„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten…“

„…Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.“

Auszug aus einem chinesischen Sprichwort

Ich äußere mich üblicherweise im Internet nicht politisch. Nicht niemals, aber sehr selten. Ich lege keinen Wert auf Trolle und ich bin der Meinung, dass derartige Diskussionen sich schriftlich nur verkürzt führen lassen und unproduktiv sind. Trotzdem gibt es derzeit hierzulande eine Entwicklung, zu der ich nicht Schweigen kann, in der Hoffnung, dass meine Gedanken dazu vielleicht auch nur auf ein einziges offenes Ohr stoßen und weitergetragen werden.

Es geht ein Riss durch unsere Gesellschaft. Ich spüre das schon lange und langsam wird es auch medial thematisiert. Grün oder blau? Gut oder böse? Man kann nicht umhin, permanent damit konfrontiert zu werden. Es gibt kein dazwischen. Es gibt kein grau. Es gibt nur Freund oder Feind.

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Menschen sagen, wenn jemand die andere Seite wählt, will ich mit denen nichts mehr zu tun haben. Sie sagen das über andere Menschen – die sie seit Jahren kennen. Mit denen sie lange befreundet sind. Sie fragen nicht, warum sie es tun. Sie schütteln den Kopf und gehen.

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Sie gehen zu den Menschen, die ‚das richtige‘ wählen. Denn es gibt wieder die richtige und die falsche Meinung – pauschal. Dazu tendieren Menschen, das ist verständlich. Aber es geht darüber hinaus. Denn seit einiger Zeit gibt es auch wieder richtige und falsche Gewalt. Die einen wollen ‚Tischlein Deck dich‘ mit ‚Schlagstock und Peitsche‘ ersetzen. Die anderen wollen ‚in die Stadt gehen und die Menschen mit Geschichtsbüchern verprügeln‘ und rufen dazu auf, bei der Wahl ’nur a bisserl kriminell‘ zu werden. Diese Statements wurden in einem beliebten sozialen Netzwerk mehrere tausend Male geliked und geteilt. Diese Statements haben eines gemeinsam: verbalisierte Gewalt, die von einer großen Personengruppe als legitim erachtet wird. Wie weit ist es noch vom Wort zur Tat?

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Ich habe Angst, weil sie alle ‚das Trennende vor das Verbindende stellen‘. Weil jede Gruppe ein anonymisiertes Feindbild verfolgt, das pauschal verurteilt wird. Ich habe Angst, weil sie alle so überzeugt davon sind, Recht zu haben. Weil es in beiden Welten keine Grautöne gibt. Ich habe Angst, weil es niemals so sehr wie heute möglich war, sich in seiner Blase zu bewegen, wo Informationen gesinnungsgerecht aufbereitet werden und diese das Weltbild mit immerwährendem Zement untermauern.

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Ich will nicht sagen, dass ich nicht auch der Meinung bin, dass eine Ansicht ‚richtiger‘ ist als eine andere. Natürlich denke ich das. Aber ich denke auch, dass Demokratie eine unserer wichtigsten Errungenschaften ist. Dass man Demokratie nicht mit Gewalt durchsetzen kann – denn das bewirkt genau das Gegenteil. Und dass Aufrufe zur Gewalt immer nur falsch sein können.

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Es gibt die, die es eigentlich besser wissen müssten, doch sie agieren genauso wie die anderen. Und das erschüttert mich fast am meisten.

63 Replies to “„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten…“”

  1. Wir stellen alle viel zu wenige Fragen und gehen nicht mehr in den Dialog – danke für diesen Beitrag, liebe Paleica.

    1. danke liebe annette, es tut gut zu lesen, dass andere das auch verstehen. ich versuche immer, die beweggründe von menschen zu verstehen und mit ihnen zu reden, aber manchmal habe ich das gefühl, dass sogar das schon von vielen verurteilt wird und dass ein gemeinsames, propagiertes unverständnis irgendwie grade etwas Erstrebenswertes ist.

  2. Ich maße mir nicht an, über die politischen Verhältnisse in Eurem Land hier irgend etwas zu sagen, was Hand und Fuß hätte (obwohl ich sicher eine Meinung habe). Aber Deinen Aufruf zum differenzierten Denken, Handeln und Fühlen kann ich nur unterschreiben, während mir Konstantin Weckers Liedzeile „und schon morgen kann das wieder passier’n“ durch den Kopf geht. Ich glaube, dass Konfrontation und Polarisierung (genauso wie Gewalt) nur neue Probleme schafft, anstatt die bestehenden zu lösen. Das muss man sich immer wieder vor Augen halten.

    1. lieber frank, diese liedzeile trifft es auf den punkt. ich habe das gefühl, viele menschen halten den frieden hierzulande für etwas selbstverständliches. ich habe im gegensatz dazu das gefühl, dass sie ihn momentan grade leichtfertig aufs spiel setzen.

    1. dankeschön – es tut so gut zu lesen, dass ich mit dieser wahrnehmung nicht alleine bin. im moment fühle ich mich oft wie ein alien irgendwo außerhalb der matrix… ganz liebe umarmung zurück!

  3. sehr toller Beitrag. Ich weiß genau was du meinst. Obwohl ich damals als ich ein Teenie war auch viele meiner Freunde verlassen habe. Ich habe einen Cut gemacht weil ich das Gedankengut nicht ertragen konnte weil es nicht möglich war einen Dialog zu führen. Ich frage mich auch schon oft warum es keine Mitte mehr gibt, keine einzelnen Graufarben und warum manchmal nicht mehr sagen kann das man es aber genau mittig sieht.

    1. danke meine liebe ❤ es tut gut, zu lesen, dass es anderen ähnlich geht. momentan habe ich oft das gefühl, fast ganz allein damit zu sein. ich verstehe schon, dass es manchmal unüberbrückbare differenzen gibt und es dann besser ist, den kontakt abzubrechen, das ist keine frage. es gibt halt mittlerweile einfach leider zu viele, mit denen sich nicht mehr reden und mit denen sich kein kompromiss finden lässt. ich denke nur, dass so viele es gar nicht erst versuchen, dass der eigene standpunkt so in stein gemeißelt ist, dass eine andere meinung nicht mehr toleriert wird. und das macht mir sorgen.

  4. Liebe Paleica,
    danke Dir für diesen Beitrag!

    Die Wahrheit liegt bekanntlich in der goldenen Mitte, doch die Ängste der Menschen machen den Pfad zur Mitte unsichtbar.
    So suchen sie die Wahrheit nur am Wegesrand, auf der rechten oder auf der linken Seite. Zwischen ihnen ist der Weg selbst, der sie nun voneinander trennt.
    In der Mitte könnten sie sich vereinen, aber dort wollen viele nicht hin; dann müssten sie sich ihren Ängsten stellen, dann müssten sie stärker sein, als die Angst, die Tag für Tag von denen, die noch mehr Angst haben, genährt wird.
    Ängste schüren – das ist und war immer schon das beste Mittel für alles versprechende, blendende, illusorische Propaganda. Hoch über Verblendung und Blindheit triumphiert die Angst vor der Zukunft und die Menschen lassen zu, dass ihr Würgegriff immer stärker wird.
    Es ist die Angst (persönliche oder gesellschaftliche), die die Menschen voneinander trennt. Ihre (politische) Einstellung zur Gesellschaft entwickelt sich aus der Angst heraus, von der sie beherrscht werden, bewusst oder unbewusst.
    Ängste haben noch nie Gutes zustande gebracht, außer noch mehr Angst, noch mehr Unsicherheit, noch mehr Neid, Missgunst und als Krönung den Hass.

    Alles Liebe
    Nachtpoetin

    1. liebe nachtpoetin, ich danke dir herzlich für deinen ausführlichen kommentar!!

      ich habe auch das gefühl, dass der „pfad“ in der mitte nicht mehr als pfad, sondern eher als grenze wahrgenommen wird, etwas, das man nicht betreten oder gar überschreiten darf. das gegenseitige beflegeln der medien und politiker, die sich von „blattlinie“ wegen ganz grundsätzlich gegen den anderen stellen mussten, hat offenbar mittlerweile auf die bevölkerung übergeschwappt.

      ja, ängste schüren. das ist grade ein prozess, der passiert – quer durch europa. und zwar aufs hässlichste. die, die die verantwortung tragen, kommen aber ungeschoren davon, weil sie die instanz sind, die genau diese dinge eigentlich verhindern sollten. was läuft nur schief?
      angst verhindert, klar zu denken, einen kühlen kopf zu bewahren und nach ehrlich machbaren lösungen zu suchen. momentan schreien die hitzköpfe sich nur an und lassen die fronten verhärten…

  5. Liebe Paleica,
    es tut so gut, diese Zeilen zu lesen. Ich danke dir ganz herzlich für deinen Mut zu diesem Blogbeitrag. Es ist schön zu wissen, dass doch mehrere Menschen sich nicht in die beschriebenen Schubladen zwängen lassen und wir somit nicht alleine sind. Herzensgrüße zu dir.

    1. vielen dank liebe susanne, dass du hier ein paar worte dazu hinterlassen hast, ich habe den beitrag schon länger fertig und war doch unsicher, ob ich ihn denn posten solle oder nicht, weil man unterm strich nie weiß, was dann rauskommt. umso mehr freut es mich, wenn ich damit menschen erreichen und sehen kann, dass es noch andere gibt.

  6. Prinzipiell gebe ich dir schon Recht, es gibt diese Spaltung ganz offensichtlich, in arm und wohlhabend, in mehr oder weniger gebildet, in beruflich erfolgreich oder nicht ….. Aber es wird auch viel „herbeigeschrieben“ von Revolverblättern wie „heute“ und „Österreich“ und auch von facebook. Medien sind eine Sache und das Leben eine großteils andere. Die differenzierten Diskussionen, die es auch gibt finden dort nicht statt.

    1. liebe myriade, die medien sind eine sache und sie schreiben viel. für mich sind sie auch ein großer verursacher des problems. aber das, was mir wirklich kopfzerbrechen macht, sind die dinge, die ich aus zwischenmenschlichen gesprächen mitgenommen habe. von menschen, die ich lange kenne und die ich an sich für sehr intelligent halte. aussagen genau wie ich sie beschrieben habe „wenn ich erfahre, dass jemand das andere wählt, will ich mit dem nix mehr zu tun haben, egal wer das ist und warum er das tut.“ das ist für mich schon ein ziemlich dunkelrotes alarmsignal, zumal das nicht nur EINE person betrifft, sondern tatsächlich viele.

      1. Gerade beende ich eine Debatte auf einem blog, weil die Bloginhaberin meint, dass sie mit einer bestimmten von ihr als „Rechte“ bezeichneten Person „nicht einmal auf derselben Straßenseite gesehen werden möchte“
        Fanatische Töne auf beiden Seiten.
        Du hast schon Recht, es gibt wenig Willen zum Dialog und Pluralismus und alle meinen, sie wären im Besitz der absoluten Wahrheit und die jeweils anderen von „völlig daneben“ bis „geradezu kriminell“.

        1. es ist einfach erschreckend. ich meine, kann sowas richtig sein? ich frage mich schon, wo das noch hinführen soll. wie können sich solche verhärtete fronten wieder lösen?

          1. Ich finde es vor allem heftig, wenn Leute sich im Namen der Menschlichkeit, der Moral, der Toleranz etc weigern mit anderen auch nur zu reden, falls die nicht die genau gleiche Meinung vertreten …. Vielleicht bringt die Fussballerei etwas Entspannung 🙂

            1. momentan sieht es ja nicht so ganz danach aus O.o dürfte ja schon wieder ziemlich rund gegangen sein bei einigen spielen. echt, menschen.
              und ja, das ist es nämlich. diese doppelmoral widert mich am allermeisten an.

  7. Du hast völlig Recht mit deiner Aussage, dass Aufruf zur Gewalt immer nur falsch sein kann. Wie Roswitha schreibt, müssen wir wieder mehr in den Dialog gehen, aber dazu gehört auf beiden Seiten die Bereitschaft dazu, was es im Moment sowohl in Österreich als auch in Deutschland schwierig macht. Auch wenn es im ersten Moment richtig zu sein scheint, die andere Seite zu beschimpfen, lächerlich zu machen, bloßzustellen, ist es das nach einer kurzen Denkpause eben nicht. Ich habe zwar diejenigen, die mir zu braun erscheinen, aus fb geschmissen, aber deshalb tute in nicht in das Horn der anderen. Sprüche und Beschimpfungen helfen nicht weiter. Auseinandersetzung mit Sachthemen sehr wohl.
    Rassismus kommt immer aus der Mitte der Gesellschaft und leider hat sie aktuell eine Akzeptanz, dir mir das kalte Grauen über den Rücken jagt.

    1. ja, die bereitschaft dazu ist irgendwie anscheinend völlig abhanden gekommen. und im moment drehen sich diese dinge im kreis – je mehr die einen schimpfen, bloßstellen, lächerlich machen umso mehr zulauf bekommen die anderen, weil die sich wiederum en gros angegriffen fühlen. zumindest ist das bei uns so. und je mehr das passiert, umso mehr verhärten sich die fronten. die zeiten sind schwierig und es gibt auf die aktuellen probleme keine einfachen antworten, aber wenn menschen die welt nicht mehr verstehen, wollen sie denen glauben, die ihnen welche bieten. ich muss sagen, ich habe deswegen mein privates facebook abgedreht. hätte ich alle leute rausgeschmissen, die links oder rechts extreme kommentare ablassen, wären eh nicht mehr viele übrig geblieben.

      ich verstehe ja schon, dass man sich schwer tut, andere meinungen wirklich zu akzeptieren, vor allem wenn man weiß, dass sie einfach auf total mistigen informationen beruhen. aber in wahrheit ist es doch so: wenn man wo einfluss haben kann, dann bei menschen, die man kennt, im persönlichen gespräch. das ist es aber genau, das alle meiden – stattdessen posten sie wie die wilden und das einzige resultat sind letztendlich gegenseitige beschimpfungen und moralische appelle, die völlig ins leere gehen. dort, wo potenzial wäre, konfrontiert sich keiner, nämlich in einer ehrlichen auseinandersetzung mit dem menschen gegenüber und mit seinen beweggründen.

      es wäre halt auch aufgabe der politik und der medien, wieder einen gemeinsamen rahmen zu schaffen, aber die meisten gießen da nur öl ins feuer, solange, bis es brennt…

  8. Dem gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen… Die Entwicklungen sind erschreckend. Was ist das für eine Welt in der wir leben und unsere Kinder hineinsetzen! Wobei ich immer noch der festen Überzeugung bin, das es (noch) mehr Menschen gibt, die nachdenken anstatt einfach nur blind zu handeln…! Danke für den „Wachrüttler“….

    1. ich hoffe sehr, dass es sie gibt, aber ich habe das gefühl, dass sie sehr still geworden sind in dem gewetter der beiden seiten. ich selber kenne leider nur ganz wenige, die sich in den euphorischen sog, einer identitätsstiftenden ideologie anzugehören (links oder rechts) nicht hineinziehen lassen und das erschreckt mich wirklich am meisten. es fühlt sich wirklich grade an, als wären die menschen unfähig, etwas generationsübergreifend aus geschichte zu lernen.

        1. ja, ist es. ich versuche, es auch wieder aus meinen gedanken zu verbannen und mich nicht zuviel damit zu konfrontieren, weil ich es ja ohnehin nicht ändern kann. aber manchmal kommt es trotzdem daher..

          1. Und das wir leider auch immer so bleiben… Manchmal ist es anstrengend wenn man sich mit der Realität bschäftigen muss… Aber halt auch gesund und wichtig…

            1. bei mir hat es in der letzten zeit leider schon ungesunde ausmaße angenommen und ich hab da dringend die notbremse ziehen müssen. irgendwann hoffe ich mal, ein gesundes mittelmaß zu finden zwischen sich alles reinziehen was einem über den weg läuft und alles komplett abdrehen müssen.

              1. 😉 das ist schön, wenn ich nach außen hin den eindruck erwecken kann 😉

  9. EIne aufgeklärte Gesellschaft lebt Akzeptanz und Respekt gegenüber dem Andersdenkenden. Wie webeneit dies gelebt wird, zeigt sich immer dann, wenn Umstände schwieriger werden. So wie das nun weltweit geschieht. Dann wollen Menschen schnelle und einfache Antworten auf schwierige Fragen. Und an diesem Punkt ist man schnell bei der Polarisierung.
    Danke für den guten Beitrag
    Lg,
    Werner

    1. du sagst es. das dramatische ist, dass es nicht verboten ist, den menschen solche systeme zu präsentieren, obwohl selbst diejenigen, die das tun, ganz sicher wissen, dass es so nicht geht. und weil sich gut geld damit machen lässt, springen die, die eigentlich als instanz dafür verantwortlich wären, so etwas zu verhindern – nämlich die medien – auf den zug auf, entscheiden sich für eine seite und treiben den keil noch tiefer und tiefer. wie in aller welt sollen diese gräben wieder zugeschüttet werden?

  10. Hi
    Politik ist ein Thema dem ich auf meinem Blog auch eher aus dem Weg gehe.
    Ich denke Mitschuld an der Polatisierung ist sicher auch der gedankenlose Umgang mit Social Media. Keiner würde sich auf den Marktplatz stellen und „Österreich den Österreichern“ schreien bis er heißrig ist. Auf Facebook auf teilen oder gefällt mir klicken da haben viele anscheinend keine Hemmungen.

    Und da fangen die Probleme an. Was tun wenn alte Schulkameraden jeden Tag Straches News posten, was tun wenn der Lieblingsonkel Videos mit von rechten Seiten zustimmend kommentiert und teilt. Ich tue da meistens nichts, und das tut mir dann irgendwie auch weh. Bei mir wird dann irgendwann einfach deaboniert weil ich auf Dauer sowas nicht aushalte.

    Aber ich kann verstehen das die Leute wenn sie im Netz auf der suche nach Antworten irgendwelchen Seiten auf dem Leim gehn schon alleine wegen der Suchmaschinen Logarithmik immer wieder bei Ähnlichen Seiten landen. Sowas kann natürlich auch den Blick auf die Welt verzerren.

    Das Positive and der letzten Wahl war denke ich das doch viele Leute wählen waren. Und wenn man sich die Lager ansieht herrsch zummindest Gleichgewicht im Lande Österreich. Auch wenn ich offen zugebe das mir ein Stein vom Herzen gefallen ist das wir keinen Burschenschafter zum Präsidenten gemacht haben.

    LG Peter

    1. ich an sich auch. das ist in all der zeit erst der zweite artikel, in dem ich dieses thema aufgegriffen habe, aber ich musste es mir einfach von der seele schreiben, weil sich dieser riss direkt in meinem leben, direkt an den menschen vollzieht, die ich kenne.

      da hast du sicher recht. ohne – vor allem – facebook wären die lager sicher nicht so ausgeprägt. es ist eben so einfach, sich mit gleichgesinnten zu umgeben und diesen hype mitzuleben, in welche richtung auch immer er geht. man bestärkt sich gemeinsam, für die richtige sache zu kämpfen usw. usf. gefühlt würde ich sagen, das gab es schon mal und es nahm kein gutes ende.

      es krampft mich regelmäßig zusammen, wenn ich solche postings sehe, obwohl ich gestehe, dass ich eine zeitlang auch dinge geteilt hab, von denen ich dachte „wenn sie das lesen, dann“. aber dasselbe denken die sich wahrscheinlich auch. deswegen ist mein privates facebook wieder auf eis gelegt, einfach, weil ich das nicht mehr aushalte und weil es online ohnehin nur eskaliert. ich glaube einfach – ich hab es eh schon weiter oben geschrieben – dass diese dinge, die man nicht persönlich an jemanden adressiert sondern in die timeline rausbläst, nichts bewirken. deswegen versuche ich einfach, wenn es im persönlichen gespräch dazu kommt, soweit es geht die dinge auf einer sachlichen ebene eben auch von der anderen seite zu beleuchten oder die menschen auf diesem „trip“ (so kommt es mir vor) wachzurütteln. nein, strache kann unsere probleme nicht lösen, er ist nicht der einzig ehrliche, ganz im gegenteil und nein, linksextremismus ist nicht harmlos, man denke nur china und mao, nur weil es nicht hier passiert ist, blablabla.
      ich finde auch die inflationäre verwendung der „nazikeule“ problematisch, weil der begriff mittlerweile so verwaschen und verkommen ist, dass kaum noch jemand zusammenzuckt, wenn es jemand verwendet. ich meine, ehrlich, wie zur hölle konnte man das passieren lassen???

      1. Passieren lassen es die die davon profitieren, es wird da bewußt mit den Ängsten der Menschen gespielt.
        Ach…
        Vielleicht sollten die Leute einfach mehr verreisen, dann sieht man die Welt ein bisschen differenzierter.
        LG Peter

        1. Weißt du, im Moment hab ich das Gefühl, dass sich persönliche Erfahrung einfach nicht unbedingt deckt mit Meinung/Einstellung. Oder mit eigenen Grundwerten und Aussagen. Als wäre da irgendwo eine Verbindung gekappt.

          1. Vielleicht ist das auch ein Spiegel unserer Zeit, alles sehr schnell lebig und irgendwie extrem…
            Nicht verzagen, mal schaun wo der Weg hingeht.

  11. Danke für diesen offenen und ehrlichen Beitrag! Ich weiß warum ich es so tollen Menschen wie dir überlasse, die Gedanken aufs Papier zu bringen. Mir geistern sie zwar sehr ähnlich im Kopf herum doch meine Gedanken so klar niederzuschreiben… da bist du viiiiiieel besser 🙂
    Ich glaube ich hab noch nie eine Wahl mit so viel Spannung verfolgt wie die heurige Wahl zum neuen Bundespräsidenten. Was da sowohl im Vorfeld abging als auch jetzt mit der Wahlanfechtung… Einfach nur irre.
    Vorgestern hatte ich eine lange spannende Unterhaltung mit meinem Vater zum Thema Zukunftsentwicklung. Von Robotertechnik die uns bzw unsere nächsten Generationen eines Tages ersetzen wird bis hin zur politischen Entwicklung. Man sollte meinen, wir hätten endlich aus der Vergangenheit gelernt. Aber mir scheint, es wird immer schlimmer…

    1. danke fürs lesen und dafür, dass du meine sicht teilst. es sind in meinem bekanntenkreis nicht soviele übrig geblieben, die das verstehen wollen.
      ich habe übrigens monatelang dieses gefühl mit mir herumgetragen, bis die worte daraus entstanden sind. auf einmal waren sie da, so klar und da konnte ich gar nicht mehr anders als schreiben.

      ich glaube mittlerweile, menschen können nicht über generationen lernen. in wahrheit war das immer schon so. alles, was man aus erzählungen kennt, geht nicht so in fleisch und blut über. das ist auch das, was mir am meisten angst macht – wenn die letzten der kriegsgeneration ausgestorben sind und niemand mehr da ist, der den schrecken noch wirklich erlebt hat und daraus kompromissbereitschaft zieht, alles nur erdenklich nötige zu tun, um den frieden zu erhalten.

        1. hoff ein bisschen für mich mit, ich tu mir so schwer mit optimismus, besonders wenns um sowas geht…

  12. Ich finde, es ist immer einfach, schnell zu urteilen… „du hast xyz gewählt, darum bist du so und so“ und schon wurde die andere Person in eine Schublade eingeordnet. schwieriger ist es sicher, nachzufragen WARUM und WIESO diese Person xyz gewählt hat. Oder zu sagen, nur „mein Richtig ist Richtig“. und zum Thema „richtige Gewalt“.. da steigts mir ja sowieso hoch, wenn wer Gewalt verteidigt und rechtfertigt! Danke für deine ehrlichen Worte, die mal wieder zum Denken auffordern.

    1. danke für deine worte und dafür, dass du meine meinung teilst, es tut gut, damit nicht ganz allein zu sein, weil sich das manchmal grade sehr danach anfühlt. wo sind die, die rausgehen und sagen, dass gewalt scheiße und niemals eine lösung ist, gegen niemanden. es ist einfach viel schief gelaufen hier, in den letzten jahren, in medien und politik. das konnten die ränder jeweils gut für sich nutzen. und jetzt haben wir den salat und ich frage mich ernsthaft, wie diese auseinanderwegbewegung wieder eine aufeinanderzubewegung werden kann.

  13. Sehr wahr! Man hat schon oft das Gefühl, dass seltsame Zeiten herrschen… Meine Schwester arbeitet seit einigen Monaten mit Flüchtlingen, daher ist das ein Thema, das bei uns sehr oft besprochen und diskutiert wird. Selbst in der weiteren Familie gehen die Meinungen da extrem auseinander… Da wundert es mich dann erst recht nicht, dass das gesellschaftlich und politisch so eine große Sache ist.
    Generell erschreckt es mich, dass bei gewissen Themen mittlerweile so viel Hass und Argwohn vorherrschen. Das ist keine schöne Entwicklung!

    Vielen Dank! 🙂

    Haha, man geht ja gerne mit einem gewissen Lokalpatriotismus an die Sachen heran. Daher behaupte ich natürlich ganz frech: wir haben die schöneren Teile der Alpen abbekommen. 😉
    Na ja, so ganz stimmt das natürlich nicht.
    Aber gerade die asiatischen Touristen mögen unsere Gegenden ja recht gern… was die hier alles fotografieren etc.

    Ich mochte The Revenant recht gern. Aber ich mochte seinen Gegenspieler (von dem mir nun ums Verrecken nicht der richtige Name einfallen will) auch… hab denen einfach gerne zu geschaut.
    Da ich aber viele Filme von Leonardo nicht gesehen habe, konnte ich mir nie so wirklich ein Urteil darüber erlauben, wann genau er jetzt eigentlich den Oscar verdient hatte. Bei Gatsby hatte ich eigentlich immer genau das Gefühl, was du mir nun bestätigst. Daher hab ich ein auch noch nicht geschaut… ^.^

    1. Hey
      Hab nur so drüber gelesen, aber wenn du einen wirklich guten Film mit dicaprio sehen willst dann schau dir „Aviator“ oder „The Wolf of Wallstreet“ eigentlich hätteihm für einen dieser Film der Oscar gebührt. The Revenant fand ich jetzt nicht schlecht aber doch ein wenig langatmig, was jetzt nicht leonardos schuld war ;)… sein Gegenspieler war wenn ich mich richtig erinnere Tom Hardy.
      LG Peter

      1. aviator fand ich super, bei the wolf of wallstreet muss ich mich auch wieder ausreihen ^.^ der hat mich nicht so wahnsinnig beeindruckt. ich hab ihn muss ich fairerweise sagen auch nicht mit ganzer aufmerksamkeit gesehen, weil ich auf dem flug nach san francisco dazwischen mal kurz eingeschlafen bin, aber ich bin irgendwie in die stimmung nicht reingekippt. gespielt hat er da aber definitiv super.
        langatmit trifft es beim revenant gut. eine stunde weniger hätts auch getan 😉

        1. Bei Wolf of Wallstreet schadet ein wenig Börsenbasics sicher nicht,speziel wenn man ihn auf OV schaut was eigentlich Pflicht ist ;)… sonst fordert der schon die ganze Aufmerksamkeit. Mir als Schmalspurbörsianier 😉 hat der Bombe gefallen… Für mich hätte er sich für diese beide Streifen den Oscar verdient… Somit hat ers halt mit ein bissl Verspätung bekommen…

          1. das mag natürlich sein. soweit bin ich da glaub ich dann in die materie gar nicht vorgedrungen bzw. das aller rudimentärste ist von so fh grundlagenvorlesungen sicher noch irgendwo in meinem hirn abgespeichert ^.^ rein von seiner schauspielerischen leistung stimme ich dir da voll zu!

    2. nein, das stimmt. momentan treibt das thema echt einen keil zwischen die menschen, selbst welche, die sich sonst sehr nahe stehen.
      ich denk mal, klar kann man sich den gatsby anschauen, weil, wie gesagt, bühnenbild und musik sind super. aber man sollte sich halt inhaltlich keinen großen tiefgang erwarten, der aber eigentlich im stoff drinsteckt.

  14. Liebe Christina,
    danke, für deinen Mut und deine Offenheit! Ich kann mir gut vorstellen, dass du lange überlegt hast, ob du das veröffentlichst – man hat dann doch irgendwie Angst vor möglichen Reaktionen.Und genau das ist es, was mir inzwischen in unserer Gesellschaft langsam Angst macht – dass man Angst bekommen hat, offen auszusprechen, was man denkt und fühlt, weil man möglicherweise einen Shittorm auslöst oder so was.

    Die Macht, die die sozialen Medien inzwischen haben, ist für mich das wirklich erschreckende.

    Dass via Facebook Politiker mit dem Tod bedroht werden (wie das im Moment mit unseren türkisch-stämmigen Bundestagsabgeordneten passiert), dass ungestraft Hass gepredigt werden kann … Und dass das immer mehr gesellschaftsfähig wird, weil so viele das Gefühl haben, dass so viele der gleichen Meinung sind wie sie.

    Und dass die, die diese eigene Meinung nicht teilen, mit allen Mitteln bekämpft werden müssen und auch bekämpft werden.

    Mir fehlt die Meinungsvielfalt, die es früher mal gab. Wir haben heute zwar Multi-Kulti, aber keine Multi-Meinungen mehr. Es fehlen – wie du es nennst – die Grau-, die Zwischentöne, es gibt nur noch „richtig“ oder „falsch“, kein „mhm …. muss ich mal drüber nachdenken“ oder „ok, so könnte es auch sein“ oder sogar mal „vielleicht hast du ja auch recht …“

    Gerade deshalb brauchen wir Menschen, die Meinungsvielfalt einfordern, ist Zivilcourage heute wichtiger als je. Und die hast du mit deinem Post gezeigt – Hut ab!

    1. ja, mir geht es genauso. ich habe schon öfter gelesen, wie menschen das kommentiert haben, dass man „das halt aushalten muss“ und meinungsfreiheit nur bedeutet, dass man nicht rechtlich verfolgt wird, nicht aber, dass man vor einem „shitstorm“ gefeit ist. eine sehr „flexible“ auslegung würde ich meinen. und das finde ich schon irgendwo beängstigend.

      du sagst es. die menschen haben so starre bilder, dass es keinen platz gibt für „könnte ich auch mal von der seite betrachten“ oder „von dem standpunkt aus gesehen macht das natürlich auch sinn“. jeder glaubt, die wahrheit gepachtet zu haben…

      danke für deine lieben worte, es macht mut, sich nicht mehr damit zurückzuziehen, obwohl mir oft danach ist!

  15. Absolut treffend formuliert! Am meisten schreckt mich dabei der fehlende gegenseitige Respekt ab, der sich vor allem in Netz bemerkbar macht. Diese Shitstorms zwischen den „Fraktionen“ ist echt übel 😦

  16. ich hab kürzlich einen interessanten artikel gelesen:
    http://www.heise.de/tp/artikel/48/48299/1.html

    der wie folgt schließt:
    „Die erheblichen sozialen Verwerfungen, zu denen all diese Maßnahmen unausweichlich führen werden, könnten die Herrschenden schlussendlich aber auch zu einem weiteren Mittel greifen lassen, durch das das Finanzsystem bereits zweimal, nämlich 1914 und 1939, zumindest für einige Jahrzehnte am Leben erhalten wurde. Wie die allseits praktizierte Aufrüstung, das Säbelrasseln der USA gegen Russland und China und die zunehmende globale Militarisierung zeigen, liegt die Option eines großen Krieges bei den wichtigsten politischen Entscheidungsträgern dieser Welt bereits offen auf dem Tisch.

    Wer glaubt, dass moralische Gründe diese Kräfte an der Entfesselung eines Krieges hindern könnten, der sollte einen Blick auf die Geschichte des 19. und des 20. Jahrhunderts werfen: Wenn das System existentiell bedroht war, hat die politische Elite – die ja direkt von ihm profitiert – nie gezögert, auch diese letzte Karte auszuspielen, unendliches menschliches Leid billigend in Kauf zu nehmen und dabei einen Satz zu bestätigen, der heute mehr denn je gilt: „All wars are bankers‘ wars.“ („Alle Kriege sind Banker-Kriege“)“

    der krieg reich gegen arm ist entfesselt, es gibt keinen anstand mehr, kein mitgefühl, keine empathie für die armen. jeder ist mit dem eigenen überleben beschäftigt. ich blicke sehr pessimistisch in die zukunft. aber vielleicht ist das auch typisch nur deutsch…

    ich wünsche dir einen schönen sonntag 😎

    1. hallo ralf! ja in wahrheit geht es doch immer nur um macht und geld, nur nach außen hin werden oft andere motive kommuniziert, damit man menschen gewinnt, die mitmachen, braucht es irgendeine ideologie – und die ist von zeit zu zeit und von ort zu ort verschieden. darum glaube ich auch nicht mehr daran, dass die menschen fähig sind zu lernen…

  17. Das geteilte Österreich, wirklich eine komische Lage… Wäre bei uns nun Wahl, ich möchte gar nicht darüber nachdenken, wie sie ausgehen würde….
    Nächste Woche Donnerstag wird es auf andere Weise für uns spannend: Brexit, ja oder nein? :S

    1. ja, es ist wohl gut, dass bei euch nix großes ansteht. allerdings weiß ich ehrlich nicht, wie bei uns dann die nächste ausgehen wird, die in dem sinn tatsächlich auch bedeutung hat…
      die entscheidung der briten könnte auch nochmal gewissermaßen richtungsweisend sein.

      1. Ich bin mal gespannt, was ihr jetzt wieder wählt… Die Nachricht von der Neuwahl hat mich ja schon ziemlich kalt erwischt!

        1. puh, was soll ich sagen. keine lust und keine nerven, die schlammschlacht nochmal durchzustehen, aber das, was bei uns alles abgelaufen ist, ist auch nicht grad von schlechten eltern. man möchte meinen, wir leben in einem land, in dem die menschen nicht bis drei zählen können und die bevölkerung vorwiegend aus analphabeten besteht.

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