50f – Straße & It’s a new Life & Geburtstagsgrüße

Meine lieben Leser, es ist noch nicht so lange her, seit ich das letzte Mal etwas veröffentlicht habe. Und doch ist seitdem vieles anders.

Ich hatte einige Tage frei um für meine allerletzte Prüfung zu lernen. Natürlich wird es nicht die letzte Lebensprüfung sein, aber die letzte Prüfung aus meiner Studienzeit war es wohl. Es ist jetzt vorbei, ich bin nun keine Studentin mehr, ich bin endgültig im „echten Leben“ angekommen, ohne wenn und aber. Frei nach Wolfsheim:

Immer vorwärts Schritt um Schritt, es gibt kein‘ Weg zurück.

Die letzten Wochen bin ich ziemlich in der Welt der Wissenschaft versunken, habe Freuds Traumdeutung noch einmal gelesen sowie die Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Schnitzlers Traumnovelle, Reigen, Liebelei, Leutnant Gustl. Ich habe zeitgeschichtliche Dinge gelernt und einiges über mich selbst.

Seit gestern, den 14. Mai um 11:00 darf ich mich jetzt also Mag.(FH) Mag.phil nennen und bin damit – frei nach einem österreichischen Kabarettisten – „Expertin für eh fast alles“, oder so ähnlich.

Ein Abschied von der Uni, von meiner Studienzeit, ein Schlussstrich unter eine Lebensphase, in der sich alles verändert hat. So sehr ich erleichtert bin, dass alles gut gegangen ist (im wahrsten Sinne des Wortes ^.^ ) so sehr beinhaltet dieses Datum eine Endgültigkeit – im positiven wie im negativen Sinne. Meine Freizeit gehört nun wieder mir, ich bin also „nur“ mehr vollzeit berufstätig und habe – nicht wie die letzten 9 Monate – eine 7-Tage-Woche. Wenn ich von der Arbeit nachhause komme dann ist da nicht noch etwas, das ich tun ‚muss‘. Ich kann wieder lesen, was mir Spaß macht, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, etwas lesen zu müssen. Ich kann an den Wochenenden untertags tun was ich will ohne nachrechnen zu müssen, wieviele Seiten ich dann pro Lerntag mehr lesen muss. Aber ich werde wahrscheinlich auch nie wieder in einem Thema so sehr versinken, wie in der Doppelgängergeschichte von Sigmund Freud und Arthur Schnitzler oder in der akustischen Analysen von „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ und „Inception“. Es war eine spannende Reise in die Wiener Moderne, in das Fin de Siècle und in die Gesellschaft, in der die Psychoanalyse und das Unbewusste geboren wurden.

Und weil heute grade passenderweise der 15.05. ist an dieser Stelle: ein happy Birthday an Arthur Schnitzler, der heute vor 151 Jahren geboren wurde und – entgegen seiner größten Angst – zumindest in Wien nicht vergessen wurde.

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Auf diesem Bild seht ihr eine Langzeitbelichtung des Universitätsrings (früher Dr. Karl Lueger-Ring) aus dem letzten Sommer. Bei dem Gebäude handelt es sich um die Wiener Hauptuniversität. Ich fand das Bild metaphorisch schön. Die vorbeiziehenden Lichter von Autos, die nicht zu sehen sind, die Uni, der Ring, entstanden in der Gründerzeit, der Jugend von Freud und Schnitzler. Es könnten Erinnerungsspuren sein, kleine Teilchen, sichtbar gemacht, die die Gedanken von den Zehntausenden Studenten widerspiegeln, die in den letzten Jahrhunderten in Wien studierten.

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Und zum Abschluss noch ein Tolkien’sches Gedicht zum Thema des Projekts wie auch zu meinem persönlichen:

Die Straße gleitet fort und fort,
weg von der Tür, wo sie begann,
weit über Land, von Ort zu Ort,
ich folge ihr, so gut ich kann,
ihr lauf’ ich raschen Fußes nach,
bis sie sich groß und breit verflicht’
mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

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Und ein danke für jedes Sternchen 🙂