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Appvorstellung: Airbrush & Kritische Gedanken zum Thema Schönheit und Perfektion. Achtung, sehr persönlich!

Heute stelle ich euch eine App vor, die mich selbst sehr zwiegespalten hinterlässt. Auf der einen Seite finde ich sie genial, auf der anderen Seite aber „horrifying“. Warum stelle ich sie euch dann überhaupt vor? Weil ich selbst bis vor kurzem nicht wusste, dass es diese App gibt und ich denke, dass es nicht schadet, wenn man sich dessen bewusst ist, dass es heute kein Photoshop und ausgefeilte Retusche-Kenntnisse mehr braucht, um entweder das Beste aus sich rauszuholen oder im Kleinen und auf die Schnelle ein sehr unreales, halbwahres Bild von sich zu erschaffen.

Airbrush ist eine App, die es mit ein paar einfachen Klicks ermöglicht, die wichtigsten Beauty-Retusche Arbeitsschritte vorzunehmen. Hautglätten, Zähne weißen, Augen zum Strahlen bringen, Make-Up auffrischen – kurz und gut, die optimale Variante von sich selbst zu zeichnen. Airbrush hat aber auch noch andere Möglichkeiten, die es sonst meines Wissens nach nur in den umfangreicheren Bildbearbeitungsprogrammen gab: partielle Größen verändern, strecken, usw.

Dass es diese Funktionen in der Bildbearbeitungstechnik gibt ist ja weithin bekannt und dass wir damit in allen Hochglanzmagazinen, auf Plakatwänden und im Fernsehen konfrontiert werden, sind wir gewöhnt. Aber ist uns bewusst, dass uns diese verfremdeten Bilder nun auch in allen sozialen Netzwerken begegnen? Auf Facebook, Pinterest und Instagram sowieso? Soziale Netzwerke wurden vor allem deswegen so groß, weil sie das waren, was klassische Medien schon lange nicht mehr waren: authentisch. Und ich glaube, dass sie im Moment sehr viel davon leben, dass es sich noch nicht sehr weit herumgesprochen hat, dass diese wunderbaren und neuen Medien mittlerweile auch alles andere sind als echt. Ich zumindest war mir dieses Ausmaßes nicht bewusst und vielleicht geht es auch manchen von euch so. Daher möchte ich euch heute ein paar Beispiele zeigen, was mit dieser App möglich ist, dass das Spaß macht aber auch schnell in einen Bereich abrutscht, der nicht mehr ganz ungefährlich ist.

Ich las von der App in einem Blogartikel (leider schon wieder keine Erinnerung daran, wer den gepostet hat) einer jungen Frau, die etwas Ähnliches angeprangert hat. Nicht nur, dass man in Wahrheit seinen Augen besser nicht mehr traut, sondern die auch noch eine wesentlich kritischere Komponente ansprach: seit sie die App verwendet, bemerkt sie, wie klein sie ist – etwas, das ihr zuvor nie aufgefallen wäre, geschweige denn sie gestört hätte. Daraufhin war ich neugierig, lud mir die App herunter und begann ein wenig damit zu spielen. Das erste Ergebnis hat mich sofort geflasht. Das auf dem Bild, das war ich – und auch wieder nicht. Ich habe keine derart professionell bearbeiteten Bilder, ich wurde noch nie professionell geschminkt und auf einmal sah ich eine Variante von mir, die ich sein könnte. Wenig später entdeckte ich die Möglichkeit, meine Nase etwas zu verkleinern und meine Augen und Lippen gleichzeitig zu vergrößern. Die beginnenden Lachfältchen um die Augen zu reduzieren. Da und dort ein wenig zu strecken. Und erschuf ein Bild von mir selbst, das ich war und doch auch wieder nicht. Ein Bild, das ich sein könnte, aber doch nicht war. Ich war bisher noch nie auf die Idee gekommen, mir über die Größe meiner Nase oder Lippen Gedanken zu machen. Doch auf einmal fragte ich mich, ob sie denn nicht ein wenig anders besser aussähen. Von meinem immerwährenden Drama mit den Kilos gar nicht zu sprechen.

Ich habe den Eindruck, dass das Bodyshaming, das wir in unserer medialisierten Welt quasi durch die Muttermilch aufnehmen, durch diese paar Tipps und Klicks ein guter Nährboden ist, um richtig üble Selbstzweifel wachsen zu lassen. Vielleicht bin ich anfälliger dafür als andere, vielleicht seht ihr das unproblematischer. Ich habe allerdings daraufhin gleich mit zwei meiner Freundinnen darüber gesprochen, die im Prinzip eine sehr ähnliche Erfahrung damit gemacht haben. Ich bin fast 30 und kämpfe damit weder in der Alters- und schon gar nicht in der Gewichtsklasse der „Miss World“ und co. Dennoch wünsche ich mir natürlich, als attraktiv wahrgenommen zu werden, was für mich mit dem, was ich tagtäglich zu Gesicht und als „Ideal“ präsentiert bekomme, sowieso fast lachhaft zu sein scheint. Aber es macht mich ein kleines bisschen anfällig. Unter’m Strich aber schaue ich kurz erschrocken, zucke mit den Schultern, spiele ein wenig mit den Selfies herum und glaube noch weniger von dem, was ich sehe. Was passiert aber mit den jungen Mädchen, die grade in einem Alter sind, in dem sie ihre Identität finden sollen? Und überhaupt, wieso spielen wir alle in dem ganzen Wahnsinn noch mit? Wieso konfrontieren wir uns mit der unechten Perfektion anderer? Mit dem unechten Glück fremder?

Auf meinem Arbeitsweg komme ich an einer Schule vorbei und ich sehe jeden Tag unfassbar viele untergewichtige und top gestylte Mädchen. Letztens las ich in der Zeit, dass es soviele essgestörte Mädchen gibt wie noch nie. Und es erschüttert mich und macht mich traurig.

Ich finde es heute wichtiger denn je, Mädchen beim Aufwachsen ein gesundes Selbstbild zu vermitteln. Sie ein Selbstwertgefühl lernen zu lassen, selbstbewusst zu sein – und ich spreche hierbei immer vom wörtlichen Sinn. Sie sollen wissen, wer sie sind und was sie ausmacht, dass sie sich auf sich selbst verlassen können. Dass sie hübsch sind und das jedes Mädchen auf seine Art schön ist und diese Ideale Schall und Rauch. Dass Bewegung und Ernährung wichtig sind, aber nicht zur Religion erhoben werden sollten. Und gleichzeitig sehe ich einen ganz großen Punkt in der Erziehung von Jungs. Denn auch ihnen sollte eben dieses vermittelt werden. Für sich selbst, aber auch für Mädchen. Dass die geglätteten und geschminkten Instagram-Stars genauso real sind wie alle anderen Werbungen und Magazine auch und dass dies keine Messlatte und kein Maßstab ist, den man an „echten“ Menschen anlegen sollte.

Ich war selbst einmal 13, 14 Jahre alt und ich weiß, wie grausam die Pubertät und andere Jugendliche sein können – und das, obwohl ich mit meinem Umfeld sicher überdurchschnittlich viel Glück hatte. Ich weiß, wie es ist, niemals ohne schlechtes Gewissen zu essen, sich selbst zu hassen, überzeugt zu sein, dass man für immer alleine bleiben wird, weil man mit einer Konfektionsgröße 38 es nicht „wert“ ist, geliebt zu werden. Ich hatte nie eine ernstzunehmende Essstörung, ich habe aber bis heute kein normales Essverhalten. Essen ist Belohnung, Kontrolle, Essen ist so vieles, nur nicht Versorgung des Organismus. Und damit bin ich nicht alleine. Ich habe viele Freundinnen, die im selben Boot sitzen, manche von ihnen sind dünn, andere nicht, aber wir alle haben eines gemeinsam: wir haben es nie geschafft, unseren Körper anzunehmen wie er ist.

Ich für mich kann sagen, dass es heute wesentlich besser ist als es in der Pubertät war, obwohl ich deutlich mehr Gewicht auf den Rippen trage. Denn ich weiß, dass es (nur) ein Teil von mir und nicht alles ist, das mich ausmacht. Dass es Menschen gibt, die mich mögen und sogar einen, der mich liebt – trotz Dellen an den Beinen. Das ist noch nicht das Ziel, aber ein kleiner Sieg auf dem Weg zu einem Selbstwertgefühl. Andere Frauen, die mir sehr nahe stehen und am Herzen liegen, haben das noch nicht geschafft und ich frage mich: wieso? Sie glauben immer wieder, dass sie alleine sind und vielleicht bleiben, weil sie nicht den perfekten Körper haben, egal wie klug, intelligent und schön sie sind und es gibt genügend Erfahrungen unterschiedlicher Menschen, vor allem aus dem Online-Dating, die diese Befürchtung nähren.

Die große Ironie an der Sache ist, dass das Internet die Gesellschaft offenbar noch oberflächlicher gemacht hat, als sie immer schon war. Noch mehr aufs Optische fokussiert. Noch brutaler, grausamer und kompromissloser.

Das sind harte und vernichtende Worte, die ich hier wähle und sie mögen im ersten Moment überzeichnet scheinen. Doch als wir hier mit diesem Internet und diesem Web 2.0 und der Bloggerei begannen, waren wir anonyme Layouts, die überwiegend aus Worten bestanden mit ein paar wenigen Bildern dazwischen, vielleicht. Schlecht aufgelöst, eingescannt oder mit miserablen VGA Kameras verrauscht und verschwommen aufgenommen. Wir erzählten von unseren Sorgen und Nöten und Gedanken und Beobachtungen. Und ich will nicht in ein „früher war alles besser“ verfallen, dennoch habe ich am Internet vor allem eines genossen und das war, Menschen abseits des Äußerlichen kennenzulernen. Heute hat sich das ins andere Extrem gewandelt, wir zeigen nur noch hochglanzpolierte Bilder, stellen uns dar und aus und malen ein Bild von uns, dem wir selbst nie gerecht werden können. Gleichzeitig verbreiten sich Trolle und Hater wie noch nie – und greifen Frauen, egal in welcher Position, immer zuerst mit dem Äußerlichen an.

Ich habe ein sehr zwiespältiges Verhältnis zum Feminismus, da ich mich mit den meisten VertreterInnen, die nach außen hin agieren, nicht identifizieren kann und weil mein Zugang dazu ein anderer ist. Ich stehe vielen der Themen zwiespältig gegenüber, weil man nicht immer alles über einen Kamm scheren kann. Ich bin in meinem Leben zum Glück relativ frei von vordominierten Geschlechterrollen erzogen worden, dennoch sehe ich, dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Wo diese liegen und warum und wo sich Angelerntes und Angeborenes trennen, lasse ich einmal dahingestellt. Ich hatte auch das Glück, bisher noch sehr selten unerfreuliche Erlebnisse machen zu müssen, aber ich weiß, dass das bei anderen ganz anders aussieht. Und ich weiß auch, dass ich als Frau immer zuerst äußerlich beurteilt werde, privat sowieso, aber auch im Beruf. Als Frau kann man meistens etwas „trotzdem“ oder „gerade deswegen“. Irgendwie erscheint es, als würden sich Männer wie Frauen dazu bemüßigt fühlen, zum Aussehen einer anderen Frau ein Urteil abzugeben, selbst wenn das Aussehen absolut nichts mit der Fragestellung an sich zu tun hat. Und so begleitet uns dieses leidige Thema „von der Wiege bis zum Sarg“. Leider kann ich es heute und hier und alleine nicht ändern. Dennoch hoffe ich inständig, dass das irgendwann, eines Tages aufhört. Dass man sein Gegenüber als Mensch im Ganzen sieht, mit all seinen Werten und Eigenschaften. Dass wir hindurchzusehen lernen, durch die Oberflächlichkeiten. Dass Frauen irgendwann einmal ihre geistigen und intellektuellen Fähigkeiten höher schätzen, als die Zahl, die auf der Wage steht und dass Männer sie vielleicht auch dafür lieben.

 

114 comments on “Appvorstellung: Airbrush & Kritische Gedanken zum Thema Schönheit und Perfektion. Achtung, sehr persönlich!

  1. Das Arge dran ist, dass ich mir oft denke, dass die Frauen ohne all dem Klimbim schöner aussehen, viel schöner, weil viel individueller. Und ja, wirklich, wirklich SCHÖNER. Ist es nicht komisch, dass wir alle ach so individuell sein wollen und dann alle (naja, nicht alle ;o) ) einem einzigen Schönheitsideal nachstreben und damit die eigene Individualität ein Stück weit verlieren? Das denke ich mir, wenn ich an all den Heidi Klum-Klons vorbei gehe, den pubertierenden. Und frage mich, wenn ich sie mir genauer anschaue: „Weißt du überhaupt, wie schön du WIRKLICH bist? (wenn du nicht ständig versuchen würdest, jemand anderer zu sein, was niemals gelingen kann)“
    Ja, ich kenn das alles auch. Ein Bisschen. Und fühle mich, über 50, nun wie befreit von diesen Dingen. Es wird besser. DAS ist das WIRKLICH gute am Älterwerden ( ein weiteres Thema, speziell für Frauen … wann ist man denn ein Neutrum?)
    Also: die unbearbeiteten Fotos sind eindeutig schöner. Wenn man Augen hat zu sehen. Und wirklich sehen will. Die Wirklichkeit … usw.usf.
    Herzlich,
    diespringerin

    • liebe springerin, ganz herzlichen dank für diesen wunderbaren kommentar und deine worte. weißt du, ich denke, das mit dem sehen wollen ist das problem. niemandem wird dieses sehen mehr beigebracht, kommt mir vor. niemand nimmt sich die zeit, „dahinter“ zu sehen. dieses ideal als schön zu empfinden ist so einfach, man wird ununterbrochen damit konfrontiert und was man immer sieht, was man kennt, womit man ständig gefüttert wird, daran gewöhnt man sich und nimmt es mit der zeit auch oft an. selbst ein schönheitsempfinden zu entwickeln, das sich davon abhebt, ist arbeit und aufwand und etwas, das man vielleicht vor anderen acuh noch verteidigen muss. es ist viel schwieriger und menschen neigen leider meist dazu, den einfachen weg zu gehen…

    • mir geht es gleich, ich finde auch die unbearbeiteten Fotos auch schöner.

  2. Ein sehr nachdenklicher Blog Beitrag.
    Bisher habe ich mir über diese Thematik – losgelöst von dieser App – noch nie Gedanken gemacht. Das was du schreibst ist war und leider auch sehr schlimm. Vor Jahren haben die Leute versucht den Modells nachzueifern, mit dem Wissen, dass diese es eben Professionell machen und daher besser gestyled sind. Heutzutage kann durch solche Apps jeder so aussehen und tut es in den Sozialen Medien auch. Vor dem spiegel vergleichen sich die Leute dann mit den Facebook Bildern und werden unzufriedener.

    Hier ist denke ich der Punkt, dass die Gesellschaft von heute kein bzw. kaum mehr Selbstvertrauen hat. Wäre dieses ausgeprägt, hätte eine App wie diese nur einen „Fun Faktor“ aber keine weiteren Negativen Einflüsse.

    Schade zu sehen wie die Welt sich selbst verdreht.

    Gruß
    Chris

    • hallo chris!
      ja, dieser beitrag schwirrt in einer gewissen art und weise schon ewig in meinem kopf herum, erst durch diese app hat er aber form angenommen. er liegt mir persönlich sehr am herzen und ich muss sagen, wenn ich damit einem menschen das thema mehr ins bewusstsein geholt habe, dann hat er seinen sinn eigentlich schon erfüllt, danke dafür 🙂
      die unzufriedenheit, die durch den vergleich mit vermeintlich anderen „normalen“ menschen ausgelöst wird, ist, glaube ich, ein großes thema in den sozialen medien.
      danke für deinen kommentar!!

  3. Liebe Christina, dieses Thema begleitet mich täglich, denn meine Tochter ist 13 und da läuft fast alles über Social Media. Ich sehe Bilder, da posen 11jährige wie Models. Sie sind alle unglaublich dünn, oh ja. Sich darstellen und zeigen bei Instagram, Snapchat und Musical.ly, das ist das tägliche Doing der Mädels. Dabei werden Filter eingesetzt, fast kein Bild ohne. und Bodyshaming jaaaa, das ist heftig, die Mädels schämen sich beim Umziehen zum Sport, alles ist peinlich und wahrscheinlich nicht nur da… Mädels werden von Klassenfahrten von den Eltern abgeholt, weil das Kind das Essen verweigert, was mich glücklich stimmt, dass Lehrer sich ihrer Verantwortung bewusst sind und eingreifen.

    Ich bin jenseits von Bodyshaming, für mich ist das kein Thema. So extrem wie heute war es bei mir nicht, klar hat man nach der Figur der anderen geschaut, aber das war es auch.

    Liebe Grüße, Bee

    • liebe bee, da ist dieses thema bei dir sicherlich grade ganz „heiß“. ich hoffe sehr für dich und deine tochter, dass sie sich soweit davon abkapseln kann, dass es ihr nicht schadet. ich glaube, die heutige übermedialisierte zeit ist bis zu einem gewissen grad auf psychischer ebene eine besondere herausforderung für jugendliche und ich beneide sie darum kein stück.

      ich muss sagen, ich glaube, dass es auch bei mir nicht so extrem war wie heute, obwohl es schon auch recht ausgeprägt war. naja, man darf gespannt sein, wohin es sich noch entwickelt…

      • Man kann sich heute als Jugendliche dem Thema Social Media kaum entziehen, man will dabei sein… der Druck dabei möglichst viele likes einzufangen ist sehr groß. Meine Tochter ist zwar sehr aktiv auf den SM-Kanälen, zum Glück hat sie einen ganz normalen BMI und wiegt nicht 35kg wie manche ihrer Mitschülerinnen :/ Bodyshaming trifft heutzutage fast alle Mädchen in dem Alter.

        • ja, das kann ich mir vorstellen. es ist einfach etwas, das so ins leben der jungen menschen integriert ist, dass sich davon abzugrenzen wohl einer völligen selbstausgrenzung gleichkäme. ich sehe das bei meinem großcousin auch, er ist 16 und da kriege ich immer wieder mit, was er liked von mädels aus seiner schule und so. das finde ich halt einfach schon sehr bedenklich. und auch, was einem sonst begegnet. facebookseiten von jugendlichen, die bilder von stärkeren und weniger hübschen mädchen einstellen und sich in den kommentaren darüber öffentlich auslassen, wie fett und hässlich die sind… das ist einfach nur scheußlich.

  4. Na, da hast Du mich ja voll in meinem Thema getroffen! Und gleich so viele Gedanken dazu aufgenommen, dass ich gar nicht weiß, worauf ich zuerst reagieren soll 😉
    Das Thema Schönheit ist für mich zentral. Ich liebe es, von schönen Dingen umgeben zu sein und ich habe natürlich auch gewisse ästhetische Ansprüche an mich selbst – denen ich allerdings meistens nicht so recht genüge. Aber das scheinst Du ja zu kennen. Ich erkenne da auch ein Dilemma. Zum einen suchen wir die Schönheit, zum anderen setzt sie uns unter Druck. Auch, wenn ich selbst häufig darüber nachdenke, wie andere und gerade junge Menschen beeinflusst werden, im tiefsten Inneren bin ich überzeugt, dass wir alle uns unseren Weg ‚ausgesucht‘ haben und ich traue jedem Menschen seinen Weg zu. Ich weiß von mir selbst, dass ich bestimmte Dinge über mich, das Leben und so weiter, ohne die wirklich harten Zeiten nie gelernt hätte. Bestimmte Persönlichkeitszüge, auf die ich stolz bin, wären nie entsanden, wenn ich es an bestimmten Stellen leicht gehabt hätte. Und ich glaube, dass ein Mädchen, das so früh mit derart persönlichkeitsrelevanten Fragen konfrontiert wird, ja, zu leiden hat, aber auch eine unendlich wertvolle Chance hat, nämlich zu einer selbstsicheren Frau zu werden, die sich und ihre Werte kennt, schätzt und liebt. Eine solche Frau wird nie abhängig sein von der Anerkennung anderer.
    Für mich persönlich habe ich verstanden, Schönheit ist ein Ergebnis, kein Ziel. Die Natur, das hat mir die Makrofotografie gezeigt, ist in ihrer Schönheit nicht zu überbieten, WENN sie gesund ist. Für mich ist Schönheit der ‚göttliche‘ Ausdruck von allumfassender Gesundheit. Sie entsteht da, wo die Teile zusammen passen, wo Kreisläufe sich schließen. Schönheit beim Menschen, und ich spreche da jetzt von mir, ist ebenfalls Ausdruck dieser Gesundheit. Zum einen, weil ich mich mit meinem Leben verändere. In die Gestalt meines Körpers fließt jede Sekunde meines Lebens ein und hinterlässt dort Spuren. Und ich kann an meinem Körper erkennen, ob ich mich liebe, heißt komplett annehme, oder nicht. Ich habe da noch ein bisschen was vor mir 😉
    In der Konsequenz ist dann eine solche App eine schöne Spielerei mit A-Ha-Effekt. Sie macht mich total neugierig, aber der Blick in den Spiegel zeigt mir ja die Realität. Aber so geht es ja den photogeshopten Models auch! Insofern ist es wiederum auch Teil der Realität zu sehen, was ich digital verändern kann. Zur Realität gehört immer auch die Illusion und es ist bestimmt nicht schlecht, sich das bewusst zu machen – und vielleicht sogar zu nutzen. Der Punkt ist wohl, wie letztlich immer, die eigene Einstellung dazu. Ablehnung oder Annahme…?

    • meine liebe, es ist schön, von dir hier wieder worte zu lesen 🙂 im großen und ganzen stimme ich dir da auch absolut zu. einzig denke ich, dass ein gewisses rüstzeug wichtig ist. dass einem schon früher in der familie mitgegeben wird, dass man etwas wert ist. sonst ist die gefahr, daran zu zerbrechen, glaube ich schon sehr groß.

      • Na ja, ich kenne dieses Argument von Hellinger. Der sieht ja, beispielsweise, adoptierte Kinder als Loser ohne Chance an, um es mal auf die Spitze zu bringen. Wenn dem so wäre, hätte ich im Leben absolut niemalsnicht eine Chance auf irgendwas, denn ich bin adoptiert. Dieses Rüstzeug, von dem Du sprichst, wird ja viel viel früher mitgegeben, im ersten Lebensjahr, nach Freud und auch nach dem, was ich in der Transformationstherapie erlebt und erfahren habe. Da sind die allerersten Monate, Wochen, Himmel: Minuten! von Bedeutung. Wenn das stimmt, ist das Rüstzeug da. Wenn das nicht stimmt, wie beispielsweise bei mir, dann hat man die Möglichkeit, es sich zu erarbeiten. Was dann für mich wieder dahin führt, dass es dafür Aspekte und Fähigkeiten hervor bringt, die sonst nie zum Zuge gekommen wären… Es gibt in der TT den schönen Satz: traue anderen ihren Weg zu. Alles andere macht sie klein. Und so sehe ich das selbst auch…
        Jaaaaaa, und vielleicht hab ich bald mal wieder Internet! Da warten schon ein paar Fotos auf Veröffentlichung!! Ich finds auch schön, mal wieder mit Dir zu schreiben 😉

        • O.o das ist ja auch ein seltsamer ansatz. also das teile ich in der form nicht. freud sieht halt in unterschiedlichen entwicklungsstufen unterschiedliche gefahrenpotenziale. soweit ich weiß, ist das, was in der aller allerersten zeit so enorm wichtig ist, vor allem der aufbau des urvertrauens, das sonst in urmisstrauen umschlägt und wirklich schlimme folgen nach sich ziehen KANN. aber auch später können dinge schiefgehen (oder gut gehen ^.^). also das ist eine sache, aber wenn man zum beispiel in einem umfeld aufwächst, in dem man permanent kritisiert wird, entwickelt man sich anders, als wenn man im laufe seiner kindheit unterstützung und motivation erfährt. dann kommt es wohl auch noch auf den charakter des einzelnen menschen an, denn je nachdem, was man mitbringt, reagiert man natürlich auf unterschiedliche verhaltensweisen. die einen werden auf kritik vermutlich zu einer art rebell und entwickeln eine „jetzt erst recht“ mentalität – und andere zerbrechen daran.

          JA, man soll jedem seinen weg zutrauen. aber es ist nicht so, dass das umfeld, in dem ein mensch aufwächst, frei von verantwortung in seinem verhalten ist. mit viel arbeit und mühe kann man selbst aus jedem dilemma rauskommen, das einem anerzogen ist. aber im besten fall passieren diese dilemmas erst gar nicht.

          yay, das wäre schön 🙂

      • PS: wenn ich mir das Header-Bild übrigens mal so ansehe: Okay, klar, die Haut, die Farbe, die Proportionen, mag überall was dran gemacht worden sein. Aber eins ist entscheidend: es sind sowas von Deine Augen und sowas von Dein Blick. Also bist es doch Du 😉

  5. „Soziale Netzwerke wurden vor allem deswegen so groß, weil sie das waren, was klassische Medien schon lange nicht mehr waren: authentisch.“

    Echt? Ich habe Soziale Netzwerke nie so gesehen. Für mich war das immer eine große Inszenierung.

    • wirklich? nein, für mich nicht. also ich weiß noch, als ich 2008 etwa auf fb begonnen habe, gab es für mich noch kein smartphone, von einem iphone und selfies und filtern ganz zu schweigen. ich hab dort viel gepostet und eher von der dunklen seite und es viel dazu benutzt, meine gefühle loszuwerden und in erster linie ging es darum, so die engen freunde am laufenden zu halten, in den prä-whatsapp-zeiten ^.^. instagram war damals halt auch wirklich noch „insta“, es wurde gepostet, was in dem moment wichtig war, ohne auf eine galerie zu achten und dass bilder zusammenpassen und ohne die profi-streams, die dort ohnehin nur ein dslr-portfolio reinbasteln. zumindest in meinem netzwerk 🙂

      und ich denke schon, dass die (vermeintliche) authentizität eine große rolle spielt, warum bezahlte kooperationen mit blogs auch heute noch zu funktionieren scheinen. weil eine große leserschaft es für „echt“ hält.

      für mich war social media früher ein weg, mich auszudrücken, unmittelbarer als hier auf dem blog. das ist es jetzt nicht mehr.

      • natürlich. ABer im Endeffekt zeigen Leute uns das, was sie uns sehen lassen wollen. Sie präsentieren sich. Sie zeigen ein Bild von sich, wie sie gesehen werden wollen. Natürlich war die Intention eine andere, aber trotzdem zeigt man immer einen Teil von sich. Der teil muss nicht per se unauthentisch sein – aber er bleibt ein Teil.

        • ja, das ist richtig. aber tun wir das im echten leben nicht auch? entscheiden wir nicht in der realität auch, was wir andere von uns sehen lassen wollen? ich denke, es gibt einen großen unterschied zwischen „einen teil zeigen“, der dennoch authentisch ist und den es wirklich gibt und dinge zu inszenieren, nur damit sie social media tauglich sind. und ich denke, dass sich im laufe der letzten paar jahre eine wandlung vom einen zum anderen vollzogen hat. das ist aber nur mein persönlicher eindruck 😉

          • klar, aber es gibt weniger Affekthandlungen online, keine Mimik, die mich verraten könnte, selbst die GEfühlsausbrüche muss niemand zu Gesicht kriegen. Außer ich will das.

        • Das sehe ich auch so… wir zeigen überall einen Teil von uns… auch im realen Leben zeigen wir an verschiedenen Orten mit verschiedenen Menschen verschiedene Teile… aber wir sind halt eben auch nicht nur so oder so… ich finde das vollkommen ok… … wir haben zwar Einfluss darauf, welche Teile wir wie wo zeigen, aber wenig darauf wie wir tatsächlich wahrgenommen werden… das liegt bei den anderen… deswegen finde ich es am besten, sich nicht allzu sehr selbst zu inszenieren😉… und auch das ist ja schon wieder ein Teil, den ich zeige… … wir kommen aus der Nummer nicht raus😜…

          • Ja, natürlich lässt sich das immer übertragen. Was ich eigentlich sagen wollte. Ich habe das nie für bare Münze genommen, was ich im Social Media bereich gesehen habe. Klar wählt man die hübschen Bilder von sich – egal ob retouchiert oder nicht – und wenn jemandes Leben auf Facebook großartig ist, muss es das in Wirklichkeit noch lange nicht sein.

            • Und umgekehrt… wenn ich nur einen kleinen Ausschnitt meines Lebens präsentiere, sieht’s für andere vielleicht langweilig aus, aber für mich ist’s das gar nicht… 😉…

            • es ist halt natürlich ein thema, über das man vermutlich tagelang diskutieren könnte ^.^ was ist inszenierung? auch traurigkeit ist inszenierung. poesie ist inszenierung. jeder text, den man schreibt, ist eine inszenierung. weil man damit immer etwas ausdrücken will. und insofern ist selbstverständlich ALLES, was man online von sich gibt, inszeniert. aber für mich liegt der unterschied glaube ich im GRUND der inszenierung. inszeniere ich meine gefühle und gedanken, weil ich sie mit menschen teilen möchte oder weil ich damit geld mache? inszeniere ich etwas, das zumindest im kern wahr ist, oder inszeniere ich etwas, das ich gar nicht bin und gar nicht so meine, weil ich geld dafür bekomme oder erhoffe, eines tages geld dafür zu bekommen? oder vielleicht muss man gar nicht so weit gehen, vielleicht muss es gar nicht geld sein. ist es eine intrinsische motivation, weil ich mich ausdrücken will und „muss“ oder ist es eine extrinsische motivation, weil ich anerkennung brauche? inszeniere ich etwas, verstärke ich das, was mir wirklich am herzen liegt, oder inszeniere ich es in die richtung, die mein publikum sehen will, um damit möglichst „erfolgreich“ zu sein? da liegen für mich schon verändernde facetten.

              • Naja, aber es geht ja nicht nur darum, ob man Geld dafür bekommt oder bekommen will. Auch wenn man einfach nur besser dastehen will…

                Ich wollte auch gar keine Grundsatzdiskussion anstoßen, nur wegen der Bilder: Oft genug trifft man Leute von FB (oder anderen ähnlchen Plattformen) und im Endeffekt weiß man nie, ob man sie erkennen wird vom Profilbild oder nicht 😀 Oft genug nicht 😉 Denn da wählt man immer bestimmte Bilder aus – jetzt ist das retouchieren halt noch einfacher geworden.

              • ja, das stimmt. aber das war eben in meinem direkten netzwerk zu beginn dieser „ära“ einfach nicht so. da waren postings sehr unmittelbar, nicht unbedingt immer nur vorteilhaft und auch meist ohne groß nachzudenken. da sehe ich eine große veränderung. aber es kann ja auch gut sein, dass dein netzwerk sich anders verhalten hat als meins. muss ja auch nicht überall gleich gewesen sein ^.^

                und ja, mit dem erkennen hast du recht. heute ist das auf jeden fall so. ich glaube, das wird auch grade mit diesen ganzen videomöglichkeiten seitens der plattformen wieder zu verändern versucht, weil man sich im bewegtbild nicht ganz so leicht so stark anders darstellen kann.

  6. Krasse App – Ich finde sie furchtbar. Darüber, dass sich das Internet so gewandelt hat von der Innendarstellung zur Außendarstellung, habe ich noch nicht so reflektiert nachgedacht, aber eigentlich hast du völlig recht. Früher habe ich oft Leute aus dem Internet getroffen. Heute nicht mehr. Das hat viele Gründe, die auch gar nicht am Internet liegen, aber wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich mir eingestehen, dass mir viele Leute aus dem Internet heute Angst machen. Ich schaue ihre Bilder bei Instagram an, aber irgendwie sind die Leute mir (fast) alle eine spur zu cool, zu schön… ich habe dann unbewusst das Gefühl, es mit ihrer Coolness, Schönheit und ihrem Erfolg nicht aufnehmen zu können und bin dann froh, dass ich sie niemals in echt treffen muss. Eigentlich total schade 😦 .

    • ja, mir geht es wie dir. zu cool, zu schön… man hat das gefühl, dass diese menschen 24/7 geschminkt, gestyled und immer perfekt herumlaufen, dass die keine bad hair und schlabberhosen days haben und schon gar keine pickel und speckröllchen. was natürlich bullshit ist. aber ich sehe das auch so. und je weniger mich die menschen hinter den accounts, denen ich querbeet folge, interessieren, umso mehr frag ich mich: was bringt das alles eigentlich noch?

  7. Ach du!
    Das ist echt ein super interessanter Beitrag, toll und ehrlich dargestellt.
    Ich bin gerade total fasziniert und gleichzeitig beängstigend wie schnell und einfach, es scheinbar mit dieser App geht ein paar Falten und Unebenheiten zu entfernen. Klar sieht das irgendwie toll aus, aber ich für meinen Teil bevorzuge die echte Paleica, mit Unebenheiten, Ecken, Kanten – die ist nämlich wunderschön wie sie ist ❤

    Ich kann das Thema echt gut nachvollziehen und hab da sehr gleiche Gedanken. Habe in letzter Zeit auch verschiedenes gelesen und stelle immer wieder fest, dass sich die Jugend total verändert hat durch das Internet. Durch Facebook, Instagram und Co neigt man so viel mehr dazu, sich mit anderen zu vergleichen und sich selbst in Frage zu stellen. Gerade für Kinder und Jugendliche die noch in der Entwicklung stecken finde ich das mehr als fragwürdig.
    Ich erinnere mich außerdem noch an einen Zeitungsartikel, in dem eine junge Frau S**sung angeklagt hatte, weil dort in der Kamera ein Filter voreingestellt war, der in etwa das selbe macht wie diese App – nämlich Fältchen und Sommersprossen überdecken.
    Auf der anderen Seite erinnere ich mich auch noch an eine Fotostrecke eines Fotografen der instagram Bilder inclusive allem was um das Bild herum passiert festhielt. Damit wollte er zeigen, dass Instagram eben nur die perfekten Ausschnitte und Ecken sind und oftmals alles drum herum (was nicht auf dem Bild ist) durchaus im Chaos versinken kann. Jemand der aber diesen perfekten Ausschnitt betrachtet, wird sich denken – wow, was hat dieser Mensch für ein tolles Leben oder eine tolle Wohnung.
    Die sozialen Medien sind einfach so unendlich viel Schein und Glanz – klar auch ich mag das, wenn ich einen schönen Teilbereich in Instagram teile und diesen noch mit einem super-filter aufpoliere, ich ertappe mich auch das ein oder andere Mal, dass ich mir denke, wow tolle Bilder und viele Likes und viele Follower – ich rufe mich aber auch direkt wieder zur Ordnung, weil ich mit dem Internet groß geworden bin und weil ich meine zu wissen, wie es tickt – Das es aber jemandem, der in der Pubertät steckt schwer fällt, dies zu erkennen, das glaube ich gerne.
    Ich finde nach all diesen glanzvollen und optimal positionierten Bildern – nach 20 Selfies, die man mal ganz spontan gemacht hat – bis man sich für herzeigbar hält, ist es wunderbar, die Menschen dahinter in ihrer Echtheit kennen zu lernen – ehrlich und ungefiltert, und daran sollten wir wieder viel mehr festhalten.

    DANKE für diesen super-Beitrag! ❤

    • ach danke meine liebe ❤ mich beschäftigt dieses thema momentan wahnsinnig. also das internet und wie es sich verändert hat und wie es mich und uns und die gesellschaft verändert hat. ich glaube, es hat vor einiger zeit diesen "kritischen punkt" überschritten, wo weniger die menschen einfluss auf das internet haben als das internet auf die menschen. weißt du, was ich meine? derzeit sind meine gedanken dazu noch fürchterlich turbulent, aber ich hoffe, dass ich am ende daraus ein fazit ableiten kann, das mir meinen weiteren online-weg weist.

      ich bin hin- und hergerissen. ich muss ehrlich gestehen, ich bin total geflasht von den ergebnissen und ein teil von mir denkt sich "was ist schon dabei? ist doch dasselbe als das, was einem sonst überall begegnet". aber nein, das ist es eben nicht. weil ich keine werbung bin, weil ich keine vekaufsfläche bin, sondern ein mensch und daher ist das für mich eigentlich falsch. trotzdem möchte man natürlich das "beste" aus den bildern rausholen, die man zeigt. du siehst, ich habe grade so meine struggles, ich werde reingezogen in diesen wahnsinn und vesuche gleichzeitig, mich davon freizustrampeln.

      den artikel hab ich auch gelesen und ich fand es toll, dass jemand für seine ecken und kanten eingestanden ist. das war eigentlich auch der erste anstoß für den artikel, allerdings brauchte es noch ein paar andere berührungspunkte, bis ein gefühl und ein text daraus wurde.

      ich habe das gefühl, dass es langsam acuh menschen gibt, die sich ganz aktiv dagegen stellen und die es aussprechen und ich hoffe einfach, dass sich all das irgendwann mehr einpendelt und die menschen einen gesünderen weg finden, mit der technologie umzugehen.

  8. Liebe paleica,
    erst mal: ich finde du bist mit und ohne Bildbearbeitung eine hübsche Frau! Ich finde es total traurig, wenn sich eigentlich hübsche Menschen – und das sind in meinen Augen ganz viele, wenn man genau hinschaut – nicht für hübsch halten!
    Ich möchte aber entgegen deiner bedenklichen, auch berechtigten Kommentare sagen, dass ich auch etliche junge Frauen und Mädchen kenne, die zwar auf ihr Äußeres achten, aber ein sehr gesundes Selbstbewusstsein haben. Die sich nicht nur schminken oder stylen, um etwas zu kaschieren, sondern die sich aus Selbstbewusstsein angemessen stylen und damit sagen: schau her, das bin ich! Ich war anders als Mädchen/ junge Frau: ich habe mich versteckt hinter zotteligen, vielen Haaren und mich in zerrissene, schwarze Kleidung gehüllt, um mich zu verstecken (man kann sich mich als Jugendliche ein bisschen wie das schwarzgekleidete Mädchen in „Breakfast Club“ vorstellen😜…) Es ist beides nicht gesund… Ich denke, deine Kritik einer solchen App gegenüber ist berechtigt, ich erinnere mich aber auch an Kritik gegenüber Barbies als „gefährliches“ Spielzeug… aus ähnlichen Gründen… Ich bin froh, dass ich heute einige Gegenbeispiele an jungen Frauen kenne, die ihr Selbstwertgefühl durch gesunde Familienstrukturen bekommen, durch ihre Arbeit, ihre Leistung, durch Sport, durch Intelligenz, durch gute-Gesprächspartner-sein… die ihren Wert nicht an Kilos festmachen…
    Genauso kenne ich auch Frauen, die sich sehr über ihr Äußeres definieren und ihren „Wert“ fast ausschließlich daran fest machen… da ist der ganze Beauty-Bereich natürlich auch keine Hilfe, da sie ständig etwas an sich entdecken, was nicht passend ist… ich bin manchmal erstaunt, auf was man alles achten kann;-)… Leider sehen sie oft ihr Äußeres auch als Grund dafür, ob sie einen Partner haben oder nicht… Ich kenne aber auch etliche Männer, die einfach nur genervt sind von Frauen, die ständig an sich rumschminken und -wurschteln, die auf Natürlichkeit stehen; die vielleicht auch mal eine durchgestylte Frau anschauen, aber für sich als Partnerin gar nicht wollen; die einen Blick in die Sendung „Germany’s next Topmodel“ werfen und keine davon wirklich attratkiv finden… Vielleicht habe ich da einfach Glück, mich in solchen Kreisen herumzutreiben…? Und ist nicht manch einem schon mal aufgefallen, dass auch immer wieder gar nicht sooooo überdurchschnittlich attraktive Frauen gute, stabile, liebevolle Beziehungen mit tollen Männern haben? Und warum ist es auch heute noch so, dass sich eine Frau offensichtlich erst „wertvoll“ an der Seite eines Mannes fühlt?
    Was solche Apps oder das Internet allgemein mit unserer Wahrnehmung von Schönheit machen… ??? Man wird sehen…
    Diespringerin kann ich allerdings nur beipflichten: ich bin zwar noch nicht ganz 40, aber ich fühle mich heute oft attraktiver, mag mich mehr als mit Anfang 20, obwohl ich rein objektiv sicherlich nicht besser aussehe😉…
    Was mich allerdings auch flasht und fragend zurücklässt: das Internet verändert uns und unsere Wahrnehmung, ja und ok… was ich aber noch viel krasser als Schönheitswahn finde, ist, inwiefern das Internet, die ständige Möglichkeit der Kommunikation uns hinsichtlich unserer ZEIT verändert… ich selbst verbringe seit Beginn des Facebookens – vor 2 Jahren – und erst recht des Bloggens viiiiieeeel mehr Zeit am Rechner, im virtuellen Austausch… ich sehe aber, dass das bei vielen Menschen, gerade bei jungen Leuten (ich zähle mich eigentlich auch dazu, aber nicht was Internet anbelangt😜) noch viel mehr ist… wo bleiben die realen Erfahrungen? der reale Austausch? die ungeteilte Aufmerksamkeit auf den Moment, den Menschen, der gerade jetzt im echten Augenblick da ist?… und auch hier sehe ich ja, wie schnell hier reagiert, geschrieben, sich ausgetauscht wird (mich eingeschlossen)… was machen wir (parallell) dazu in unserem realen Leben, in dem wir Dinge mit allen Sinnen wahrnehmen können? Da scheint es mir das kleinste „Übel“ zu sein, sich mit Schönheit oder nicht Schönheit auseinanderzusetzen… bzw. vielleicht würden wir uns mit dem einen gar nicht so stark beschäftigen, wenn wir unserer Zeit anders investieren würden in reale Erfahrungen, Gespräche, Handlungen, Sinnenswahrnehmungen, etc. … …

    • Witzig: für morgen habe ich einen Blogbeitrag geplant, der ganz grob (!) auch in diese Richtung geht… wenn auch ganz anders…

    • wow, liebe heidi, herzlichen dank für diesen mega kommentar!!

      es ist gut und beruhigt mich, dass du auch andere beispiele kennst! ich habe selber nicht wirklich kontakt zu jugendlichen und kann daher nur von beobachtungen und erfahrungen aus zweiter hand sprechen – und den eigenen gedanken, die man sich macht.

      dass du solche männer kennst finde ich großartig. ich kenne zum glück auch solche! allerdings habe ich auch schon genügend geschichten gehört, grade im bereich des kurz angerissenen online datings, die einfach unter aller sau waren. unfassbar, was sich manche männer da erlauben und was für vorstellungen und „anforderungen“ die haben. traurig ist, dass sie es dennoch schaffen, wunderbaren frauen so das herz zu brechen und ihr selbstwertgefühl zu vermindern.
      den satz mit „dass sich eine frau wertvoll an der seite eines mannes fühlt“ – ich weiß, was du meinst und ich hoffe, dass das immer weniger wird. es ist für mich aber ein unterschied, ob man sich eine beziehung wünscht, weil man gern sein leben teilen möchte, oder ob man einen partner für den selbstwert braucht.

      diese allgemeine veränderung der menschlichen kommunikation durch die digitalen medien ist natürlich nochmal ein ganz anderes thema. ich glaube, die gesellschaft muss sich erst an die möglichkeiten gewöhnen und dann einen weg finden, damit sinnvoll umzugehen. wie mit allen medien, die grade in den letzten 130 jahren aufgetaucht sind. ich persönlich merke, dass das interesse an meinem internetkonsum im privaten im vergleich zu noch vor 2 jahren extrem abnimmt. es ist mir viel weniger wichtig. klar hat man das teil oft in der hand, aber ich habe das handy auch immer wieder einen abend lang irgendwo liegen, grade wenn ich mit anderen menschen unterwegs bin und schaue stunden nicht drauf. das war früher undenkbar.

      • Da bin ich ja zuversichtlich, Paleica, dass hoher Internetkonsum auch nur vorübergehend sein kann;-)… ich sitze halt viel dran, wenn ich eh Zeit habe… wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin, haben die Vorrang! Hat bei mir aber vielleicht auch noch den Reiz des „Neuen“, so dass es mich dahin zieht… du bezeichnest dich selbst ja als Internetmethusalem😂… ich bin zwar auch schon lange online, habe Internet aber bis vor zwei Jahren eher zur Arbeit, Recherche, Einkaufen und mailen genutzt, nicht für Austausch wie z.b. hier beim Bloggen… so bekommt es für mich noch mal eine ganz andere, doch interessante Dimension, weil man eben im wahren Leben nicht immer unbedingt so leicht über „Gleichgesinnte“ oder Menschen mit ähnlichen Interessen stolpert…

        • 😀 ja, das kann er. das internet spielt ja mittlerweile mehr als die hälfte meines lebens eine sehr große rolle darin und ich hatte definitiv einmal eine phase, in der es mich verschluckt hat. in einer zeit, als bei weitem noch viele gar keinen computer hatten, habe ich vor der schule aufgedreht, um das gästebuch meiner website und die mails meiner mailgruppen zu checken und meine sonstigen accounts. nach der schule konnte ich es kaum aushalten, bis ich wieder zuhause war und wieder vor dem gerät saß. meine großeltern, die 100mk von uns entfernt wohnten, einen nachmittag zu besuchen, war jedesmal etwas, das mich mehr als zappelig machte – den ganzen tag ohne internet? und am schlimmsten waren urlaube. das war nicht mehr lustig, aber glücklicherweise habe ich gelernt, damit umzugehen. vielleicht bin ich auch deswegen so ein kritischer beobachter davon, weil ich es selbst schon erlebt habe, was dieses medium mit einem machen kann. andererseits – ich habe es auch geschafft, mich davon zu distanzieren, also kann mir das eventuell ebensoviel grund zur zuversicht geben, dass eine generation, die damit aufwächst, das ebenfalls lernen wird.

          • Ui, das hört sich krass an… nicht anders als bei nem Alkoholiker oder sonst wie Süchtigen… … Gut, dass du es im Griff hast!

            • ja, eine zeitlang war es das definitiv. irgendwann kam der zeitpunkt, an dem es mir selbst angst gemacht hat und das leben hat mir dann zum glück einen ausweg geboten 🙂

  9. Ein wunderbarer, weil sehr offener und persönlicher Beitrag, Paleica. – Ja, die Themen „Selbst- und Fremdwahrnehmung“, „Narziss“ und „Schönheit“, aber auch „Mensch sein“, „Charakter“ und die Fragen „Wer bin ich“ und „wer will ich sein“. Alles schwingt mit. Und ja, all das bewegt auch mich (und wahrscheinlich uns alle), wenn wir so im Netz unterwegs sind, Fotos bearbeiten und in allen Medien, die vielen „schönen“ Menschen sehen.
    Wir haben uns mit der Entwicklung des Internets eben auch als Gesellschaft verändert: Schnelle Klicks, massenhafte Eindrücke, oberflächliche Statements haben längst Tiefgang und nachhaltige Eindrücke ersetzt. Erfolg, so wird uns glauben gemacht, hat nur der, der „schön“ und „hip“ ist. Und was schön und hip ist, erzählt uns eine Industrie, die uns als Konsument braucht.
    Man kann andere Werte dagegen setzen. Aber es wird vor allem den jungen Menschen schwer gemacht, ihre eigene Orientierung zu finden, sich selbst zu verorten: als Mensch -mit allen seinen Macken und Fehlern. Und was wir alle brauchen (und ich jedem wünsche) sind Menschen, die sich ihrer Fähigkeiten und ihrer eigenen „Schönheit“ bewußt sind- auch wenn die Haut nicht makellos, das Gewicht nicht optimal und die Figur nicht den angesagten Styles entspricht.
    Es ist schon was dran an dem Satz: „die wahre Schönheit“ kommt von innen“. – Und das hat nur wenig mit Idealen zu tun.
    Und Ästhetik hat nicht nur was mit Schönheit (die von anderen definiert wird) zu tun. Ästhetik ist ein Begriff, der umfasst bei einem Menschen, Charakter, Stil, Kleidung, Ausdruck, Gang etc… All das was eine Persönlichkeit ausmacht. Makellosigkeit (wie die in der App bearbeiteten Fotos) ist langweilig, wie ein weißes Blatt Papier.

    Danke für diesen wirklich unheimlich guten Beitrag.
    Werner

    • 👍🏼 Ich stimme Werner zu: „Makellosigkeit“ ist langweilig – bei Männern wie bei Frauen, beim Äußeren wie beim Charakter! Und ich wünsche ebenso vielen Menschen ein Bewusstsein für ihre ganz eigene Schönheit!

    • lieber werner, vielen dank fürs lesen und deine worte! ich stimme dir absolut zu, aber ich sehe, dass es immer schwerer wird, in dieser scheinwelt einen platz zu finden, vielleicht auch zu differenzieren zwischen der online „fantasie“ und der realität. aber vielleicht unterschätze ich auch die kommenden generationen, die damit von anfang an aufwachsen und die das vielleicht sehr wohl können, vielleicht besser als wir. ich hoffe es fast.

  10. Ein sehr sehr sehr interessanter Beitrag, der mich ein wenig überrascht und amüsiert auch ein wenig betroffen und geschockt zurück lässt. Zum Einen: wunderschön geschrieben!!!! Du hast zu allem die absolut richtigen Worte getroffen, eben das was du denkst. Deine Wahrheit, deine Ehrlichkeit. Bin gerade sehr geflasht, und sehr berührt. Irgendwie alles in allem, hab ich bisher sehr selten erfahren! Die Vergleiche im Beispiel deiner Fotos sind nicht immer im großen Unterschied, das bist trotzallem du. Dennoch auf anderen Bildern erschreckend anzusehen wie sehr man die Realität vertuschen gar verbergen kann, wenn man das wöllte. Nur: was bringt es uns! Natura, live und echt, das ist das was zählt was uns ausmacht, jeder hat Schwächen, Sichtbare Makel, ist mit etwas an sich unzufrieden. Der Selbstwert ist mit Retusche auch nicht zu verbessern. Unglaublich was es alles für Methoden gibt in der heutigen Zeit, kein Wunder dass der Mensch so den Idealen hinterherstrebt. Oder? Irgendwie schlimm. Ein bisschen Ringe unter den Augen mindern, oder einen Pickel wegmachen- super. Aber alles andere unnütze Spielerei. 😉
    Im Übrigen muss ich sagen: Du bist super so wie du bist. Das kann ich schon mal sagen anhand der Paleica in Wort und Schrift und auch in den Fotografien die dich auf natürliche Weise wunderschön abbilden! Danke für den Beitrag! Hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Und ließ mich an Markus sein Fotografie-Projekt-Beitrag mit all den wunderschönen Frauen denken. 🙂

    • erstmal: vielen dank, fürs lesen und den langen kommentar und die lieben worte ❤ ich bin total gewowed, dass der artikel doch so enorm viel wirklich tolle und persönliche resonanz auslöst.

      ich glaube übrigens, dass das genau der kern ist "was bringt es". Diese Frage stelle ich mir auch die ganze zeit. es kam dann etwas später in den kommentaren… das fazit daraus wäre im endeffekt, dass man nur noch online leben kann, weil man ja dieses trugbild sonst zerstören würde. ich habe halt schon gehört, dass man auf tinder und co praktisch solche fotos "braucht", weil man sonst gar nicht erst geliked wird. was hab ich da mal blöd dreingeschaut. ich meine… das ist doch geisteskrank???

      und danke natürlich auch nochmal für die herzlichen worte am schluss. danke danke danke ❤ ich bin ja immer ganz neugierig, wenn ich menschen aus dem netz in natura treffe, wie sie mich dann wahrnehmen, ob sie überrascht sind, dass ich bin wie ich bin. bis dato hab ich meistens die rückmeldung bekommen, dass sie sich mich eigentlich relativ genauso vorgestellt haben. das empfinde ich immer als großes kompliment. und JA, an den beitrag habe ich auch gedacht. es sollte viel mehr solcher dinge geben!

  11. Sehr wertvoller Beitrag! Ich kann mich auch dunkel erinnern, zu einer gewissen Zeit in meinem Leben unter Druck gestanden zu haben, was Aussehen oder „cool“ sein (so hat man das damals genannt) betraf…ab einem gewissen Alter ist das verschwunden und ich war endlich wieder frei…nun war damals das Internet aber freiwillig…entweder man nahm daran teil oder nicht…das nehme ich heutzutage anders wahr und ich stelle fest, dass der Druck auf die jungen Leute seit meiner Jugend enorm gestiegen ist. Es reicht nicht mehr sich in der „wirklichen“ Welt zu beweisen…nein man muss es auch im Netz…ich habe das Internet verweigert, bis ich 25 war…dadurch kann ich, denke ich immer noch sehr gut zwischen den Welten unterscheiden…was aber wenn wir ausgestorben sind?…wir, die letzten Menschen aus einer Welt ohne Netz…

    • ja, diesen eindruck hab ich auch. ich war ja relativ früh dabei bei dem online hype, als alle anderen irgendwie noch nichtmal ein word file abspeichern konnten und noch nie von nem hyperlink gehört hatten (man stelle sich das vor…). und ja, da hast du recht… „sich beweisen“ – doppelt. und dann noch all die möglichkeiten sich zu blamieren -.- man stelle sich vor, dass jeder abend, an dem man zu tief ins glas geschaut hat auf facebook und youtube landet. juhu…

      das frage ich mich ehrlich gesagt auch. aber ich hoffe, dass die menschen bis dahin gelernt haben, mit diesem medium umzugehen.

  12. da hast du dich aber selbst übertroffen, super, topp, beste Grüße von mir zu dir

  13. In jedem Kommentar ist schon etwas gesagt worden, was ich auch hätte sagen wollen. Ein toller Artikel und ebensolche Kommentare!

    Schönheitsideale gab es früher auch schon. Zu meiner Zeit haben Zeitschriften wie „Mädchen“ und „Bravo“ dir erklärt, wie ein makellos schönes Mädel auszusehen hat (ich sage nur „Bleistift-Test“), um gleichzeitig darüber zu schreiben, dass man sich so annehmen soll, wie man ist ;-). Heute wird das über weitaus mehr Medien verbreitet. Bin ich froh, dass ich in der heutigen Zeit keine 15 mehr bin……
    Ja, es wäre wünschenswert, wenn Menschen weniger über ihr Äußeres beurteilt würden, davon sind wir weit entfernt. Stattdessen scheint sich ein ähnlicher Druck bei den Jungs und jungen Männern aufzubauen. Sie sind heute auch nicht mehr frei von Optimierungsgeboten.

    Du bist eine schöne Frau und jetzt ist klar, mit entsprechendem Make up kannst du aussehen, wie ein Kosmetik-Model :-). Letzteres hat aber mit wirklicher Schönheit nichts zu tun, wie hier ja auch schon mehrfach anklang :-).

    • oh ja, mir geht es auch so. ich danke dem universum, dass es in meiner pubertät noch kein youtube in der form gab!!!
      danke für deinen kommentar und deine lieben worte. es ist auf jeden fall grade eine sehr spannende zeit und man wird sehen, wohin das alles gehen wird…

  14. Aaaaalso, wo fang ich denn an… Dieser Trend begegnet mir fast täglich. Ich bin ja irgendwie in die Zielgruppe 16-22 Jahre gerutscht. Weiblich. Mit Instagram, Snapchat und FB ausgestattet. Diese Zielgruppe ist unerschöpflich. Das ansich ist ja auch kein Problem. Was mir allerdings schon eher Angst macht, ist die Tatsache, dass ich mich anhand der Profile orientiere. Und nicht selten ist es der Fall, dass ich aus allen Wolken falle wenn ich Damen dann persönlich kennenlerne. Ganz überspitzt sind das dann ca. 20 Kg mehr auf den Hüften, 400 Pickel zusätzlich im Gesicht, blasse Haut und blasse Haare… Versteh mich nicht falsch, das ist alles gar kein Problem für mich. Das schlimme ist tatsächlich diese Scheinwelt in die sich junge menschen heute begeben und in die ich dann auch automatisch eintauche. Bis zum Moment der ersten Begegnung. Allein deshalb macht dieses verfremden doch schon keinen Sinn… Irgendwann erfährt jeder die Wahrheit. Ich hab mich oft gefragt, wie es die jungen Menschen schaffen, sich derart „gut“ zu verfremden, so ganz ohne Photoshop Kenntnisse. Jetzt ist mir einiges klar geworden… Unfassbar, dass eine App zu soetwas in der Lage sein kann. Ich bin totaler Gegener dieses Trends, ich retuschiere so gut wie nie (weil ich es auch gar nicht kann) und ich werd ewig die natürlichen Menschen bevorzugen. Die echten, die ehrlichen und die unperfekten. Denn allein durch Veränderung des Blickwinkels, des Lichts oder des Gefühls kann man einen Menschen schön festhalten. Ganz ohne Tricks. Das ist in meinen Augen eher eine Kunst, als 2h in PS nachzubearbeiten. Ich mag Deine echten Schnappschüße tausendmal lieber als die gefakten. Ich glaube ich wäre damals zu Tode erschrocken wenn Du mir als glattes Botox-Gespenst begegnet wärst… 😉 Schön, dass es noch menschen gibt die denken wie Du. So bleibt ein kleines bisschen Hoffnung für mehr Normalität (eines Tages)… Danke für diesen Text! Ich hoffe er wird ganz viele Menschen „wachrütteln“!!

    • ich glaube, da hast du den absoluten knackpunkt angesprochen. welchen sinn macht es, online so ein bild zu erschaffen, das die realität nicht halten kann? denn die konsequenz daraus wäre, dass leben nur noch online stattfindet, um die illusion aufrecht zu erhalten.

      ich fände es soviel besser, wenn es weniger retusche gäbe. dass es in der modefotografie so ist, das kann ich ja akzeptieren, klar. aber in porträts, überall? in jedem instagram und facebook account? aber wer weiß. erfahrungsgemäß entwickeln sich dinge immer bis zu einem extrem in eine richtung und schwingen dann wieder in die entgegengesetzte.

      ich habe das gefühl, dass sich hier im episodenfilm die menschen tummeln, die für das eh nicht anfällig sind (stichwort: filter bubble, haha). aber ich glaube, es war doch für den einen oder anderen leser neu und deswegen war es mir wichtig, das zu teilen. man sollte immerhin wissen, dass man höchstwahrscheinlich ständig irgendwo auf derlei bearbeitete bilder stößt. und ja – ich denke mal, als avatar oder so sowas zu benutzen, ok. aber immer und überall? nö.

      • Ich find es total genial das Du diesen Artikel veröffentlicht hast. Ich hab den auch direkt in einem der kommenden Beiträge verlinkt. Mich beruhigt es, wenn ich in meinem Umfeld, hier in der Bloggerwelt und vor der kamera ab und zu noch Menschen treffe die so denken wie Du in Deinem Beitrag. Das macht mir Hoffnung!!

        • ja, mir geht es auch so. ich hab es aber eh schon irgendwo anders geschrieben, ich befürchte halt, dass hier auch ein wenig die filter bubble zum tragen kommt. im endeffekt lesen und schreiben hier wohl nur menschen, die mit dieser ansicht was anfangen können. das ist einerseits gut und schön und wunderbar, weil man auf gleichgesinnte trifft. andererseits ist halt der nachteil, dass man „die anderen“ gar nicht erreicht und gar keine diskussion oder anregung anstoßen kann. dennoch bin ich einfach heilfroh, dass diese gruppe hier das überwiegend so sieht wie ich und dass es sichtlich noch menschen gibt, die ein gewissermaßen realistisches bild bevorzugen.

          • Selbst die, die solche Apps und Filter nutzen, würden das wohl eher nicht zugeben in einer Umgebung, in der die Mehrheit sich dagegen ausspricht… Auch schade… Ich hab auch mal überlegt, ob ich die Damen, die solche Filter nutzen mal drauf ansprech… Mal schaun 😉

            • da magst du recht haben. allerdings wäre das auf jeden fall mal interessant. wenn du zugriff auf diese mädchen hast, vielleicht kannst du eine umfrage machen und eine darstellung bringen, warum aus sicht der nutzer man das macht? nicht wertend, sondern einfach nur eben als interesse. eventuell würden sich ein paar dafür bereit erklären?

    • Ich wünsch dir dass du dir das ewig behalten und bewahren kannst. Von mir werden leider mittlerweile perfekte(!!) Bilder erwartet weil ich vor Monaten bei einem Shooting das Glück hatte auf ein Mädel zu treffen, die tatsächlich eine nahezu makellose Haut hat. Und nun wollen alle solche „perfekten“ Bilder ohne jeglichen Makel. 😔
      Macht mich traurig dass die Leute sich nicht mehr schön finden wie sie sind. Mit „Makel“ perfekt sind.
      Stimmt mich sehr nachdenklich ob diese Form der Fotografie tatsächlich noch schön ist. Weil doch nur geschönt…

  15. Schöne Fotos! Und damit meine ich nicht die bearbeiteten Bilder! Aber erschreckend welche Wünsche das in uns weckt oder? Ich glaube wir wären alle gerne etwas schöner, etwas perfekter, etwas jünger – als in der Realität. Und je älter wir werden desto größer wird dieser Wunsch. Aber etwas fehlt in diesen perfekten Fotos: die Ausstrahlung, die ein Mensch mit Fältchen, Pigmentflecken, Ringen unter den Augen hat. Eine Ausstrahlung die man nur hat wenn man intensiv gelebt hat. Ich lebe lieber intensiv und es gibt halt keine Fotos von mir im Netz 🙂
    Danke für die offenen Gedanken!!!

    • ja, dem stimme ich zu. die ausstrahlung geht verloren. denn in den kleinen makeln und unperfektheiten, da liegt die persönlichkeit. und das ist der unterschied: hochglanzmagazinmodels sollen vielleicht keine persönlichkeit ausstrahlen, da sie verkaufen sollen und damit möglichst alle menschen ansprechen. aber für alle normalen menschen, für alle „contentproducer“ im web 2.0 trifft das doch eigentlich nicht zu. außer für die, die verkaufen wollen. und hier beißt sich die katze ein wenig in den schwanz…

  16. Der Kuhno ist mir zuvorgekommen. Nach Lektüre deines Artikels samt Kommentaren bleibe ich ziemlich erschüttert zurück. Jetzt mal ganz abgesehen davon, ob einem die „geschönten“ Bilder gefallen oder nicht, frage ich mich: was hat irgendjemand im Leben davon, auf Bildern im virtuellen Bereich so und so auszusehen ?? Die logische Konsequenz wäre, sich aus seinem eigenen, echten Leben zurückzuziehen, weil man ja da nicht dem Schönheitsideal entspricht und nur noch virtuell zu „leben“. Am Ende dieser Entwicklung stehen die Selbstmorde der japanischen Jugendlichen, die nicht mehr aus dem Haus gehen, weil sie dem echten Leben nicht mehr gewachsen sind. Furchtbar !
    Das Schlimme ist meiner Ansicht nach nicht die Selbstdarstellung in Social Medias, die kann ja lustig bis künstlerisch sein, sondern die Bedeutung, die sie für die Beteiligten hat.

    • liebe myriade, du hast letztendlich das ausgesprochen, was sich sowohl in meinem text selbst als auch in den kommentaren angebahnt hat. genau dieses problem. was macht man dann mit dieser kluft zwischen virtualität und realität?

      man muss in der lage sein, bewusst zu trennen. wenn man sich dafür entscheidet, vielleicht aus kommerziellen gründen, sich online so darzustellen, ok. aber das bewusstsein muss bleiben, dass es sich um eine illusion handelt. und genau das, habe ich das gefühl, können viele jugendliche nicht. sie stellen sich so dar und eifern in der realität ihrer virtuell erschaffenen identität nach, die sie nie erreichen können, weil die bearbeitung eben immer einen schritt voraus ist.

      • Ja, genauso meine ich das auch. Leider sind es halt nicht nur Jugendliche, die zunehmend den Unterschied zwischen Realität und Virtualität nicht mehr erkennen können.Und es geht nicht nur um Schönheitsideale sondern auch um Information, um Politik, um Werte, um Glück
        Ich finde es ist ein großer Verlust für einen Menschen die reale Welt nicht mehr „begreifen“ zu können und es ist obendrein in vielen Fällen ein Weg in die Depression wenn der direkte Kontakt mit dem echten Leben nur mehr sehr beschränkt stattfindet.
        Ich habe heute offenbar keinen sehr optimistischen Tag 🙂

        • oh ja, da hast du leider recht. diese intensive virtualität ist ein riesen problem. vor allem glaube ich, dass das für menschen schwierig ist, die sehr unmittelbar da hinenigestürzt sind, im smartphone-zeitalter. das internet braucht einen lernprozess, vor allem, um abgrenzung zu lernen. ich hatte eine phase, in der konnte ich mich nicht davon abgrenzen und das war schon ernsthaft bedenklich damals. ich habe es allerdings gelernt, „virtuell“ und „real“ für mich wieder auseinanderzuhalten. dafür heute einen weg zu finden, wenn man ihn noch nicht kennt, ist denke ich kaum mehr möglich, weil die beiden welten so verschwimmen und das eine ständig ins andere eingreift.

  17. Sehr schöner Bericht. Ich kenne diese Apps auch zu Hauf und finde das man immer sofort sieht, dass es künstlich ist. Bei photoshop kann man ja noch recht dezent arbeiten. Nur Pickelchen weg etc. ohne krasse Hautglättung. Ich arbeite viel mit Photoshop und mag es auch lieber natürlich.

    • man kann theoretisch auch bei diesen apps das in der form nutzen, als dass man wirklich nur kleine dinge „ausbessert“. ich habe hier bei den bildern einfach relativ extrem gearbeitet, weil ich diese art von fotos aus den sozialen netzwerken halt auch tatsächlich so kenne. gefühlt denke ich auch, dass die meisten, grade jüngere mädchen und frauen, das auch ganz gern in einer eher exzessiven art und weise benutzen.

      • Ja ich weiß was du meinst. Verunstaltete Menschen egal wo man hinsieht, als wenn man denen abnehmen würde, dass sie so eine glatte Haut haben 😀 sehen aus wie von einem anderen Planeten.

        • ja das denke ich mir auch oft. obwohl bevor ich wusste, dass es diese app gibt, dachte ich mir „wie machen die das“ und hab vermutet, dass die sich halt irre viel schminken. aber gut – das macht jetzt alles sinn ^.^ offenbar gibt es aber genügend junge menschen, die das sehrwohl für real halten…

  18. Hi
    Spannendes Thema! Sieht man schon an den megavielen langen Kommentaren ;).
    Also ich kannte die Ergebinsse solcher Apps nur von den Tinderfotos die mir ein Kumpel immer vor die Nase hält: Schau mal… was is mit der soll ich mich mit der treffen?
    Sehr oft hab ich ihm dann beim Foto vorbeiwischen nur, photoshop, beauty programm einstellung der Kamera oder professionell kaschiertes Foto gesagt. Und ihm damit wieder ein wenig auf den Boden der Realität zurück geholt. Trotzdem gibts des öfteren Enttäuschungen… und was ich ja richtig blöd fand, er wollte auch so Supermodelfotos von sich… na zumindest diesen Vogel hab ich ihm wieder ausgetrieben.
    Ich bin froh das es ja wenn auch nur am Rande, auch wieder einen kleinen Trend zum real Foto gibt. Hat mir sehr gefallen als mich im Sommer eine Freundin und Darstellerin bei uns am Theater nach einem analog Portraitshooting gefragt hat, wohlwissend das ich nicht sehr viel vom rumbasteln an Gesichtern oder bügeln von Falten halte…
    Ich denke das es im Alltag leider immer noch in die andere Richtung geht, auch weil die Leute immer unkomunikativer werden jeder sitz nur noch in sein Smartphone starrend rum. Wenn man nicht mit den Leuten plaudert dann beurteilt man sie meisten nach dem Aussehen.
    Ich persöhnlich denke ja, das Atraktivität sehr viel mit Selbstbewusstsein zusammenhängt. Leute mit viel Selbstbewusstsein erscheinen einen immer ein wenig hübscher, und werden dadurch natürlich noch selbstbewusster in gewisserweise ein Teufelskreis, in beide Richtungen.

    Hui… jetzt hast du noch ein langes Posting mehr zu lesen.
    😉

    • absolut. ich bin total begeistert über die resonanz dieses artikels.
      es ist schon immer wieder erschreckend, dass sich diese menschen einfach offenbar in praktisch jedem umfeld befinden, jeder kennt jemanden, der diesem vogel nachrennt. und ja, die enttäuschung ist wohl ein wichtiger grund, den du ansprichst. und wie fühlt man sich (denke ich mir), wenn sich ein mann mit einem trifft und dann sagt er „du siehst aber echt nicht so gut aus wie auf dem foto“. autsch.

      Mein eindruck ist auch, dass es irgendwo eine kleine gegenbewegung zu dem ganzen gibt, dass sich die breite masse aber immer noch in die richtung künstlichkeit bewegt. die oberflächlichkeit wird halt eben durch die ganze virtualisierung noch deutlich verstärkt.

      dem teil mit dem selbstbewusstsein stimme ich definitiv ebenfalls zu! und ich freu mich ja über lange postings ^.^

  19. Danke fürs Wachrütteln. Marie Anne wäre grad mega stolz auf dich. Da steckt viel Herzdenken drin ☺️ du kennst meine Geschichte besser als jeder andere Mensch. Deswegen erspare ich mir die persönlichen Worte. 😉
    Aber als Fotografin stell ich mir grad einmal mehr die Frage, ob die fotografische Richtung in der ich mich momentan bewege, in der makellose Bilder gewünscht sind tatsächlich die für mich richtige Richtung ist. Denn eigentlich ist es ein massiver Widerspruch zu der Art wie ich fotografiere und dem, worum es mir dabei geht. Den Mensch in dem Moment mit der Kamera einfangen, wo er/sie am natürlichsten ist. Echt ist. Mit all seinen „Makeln.“ Und nicht gekünstelt…

    • ❤ wir haben ja am samstag eh ausführlich drüber geredet. es ist einfach wichtig, sich seinen weg zu bewahren und sich nicht zu verbiegen, wenn es nicht sein muss!

  20. Erstmal war ich total erschrocken von den gegenübergestellten Fotos. Ich bin richtig zurückgezuckt vom Bildschirm. Die Veränderung ist wirklich krass und das bearbeitete Foto wirkt auf mich im Vergleich arg unnatürlich. Aber wie hätte es auf mich gewirkt, wenn ich nur die bearbeitete Version gekannt hätte? Ich finde es wirklich erschreckend, dass so eine Bearbeitung mit einer App (!) möglich ist.
    Ich denke, du hast hier ein sehr wichtiges Thema angeschnitten und danke dir für den Beitrag.

    • danke fürs lesen und für deine worte. ich finde nämlich auch, dass die bilder erst in der gegenüberstellung so richtig krass drüberkommen. da man derartige darstellungen ja von magazinen und co „gewöhnt“ ist glaube ich nimmt man sie alleinstehend als nicht so extrem künstlich wahr.

  21. Ein ganz toller Artikel!
    Ich wusste bis jetzt gar nicht, dass es diese APP Airbrush gibt. Als ich dein Titelbild im Reader sah, dachte ich, ohohoho wie schön Du jetzt aussieht 😀

    Ich sehe ähnlich wie viele anderen Kommentatoren hier auch.

    Einen schönen Sonntag wünsche ich dir,

    Caro

  22. sehr wichtiger Artikel. Vieles, was ich mir sage wurde schon gesagt. Man wird verführt und gezwungen sich perfekt darzustellen, damit man ja nicht übersehen wird. Man muss sich narzisstisch zeigen, ist aber innen drinnen ziemlich unsicher – denke ich mir. Und dieses Denken wird durch Heidi Klum und ihre Topmodels noch gefördert. Mich wundert es nicht, wenn viele deswegen eine Essstörung entwickeln

    • ganz genau. damit man nicht übersehen wird. das ist doch ein horror, irgendwie, oder? allein wenn ich da an dieses ganze tinder und co denke. macht man es nicht, wischt jeder an einem vorbei. macht man es doch, folgt die enttäuschung auf dem fuße. wie ätzend ist das bitte?

  23. Liebe Paleica,
    diese App mag als Spielzeug ja noch ganz okay sein. Aber wenn man darüber nachdenken muss, ob die Nase wirklich zu groß, die Lippen zu schmal, das Kinn zu vorspringend sind und ob man sich vielleicht auf eine OP einlassen sollte dann nenne ich das „gefährlich“ und grenzt schon ganz stark an Körperverletzung.
    Was so eine App mit jungen Menschen anstellt wage ich gar nicht mir auszumalen.
    Leider ist es nicht nur diese App, auch in den Medien wird ja immer mit „unnormalen“ dünnen und schönen Frauen geworben.
    Dicke und unschöne Menschen scheint es auf diesem Planeten nicht mehr zu geben….
    Und als betroffene Mutter, deren pubertäres Kind einmal an einer Essstörung litt, weiss ich, dass es verdammt schwer ist, aus diesem Teufelskreis wieder heraus zu finden.
    Übrigens möchte ich noch hinzufügen – dass Du eine wunderschöne Frau bist und solch eine krasse Retousche keinesfalls nötig hast!
    LbG Isi

    • liebe isi, danke für deinen offenen und ausführlichen kommentar! mir geht es genauso. der grat zwischen spielzeug und gefahr ist halt ein schmaler, grade bei menschen, die nicht ganz so selbstsicher sind.
      ja, die app ist quasi nur eine fortführung all dessen, womit wir tagtäglich gefüttert werden, das macht sie für mich auch eben so kritisch.
      ich bin jedenfalls froh zu lesen, dass du in der vergangenheitsform schreibst und ich hoffe, dass es deinem kind nun wieder besser geht und dass es nicht wieder in so etwas hineinstolpert.
      ich danke dir außerdem ganz lieb für dein kompliment am schluss! es ist leider einfach verlockend, zu sehen, was man aus sich machen „könnte“…

  24. Ich hatte in den letzten Wochen ähnliche Gedanken, danke für das Aufschreiben.
    Ich sehe das alles sehr ähnlich und auch sehr problematisch. Vieles ist einfach so ungesund und der Nährboden für die Mädels wird immer schlimmer. Wie oft erwischt man sich selbst dabei, Mist schon wieder kein Sport oder nicht auf die Ernährung geachtet, etc.

    • oh gerne, danke fürs lesen!
      zum einen das, zum anderen immer das schlechte gewissen, das einen blockiert, man möchte dies und sollte jenes…

  25. Ein sehr mutiger und ehrlicher Beitrag. Ich sehe das ähnlich. Und dann erwische ich mich dabei, dass ich ein Foto von mir so lange bearbeite, bis es mir gefällt. Bis mir eine innere Stimme sagt, ja, so kannst Du es lassen. Ist es nicht so wie bei einer Landschaftsaufnahme? Ich verändere Licht und Farbgebung, gebe dem Bild eine andere/bessere/passendere Stimmung. Meine Stimmung. Warum? Mir gefällt das Motiv, ich mag den Ausschnitt, aber irgendwie war es so wolkig, dunkel, diesig, und dann ist da in der Mitte noch ein störender Fleck. Wie auch immer. Die Stimmung wird dem Motiv nicht gerecht. Also verändere ich es. Warum also nicht auch ein Bild von mir? Irgendwie mag ich meinen Blick und auch den Ausschnitt, aber das Licht fällt ungünstig, Augenringe und Unreinheiten. Ich fühle mich ganz gut, sehe das aber irgendwie nicht auf dem Foto. Also verändere ich es. Warum ist das so? Ich denke, ich möchte, dass ich mir selber nicht ansehe, wie es mir ggf. wirklich geht. Überbleibsel aus der Schwangerschaft, Haarausfall, Augenringe usw. Alles Dinge, die ich doch eigentlich gar nicht sehen will. Und andere schon gar nicht. Denke ich jedenfalls. Das ist mein Blick auf mich. In dem Moment. Also verändere ich es. Um mich besser zu fühlen…

    • oh wie gut ich das kenne. bei mir ist das ganz genau dasselbe… bei landschaftsaufnahmen fällt es mir leichter das zu argumentieren. weil ich etwas gefühlt habe, als ich das bild gemacht habe und weil ich dieses gefühl transportieren will, egal, ob es total der realität entspricht oder nicht. warum ist es also bei mir selbst anders? und ich glaube, dass es darauf auch eine antwort gibt. nämlich die, dass ich landschaften verändere, weil ich etwas zeigen möchte, das ich gefühlt habe. und dass ich mein erscheinungsbild verändere, weil es mir schwer fällt, mich zu akzeptieren wie ich bin. und deswegen ist die gleiche aktion bei unterschiedlichen motiven doch anders zu bewerten.

  26. Pingback: Sei du selbst, alle anderen gibt es schon | kuhnograph

  27. Super Artikel – darauf werde ich auf jeden Fall noch verlinken… Eine Gedankenanregung, die meine Leserschaft nicht verpassen sollte 😉
    (dank deines Kommentars zu dir gefunden – sehr schön!)

  28. Wow…Hier habe ich mich jetzt wirklich festgelesen…Spannendes Thema. Vieles ist schon gesagt worden. Ich mag deine unbearbeiteten Bilder sehr viel lieber, aber ich finde… wie Werner…das Makellose auch eher uninteressant…es fesselt mich nicht wirklich. Ich glaube, ein wirklich guter Fotograf, der sich mit seinem Model beschäftigt, kann mit der richtigen Aufnahmetechnik und Situation von jedem Menschen sehr sympathische Bilder machen, indem er das Positive unterstreicht…und damit meine ich nicht mittels Bildbearbeitung. Manche Menschen haben wunderschöne Augen…andere einen sehr reizvollen Mund….schöne Schultern…schöne Haare..ein verschmitztes Lächeln…man muss es nur sehen.
    Ich denke gerade auch über das Thema der Bildbearbeitung bei Landschaftsaufnahmen etc. nach…Hier ist mir auch einiges „too much“…zu bunt…zu grell…Warum brauchen wir immer noch eine Steigerung…? Sicherlich ist oft eine Bildbearbeitung nötig, um die erfasste Stimmung wirklich rüber zu bringen, die wir so gar nicht auf das Foto bannen können, weil ein Foto kein Gehirn hat und Dinge „dazu bastelt“…aber vieles erscheint mir heutzutage bei Bildbearbeitung übertrieben.
    Wenn ich darf, werde ich deinen Post bei Gelegenheit mal bei mir verlinken.
    Eine schöne Woche noch! LG Lotta.

    • liebe lotta, das denke ich an sich auch. jeder mensch hat eine persönlichkeit und eigentlich wäre es die aufgabe des fotografen, sich auf diese persönlichkeit zu konzentrieren, aber die zu fotografierenden wollen auch oft diese perfekte und makellose illusion von sich.
      mir geht es auch so. die bildbearbeitung soll für mich das herausstreichen, was ich bei der entstehung des fotos empfunden habe, aber es soll nicht die ganze szenerie verändern.
      über eine verlinkung würde ich mich freuen!

  29. Liebe Paleica,

    sehr gutes Thema, das du ansprichst. Und mir fällt dazu ein Lied von Meghan Trainor ein, dass ich wirklich mal in meiner Blog-Reihe „StarkeKidsSongs“ dran nehmen muss 🙂 As heißt „All about that Bass“ und die wichtigste Zeile darin lautet:
    I see the magazines working that Photoshop
    We know that shit ain’t real
    Come on now, make it stop
    If you got beauty, beauty just raise ‚em up
    ‚Cause every inch of you is perfect from the bottom to the top
    Und das sage ich auch dir: Du bist von unten bis oben schön und zwar auf der linken Seite deines Beitrags. Das rechts ist schön weil es Kunst ist und „Spiel mit Licht und Farben“. Das links ist schön weil es natürlich ist.

    Liebe Grüße, Ella

    • liebe ella, danke für deinen besuch und fürs lesen des artikels! und natürlich für deine tollen worte, es tut gut zu hören, dass es doch offenbar noch viele menschen gibt, die die natürlichkeit schätzen… ein super auszug aus einem song, den werde ich mir auf jeden fall anhören!

  30. Pingback: Rückblick der anderen Art... - Heute macht der Himmel blau

  31. Liebste Paleika,
    Toller Post! Ich hab auch nicht über die App gewusst, ich bin jetzt verleitet mir die auch herunterzuladen, aber ich mach es nun bewusst nicht. Auch ich bin eine von denen die nicht grad im Selbstwertgefühl schwimmen. Die App würds garantiert nicht besser machen.
    Deine Gedanken teile ich genauso. Ich sehe an unseren Freundinnen die gleiche Problematik. Wir sind alle so wunderschöne Wesen und vergleichen uns mit unrealistischen Bilder die man, wie du auch sagst, mittlerweile überall sieht. Ich finds schrecklich.
    Eine Australiarin hat eine coole kampagne gestartet. Sie heisst „embrace“ und hat einen dokumentarfilm gemacht über body image movement.
    https://bodyimagemovement.com/embrace-the-documentary/
    Falls er nach österreich kommt, sollten wir uns den anschauen. Solche Frauen wie sie und dich braucht es unbedingt, damit wir uns wenigstens bewusst werden was da überall so abgeht. Dann kann mans auch ein bisschen besser nehmen.
    In freudiger Erwartung auf deinen nächsten Post.
    Steffi

    • liebe steffi, ich freu mich sehr, dass du hier vorbeigeschaut und gelesen hast.
      ich hab mich jetzt nach einiger zeit, die ich die app am handy habe, für mich selber auf eine gewisse art damit arrangiert. ich denke, es ist ok, harte schatten und derlei dinge mit dem weichzeichner ein bisschen auszugleichen. ich lasse aber die finger von zu verändernden propoertionen, etc. alles das, was auch mit schminke zu machen wäre, ist ok. alles was drüber hinausgeht, nicht.

      die kampagne schau ich mir auf jeden fall an. es gibt ja immer wieder gegenstimmen, aber sie sind halt leise im vergleich zu der menge, die mit dem strom schwimmt…
      und JA, das können wir uns sehr gern anschauen ❤

  32. Das ist ein tolles Thema, zu dem ich auch schon ewig was schreiben wollte. Ich hatte naemlich auch so eine App entdeckt und dazu aehnliche Gedanken gehabt wie Du. Insbesondere da kurze Zeit spaeter jemand (recht bissig!) anmerkte, wie superschoen eine bestimmte Bekannte immer auf ihren Facebook-Fotos aussieht. Meine instinctive Reaktion war, sie zu verteidigen: wenn man wirklich nicht huebsch ist, dann Weiss man das vermutlich auch, und wenn man dann einmal schoene Fotos von sich kriegt, dann moechte man natuerlich dass die so viele wie moeglich sehen.

    Aber wenn man mal weiter denkt, dann ist das nicht mehr so einfach. Stell Dir mal vor, diese Frau macht das ueber lange, lange Zeit, und dann gibt es ein Klassentreffen. Ich kenen Leute, die wuerden wegen sowas nicht hingehn, weil sie in Natura mit den eigenen Selfies nicht mithalten koennen.

    • liebe culbia, herzlich willkommen hier und vielen dank fürs lesen!
      JA, das sehe ich auch so. manchmal ist es irgendwie beruhigend, dass filter das aus einem machen, weil es einem zeigt, dass die anderen menschen hinter diesen hochglanzfotos vermutlich im alltag auch wesentlich normaler und weniger perfekt aussehen. jedes ding hat halt zwei seiten und das urteilen über andere ist halt immer so eine sache…

      aber genau darin sehe ich auch ein problem. ich denke, wenn man das vielleicht für bewerbungen verwendet, um bessere chancen zu haben, eingeladen zu werden oder halt einfach für ein profil, dann ist es in ordnung. wenn sich das ausdehnt und damit auf die realität einfluss nimmt, dann wird es schwierig. das internet bietet leider viele möglichkeiten, darin zu versinken und gaukelt einem die illusion der realität vor.

      • Irgendwie ist es aber auch Realitaet. Wenn ich mir alte Fotos von mir angucke, dann doch die schoensten, die gefotoshoppten. Und dann denke ich bah, was bin ich alt geworden. Die mir nicht gefallen hab ich doch laengst geloescht und schon gar nicht auf Facebook gestellt…

        • da bin ich wohl etwas anders – ich hab ganz viele fotos gespeichert. aber klar sehe ich mir auch lieber die schöneren an. man muss sich halt auch da in erinnerung rufen, dass das auch nicht unbedingt ein abbild der realität war, sondern das beste, was wir aus uns rausholen konnten.

  33. Hat dies auf Declarations of a Girl rebloggt und kommentierte:
    A fab post about a topic which I was wanting to write about, too, for some time.

    It`s about apps which beautify your selfies and what they do not only to our own self esteem (if we cannot keep up with our own selfies or if they show you „imperfections“ of your natural self, which you never cared about before.

    I also think it raises expectations which are both unrealistic and dangerous. As Paleica writes, social media became so popular, because it was authentic. But is it still?

  34. sehr interessant dein Beitrag..
    ich habe nichts dagegen ein Bild etwas aufzuhellen da die Cam ja auch nicht immer alles so
    wiedergibt wie es eigentlich ist..
    aber so zu retuschieren dass Falten.. Hautunregelmäßigkeiten ect. verschwinden halte ich für absolut überflüssig..
    dieser Trend sich selbst darzustellen ist mir zu tiefst zu wider..
    daher bin ich auch nicht auf FB .. Insta oder sonstwo
    und von mir wird es auch auf meinem Blog kein Bild geben..
    Selfies ..so unnötig wie ein Kropf.. was will ich damit beweisen..
    dass ich irgendwo war??Das kann ich mit meinen Bildern auch beweisen;)
    und ständig nur um mich und meinen Bauchnabel zu kreisen??Wie langweilig und dumm wenn ich sonst kein Thema habe..
    Figur?
    Meine Mutter nähte früher meine Kleider selber..
    daher habe ich keine Ahnung was für eine Größe ich hatte..
    als ich verheiratet war .. Kinder hatte und nun Kleidung kaufte fing ich mit 42 an
    und das ist für mich auch heute noch eine normale Größe für junge Frauen.. 😉
    (selber habe ich inzwischen ein paar Größen mehr 😀 )
    zum Glück bin ich in dem Alter in dem es keinen mehr interessiert..
    liebe Grüße
    Rosi

    • liebe rosi, ich glaube, du bist in einem alter bzw. einer generation, in der die menschen noch einen vernünftigeren und gesünderen zugang zu dem thema haben. ich bin schon gespannt – oder eher fürchte ich mich davor – wie das in meiner generation mal sein wird. im grunde hast du recht, es ist absolut unnötig und es bringt niemandem was. man ist nur oft schon so fokussiert und gedrillt auf die abhängigkeit von likes, das ist wirklich nicht mehr schön.

  35. Servus meine allerliebste Lieblings-Österreicherin!

    Du weißt ja, dass ich dich schon lange ziemlich schnuckelig finde (übrigens schon vor deinem Freund 😉 ) und das nicht nur wegen deiner Fotos oder geschriebenen Worte, sondern auch wegen des Fotos von dir vor dem Spiegel. Das in schwarzweiss mit deiner Kamera, weißt du?

    Ich fand dich schon immer seeeehr hübsch (übrigens schon vor deinem Freund :-D) und frage mich jetzt nach dem Lesen des Posts und dem Ansehen der Bilder, ob du dich auf den „getunten“ Fotos wirklich und ernsthaft hübscher findest?!
    Ich finde das nämlich nicht.

    Denn das Wichtigste – dein Lächeln und dein Blick der so geheimnisvoll und aufregend zugleich ist, DEN kann die App nicht frisieren. Und DAS macht für mich Schönheit aus.

    So, genug gesülzt jetzt. Das hältste ja nicht aus. 😀

    • liebster applejünger, wie schön, dass du meinem blog nun folgst und dass du dich alle paar monate noch hierher verirrst 🙂 (übrigens: du wirst es nicht glauben, am 14.12. werde ich ein fotobuch hier verloren 😉 )

      ich danke dir für deinen superlieben kommentar und glaubs mir, davon halte ich einiges aus. lass dich bloß nicht abhalten und texte ruhig weiter 😀

  36. Pingback: Die letzten Sonnenstrahlen in Schönbrunn Pt. I: Blätter & Schönheit von außen und von innen – episoden.film

  37. Danke für diesen Artikel. Ich beobachte diese Entwicklung unter den jungen Mädchen mit sehr viel Sorge.
    In meiner Schulklasse gab es ein sehr dickes Mädchen, ein sehr dünnes und wir anderen waren mehr oder weniger schlank.
    In der Schulklasse meines Sohnes hatte mindestens ein Viertel der Mädchen bereits extremes Übergewicht, die anderen waren dünn oder normal, kleideten sich aber, als wären sie dünn. Sehr viele junge Mädchen kleiden sich, als wären sie Businessfrauen, Modells (wahlweise Fashionbloggerinnen) oder Pornostars. Ich denke, dass hier viel an den Medien liegt, in denen sie entsprechende Fotos der jeweiligen Stars sehen und meinen, die sehen natürlich immer so aus. Und eigentlich wäre das einmal eine Aufgabe der Lehrer, dies zum Thema zu machen. Das hat vielleicht auch etwas mit Feminismus zu tun, vielleicht aber auch mit Menschenwürde.
    Aber die App liebe ich. Ich will auch mal ein Star sein! 🙂
    LG
    Sabienes

    • 😀 wenn man die app einfach „zum spaß“ benutzt finde ich, dass da nix dabei ist. es kommt immer drauf an, was man damit bezweckt und wie man sich dabei fühlt. die entwicklung betrachte ich ebenso besorgt, obwohl ich tendenziell eher magersüchtige mädchen sehe als übergewichtige. das styling habe ich auch schon öfter bemerkt und ich finde es traurig, dass die kindheit immer weiter zurückgedrängt zu werden scheint… lehrer haben heute aus vielen gründen glaube ich einfach wesentlich weniger einfluss… ich denke, dass das vor allem auch innerhalb der familie thematisiert werden sollte. dennoch ist es natürlich schwierig, wenn es „alle anderen“ machen.

      • Tatsächlich ist das Gewicht in der Gegend, in der ich wohne (Nordbayern) ein größeres Problem, als zum Beispiel in Südbayern oder Österreich. Vielleicht liegt es am Wasser oder am Menschenschlag – keine Ahnung.
        Ich denke aber, dass in einem gewissen Alter die Lehrer einen Einfluss haben können – wenn sie es denn wollen. Zumindest könnten sie z.B. das Thema „Bildretusche“ oder „Öffentlichkeitsarbeit der Promis“ als Projekt bearbeiten. Der Einfluss der Eltern ist schwierig – weil es halt „alle anderen“ auch so machen ….
        LG
        Sabienes

        • wirklich??? das ist tatsächlich ziemlich schräg und es wäre wirklich interessant zu wissen, was dafür die ursachen sind. bei uns ist es gefühlt so, dass übergewicht eher bei männlichen jugendlichen, vorrangig aus weniger guten bildungsschichten ein thema ist und untergewicht bei mädchen, querbeet, gefühlt. aber das ist nur ein subjektiver eindruck.
          da wirst du vielleicht recht haben. außerdem ist es vermutlich so, dass es bzgl. dem lehrereinfluss auch ein stadt/land-gefälle gibt. am land haben die lehrer sicher noch weit mehr einfluss als in der stadt.

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