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Eine Wanderung durch Bruchtal – herbstliche Panoramen & [Wort] Empathie // sensibel

Die liebe Karina hat mir noch zwei weitere Worte geschenkt (nachdem ich mich für sie schon mit dem wunderbaren Begriff „stimmig“ auseinandersetzen durfte). Zwei Worte, die eng zusammengehören und die sich so weit überschneiden, dass sie sich schwer voneinander abgrenzen lassen, deswegen werde ich sie erneut zusammenfassen. Es sind beides Begriffe, die für mich wichtig sind und im Zwischenmenschlichen eine große Rolle spielen.

Das erste Wort, die

Empathie

Der Duden definiert sie folgendermaßen:

Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen

Empathie bedeutet immer, jemand anderen zu spüren. Sich zu öffnen, für die Gefühle eines anderen. Sich einzulassen. Jemandem nah zu sein.

Der zweite Begriff,

sensibel

wird auf drei verschiedene Arten definiert:

von besonderer Fähigkeit, empfindsam // schmerzempfindlich // besonders viel Sorgfalt, Umsicht, Fingerspitzengefühl, o.Ä. erfordernd, heikel

Sensibilität kann aktiv und passiv sein. Auch sensibel zu sein bedeutet, das Gegenüber zu spüren und seine Empfindungen für einen selbst zuzulassen. Genau zuzuhören und hinzusehen, zwischen den Zeilen zu lesen und zwischen den Wörtern zu hören. Es bedeutet ebenso, auf ein Gegenüber zu reagieren. Eine andere Person an sich heranzulassen, verletzbar zu werden, Abgrenzungen aufzugeben.

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Sie bedingen einander mehr oder weniger, denn ohne Sensibilität kann man nicht empathisch sein und ohne Empathie fällt Sensibilität schwer. Mit Sensibilität und Empathie verhält es sich vermutlich ähnlich wie mit dem Verstand – jeder behauptet von sich, diese Eigenschaften sein Eigen zu nennen.

Vermutlich stimmt das sogar. Doch trotzdem erscheint es mir so, als würden sie im Trubel der Großstadt, in der Hektik des Alltags, sehr oft verloren gehen (wie soviele andere Dinge, für die man Zeit, Ruhe und Stille benötigt).

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Darum ist es oft heilsam, die Stadt für eine Weile hinter sich zu lassen und sich in der Natur wieder mit den Dingen zu versorgen, auf die es im Wesentlichen ankommt. Die klare Luft zu atmen – um wieder klare Gedanken fassen zu können. Sich sensibilisieren zu lassen.

Die Ruhe der Bäume aufzunehmen – um Ruhe in sich selbst zu finden.

Das Fallen der Blätter beobachten – und die Veränderungen der Zeit akzeptieren.

Die Ameisen zu beobachten, wie sie mit der mehrfachen Masse ihres Körpergewichts emsig hintereinander herlaufen, um die Gruppe zu versorgen – um zu sehen, was für Anstrengungen für Lebewesen möglich sind.

Die Fliege, die sich auf der Schulter niederlässt nicht zu erschlagen und sich der Macht bewusst werden, die man als Mensch über andere Lebewesen hat (und sie nicht ausnützen).

Das Gleichgewicht zu beobachten, in dem der Wald lebt und das Wasser. Die Bewegung, die Steine, die Blätter, den Wind. Wie jedes Element seine Aufgabe erfüllt und da ist für etwas anderes.

Spüren, dass es sich mit uns ebenso verhält. Jeder Mensch hat einen Platz im Gefüge der Welt. Jeder Mensch kann sich jeden Tag dafür entscheiden, was er für ein Mensch sein möchte. Jeden Tag aufs neue trifft man Entscheidungen, kleine und große. Entscheidungen, sich selbst den Vorrang vor anderen zu geben – was manchmal wichtig ist, denn man kann erst andere lieben, wenn man sich selbst liebt. Entscheidungen, sich selbst hinten anzustellen, weil man dafür jemand anderem den Vorrang gibt. Das ist wichtig, weil wir keine Einzelgänger sind und weil Egoismus einsam macht.


 

Es gibt zwei Sorten Menschen. Und eine dritte.

Es gibt die Menschen, die sich selbst immer den Vorrang geben, weil sie ehrgeizig sind und vielleicht narzisstisch, vielleicht weil sie nie gelernt haben, wie es sich anfühlt, jemand anderem etwas Gutes zu tun. Weil sie sich über Dinge definieren, die sie erreicht haben und weil sie nicht wissen, dass es auch anders geht. Vielleicht auch bewusst, weil sie es so wollen. Die ohne zu zögern Menschen verletzen um ihre Ziele zu erreichen.

Und es gibt Menschen, die sich selbst nie den Vorrang geben. Die immer zuerst an andere denken. Weil sie nie gelernt haben, dass auch sie etwas wert sind und verdient haben, sich etwas zu nehmen. Die niemals etwas tun, das jemand anderem Schwierigkeiten bereitet, auch wenn sie damit darauf verzichten, ihren Lebensträumen näher zu kommen.

Und dann gibt es die, die den Mittelweg gehen. Die entscheiden können, wann sie sich selbst etwas Gutes tun sollen, wann es an der Zeit ist, für sich selbst zu kämpfen – aber verzichten können, zugunsten anderer. Wenn es jemand anderes mehr braucht, mehr verdient hat, wenn es jemand anderen vielleicht einfach glücklicher macht.

Das sind die Menschen, die Sensibilität und Empathie besitzen, die sich selbst lieben um andere zu lieben. Die ein Gleichgewicht im Geben und Nehmen gefunden haben. Die andere spüren – ohne sich selbst zu verlieren. Die sich ein Vorbild genommen haben an der Natur, in der der Baum die Erde nimmt um zu leben, nur um irgendwann später selbst zu Erde zu werden – und einem neuen Baum Leben zu schenken.

Die Bilder entstanden bei unserem Ausflug zu den Myrafällen und der Wanderung zum Hausstein.

30 comments on “Eine Wanderung durch Bruchtal – herbstliche Panoramen & [Wort] Empathie // sensibel

  1. Ein super toller Beitrag mit Traumhaften Bildern. Ich liebe wie schön du deine Beiträge mit den Aufnahmen unterstreichen kannst, und somit nicht nur mit Wort, sondern auch in Bild zu berühren und zu begeistern. Vielen Dank dafür. Es ist immer wieder lobenswert!

  2. Deine wunderschönen, leuchtenden Herbstfotos sind beim aktuellen Wetter genau das richtige, um gute Laune zu bekommen. Vielen Dank! 🙂

  3. Bild und Text ergänzen sich wieder einmal ganz wunderbar!
    Liebe Grüße
    moni

  4. Bruchtal 😉 Sehr schön und passend… Ansonsten, wie immer eigentlich 😉 du bringst es auf den Punkt und die Bilder passen zum Text (oder andersherum). Les diese Beiträge immer sehr sehr gerne…

    • jep, bruchtal 🙂 da kommen noch andere bilder, die die wahl des titels klarer machen werden 😉
      und: dankeschön! wie immer 🙂

  5. Hach bei den schönen Bildern vermisse ich glatt wieder den Herbst! Und die beiden Wörter finde ich auch ganz toll gewählt und beschrieben 🙂

    • oh jaaa, ich vermisse ihn auch. heuer ganz schlimm. sonst stört es mich (vor allem im dezember) noch nicht so, aber dieses jahr schlägt mir die dunkelheit irgendwie aufs gemüt…
      danke aber natürlich für die lieben worte zum beitrag!

      • Geht mir genauso. Irgendwie kommt mir der Winter (obwohl er erst angefangen hat und gar nicht so kalt ist) so lang vor. Muss wirklich am fehlenden Licht liegen. Aber bald werden die Tage ja wieder länger 🙂

  6. echt toll, einen schönen Mittwochabend wünsche ich

  7. Liebe Paleica,
    dieser Beitrag ist unglaublich. Unglaublich toll geschrieben. Unglaublich wahr. Unglaublich schöne und wie die Faust auf’s Auge passende Bilder. DU bist unglaublich, was für schöne Texte du hier immer wieder online stellst. Ich bin hin und weg.
    DANKE, dass du so etwas Wundervolles aus meinen beiden Wörtern geschaffen hast! ❤
    Liebe Grüße, Karina

    • liebe karina, danke für das breite lächeln, das du mir mit deinen worten geschenkt hast. es freut mich sehr, dass dir meine gedanken zu deinen wörtern gefallen! ❤ ❤ ❤

  8. Ich fühle mich ein wenig zur 3. Gruppe zugehörig.
    Bei manchen Menschen tue ich mich schwer mit dem Hineinversetzen, weil sie total (also aus meiner Perspektive) nicht nachvollziehbare Gedanken haben. Komisch eben. Nun ja, das sind immer die harten Brocken. Aber man gibt sich ja Mühe, nimmt sich Zeit und so hoffe ich, dass das Leben nach Gesprächen (einfühlsam natürlich) besser ist 🙂
    Irgendwie war ich schon immer diejenige, die die offenen Ohren hatte….

    • ich denke, das ist auch irgendwo das optimum. ich bin ja mehr gruppe 1, ich neige schon dazu, meine bedürfnisse immer hinten anzustellen, was mir selber halt einfach nicht gut tut. aber das ist wohl auch ein lernprozess. und das mit dem hineinversetzen: klar! manche menschen ticken ganz anders und deren beweggründe lassen sich dann nur schwer verstehen…

  9. Das erste Foto und die mit dem Bach sind wunderschön! Da vermisst man den Herbst glatt noch mal. All diese Farben, das Licht… hach. 😉
    Grad da es momentan nicht ganz so winterlich ist, geht der Herbst echt ab…

    Das kommt natürlich auch ein wenig daher, dass ich in der letzten Zeit nicht so viel fotografieren konnte und es Spaß machte dann mit so wenig Aufwand was zu „schaffen“ was mir gefällt. Generell gefallen mir aber auch Accounts in der Richtung selbst sehr, weswegen ich mich dem Einfluss sicherlich nicht ganz verschließen kann. 😉
    Aber letztlich kommt es dabei doch nur drauf an, was einem selbst gefällt. Wenn man grad lieber einfach so teilen mag, ist das doch auch voll okay.
    Mal davon abgesehen, dass ich deine letzten Fotos auch alle sehr schön fand.

    Waren ja nicht meine Scheiben! 😉 Ich muss sagen, dass ich dann auch schwer von der Sache an den Fenstern enttäuscht war. Aber die Schablonen waren super… die Blicke meiner Schwester und Elter angesichts der Hirsche waren toll.
    Das mit dem Schnee ist einfach nur eine große Sauerei. Geht schon wieder runter, aber na ja… Ich möchte nicht putzen.

    Nein, hab ich noch nicht. Wahrscheinlich heute. Aber seit dem Wochenende geht es mir das erste Mal seit Wochen wieder so richtig gut und langsam geht einfach alles weg. Es ist wirklich schön ohne irgendwelche Schmerzen in den Nebenhöhlen oder so. Die Ergebnisse sind mir jetzt also relativ wurscht. 😉
    Aber das wusste ich ja letzte Woche auch noch nicht, dass endlich mal alles anschlägt.

    • oh ja, du sagst es. heuer war er halt auch besonders schön. obwohl er düster gestartet hat, aber dann waren es echt 3 oder 4 traumhafte wochen. bei uns ist es nur trüb und neblig und igitt.

      ja, mir gefallen solche accounts an sich auch besser und ich hab schon mehrmals überlegt, meinen umzustrukturieren. aber irgendwie kann ich mich nicht aufraffen, vor allem seit ich facebook nicht mehr hab. und einen neuenn anzulegen und zu verwalten finde ich einfach irgendwie super mühsam, zumal ich ja auch schon einen zweiten für die firma hab und das wird mir dann alles zuviel. hmm naja. andererseits wäre ein künstlerischer natürlich nett, den ich hier auch mit dem blog connecten könnte. we will see 🙂
      und danke, das freut mich, dass sie dir gefallen haben 🙂 ich gebe mir ja auch mühe, dass sie hübsch aussehen, aber sie sind halt weit nicht einheitlich, wenn man die übersicht anschaut.

      wie schön, dass es dir endlich besser geht! ich kenne das, dieses super erleichternde gefühl!!

  10. Das sind wiedermal so richtig schöne und idyllische Fotos. Bei dem trüben Wetter das draußen gerade vorherrscht ist das wirklich herzerwärmend. 🙂

    Ich habe ja lange geglaubt Empathie ist negativ. Irgendwie war das in meinem Kopf so abgespeichert. Umso schöner ist es natürlich, das hier mit so vielen weise gewählten Worten zu lesen – und in Kombination mit sensibel einfach PERFEKT.

    Der Mittelweg ist natürlich der Beste, auch wenn es manchmal schwer ist, das Gefühl richtig „auszutarieren“.

    Danke für diesen bezaubernden Beitrag ❤

    • ja 🙂 derer hat dieser herbst freundlicherweise ein paar für mich parat gehabt und ich freu mich immer noch sehr, dass das endlich einmal geklappt hat. bei uns ist es derzeit auch nur grau und trüb.

      tatsächlich?? dann freu ich mich natürlich sehr, wenn ich dem begriff einen positiveren touch geben konnte. obwohl man eben aufpassen muss. bei zuviel empathie verliert man sich nämlich wirklich leicht selbst.

      danke fürs lesen 🙂

  11. es gibt immer so viel Schönes zu sehen, liebe Paleica, schönen Freitag wünsche ich dir

  12. Ich mag sowohl Deinen Schreibstil als auch Deine Bilder wahnsinnig gern. Hier ist mal wieder alles perfekt aufeinander abgestimmt. Und ich finde es wunderbar befreiend, dass wir uns jeden Tag entscheiden können was für Menschen wir sein möchten. Ein sehr schöner Gedanke!

  13. Liebe Paleica,

    mal wieder ein Beitrag, der es treffend auf den Punkt bringt.

    Ich habe in 2015 auch so meine Erfahrungen mit diesem Thema gemacht – Empathie, Sensibilität, aber auch Selbstliebe. Wer sich selbst liebt, kann anderen auch Empathie entgegenbringen, so wie du auch schreibst: „Das sind die Menschen, die Sensibilität und Empathie besitzen, die sich selbst lieben um andere zu lieben. Die ein Gleichgewicht im Geben und Nehmen gefunden haben. Die andere spüren – ohne sich selbst zu verlieren.“
    Diese Sätze sollten sich viel mehr Menschen verinnerlichen.

    Von den Fotos her ist das zweite im Beitrag, das mit den vielen Herbstblättern, mein Favorit 🙂

    Alles Liebe
    Aleksandra

    • vielen dank für deinen lieben Kommentar, es freut mich, dass dieser satz (der mir selbst auch sehr wichtig ist) so hängen geblieben ist ❤

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