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Projekt 52 – Horizonte (Woche 46)

Diese Woche wollte ich eigentlich wieder was gaaanz anderes machen. Wieder mal was um-die-Ecke-Gedachtes. Da fielen mir Bücher ein. Im Sinne von ‚Horizont erweitern‘. Aber das war dann doch nicht so originell, und zwar aus diesem Grund. Und da ich heute so beschäftigungslos auf die Anschlussubahn warten musste, die mich dann auch bis zur Endstation (und somit zu meinem töfftöff) gekarrt hat, habe ich in der Zwischenzeit ein paar Fotos gemacht.

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Spontannachtrag zu ABC: U

Hier liegen zwei Bilder im Archiv, mit denen ich seit geraumer Zeit nichts anzufangen weiß. Auf einmal fällt mir auf: Zu U würden sie passen. Das erste hätte eigentlich das Bild zum P52-Thema ‚Zeit‚ werden sollen (recht-zeit-ig), aber ist dann doch außen vor gelassen worden. Und das zweite entstand mal durch Zufall und Langeweile.

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Fotostrecke Paris 6 – Menschen und Gewohnheiten

Gerade wollte ich diese letzte Fotostrecke veröffentlichen und habe festgestellt, dass ich statt auf ‚veröffentlichen‘ wohl auf ‚löschen‘ geklickt habe. Was will mein Unterbewusstsein damit sagen? Naja, keine Ahnung. Mein Herz hängt jedenfalls an diesen Bildern, da es meine ersten zaghaften Versuche zeigt, fremde Personen in Momenten festzuhalten. Seid euch bewusst, es ist die letzte Fotostrecke aus Paris. Danach werden nur noch vereinzelt Fotos kommen, die zu irgendeinem Projektthema passen, das gros ist aber dann abgearbeitet. Genießt sie also, diese letzten Frühlingsimpressionen aus dieser wunderbaren Stadt…

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Fotostrecke Paris 4 – Eindrücke und Kleinigkeiten

Ein bisschen mehr Paris gefällig?

Die ganzen Standard-Dinge bei denen ich vom einen zum anderen die Hacken wund gelaufen bin habt ihr jetzt gesehen. Damit aber nicht genug. Paris hat viel viel mehr zu bieten. Denn das, was zwischen diesen großen Sehenswürdigkeiten liegt, das macht für mich eine Stadt aus. Und das macht es aus, ob ich mich in eine Stadt verliebe oder ob ich sie leichten Herzens wieder verlasse.

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Ein politisch unkorrekter Eintrag

Zur Abwechslung gibts hier mal wieder eine Ubahnbeobachtung. Ich bin mir dessen bewusst, dass der Eintrag, der jetzt folgt, nicht politisch korrekt ist, aber ich hoffe ich werde dafür nicht gegeißelt.

Es war ein trostloser, frustrierender Montagmorgen mit wenig Aussicht weder auf Besserung des Tages noch der Woche. Dementsprechend hocherfreut saß ich in der Ubahn, die ich Freitagnachmittags nach einer Störung verlassen und die ich an eben diesem Montagmorgen wieder nach einer Störung betreten hatte. Ich war spät dran und es lagen äußerst anstrengende Tage vor mir. Hätte man meine Gesichtszüge interpretieren wollen wären vermutlich keine besonders erbaulichen Ergebnisse dabei herausgekommen.
Und in eben diesem Moment, in dem ich gerade ausgesprochen grantig (um es wienerisch auszudrücken) dreinschaute, entdeckte ich gegenüber von mir jemanden, der gewisse Ähnlichkeiten mit einem österreichischen Kabarettisten hatte. Besagter österreichischer Kabarettist ist allerdings persischer Abstammung. Und genau zu diesem Zeitpunkt machte sich ein breites, stupides Grinsen in meinem Gesicht breit. Weil mir genau zu diesem Zeitpunkt ein exorbitant politisch unkorrekter Witz eingefallen ist, der mir am Wochenende zuvor zu Ohren gekommen war:
Sitzt ein Perser im Restaurant. Ein Kellner kommt vorbei und fragt, ob er noch ein Dessert haben wolle. Darauf antwortete der Gast: „Oh, nein danke, ich explodier‘ gleich“.
So. Ich bin gewissermaßen verzagt das hier posten zu müssen, da es wirklich fies ist. Aber samt all dem Wissen ob der eigentlichen Gesellschaftsunfähigkeit dieses Kommentars musste ich in eben diesem Moment einfach mein schrecklich deprimiertes Gesicht ablegen und ein gewissermaßen debiles Grinsen aufsetzen. Und das war an genau diesem Montagmorgen eine oscarreife Meisterleistung…

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Bekanntschaft mit dem Spiegelbild

An einem recht sonnigen Frühwinter- (oder war es ein Spätherbst-?)tag traf ich in der Ubahn doch tatsächlich mein Spiegelbild. Nein, ich habe keine Doppelgängerin, so meinte ich das nicht. Aber ich habe jemanden gesehen, der genauso Ubahn zu fahren scheint wie ich selbst. Amüsant sowas, aber auch immer irgendwie beängstigend, wenn man Tiques, die man an sich nur von sich selbst kennt, doch plötzlich bei anderen wieder findet.

Das Mädchen schien in meinem Alter zu sein, sie trug ihre Jeans in die Stiefel gesteckt und eine schwarze Tasche sowie einen schwarzen Mantel. Die Jacke trug sie offen (es war warm in der Ubahn), sie hatte blonde Haare und blaue Augen. Doch das war es alles nicht was sie mir ähnlich machte. Nein – sie beobachtete alle Leute um sich herum. Gekonnt, verstohlen. Ihr Blick folgte denen der anderen Fahrgäste, und wenn sie dann doch einmal aufeinander trafen schaute sie ins Nichts, in die Leere, als ob es dem anderen nur so vorgekommen wäre beobachtet zu werden.  Ich frage mich immer ob so etwas nur mir auffällt, weil ich es selbst schon bis zur Perfektion betreibe oder ob es auch andere merken, die sich die Zeit nicht damit vertreiben über Unbekannte nachzudenken. Aber dieser unbeteiligte Blick wenn das beobachtete Subjekt einen ertappt, der könnte von mir sein. Es amüsiert mich – ich hätte Lust gehabt sie darauf anzusprechen. Besonders als sie sich dann noch unauffällig am Kopf kratzt denke ich mir, hey, du bist ich – in deiner Welt.

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Das Mädchen mit gefleckten Haaren

Ich startete heute in den dritten Seminartag und war schon recht ermüdend, da es sich um ein eher zermürbendes Seminar handelte. Zudem hatte ich die Aussicht darauf, etwa zwölf Stunden im Rad der Institution gefangen zu sein und war daher dementsprechend motiviert. Allerdings etwas wacher als die Tage zuvor, da ich immerhin den Wecker abgedreht und beschlossen hatte, einfach ein wenig zu spät zu kommen wenn mein Körper den Schlaf braucht.
Ich enterte somit in aller Gemütlichkeit (im Wissen, Stress würde es heute noch genug geben) den ersten Ubahnwaggon und hatte sogar (fast) die freie Sitzplatzwahl. Ich kam dazu, schräg gegenüber von einem Mädchen zu sitzen, dessen Alter einzuschätzen mir schwer fiel. Es musste sich irgendwo zwischen dreizehn und sechzehn bewegen. Der Leser wundert sich vielleicht, warum gerade in DEM Alter ich nicht in der Lage war, dies einzuschätzen. Nun, dies mag daran gelegen sein, dass das Mädchen derart schwarz umrandete Augen hatte, dass ich sie ungeschminkt bestimmt nicht wieder erkannt hätte. Aus ihren Kopfhörern dröhnte laute Musik (sogar bis zu mir her). So alles in allem, mit Ihren Leinenballerinas und dem Vans-Rucksack sowie dem zarten Gesicht hätte sie Avril Lavignes kleine Schwester sein können.
Was mich aber wirklich faszinierte waren ihre Haare. SIhre Naturhaarfarbe schien mittelbraun zu sein, sie trug sie offen mit Strähnen ins Gesicht und sie reichten ihr bis unter die Schulterblätter. Auffällig waren ihre blonden…Flecken. Ich bin es ja gewöhnt, dass Mädchen und Frauen blonde Haarpartien tragen, normalerweise aber längs gestreift. Diese waren nun quer gestreift. Es hatte etwas individuelles an sich, das aber entfernt an Raubkatzenfell erinnerte. Es wirkte unruhig und ich musste immer wieder hinschauen. Je öfter mein Blick sich in ihren Haaren verfing, desto mehr fing ich an nachzudenken, welche Musik wohl in ihren Ohren dröhnte und welche Gedanken ihr durch den Kopf gehen mochten. Was sie um diese Zeit (die Schule müsste längst schon begonnen haben – hatte sie vielleicht Freistunden gehabt?) in der Ubahn trieb und ob sie ihre Eltern belügte.
Sie war sehr hübsch. Ich fragte mich, ob sie das wusste.

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Ein weinendes Mädchen

Letzte Woche saß ich mal wieder in meiner ‚Heimlinie‘, am Weg von der Bibliothek in die Einkaufsstraße, um mein Handy aus der Reparatur zu holen. Wie so oft pendelte mein Blick gedankenverworren zwischen Fenster und anderen Fahrgästen hin und her. Und wieder ist er hängen geblieben. Bei einem Mädchen (ich glaube, ich beobachte gerne Mädchen. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich immer frage – sind sie mir ähnlich, kenne ich jemanden wie sie, könnte ich mich mit ihr verstehen?), einem blonden, hübschen Mädchen. Es wird etwa so alt gewesen sein wie ich, vielleicht ein wenig jünger. Doch etwas irritierte mich an ihr. Ich schaute doch noch einmal hin (unauffällig – oder zumindest versuchte ich nicht allzu auffällig zu wirken). Ja, das war das Zwerchfell, das sich da ruckartig bewegte, denn ihr kullerte eine Träne über die Wange. Vorsichtig wischte sie sie weg und tupfte mit dem Taschentuch über die geschminkten Augen. Es war deutlich zu merken, dass sie es gerne unterdrückt hätte, doch sie konnte nicht (war wohl ein Fall von ‚ich kann mich mit ihr identifizieren‘). Je länger ich da saß und sie verstohlen beim Weinen beobachtete, umso stärker wurde das Bedürfnis, mich ihr gegenüber hinzusetzen und sie zu trösten. Doch dann waren da die Hemmungen. Wie würde sie das finden? Vermutlich würde sie nicht mit jemand wildfremdem reden wollen. Doch ich hätte gerne gewusst, was sie so traurig machte. Ich kämpfte lange mit mir – bis sich eine beleibte Frau (wie häufig in der Gegend war sie wohl aus dem Süden. Vielleicht Rumänien) ihr gegenüber setzte. Auch ihr fiel auf, dass das Mädchen weinte und sie deutete es ihrem Begleiter.
Ich war verärgert über meine eigene Feigheit und darüber, dass ich die Chance verpasst hatte, jemandem ein Lächeln zu schenken – denn nun war der Platz gegenüber von ihr besetzt.
Trotzdem konnte ich meine Gedanken nicht vollständig von ihr wenden und bemerkte, dass sie immer wieder aufs Handy stierte. Es in die Hand nahm – aufklappte, zuklappte. Wütend, verletzt, verzweifelt.
Es schien zu läuten, sie hob ab. „Kannst du jetzt nicht noch kurz auf mich warten?“ – wütend, verletzt. Der Anrufer schien aufgelegt zu haben. Verzweifelt. Die Tränen ronnen ihre Wangen entlang.

T.straße – ich musste aussteigen

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Endjahresstimmung zu Neujahr

Es ist der erste Montag im Jahr nach den Weihnachts- und Silvesterfeierlichkeiten. Die Uhr zeigt grausame 7:43. Es ist sehr still in der UBahn und – für diese Uhrzeit – ungewöhnlich wenig los.
Tja, die Leute werden noch frei haben, denke ich mir und schau frustriert aus dem Fenster, in Gedanken an die kommenden drei Wochen, die alles andere als rosig sein werden. Nichts lenkt mich ab – kein Getratsche oder Handygeläute wie normalerweise an Wochentagen.

Doch nach einigen Sekunden fällt mir doch jemand auf.
Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, nach welchen ‚Kriterien‘ sich mein Unterbewusstsein die Leute aussucht, die ich beobachte und über die ich mir Gedanken mache.
Heute jedenfalls handelt es sich erstmal um einen perfekt gezogenen Seitenscheitel mit brünetten, fülligen, fernsehwerbungsglänzenden Haaren, die bis zu den Schulterblättern reichen.
Das dazugehörige Mädchen ist wohl ein wenig jünger als ich, wird so zwischen 17 und 19 Jahren alt sein. Es trägt eine schmale, rechteckige, rahmenlose Brille mit orange-roten Bügeln. Vom Styling her – denke ich mir – fällt sie interessanterweise für mich in die Kategorie Stadtbahnbögen/Uni-Fest-Type. Die Brille, die Diesel Jeans und Fila Sneakers weisen darauf hin. Was mich allerdings stutzig macht ist ihre Handtasche. Es ist ein typisches, im Weltladen erstandenes, Täschchen mit einem OM-Symbol vorne drauf.
Station Alser Straße. Das Mädchen steigt aus.

Kurz darauf entdecke ich eine Frau, die mir gegenüber sitzt. Wie sie wohl ihren Alltag bestreitet? Fährt sie zur Arbeit? Hat sie frei? Ihr Gewand wirkt eher nicht nach einem Arbeitstag. Die Frau ist wohl etwa Anfang 50, trägt ein Fleece-Stirnband, einen Jack Wolfskin Jungle Bag (irritierend, mitten in der Großstadt. Großstadtjungel?), sie hat eine gelb-türkise Plastiktasche dabei, trägt eine schwarze Hose und die ominösen Wackelschuhe.

Dies waren zwei völlig unterschiedliche Menschen, die heute meine Aufmerksamkeit erregt haben. Zwei Menschen, die mein Leben für einen kurzen Moment bewusst gekreuzt habe. Zwei Menschen, die sich gegenseitig wahrscheinlich nicht bemerkt haben – und nie wieder treffen werden.
Oder doch?