nazi. Ein Verschwörungstheoretiker und als was man uns sonst noch alles tituliert.

    Wir lassen uns von dieser Blödemie nicht irritieren.

    Wir gehen auf Demos. Wir waren diese Jahr dreimal in Berlin, in Stuttgart, wir haben bei schönstem Wetter an der Menschenkette am Bodensee teilgenommen und haben bei der Gelegenheit auch gleich einen Abstecher in die Schweiz gemacht.

    Am 7.11. geht es nach Leipzig (übrigens eine interessante Stadt) zur Demo.

    Wenn wir (oder ihr) wieder reisen wollt und ihr euch eine bessere Zukunft wünscht, müßt ihr euren Arsch bewegen und auf die Straße gehen.
    Ich habe nämlich sonst die Befürchtung, dass du deine Sehnsuchtsorte so schnell nicht mehr besuchen kannst – nichtmal „einfach nur“ Amsterdam.

  17. Ich kann die jedes Wort nachfühlen. Es macht einfach beklommen und hinterlässt einen ganz fahlen und bitteren Geschmack. Meine Nachbarin, die nicht zu ihren Eltern kann, und ich haben jetzt so früh wie noch nie die erste Lichterkette aufgehängt. Wenigstens etwas Licht und etwas Gemütlichkeit. Wobei das alles gerade ziemlich bescheuert klingt, was ich schreibe nachdem ich deinen aktuelleren Beitrag gerade noch gelesen habe. Da ist der Lockdown das kleinere Übel und macht gleichzeitig alles noch viel schwieriger. Ich denk an dich!
    Wobei das alles gerade ziemlich bescheuert klingt, was ich schreibe nachdem ich deinen aktuelleren Beitrag gerade noch gelesen habe. Da ist der Lockdown das kleinere Übel und macht gleichzeitig alles noch viel schwieriger. Ich denk an dich!💚😘

    1. ach weißt du… das mag jetzt richtig blöd klingen, aber irgendwie… nach all dem, was letztes jahr so los war hat es mir glaub ich am ende sogar gut getan, dass das viele „muss“ (so sehr ich es auch liebe) im dezember weggefallen ist. ich glaube nicht, dass ich die energie für weihnachtsfeiern und freunde treffen und glühwein trinken und all das gehabt hätte. es ist irgendwie… als wäre das einfach ausgefallen. es hat mich traurig gemacht, aber gleichzeitig war es wohl in dieser speziellen situation speziell für mich dennoch okay. zu meinem glück. denn ich weiß von vielen, für die es sich ganz anders und sehr belastend angefühlt hat.

      1. Ich weiß was du meinst. Schade, dass vieles nicht ging, aber vielleicht wäre es auch zu viel gewesen. Ich hab schon von mehreren gehört, dass sie das meiste zwar vermisst haben, die Ruhe aber dennoch auch nicht schlecht fanden. Besonders wenn das Jahr extrem hart war oder man Dinge erlebt hat, die wirklich schlimm waren. Klingt also gar nicht blöd.

  18. Grüße aus Leipzig, mir geht es auch ähnlich. Mich ziehts aufs Fahrrad, aufs Schiff und nach Skandinavien. während ich aus der Ferne Erlebnissen guter Freunde im Auslandssemester lauschen muss und einen Besuch dort nicht vor meinem Gewissen (und wegen Qarantäne dem Kalender) vertreten kann.
    Und so wechseln sich in dem (bis vor kurzen noch sehr kleinen) Bewegungsradius Träume und Selbstmitleid in anstrengender Kombination ab.
    Um so neidischer habe ich auf die Rennsegler der Vendee Globe geschaut, allen Voran den Youtube-Kanal von Boris Herrmann: Einsamkeit ist gleich eine ganz andre Sache, wenn sie durch freie – eigenverantwortliche Entscheidungen dominiert wird.

    1. das stimmt wohl… es ist dann vielleicht eher ein alleinsein als eine einsamkeit. im moment zermürbt die situation finde ich sehr, es braucht viel kraft, sich immer wieder in die eigene mitte zu holen und sich zu besinnen und noch an die schönen kleinigkeiten denkt, die es rundherum gibt und die am ende des tages letztlich gar nicht so klein sind, weil sie ja eigentlich doch das leben (zumindest jetzt grade) ausmachen.

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