Budapester Details mit wenig Farbe & Gedanken über das Erinnern

Das erste August-Wochenende haben der Herzjunge und ich ganz spontan in Budapest verbracht. Auch davon gibt es eiiiniges an Bildmaterial für euch. Wie auch von Valencia, fange ich mit ein paar wahrscheinlich eher ungewöhnlichen Details an, denn Gedanken, die sich bei mir geformt haben, scheinen sich darin zu manifestieren. Die Bearbeitung ist sonst für mich eher ungewöhnlich, aber manchmal muss man halt aus seinem Schema ausbrechen, wenn das Bild es verlangt.

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Aus irgendeinem Grund bin ich wieder ein wenig in das Vakuum gerutscht. Es mag an der Hitze liegen, am Sommer – am Sommerloch – am Ausnahmezustand um diese Jahreszeit, am Post-Urlaubs-Blues, am zweiten Reha-Durchgang oder einfach daran, dass Kopf und Herz nach solch stakkatoartigen Erkenntnissen auch mal eine Pause brauchen. Momentan ist jedoch wieder Stille eingekehrt und der Kampfgeist ein bisschen zurückhaltender geworden. Eine Stille, die ich nicht forciert zu haben glaube. Aber es fällt mir schwer, zu denken, zu schreiben, hineinzufühlen, die Ruhe in mir zu finden, wenn alle von Strand, Cocktails, langen Tagen und kurzen Nächten reden.

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Es ist immer die Zeit, in der ein Ereignis das nächste jagt und jeder Tag zuhause unweigerlich mit schlechtem Gewissen verbunden ist – wer weiß, wie lange es noch warm ist? Wer weiß, wie lange wir noch ohne Jacke draußen sein können? Jede Minute nützen wollen müssen und sich dann nicht aufraffen können und sich dafür ein bisschen selbst hassen. Das ist der Frust, den ich mit dem Sommer habe.

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Jeder Sommer ist ein Mahnmal, der Maßstab, an dem das Jahr gemessen wird. Ist er vorüber, geht das Warten auf den nächsten los. Es fehlt die Zeit zum Tee trinken, zum Ausschlafen, zum Lesen, zum Kochen, man will permanent erleben. Man ist vollgesogen mit Ereignissen, die sich nicht im gebührenden Ausmaß reflektieren und teilen lassen und die deswegen nicht tief genug sickern, weil betreffende Personen weit in der Ferne weilen. Der Sommer ist die Zeit des „wollen-müssens“ und „genießen-müssens“.

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Ich bemerke, dass die Erinnerung an die Sommer von damals nur noch erinnerte Gefühle sind, die Gefühle selbst aber nicht mehr nahbar sind. Ich bemerke auch, dass in meinem Leben die traurigen Dinge und die wütendmachenden Dinge immer noch ein wenig tiefer gingen als Freude und Glück.

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Ich bemerke, dass alte Zeiten lang vorbei sind und nicht mehr präsent, die Erinnerung ist nicht mehr das Erlebte selbst, sondern die vielen Male, die man davon erzählt hat. Es ist eine Distanz zu damals und wie eine Distanz zu mir selbst. Wer bin ich, wenn Erinnerungen keine Erlebnisse, sondern nur noch Worte sind?

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So dreht sich das Rad der Zeit, immer weiter. Es werden mehr Erinnerungen verblassen und damit in den Ordner Vergangenheit geheftet – einst verwendete ich eine eigenartige Metapher aus der englischen Grammatik: von der present perfect werden sie zur past tense, ohne Bezug zur Gegenwart.

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Die neuen Erinnerungen, die nachkommen, sind auch bunt, aber sie leuchten nicht ganz so hell und strahlend wie die Zeit der hormongesteuerten Pubertät und die rückblickend vermeintlich fast unbeschwerte Anfangsszeit des Studierens.

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Vielleicht liegt es aber auch am Abstand und das Leuchten kommt mit der Zeit, mit dem wiederholten Erinnern, teilen, aber die Menschen, mit denen man teilt, sind wenige geworden und geben sich alle mehr und mehr der Unaufgeregtheit des Erwachsenseins hin. Die „Weißt du noch?s“ werden weniger, weil es unmöglich ist, innerhalb des Alltags die Frequenz der „Firsts“ aufrechtzuerhalten.

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Es ist an uns, die Bedeutung (wieder) in die kleinen Dinge zu legen. Darüber zu reden, einander daran zu erinnern. Auch wenn die Gefühle weniger sprunghaft, die Verliebtheiten nicht mehr so schwärmerisch, die Veränderungen nicht mehr so schnell und die freien Zeiten nicht mehr so lange sind.