Fotografie Neuerscheinung Reise

Cartagena – Ausschnitte und die wörtliche Erfahrung „im Schweiße meines Angesichts“.

Ich habe es ja schon andernorts angesprochen – unsere Reise, die dieses Jahr „nur“ nach Spanien und Mallorca ging, war für mich aus mehreren Gründen etwas ganz Besonderes und wird mir sicherlich noch lange – vielleicht für immer – stark in Erinnerung bleiben.

blog_urlaub_mallorca-cartagena7

Die Bildergalerie, die ihr hier bewundern konntet, stammt aus Cartagena. Einem Ort in Südostspanien mit Seehafen in der Region Murcia – mit langer und bewegter Geschichte. Doch das ist es gar nicht, was ich euch erzählen möchte. Cartagena ist eine süße kleine Stadt, die man gut und gern in einem halben Tag erkundet hat. Erzählen möchte ich euch von einem Gefühl, das für mich unglaublich wichtig war, auch wenn es jetzt – nur ein paar Wochen später – schon nicht mehr wirklich greifbar erscheint. Wenn ich es hier festhalte, dann weiß ich, dass es da war.

Es war ein schwüler und heißer Donnerstag, als wir an Land gingen. Meine Begeisterung für alte Gemäuer war in Anbetracht der Rinnsale, die sich unter meiner Brust über meinen Bauch auf den Weg machten, bald erloschen. Ich fühlte schon eine leichte Genervtheit in mir aufsteigen, als wir nach eineinhalbstündigen Innenstadtbummel in der prallen Sonne der Mittagshitze Richtung alten römischen Ausgrabungen pilgerten und mir der Herzjunge eröffnete, er wolle da noch rauf. Ich konnte ein Augenverdrehen grade noch verhindern und riss mich zusammen, schließlich wollte ich ihm ja nicht die Stimmung verderben. Als wir dann auf einmal hinter dem römischen Theater standen, schweißgebadet, durchnässt, mit klopfendem und schnell pulsierendem Herzen, hinter uns die Relikte einer uralten Hochkultur, vor uns ein wunderschöner Blick über den traumhaften Hafen und das Mittelmeer, bewegte sich in mir etwas. Die Grenzen in meinem Kopf verschoben sich zum ersten Mal auf dieser Reise.

blog_urlaub_mallorca-cartagena1

Auf einmal wurde Energie freigesetzt. Eine Energie, die ich seit vielen Jahren in meinem Körper nur mehr unter Einfluss mehrerer weißer Spritzer zu Rock- und Punkmusik an U4-Freitagen oder bedeutenden Konzerten verspürt hatte (und das in letzter Zeit schon lange nicht oder nur mehr sehr selten). Eine Energie, die mir die Muskelkraft gab, bei 35 Grad, sengender Hitze auf Plätzen alter Gemäuer herumzulaufen. Es war, als hätte ich die Ketten der körperlichen Einschränkungen, die mein Geist als Schutzmechanismus in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hatte, durchbrochen und mich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gefühlt, wie ich eigentlich sein sollte oder vielleicht irgendwo noch bin. Und in dem Moment wusste ich: es wird noch dauern. Es wird noch Zeit, Kraft, Energie und Nerven kosten. Aber es wird alles wieder gut. Und ich bin dann wieder der kleine Boxer, der ich einmal war, zwar nicht die allerschnellste, nicht die allerstärkste, schon gar nicht die allergrößte, aber stabil, ehrgeizig und leistungsfähig. Der Wasserfall.

(Als ich am Rückweg die Pfauenmama mit Pfauenkind sah, durchströmte mich pure Glückseligkeit, an diesem Moment teilhaben und ihn sogar festhalten zu dürfen.)

*

Zum Abschluss ist es schon wieder Zeit für ein Danke: nämlich für die ersten Wörter, die ihr mir geschenkt habt. Da die Aktion doch mit Interesse aufgenommen wurde, habe ich eine kleine Projektseite eingerichtet. Die findet ihr auch unter dem kafkaesk-Bild in der Seitenleiste. Also wann immer ihr ein Wort habt, schenkt es mir! Ich sammle sie dort und wenn es zu einem Beitrag oder einem Gefühl passt, dann wird es verarbeitet.

33 comments on “Cartagena – Ausschnitte und die wörtliche Erfahrung „im Schweiße meines Angesichts“.

  1. Das finde ich aber schön, dass Du dich jetzt auch für alte römische Bauwerke interessierst. Die Bilder sind absolut spitze geworden, alle samt. Warst Du schon mal in Ostia bei Rom? Wenn man da ganz durch die Hafenstadt durchläuft, da wo Touristen nur selten hin kommen, und man steht dann vor einem alten Tempel oder Statue da kann man das Gefühl auch bekommen.
    Gruß
    Oli

    • hallo oli! ja, ich mag alte römische bauwerke sehr gern. in rom war ich leider erst einen tag und hab noch viel zu wenig davon gesehen! das werde ich aber bestimmt nachholen. ostia merke ich mir einfach mal vor 🙂

  2. Das Pfauenmutter-Kind-Bild ist wirklich wundervoll, ganz tolle Aufnahme und Motiv! So schön!

    • dankeschön liebe ginni. ich hab mich wirklich sooo gefreut, das erwischt zu haben. da musste man wirklich schnell sein, im nächsten moment waren sie um die ecke und weg.

  3. Ich bin komplett dem Bild mit dem Pfau und dem Kind dazu verfallen! Ein soooo großartiges Bild!! Wow! Das sind die Momente in denen man weiß, warum man fotografiert!
    Aber auch die restlichen Bilder, wie immer!!! Top! Und ich bin gespannt auf das was bei dem Wörter-Projekt so rumkommt 😉

    • 🙂 ich hab mich auch soo gefreut über diese momentaufnahme. ich weiß noch, dass ich gesagt hab: so, allein für dieses bild hat sich die reise gelohnt – auch wenn alle anderen fotos zum kübeln wären 😉
      und mal wieder: danke, danke! den ersten beitrag mit wort gibt es voraussichtlich am mittwoch 🙂

  4. Wunderschöne Bilder, die Ahnung eines sehr beeindruckenden Blickes auf das Meer und die kulturllen Stätten und vor allem, die Beschreibung eines ganz besonderen und tollen Gefühls. 😉 Das muss ein fantastischer Moment gewesen sein!!! Ich freue mich für dich!!

    • ja, das war es wirklich. so hat diese sonst eher unscheinbare stadt einen ganz besonderen und persönlichen beigeschmack bekommen – wie so vieles auf dieser reise!

  5. Liebe Paleica,
    was für ein besonderes Erlebnis, die eigene Karft, Stärke,Mut so richtig körperlich zu spüren. Dieser Augenblick wird ganz sicher unvergesslich bleiben und Dir, wenn Du es brauchst, auch wieder die richtige Einstellung verleihen, Probleme zu bewältigen.
    Pfauenmama mit Pfauenbaby, das sieht so zart, so rührend, so zielstrebig, so mutig aus, vor allem in S/W ein Hammerbild.

    Ich habe Cartagena auch schon besichtig und all das gesehen, so wie auf Deinen herrlichen Fotos. Ja, es war auch so heiß, aber ich bin es damals recht entspannt angegangen und habe das historische Ambiente mit seiner starken Ausdruckskraft ebenfalls verspürt und auf mich wirken lassen.

    Einen guten Wochenstart und einen angenehmen Montag,
    herzlichst moni

    • ja, das hoffe ich sehr. manchmal hat man halt das gefühl, dass das einfach alles gar nicht mehr da ist, wenn man monatelang irgendwie mit schmerztherapie beschäftigt ist. aber es ist noch da und mit der richtigen strategie lässt es sich hoffentlich auch wieder mehr und mehr aktivieren.

      danke für die lieben worte zum pfauenbild. ich hab echt fast luftsprünge gemacht, als ich es festgehalten hatte.

      cool, dass du auch schon in cartagena warst! ich hatte davor ja gar nichts davon gehört gehabt!

  6. In solchen Momenten merkt man, dass man sich nur Mental immer zurückhält aber wenn die Chance gegeben ist, der Körper sich mit voller Energie wider meldet. Sehr schöner Bericht! Bei dem Anblick von einem süßen Pfauenbaby wäre ich auch gerührt 🙂

    • dankeschön 🙂
      ja, es ist echt unglaublich, wieviele grenzen einem der kopf setzt. ich weiß gar nicht, wann das eigentlich anfängt. irgendwann hat man angst, zu fallen, sich zu verletzen, nciht zu funktionieren und so schränkt man sich dann wohl stück um stück, mehr und mehr ein.

  7. Ah, Anzapfen der Ressourchen !! schön !!

  8. wunderschön, liebe Paleica, eine gute Woche wünsche ich

  9. Ich wünsche Dir, dass Dich diese Kraft voller Energie und Lebensfreude immer wieder besucht und sich (wieder) bei Dir „einrichtet“ 🙂
    Es klingt so schön!!

    • oh ja meine liebe, das wünsche ich mir auch so sehr. irgendwie ist das gefühl ja wieder ganz schön verschwunden, aber ich arbeite dran. immerhin weiß ich, dass es in mir noch vorhanden ist, das ist schonmal ein großer schritt!

  10. Das liest sich so wunderschön und auch die Bilder sind schön und passen sehr gut dazu. Mich hat – alleine vom Anschauen eben – das Bild von Pfrauenmama und Pfrauenkind auch sehr glücklich gemacht. ❤ ❤ ❤

  11. was für wunderschöne Eindrücke!!!
    Ich bin auch total verliebt in das erste Bild mit dem Pfau!
    Hab einen schönen Montag!

    Kathrin von
    http://www.getcarriedaway.net

    • das freut mich sehr zu hören! schon toll, wenn man das glück hat, solche momente einzufangen!!
      hab noch eine schöne woche!

  12. Wow! Was für ein schönes Erlebnis! Und tolle Fotos noch dazu 🙂 LG Annette

  13. Du hast das sehr toll beschrieben mit viel kraft und Geduld und das Herz öffnen wird das alles klappen. Trust the Timing of your life.

    • ich tu mein bestes. aber es ist nicht nur vertrauen, es ist auch viel arbeit an sich selbst… aber es wird bestimmt werden!!

  14. Ich freu mich voll das du da etwas wieder entdeckt hast in dir! Sind schöne Aufnahmen die du da gemacht hast. Und das Pfauenbild… tja es gibt Aufnahmen die macht man nicht alle Tage… und das ist definitiv so eine! Schade nur das ich sie nicht gemacht hab 😉 !
    Liebe Grüße Peter
    PS.: Im November wär ja Foo Fighters Konzert in der Stadthalle… 😉

    • dankeschön! es war echt ein unglaublich toller moment, obwohl er nur kurz war und schnell wieder verschwunden ist.
      hehe, ja – bei manchen aufnahmen braucht man einfach extrem viel glück und timing. grade bei tieren – sowas kann man einfach überhaupt nicht beeinflussen.

      wirklich?? wann denn??

  15. So schönes Licht – ich beneide dich um deinen Urlaub. Das PfauenMutterKindFoto ist sooo unglaublich anrührend … LG Steineflora

    • danke liebe steineflora. es war wirklich wunderschön. manchmal erwartet einen an den ecken, an denen man nie damit gerechnet hat, das unglaubliche.

  16. Coole Idee, das mit den Wörtern! Und dieses Pfauenfoto – ich versteh was du meinst: Herzzerreissend!

    • ja, gell! die zwei waren so süß wie sie da vor uns dahingewatschelt sind. ziemlich flott, um schnell ums eck biegen zu können, weiß man ja nicht ob diese menschen einem was tun 😉

  17. Das Pfauenbild ist wirklich toll – so süss, wie die Mama zu dem Kleinen rüber guckt. Auch interessant, dass Du für dieses Bild eine schwarz/weisse Bearbeitung gewählt hast. Ist bei Tieraufnahmen ja doch eher ungewöhnlich (es sei denn, man knipst Film und hat halt keine andere Wal), hab ich bisher auch nur einmal gemacht und das ist schon echt lange her. Passt aber hier ganz gut und die beiden waren bestimmt eh nicht so bunt wie der Papa 🙂

    • ja, gell, das fand ich auch. ich habe wegen der bearbeitung auch ewig überlegt. aber irgendwie haben die farben zu sehr von der körpersprache abgelenkt und so wurde es dann eben farblos. und du sagst es – so strahlend und leuchtend wie der papa waren sie ohnehin nicht 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: