Cartagena – Ausschnitte und die wörtliche Erfahrung „im Schweiße meines Angesichts“.

Ich habe es ja schon andernorts angesprochen – unsere Reise, die dieses Jahr „nur“ nach Spanien und Mallorca ging, war für mich aus mehreren Gründen etwas ganz Besonderes und wird mir sicherlich noch lange – vielleicht für immer – stark in Erinnerung bleiben.

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Die Bildergalerie, die ihr hier bewundern konntet, stammt aus Cartagena. Einem Ort in Südostspanien mit Seehafen in der Region Murcia – mit langer und bewegter Geschichte. Doch das ist es gar nicht, was ich euch erzählen möchte. Cartagena ist eine süße kleine Stadt, die man gut und gern in einem halben Tag erkundet hat. Erzählen möchte ich euch von einem Gefühl, das für mich unglaublich wichtig war, auch wenn es jetzt – nur ein paar Wochen später – schon nicht mehr wirklich greifbar erscheint. Wenn ich es hier festhalte, dann weiß ich, dass es da war.

Es war ein schwüler und heißer Donnerstag, als wir an Land gingen. Meine Begeisterung für alte Gemäuer war in Anbetracht der Rinnsale, die sich unter meiner Brust über meinen Bauch auf den Weg machten, bald erloschen. Ich fühlte schon eine leichte Genervtheit in mir aufsteigen, als wir nach eineinhalbstündigen Innenstadtbummel in der prallen Sonne der Mittagshitze Richtung alten römischen Ausgrabungen pilgerten und mir der Herzjunge eröffnete, er wolle da noch rauf. Ich konnte ein Augenverdrehen grade noch verhindern und riss mich zusammen, schließlich wollte ich ihm ja nicht die Stimmung verderben. Als wir dann auf einmal hinter dem römischen Theater standen, schweißgebadet, durchnässt, mit klopfendem und schnell pulsierendem Herzen, hinter uns die Relikte einer uralten Hochkultur, vor uns ein wunderschöner Blick über den traumhaften Hafen und das Mittelmeer, bewegte sich in mir etwas. Die Grenzen in meinem Kopf verschoben sich zum ersten Mal auf dieser Reise.

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Auf einmal wurde Energie freigesetzt. Eine Energie, die ich seit vielen Jahren in meinem Körper nur mehr unter Einfluss mehrerer weißer Spritzer zu Rock- und Punkmusik an U4-Freitagen oder bedeutenden Konzerten verspürt hatte (und das in letzter Zeit schon lange nicht oder nur mehr sehr selten). Eine Energie, die mir die Muskelkraft gab, bei 35 Grad, sengender Hitze auf Plätzen alter Gemäuer herumzulaufen. Es war, als hätte ich die Ketten der körperlichen Einschränkungen, die mein Geist als Schutzmechanismus in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hatte, durchbrochen und mich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gefühlt, wie ich eigentlich sein sollte oder vielleicht irgendwo noch bin. Und in dem Moment wusste ich: es wird noch dauern. Es wird noch Zeit, Kraft, Energie und Nerven kosten. Aber es wird alles wieder gut. Und ich bin dann wieder der kleine Boxer, der ich einmal war, zwar nicht die allerschnellste, nicht die allerstärkste, schon gar nicht die allergrößte, aber stabil, ehrgeizig und leistungsfähig. Der Wasserfall.

(Als ich am Rückweg die Pfauenmama mit Pfauenkind sah, durchströmte mich pure Glückseligkeit, an diesem Moment teilhaben und ihn sogar festhalten zu dürfen.)

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Zum Abschluss ist es schon wieder Zeit für ein Danke: nämlich für die ersten Wörter, die ihr mir geschenkt habt. Da die Aktion doch mit Interesse aufgenommen wurde, habe ich eine kleine Projektseite eingerichtet. Die findet ihr auch unter dem kafkaesk-Bild in der Seitenleiste. Also wann immer ihr ein Wort habt, schenkt es mir! Ich sammle sie dort und wenn es zu einem Beitrag oder einem Gefühl passt, dann wird es verarbeitet.