Endjahresstimmung zu Neujahr

Es ist der erste Montag im Jahr nach den Weihnachts- und Silvesterfeierlichkeiten. Die Uhr zeigt grausame 7:43. Es ist sehr still in der UBahn und – für diese Uhrzeit – ungewöhnlich wenig los.
Tja, die Leute werden noch frei haben, denke ich mir und schau frustriert aus dem Fenster, in Gedanken an die kommenden drei Wochen, die alles andere als rosig sein werden. Nichts lenkt mich ab – kein Getratsche oder Handygeläute wie normalerweise an Wochentagen.

Doch nach einigen Sekunden fällt mir doch jemand auf.
Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, nach welchen ‚Kriterien‘ sich mein Unterbewusstsein die Leute aussucht, die ich beobachte und über die ich mir Gedanken mache.
Heute jedenfalls handelt es sich erstmal um einen perfekt gezogenen Seitenscheitel mit brünetten, fülligen, fernsehwerbungsglänzenden Haaren, die bis zu den Schulterblättern reichen.
Das dazugehörige Mädchen ist wohl ein wenig jünger als ich, wird so zwischen 17 und 19 Jahren alt sein. Es trägt eine schmale, rechteckige, rahmenlose Brille mit orange-roten Bügeln. Vom Styling her – denke ich mir – fällt sie interessanterweise für mich in die Kategorie Stadtbahnbögen/Uni-Fest-Type. Die Brille, die Diesel Jeans und Fila Sneakers weisen darauf hin. Was mich allerdings stutzig macht ist ihre Handtasche. Es ist ein typisches, im Weltladen erstandenes, Täschchen mit einem OM-Symbol vorne drauf.
Station Alser Straße. Das Mädchen steigt aus.

Kurz darauf entdecke ich eine Frau, die mir gegenüber sitzt. Wie sie wohl ihren Alltag bestreitet? Fährt sie zur Arbeit? Hat sie frei? Ihr Gewand wirkt eher nicht nach einem Arbeitstag. Die Frau ist wohl etwa Anfang 50, trägt ein Fleece-Stirnband, einen Jack Wolfskin Jungle Bag (irritierend, mitten in der Großstadt. Großstadtjungel?), sie hat eine gelb-türkise Plastiktasche dabei, trägt eine schwarze Hose und die ominösen Wackelschuhe.

Dies waren zwei völlig unterschiedliche Menschen, die heute meine Aufmerksamkeit erregt haben. Zwei Menschen, die mein Leben für einen kurzen Moment bewusst gekreuzt habe. Zwei Menschen, die sich gegenseitig wahrscheinlich nicht bemerkt haben – und nie wieder treffen werden.
Oder doch?

Published by

Paleica

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

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