„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten…“

„…Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.“

Auszug aus einem chinesischen Sprichwort

Ich äußere mich üblicherweise im Internet nicht politisch. Nicht niemals, aber sehr selten. Ich lege keinen Wert auf Trolle und ich bin der Meinung, dass derartige Diskussionen sich schriftlich nur verkürzt führen lassen und unproduktiv sind. Trotzdem gibt es derzeit hierzulande eine Entwicklung, zu der ich nicht Schweigen kann, in der Hoffnung, dass meine Gedanken dazu vielleicht auch nur auf ein einziges offenes Ohr stoßen und weitergetragen werden.

Es geht ein Riss durch unsere Gesellschaft. Ich spüre das schon lange und langsam wird es auch medial thematisiert. Grün oder blau? Gut oder böse? Man kann nicht umhin, permanent damit konfrontiert zu werden. Es gibt kein dazwischen. Es gibt kein grau. Es gibt nur Freund oder Feind.

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Menschen sagen, wenn jemand die andere Seite wählt, will ich mit denen nichts mehr zu tun haben. Sie sagen das über andere Menschen – die sie seit Jahren kennen. Mit denen sie lange befreundet sind. Sie fragen nicht, warum sie es tun. Sie schütteln den Kopf und gehen.

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Sie gehen zu den Menschen, die ‚das richtige‘ wählen. Denn es gibt wieder die richtige und die falsche Meinung – pauschal. Dazu tendieren Menschen, das ist verständlich. Aber es geht darüber hinaus. Denn seit einiger Zeit gibt es auch wieder richtige und falsche Gewalt. Die einen wollen ‚Tischlein Deck dich‘ mit ‚Schlagstock und Peitsche‘ ersetzen. Die anderen wollen ‚in die Stadt gehen und die Menschen mit Geschichtsbüchern verprügeln‘ und rufen dazu auf, bei der Wahl ’nur a bisserl kriminell‘ zu werden. Diese Statements wurden in einem beliebten sozialen Netzwerk mehrere tausend Male geliked und geteilt. Diese Statements haben eines gemeinsam: verbalisierte Gewalt, die von einer großen Personengruppe als legitim erachtet wird. Wie weit ist es noch vom Wort zur Tat?

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Ich habe Angst, weil sie alle ‚das Trennende vor das Verbindende stellen‘. Weil jede Gruppe ein anonymisiertes Feindbild verfolgt, das pauschal verurteilt wird. Ich habe Angst, weil sie alle so überzeugt davon sind, Recht zu haben. Weil es in beiden Welten keine Grautöne gibt. Ich habe Angst, weil es niemals so sehr wie heute möglich war, sich in seiner Blase zu bewegen, wo Informationen gesinnungsgerecht aufbereitet werden und diese das Weltbild mit immerwährendem Zement untermauern.

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Ich will nicht sagen, dass ich nicht auch der Meinung bin, dass eine Ansicht ‚richtiger‘ ist als eine andere. Natürlich denke ich das. Aber ich denke auch, dass Demokratie eine unserer wichtigsten Errungenschaften ist. Dass man Demokratie nicht mit Gewalt durchsetzen kann – denn das bewirkt genau das Gegenteil. Und dass Aufrufe zur Gewalt immer nur falsch sein können.

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Es gibt die, die es eigentlich besser wissen müssten, doch sie agieren genauso wie die anderen. Und das erschüttert mich fast am meisten.