Westcoast memories: live the authentic folk lifestyle & Zitat: „Später ist zu spät“

Vor mittlerweile schon wieder einer Ewigkeit habe ich begonnen, unter meinem Fotorgafinnennamen ein Portfolio aufzubauen. Dafür war natürlich eine Sache wichtig: ein gewisser durchgängiger Bildstil. Ich hatte viel probiert und mich dann in etwas verliebt, das ich in meinen Presets „folk style“ genannt habe, da es ein bisschen in die Richtung des Folk Magazines geht. Meine Begeisterung für diesen Stil war (und ist) überschwänglich, sodass ich auch hier ein bisschen davon zeigen möchte. Manche von euch, die mir schon lange folgen, wird es vielleicht langweilen. Allen anderen zeige ich gerne eine Fotostrecke von meiner wichtigsten Reise, mit der ich begonnen habe, mein Leben und meinen Alltag, meine Gefühlswelt und Wahrnehmung umzukrempeln und zu begreifen, dass mein Leben mir gehört.

Für viele mag das unverständlich sein, denn was sind schon zweieinhalb Wochen Amerika? Das hat doch mit Abenteuer und Selbstfindung nichts zu tun. Und das mag stimmen. Aber es hat mit etwas anderem zu tun: Traumerfüllung.

Und dem Begreifen, dass die Erfüllung von Träumen darin liegt, sie zu Plänen zu machen.

Amerika liegt mir im Blut und im Herzen. Ich verbrachte (großteils als Kind) bereits in Summe knappe drei Monate auf der Nordhälfte des Kontinents und diese Zeit hat sich mir eingeprägt.

Das Betreten des amerikanischen Bodens war wie ein Nachhausekommen in eine fremde Heimat, das ich sonst nur von Italien kenne.

Als ich zum ersten Mal einen Blick auf die Golden Gate Bridge erhasche – diesem Bauwerk, von dem ich mir so viele Jahre gewünscht habe, es mit eigenen Augen zu sehen – schießen mir Tränen in die Augen. Ich war da. Ich war WIRKLICH da. Ich hatte es tatsächlich geschafft und wenn ich das geschafft hatte, konnte ich alles schaffen.

Für viele erscheint das keine große Sache zu sein. Für mich war es das, damals. Ich war 27 Jahre alt und es war mein erster richtiger Roadtrip. Ich hatte von vorne bis hinten alles selbst ausgesucht und geplant. Es war MEINE Reise, die ich mit dem Herzmann erleben durfte. Und es war eine Art Befreiungsschlag, denn mit dieser Reise war das Bewusstsein geboren oder vielleicht auch nur freigelegt, dass ich noch viel mehr von diesem großartigen Planeten sehen möchte.

Die 4.000km dieses Roadtrips, die unglaublichen Erlebnisse, wie wenig zivilisiert Zivilisation sein kann, wie nah manche Ferne und wie unglaublich unsere Natur ist, hat etwas in mir nachhaltig verändert.

Hier schlage ich nun die Brücke zu einem Blogartikel, der mich sehr berührt hat:

Später ist zu spät.

Jasmin schreibt einen Text, wie er mir mehr nicht aus dem Herzen sprechen könnte. Darüber, dass das Leben endlich ist und dass man nicht erst eine Diagnose brauchen sollte, um zu tun, was einem wichtig ist. Das klingt banal und logisch und doch ist es oft so schwer, es umzusetzen.

Ihr Text ist eine Hymne an das Leben.

[…] Wir haben ja schon unsere Diagnose! Wir werden sterben. Du, ich, alle. […]

[…] Das Sterben übt man, indem man lebt. […]

Als sie schreibt:

Ich möchte keine schlimme Diagnose dafür brauchen, um das Leben zu spüren.

könnte ich heulen. JA! Wir haben nur dieses eine Leben und es ist verflucht kurz. Es ist so voller Alltag, so voller Wasserschäden und falsch abgebuchter Kreditkartenbeträge, so voller Weckerklingeln und Kopfschmerzen. So voller Schneematsch und Montage. Aber es ist unser Leben.

Gleichzeitig erinnert sie daran, dass wir nun nicht anfangen sollten, einen 10 Punkte-Plan und eine To Do Liste zu erstellen, um uns endlich wieder bis ins letzte Futzelchen selbst zu optimieren. Im Gegenteil wäre zuviel gesagt, aber dennoch, was anderes:

Es geht mir einfach darum, Dinge bewusst zu tun, die sich gut anfühlen, egal, wie klein sie sind. Und wenn du einfach nur endlich den Sessel frei räumst, der seit 3 Monaten mit Wäsche wechselnder Besetzung zugeschmissen ist, damit du mal wieder gemütlich dasitzen und Pizza in dich reinstopfen kannst: Tu es.

Ich habe mir im März endlich ein Herz gefasst, und meine ekelerregende „Erwachsenenmappe“ geordnet. Die mit Kreditkartenabrechnungen und Haushaltsversicherungen. Ich habe 4 ausständige Steuererklärungen abgeschickt. Und es war herrlich. Ich habe meinen Schal zu Ende gehäkelt und die Couch unter meinem Hintern genossen und St. Patrick’s Day den anderen überlassen. Ich habe eine Laufeinheit gestartet und bin über meine Grenzen gegangen.

Jasmin schließt ihren Text mit einem Zitat von Anaïs Nin:

“Ich bin mir selbst der Wind für mein Segelboot”.

2018 war für mich bisher ein Jahr mit vielen Herausforderungen, Ärgernissen und Rückschlägen. Es erinnert mich noch an ein anderes Zitat: „In manchen Zeiten lebst du, in anderen Zeiten lernst du.“ Gefühlt ist gerade wieder eine Zeit des Lernens. Dennoch möchte ich die Momente dazwischen für das Leben nutzen.

Und alleine deswegen könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt geben, bald wieder für eine kurze Zeit in eine meiner fremden Heimaten zurückzukehren.

Auch auf der Seite von Gedanken bunt finde ich am selben Tag einen Beitrag, der so wunderbar an das Thema anschließt.

Sie fragt:

Es ist, als wollten wir mit aller Macht Zeitsparen, alles noch fertig bekommen, um es abhaken zu können. Doch wo ist diese gesparte Zeit? Wann ist endlich alles fertig?

[…] Mit der alten Vorstellung aufgewachsen, erst die Arbeit, dann das Vergnügen, versuche ich mich immer noch daran, meine Aufgaben konsequent zu erledigen.

Das spielt auch bei mir eine Rolle. Zuerst die Dinge fertig machen. Abschließen, was getan werden muss, erst dann ist Zeit für all das, das Spaß macht. Doch so funktioniert die Welt nicht (mehr). Nichts ist jemals fertig, irgendeine Arbeit, irgendein „soll“ wartet immer.

Wann ist es Zeit, dies zu erledigen, weil das Unerledigte Spannung verursacht? Und wann ist es Zeit, Erledigungen einfach liegen zu lassen, da es für uns gerade Wichtigeres gibt?

Es ist vielleicht die größte Herausforderung des jungen 21. Jahrhunderts. Abzuschalten. Nicht erreichbar zu sein. Nicht verbunden zu sein. Es ist nahezu eine Grenzerfahrung. Eine, die wir in Amerika öfter machten. Denn in der Wüste gibt es keine Handymasten.

Stellt euch vor, ihr seid an einem Ort, an dem ihr nur Möwen schreien, Seehunde rufen, den Wind durch Blätter rauschen und Wellen ans Ufer rollen hört. Da ist niemand, der telefoniert. Kein Auto, das hupt. Keine e-Mail, die geschrieben werden muss und keine Whatsapp-Nachricht über den letzten Hundehaufen, in den jemand getreten ist. Da ist nur die Weite der Natur. Da seid nur ihr selbst.

Welcher Gedanke würde gedacht werden? Welcher Wunsch würde sich breit machen? Was wäre wirklich wichtig?