#travelathome: Österreich Highlights in a nutshell oder Superlative in Panoramen

Der Grund für meine Blogartikelpause letzte Woche war eine kleine Reise durchs eigene Land. Nicht ganz im Geiste des Slow Travellings, aber dennoch mit dem sehr bewussten genießen und erleben, haben wir uns auf den Weg gemacht, Österreich gewissermaßen als Touristen zu erleben. Man mag es kaum glauben, aber das Urlaubsgefühl stellte sich sofort ein.

Das letzte Maifeiertagswochenende nutzten der Herzjunge und ich also, um sein Geburtstagsgeschenk einzulösen. Eine Österreich-Rundreise mit Superlativen.

Der tiefste See Österreichs: der Traunsee

Der wunderschöne Traunsee liegt im Salzkammergut, in der malerischen kleinen Stadt Gmunden, die manche vielleicht vom Gmundner Porzellan kennen. Der Traunsee ist mit 191m der tiefste See Österreichs und der zweitgrößte See Oberösterreichs (nach dem Attersee). Wikipedia sagt außerdem, dass der Traunsee von den Römern „Lacus Felix“, also der „glückliche See“ genannt wurde. Wer einmal dort am Ufer gesessen hat und die Beine beim Erdbeeren naschen über dem Wasser baumeln ließ, kann sich gut vorstellen, warum.

Entlang der Seepromenade gibt es übrigens eine herrliche Seeterrasse, die der Konditorei Baumgartner gehört. Hier einzukehren war der erste Fixpunkt, weil ich mich schon seit September (seit meinem ersten Besuch dort) nach der Schokomandelschnitte verzehrte ^.^

Für alle Freunde der österreichischen Fernsehproduktionen liegt am Traunsee das Seeschloss Ort, das als Kulisse für die Serie „Schlosshotel Orth“ diente.

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Die einzige österreichische Stadt, nach der ein Zeitalter benannt und die vollständig in China nachgebaut wurde: Hallstatt.

Hallstatt ist ein Phänomen. Ein kleiner, versteckter Ort, der soviel Aufsehen erregt und eine derart lange Geschichte hat. Die „Hallstattzeit“ ist ein Zeitabschnitt der älteren Eisenzeit um etwa 800-450 v. Chr. Erste Funde lassen jedoch vermuten, dass der Ort schon etwa 5000 v. Chr. besiedelt war. Ich finde, das ist schon eine ganz schöne Weile her. Doch Hallstatt ist wohl vor allem wegen seiner Architektur bei den Touristen so beliebt. Ein verwinkelter Ort wie im Mittelalter, mit Holzhäusern und schmalen, engen, kopfsteingepflasterten Gassen, direkt am Hallstätter See, der einem das Gefühl gibt, an einem Fjord zu stehen.

Hallstatt gehört seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe.

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Der Dachstein

Der Dachstein war eher durch Zufall mit im Programm, da wir in Gosau übernachteten und Gosau nunmal am Fuße des Dachsteins liegt 🙂 Jedenfalls handelt es sich hierbei um den höchsten Gipfel des Dachsteingebirges und gleichzeitig um den höchsten Berg der Steiermark und von Oberösterreich. Außerdem ist der Dachstein sicher einer der bekanntesten und beliebtesten Berge zumindest in der östlichen Hälfte von Österreich. Auf der Gosauer Seite des Dachsteins liegt an seinem Fuß der wunderschöne, smaragdgrüne Gosausee, dem wir vor der Weiterfahrt noch einen Besuch abstatteten.

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Am nächsten Tag ging es weiter:

Eisriesenwelt Werfen – die größte Eishöhle der Welt

…die etwas abgelegen im Tennengebirge liegt. Leider gibt es von der Höhle selbst keine Fotos, es herrscht strenges Fotografierverbot, da das Blitzen dem Eis schadet und Fotos die ganze Gruppe aufhalten. Der Blick vom Höhleneingang ist allerdings ebenfalls umwerfend und bombastisch und allein dafür lohnt sich der 40minütige Aufstieg (MIT Seilbahn, wohlgemerkt!) auf jeden Fall. Die Höhle ist jedenfalls nichts für gänzlich Unsportliche, der Eingang ist nur mit oben genanntem Fußmarsch zu erreichen und innerhalb der Höhle werden 1.400 Stufen in 143 Höhenmetern zurückgelegt.

Wer gern Bilder sehen möchte, kann sich durch die Galerie der Website der Eisriesenwelt klicken.

Ich stelle fest, dass ich es nicht mehr gewohnt bin, mir Dinge „erarbeiten“ zu müssen. Üblicherweise – vor allem im Raum der Stadt – sind sämtliche Sehenswürdigkeiten relativ bequem mit dem Auto oder anderen Zubringern erreichbar. Doch wer die wahren Schätze der Natur erkunden will, muss meist doch Schweiß und Herzblut investieren.

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Am Weg zur Eisriesenwelt fanden wir die herrlichsten Blicke auf die einzige Burg Österreichs, an der Clint Eastwood einen Film gedreht hat 🙂

Festung Hohenwerfen

Von weitem sahen wir die Greifvögel der Falknerei über den Himmel kreisen. Die Burg über dem Salzachtal gehört zu den schönsten Anlagen, die ich kenne.

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Der nächste Tag führte uns zum höchsten Wasserfall Österreichs:

Die Krimmler Wasserfälle

Ich weiß nicht, ob das auch schon andere vor mir bemerkt haben, aber Teile der „Weststrecke“, genauer gesagt einige Seen des Salzkammergutes und der Pinzgau sind für mich so etwas wie das „Norwegen von Österreich“. Wälder, Wasser, Berge, wenig Menschen, verschlungene Straßen, Natur soweit das Auge reicht. Ich liebe diese Region, da schon ein paar Stunden an der frischen Luft soviel Energie geben wie ein verlängertes Wochenende im Grau der Großstadt.

Bei einer Reise zu den Superlativen von Österreich dürfen die Krimmler Wasserfälle natürlich nicht fehlen. Eigentlich eine Schande, dass ich sie mit einer kurzen Ausnahme im Winter 2013 noch nie von Nahem gesehen habe, ist es doch die Heimat meines Vaters. Aber Familien sind komplex und so musste ich 29 Jahre alt werden, um dieses Naturschauspiel zum ersten Mal zu erleben.

Insgesamt sind die Wasserfälle stolze 385 m hoch und liegen im Nationalpark Hohen Tauern, nicht weit von der italienischen Grenze. Auch hier ist ein bisschen Muskelkraft von Nöten, um den Weg entlang hinauf zu wandern. Theoretisch kann man allerdings ein Taxi nehmen und sich zur Mittelstation bringen lassen. Ist jedoch schade drum, da die schönsten Aussichten vom nicht ganz unbeschwerlichen Weg aus zu sehen sind. Aufgrund meiner lästigen Kopfschmerzen war für mich bei der Mitte auch Schluss, aus second hand-Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass es sich dabei ohnehin um den lohnenswerteren Teil des Ausflugs gehandelt hat. Der obere Wasserfall ist nur für besonders Ehrgeizige, die Fotografen werden auch mit dem ersten Teil glücklich.

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Nach einem sommerlichen Sonnenpicknick auf einer herrlichen Wiese bei 30 Grad machten wir uns wieder auf den Weg – zum sprichwörtlichen Höhepunkt unserer Kurzreise:

Der Großglockner

Jede/r, der/die in der Nähe ist und die Chance hat, sollte unbedingt einmal über die Großglockner Hochalpenstraße fahren. Ja, die Fahrt kostet 35€ und ja, das ist viel Geld, aber die atemberaubenden Ausblicke können kaum in Geld bemessen werden. Für mich war es das zweite Mal, allerdings das erste Mal bei blauem Himmel. Ich habe gefühlte drölfzigtausend Fotos gemacht und habe jetzt noch Sternchen in den Augen bei jedem einzelnen davon.

Der Großglockner, oder auch „Glockner“, wie er bei uns genannt wird, ist knappe 3.800m hoch und damit der höchste Berg Österreichs. Er ist Teil der Hohen Tauern und der Ostalpen. Wikipedia sagt:

„Die Aussicht vom Großglockner gilt als die weiteste aller Berge der Ostalpen, sie reicht 220 Kilometer weit, unter Berücksichtigung der terrestrischen Refraktion fast 240 Kilometer. Der Blick über mehr als 150.000 Quadratkilometer Erdoberfläche reicht bis zur Schwäbisch-Bayerischen Ebene im Nordwesten, bis Regensburg und zum Böhmerwald im Norden, zum Ortler im Westen, zur Poebene im Süden, zum Triglav und zum Toten Gebirge im Osten.“

Ob das so ist oder nicht kann ich nicht beurteilen, eines aber weiß ich: die Aussicht ist schlichtweg genial und wunderschön.

Und weil ich ja derlei Dinge immer irgendwie spannend finde, zitiere ich hier noch die Theorien zur Namensgebung:

Die Herkunft des Namens Glockner wird meist mit seiner glockenähnlichen Form erklärt, eine Annahme, die bereits 1784 von Belsazar Hacquet geäußert wird. Eine andere Hypothese ist die Ableitung von im 15. Jahrhundert verwendeten und als „Glocken“ bezeichneten geschlossenen Umhängen, deren Form ebenfalls der des Großglockners ähnlich war. Außerdem wurde vermutet, als höchster Berg und mithin „Anführer“ seiner Umgebung habe der Glockner seinen Namen von den mit Glocken ausgestatteten und Glogga genannten Leithammeln der Schafherden erhalten. Auch eine Ableitung von dem Dialektwort „klocken“ (donnern, poltern), das sich auf die Geräusche des Eis- und Steinschlags an den Flanken des Berges beziehen soll, wurde diskutiert. Aufgrund der mehrhundertjährigen Präsenz der Alpenslawen in Osttirol und Oberkärnten wird auch eine Herkunft von dem altslowenischen Wort Klek, einer häufigen Bezeichnung für spitze Gipfel, für möglich gehalten. Der heutige slowenische Name des Berges ist „Veliki Klek“.

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Last but not least verbrachten wir zwei Tage am beliebtesten See.

Der Wörthersee

Der Wörthersee ist der größte See Kärntens und einer der wärmsten Alpenseen. Eine kurze Sage über die Entstehung des Sees:

Eine Sage erzählt von einer Stadt mit prächtigen Häusern, die vor vielen hundert Jahren dort bestanden haben soll, wo heute der Wörthersee liegt. Ihre Bewohner waren durch ihren Reichtum übermütig und üppig geworden, und so kam es, dass sie sich einst am Vorabend des Osterfestes zu Tanz und Gelage versammelten. Glockengeläute zeigte die späte Stunde an, doch niemand kümmerte sich darum. Da öffnete sich die Türe des Festsaales und ein kleines eisgraues Männchen schritt herein und blickte verwundert auf die lärmende Gesellschaft. Grollend erhob es seine Stimme: „Oh, ihr Schwelger, wisst ihr nicht, welche Feier wir morgen begehen? Kehret heim, ehe die Stunde der Buße verrinnt und die Strafe euch erreicht!“ Aber nur höhnisches Lachen antwortete ihm, und nur noch wilder wirbelten die Paare im Tanz. Wenige Minuten vor Mitternacht betrat der Alte zum zweitenmal den Saal, aus dem das wüste Geschrei der Trunkenen tönte. In seinem Arm hielt er ein Fässchen. Noch einmal mahnte er zu Umkehr und Buße: „Sonst öffne ich den Hahn des Fässchens, und Tod und Verderben kommt über euch!“. Wieder antwortet ihm nur rohes Gelächter.

Da schlägt es Mitternacht, alle Lichter erlöschen, die Mauern erzittern, Regen stürzt hernieder und ein furchtbares Gewitter bricht los. Mit offenem Hahn liegt das Fässchen des verschwundenen Warners, endlose Fluten entströmen ihm. Sie dringen in alle Räume und strömen fort, bis sie die ganze Stadt und die ganze Gegend überschwemmt und ihre frevelnden Bewohner ertränkt haben. So entstand der Wörthersee. Städte, Kirchen und Dörfer liegen in seiner unergründlichen Tiefe begraben, riesige Fische und Wasserschlangen hausen in den alten Palästen. Wenn die Fischer an stillen Sommerabenden an der Schwarzen Wand vorüberfahren, kann es geschehen, dass sie ein Klingen und Läuten vernehmen, das aus der Tiefe des Sees zu kommen scheint.

Auch wenn ich dazu keine handfesten Daten finde, wage ich es zu behaupten, dass der Wörthersee einer der beliebtesten, wenn nicht sogar der beliebteste See der Österreicher ist. Der Wörthersee gehört zu den wenigen Urlaubsregionen, die das ganze Jahr von Einheimischen gerne besucht werden. Jeder war schon mal dort, jeder hat seine eigene Wörthersee-Geschichte, jeder Ort sein eigenes Charisma.


 

Leider gehen auch die schönsten Tage irgendwann einem Ende zu und so mussten wir nach einer herrlichen kurzen Auszeit wieder den Heimweg antreten. Ich habe für euch in einem Google Maps Screenshot die Tour zusammengefasst, vielleicht gibt es ja jemanden unter euch, der ebenfalls auf den Spuren der österreichischen Superlative wandeln möchte 🙂

tour-österreich