Bayern Kurztrip: Königssee & Paleica, die misanthropische Menschenfreundin

Ende September letzten Jahres hatten der Herzmann und ich die Gelegenheit, am Heimweg einer Preisverleihung für seine Dissertation, dem sich bereits lang auf der Bucket List befindlichen Königssee einen Besuch abzustatten. Die Landschaft war schlichtweg traumhaft, das Rundherum – um ehrlich zu sein – weniger. Und darum passen diese Bilder auch perfekt zu diesem Gefühl, dem ich heute Luft machen muss.

Der Königssee ist landschaftlich wunderschön. Er liegt eingebettet in eine beeindruckende Berglandschaft, am Fuße des Watzmann und bildet etwas wie einen Fjord. Es ist einer dieser Orte, an denen die Zeit stehen bleiben könnte. Wären da nicht die Busladungen voller Touristen, zwischen denen man sich durch eine riesige, nie endenwollende Fress- und Souvenirmeile ans Ufer des Sees kämpfen muss, nur um dann festzustellen, dass man wohl zwei Stunden anstehen müsste, um eines der überladenen Boote zu erreichen.

Daher kann ich nur sagen: der Königssee ist nicht unbedingt geeignet für Langschläfer und schöne-Jahreszeit-Touristen, denn von Vor- und Nachsaison-, sowie frühen und späten Besuchern konnte ich auch anderes lesen. Trotzdem konnte ich zumindest ein paar Eindrücke mitnehmen, die das diesige Licht des letzten Septembersamstags zugelassen hat.

Und wie mit dem Königssee, so geht es mir auch mit Menschen.

Auf Twitter kam mir irgendwann der Gedanke, die oxymoron’sche Bezeichnung „misanthropischer Menschenfreund“ in meine Beschreibung einzufügen. Das liegt daran, dass es Menschen gibt, die ich aus ganzem Herzen liebe und für die ich wohl eine Niere spenden würde, wenn sie eine bräuchten. Die meisten anderen finde ich aber irgendwie eher nicht so sympathisch. Ich bin da auch nicht sehr wählerisch wie sie aussehen, woher sie kommen, welchem Geschlecht sie angehören oder welche Eigenschaften sie haben. Die große anonyme Masse da draußen, die mag ich nicht besonders. Also euch natürlich schon, euch kenne ich ja. Aber die anderen, die ich nicht kenne. Die dürfen auch ruhig mal da bleiben wo der Pfeffer wächst.

Was nicht heißt, dass ich nicht das Talent habe, Menschen, die ich zum 1. Mal sehe, innerhalb von fünf Minuten so lieb zu gewinnen, dass sie in den Kreis der Ersterwähnten aufgenommen werden und sie auch manchmal etwas aufdringlich gern zu haben. Ja, das gibt es. Aber es gibt halt auch die vielen anderen. Manchmal reicht es, ein Foto zu sehen um zu wissen: du und ich, das passt einfach nicht.

Und wie ich so im Laufe vieler Erlebnisse feststelle, passt es eben oftmals nicht. Beruflich lebt man damit, schließlich wird man irgendwie ja auch bezahlt, um auch den größten Idioten am Telefon oder am Messestand noch ein Lächeln zu schenken. Privat bin ich da wenig kompromissbereit. Ich lege wert auf Respekt im Verhalten, auf Ehrlichkeit, auf das Recht, seine Befindlichkeit auszudrücken. Außerdem auf eine gewisse Sensibilität, Einsichtsfähigkeit und Diplomatie im Konfliktmanagement. Ja, ich bin anspruchsvoll – daher ist der Kreis der Menschen, mit denen ich mich bedenkenlos gern umgebe, nicht übermäßig groß. Aber für alles andere ist mir schlicht meine Zeit zu schade.


Pin me on Pinterest: