Die Liebe zu Worten

…die ich immer und immer wieder entdecke und die sich in zweierlei Dingen manifestiert: Musik und Büchern.

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Viele von euch kennen dieses Phänomen vielleicht – diese Zeiten, Stunden, Tage, Wochen, an denen man umringt ist von Menschen und sich dennoch einsam fühlt, während derer sich der Eindruck aufdrängt, es wäre niemand da, der einen so ganz versteht, keiner, der schon einmal dasselbe empfunden hat oder zumindest niemand, der im richtigen Moment die richtigen Worte findet.

In diesen Zeiten gibt es zweierlei gute Freunde: Musik und Bücher.

Weil Worte heilen.

Grade in der Weihnachtszeit, in der soviel los ist, soviel Trubel herrscht, ist die Einsamkeit bei vielen am größten. Wenn das Jahr zu Ende geht, das alte gefühlt vorbei ist und das neue noch nicht richtig begonnen hat.

Was haben wir erreicht?

Wo stehen wir?

Sind wir am richtigen Weg?

Haben wir uns die richtigen Prioritäten, die richtigen Ziele gesetzt?

Was ist mit unseren Vorsätzen, Wünschen, Plänen passiert?

Diese und andere Fragen stehen dann oft im Vordergrund. Es gibt diese Jahre, wo wir bei diesen Fragen nicken, lächeln und unter allen Punkten ein „mission accomplished“ einzutragen ist. Und dann gibt es diese Jahre, an denen am einen oder anderen Ende eher „work in progress“ verzeichnet wird. Unsicherheit und Zweifel, die in den Vordergrund rutschen. Ein in-Frage-stellen, aus dem in der Zeit der kurzen Tage, der langen Dunkelheit und der mangelnden Sonne schnell eine depressive Verstimmung werden kann. Wenn das Licht am Horizont nur noch schwach flackert und kaum erkennbar ist. Wenn das Weckerläuten am Morgen zum persönlichen Todfeind wird.

Wenn nichts mehr hilft, dann hilft erstmal Musik. Es gibt sie immer, diese Lieder, die von und über einen selbst singen. Die ganz direkt aus der Seele sprechen. Die einem erst eine Träne und dann vielleicht, vielleicht, ganz unwillkürlich, ein Lächeln entlocken. Die den Stein vom Herzen rollen lassen, weil man nicht alleine ist. Weil da draußen jemand ist, der weiß, wie man sich fühlt. Der einem die Gewissheit gibt, dass diese Phase auch wieder vergehen wird.

Und dann nimmt man am besten ein Buch. Eines, dessen Seiten vergilbt und dessen Buchrücken schon oft geknickt ist. Ein Buch, das man liebt, weil man darin versinken kann. Weil das erneute Lesen wie eine Begegnung mit alten Freunden ist. Weil man Sätze wie Schätze darin findet, die diese Liebe dazu einst begründet haben und die einem helfen, sich selbst wieder zu entdecken. Die Sehnsucht wecken. Denn:

Sehnsucht ist der erste Schritt zur Besserung.

Sie grinst und winkt bereits nach der Bedienung. Wir bringen es an diesem Nachmittag jeweils auf vier Eisbecher. Kat erzählt Einzelheiten des missglückten Urlaubs. Wir lachen viel. Wir ergehen uns in Spekulationen über das kommende Schuljahr und mögliche kommende Lieben. Es ist einer dieser heißen, himmelblauen Tage, die nach Vanilleeis und Sommer und Zukunft schmecken, einer der Tage, an denen das Herz ohne vernünftigen Grund höher schlägt und an denen man jeden Eid schwören würde, dass Freundschaften nie enden.

Andreas Steinhöfel, Die Mitte der Welt.

In diesem Sinne, meine Lieben: ich wünsche euch frohe und besinnliche Weihnachten, viele Stunden mit euren Lieben, entspannte Feiertage, Harmonie, einen wundervollen Jahresabschluss und einen sanften oder wilden Start ins neue Jahr – wie auch immer ihr das mögt!