Letztes Jahr zwischen Mai und Juni, da war ich endlich einmal zuhause, frei im Kopf und in der Lage, mich auf Mohnblumenjagd zu begeben. Wie manche von euch vielleicht schon wissen, sind sie meine allerliebsten Pflanzengewächse. Ich habe in Summe nicht so arg viel übrig für Blumen, meist wachsen sie in Wiesen, wo es kreucht und fleucht, summt und surrt und Sechs- und Achtbeiner mag ich ja – mal abgesehen von Hummeln, Bienen, Marienkäfern und Grashüpfern – nicht so besonders. Das hohe Gras sticht, irgendwas läuft einem immer über die Beine, Mücken stechen und überhaupt. Jaja, ich bin ein Draußenkind, trotzdem. Aber Mohnblumen, die haben mich erwischt. Als sie damals zwischen den Bahngleisen wuchsen, obwohl im Viertelstundentakt ein Zug über sie hinwegfuhr, als ich erkannte, dass sie so fragil sind, so großen Kräften ausgesetzt sind, auf den Boden gedrückt werden, sich immer wieder aufrichten, verblühen und im Jahr darauf wieder kommen, habe ich etwas Grundlegendes über das Leben verstanden und darum sind und bleiben sie für mich etwas Besonderes. Die erste Mohnblume des Jahres, die ich entdecke, muss ich immer fotografieren, so will es mein Gesetz. Ich bemerke sie immer, ich genieße ihren Anblick, ich jage vermutlich für immer „meinem perfekten Foto“ hinterher. Ein paar vom letzten Jahr kommen dem schon recht nahe (für mich).