Seit langem will ich etwas schreiben. Seit ebenso langem weiß ich nicht genau was und schon gar nicht wie. Es betrifft ein Thema, das immer wieder hochkommt, über das ich immer wieder nachdenke, über das ich reden will und ich es doch noch nicht geschafft habe:

Ich nehme Antidepressiva.

Manche von euch wissen es, manche von euch haben es vielleicht da und dort rausgelesen und als ich den Text zum letzten Post geschrieben habe wusste ich, dass es an der Zeit ist, noch einmal zu versuchen, etwas dazu zu schreiben. Es ist ein viel größeres Thema als man eigentlich glaubt, denn wenn man es in Gesprächen anschneidet, hat das Gegenüber meist schon entweder selbst Erfahrungen damit gemacht oder zumindest Menschen im Freundes-/ Bekannten- oder Familienkreis, die damit bereits konfrontiert waren.

Als ich vor dieser Entscheidung stand, wusste ich das nicht. Ich wusste nur, dass es in meiner Familie Geschichten zu Depressionen und Medikamentenmissbrauch gab. Ich wusste nichts, außer dem fahlen Beigeschmack, den dieser Begriff hinterließ. Antidepressiva – oder: Chemie für die, die ihr Leben nunmal nicht auf die Reihe kriegen.

Tabletten für die, die irgendwie kaputt im Kopf sind, ohne dass sie einen Grund dazu haben.

Es brauchte zwei Ärzte, eine Psycho- und eine Physiotherapeutin, um mir den Schrecken vor dieser Chemie zu nehmen und den Versuch damit zu wagen.

Versteht mich nicht falsch: Tabletten sind niemals eine Lösung, zu der man schnell und leichtfertig greifen soll. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander, es gibt viele Menschen, die damit große Probleme haben und hatten und es will lange, gut und ausführlich überlegt sein, ob man zu diesen Mitteln greift. Jedenfalls sollte man es nie tun, ohne mehrere Meinungen eingeholt zu haben und ohne therapeutische Begleitung. Nur um das ganz deutlich klarzustellen.

Aber.

Warum schreibe ich hier darüber? Weil ich denke, dass es vielen Menschen so geht wie mir. Depressionen und psychische Krankheiten sind weit verbreitet, so viele Menschen kämpfen mit den inneren Dämonen, die dem Leben das Licht nehmen. Ich habe mich bisher weit nicht so viel mit dem Krankheitsbild beschäftigt, wie ich es vielleicht sollte. Wie weit die Forschung in den Erkenntnissen ist, wie Physis und Psyche zusammenhängen. Ich weiß nur, wie es ist, mit dem Gefühl zu leben, dass man nicht weiß, wie das Leben weitergeht. Dass die Gründe dafür bei mir in Schmerzen lagen und diese Schmerzen wiederum durch eine belastete Psyche ausgelöst wurden, ist meine Geschichte. Andere Menschen haben andere Geschichten und Situationen, aber am Ende steht dieses Gefühl, dass es dunkel ist und dass man alle anderen Leben sieht und selbst nicht mehr weiß, wie es geht.

Als wäre man ein verdorrter Ast mit toten Blättern, an der Rinde eines lebendigen Baumes.

Als wäre es immerwährender Herbst im Kopf, als stünde immer nur die Düsternis des nebligen Winters bevor.

Man kämpft jeden Tag damit, seinen Alltag zu bewältigen. Man kämpft dagegen an, dass einem das Leben nicht entgleitet. Dass man die Menschen, die man liebt, nicht zu sehr belastet. So sehr, dass sie vielleicht gehen, weil man selbst so düster ist, dass man ihnen das Licht aus den Poren zieht.

Irgendwann kommt der Tag, an dem man denkt: ich kann nicht mehr. Und dann kommt der Tag, an dem man es ausspricht. Nicht: ich will nicht mehr. Sondern: ich kann nicht mehr. Nicht so. Aber ich weiß nicht wie. Ich will wieder leben, aber das da, was ich hier habe, das kann doch nicht das Leben sein, von dem immer alle reden. Ich will dieses Leben, in dem ich Sonne spüre, Wärme, Freude, Glück und Zuversicht. Aber bitte, bitte, keine Schmerzen mehr. Schmerzen und ansonsten: ganz viel nichts. Denn das Nichts, das ist das schlimmste von allem.

Und dann wird es zum ersten Mal in den Raum gestellt. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Antidepressiva. Nein, sowas brauche ich nicht. Ja, ok, ich habe eine schlechte Phase, aber ich kann mir doch immer noch selber helfen. Ja, das können Sie – aber Sie können auch Hilfe annehmen. Sie können es sich und Ihrem Körper leichter machen.

Hier lag wohl ein großer Knackpunkt. Es sich „leichter machen“. Es fühlte sich an wie „schummeln“. Als würde man die Abkürzung nehmen. Als würde man betrügen. Als würde man nicht das richtige Leben leben. Aber so ist es nicht. Es bedeutet nichts anderes als: Hilfe annehmen, wenn man es alleine nicht mehr schafft.

Ich bin kein Diabetiker, der Insulin spritzen muss. Ich habe keine „anerkannte“ Krankheit, für die es selbstverständlich ist, sich behandeln zu lassen. Ich habe ein Problem in meinem Kopf, das besteht, seit ich denken kann. Ich war ein schwermütiges Kind. Ich war ein trauriger Teenager. Ich war ein pessimistischer Erwachsener. Ich wollte immer wissen warum. Warum bin ich traurig? Warum ist meine Welt so schwer und düster? Die Antwort ist leicht: weil dein Körper dein Glückshormon nicht verarbeitet (verzeiht mir medizinische Ungenauigkeiten in den Begrifflichkeiten). Warum er das tut oder viel mehr nicht tut, kann ich nur vermuten. Vielleicht kam ich so zur Welt. Vielleicht wurde es mir vererbt. Vielleicht habe ich dieses Verhalten gelernt. Wer weiß? Nun jedenfalls muss ich damit leben. Und das kann ich. Vielleicht nicht immer alleine. Aber das muss ich auch nicht.

Ich habe akzeptieren müssen, dass auch ich dem #notjustsad Clan angehöre. Aber es ist nicht meine Schuld. Und seit ich meinen Tag mit 10mg Citalopram beginne, weiß ich, wie sich ein „richtiges“ Leben anfühlen kann. Eines, in dem man nicht ununterbrochen vor allem Angst hat. Also ich bin immer noch ein besorgter Mensch. Aber es bestimmt nicht mehr alle meine Handlungen und Gedanken. Ich fühle mich endlich so, als hätte ich selbst die Macht über mich und nicht irgendein dunkler Nebel, der mir ständig eine Million „aber“ an den Kopf wirft. Ich kann immer noch grantig sein und traurig und wütend und verletzt. Aber ich bin selten gleichgültig. Es ist hell oder dunkel, aber es ist kein grauer Einheitsbrei. Es ist auch nichts, was von heute auf morgen passiert ist. Es dauert, Wochen, bis man irgendwann merkt: es ist nicht mehr so wie damals. Und das ist verdammt gut so, denn so wie damals, so soll es bitte nie, nie wieder werden.

Chemie ist nie eine alleinige Lösung und es ist immer absolut notwendig, den Dingen auf den Grund zu gehen und an sich zu arbeiten, denn auch Antidepressiva sind keine Wundermittel. Aber sie können eine ausgestreckte Hand sein und man sollte sich keine Vorwürfe machen, diese zu ergreifen.


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119 Comments on “#notjustsad: wenn es im Kopf immer Herbst ist

  1. Ein mutiger und rührender Blogpost. Die Fotos sind zur Nebensache geworden und bilden nur schmückendes (aber schönes) Beiwerk. Ich habe keine Erfahrungen mkt der Problematik und kann mir nur schwer vorstellen, wie es ist betroffen zu sein. Obwohl Dein Text es anschaulicher für mich gemacht hat Daher wollte ich Dir auch nur alles Gute wünschen und Dir mein Mitgefühl aussprechen. Jeder hat zwar sein Päckchen zu tragen, aber manche sind einfach schwerer als andere – daher gehe nicht zu hart mit Dir ins Gericht. 😙

    • ich danke dir für deine lieben worte!
      ja, diese päckchen. ich glaube gar nicht unbedingt, dass sie schwerer sind, man hat nur vielleicht einfach weniger kraft, weniger maßnahmen, man kann schlechter damit umgehen. ich vermute, es ist einfach ein zusammenspielen aus so vielen verschiedenen parametern, was den umgang damit auch so schwierig macht. es sind auch verschwimmende grenzen zwischen dem, was man als „gesunder“ mensch kennt und dem, was man in so einer situation erlebt und auch das erschwert so einiges. auch die akzeptanz – sowohl anderer, als auch von sich selbst. bei einem gebrochenen bein gibt es meist wenig diskussionen darüber, dass man in einer ausnahmesituation ist. wenn im kopf etwas „gebrochen“ ist, ist die sache anders. alles was man nicht auf röntgen, cts oder mrts sieht, ist schwer fassbar und schwer zu akeptieren.

      • Ja, da sprichst Du einen wichtigen Punkt an – psychische Erkrankungen sind für andere schwer nachzuvollziehen, weil sie nicht sichtbar und weniger greifbar sind. Außerdem ist es ja so schon schwer, die Ansichten anderer zu verstehen mitunter. Da braucht es Empathie und die hat nicht jeder. 😣

        • oh das ist leider wahr. aber im grunde betrifft das ja wahnsinnig viele krankheiten, die nicht sichtbar sind. ich glaube, dass es auch MS patienten so gehen kann, wenn sie noch keine auffälligen symptome haben oder menschen mit darmerkrankungen oder oder oder. man sollte sich einfach immer dessen bewusst sein, dass man nicht in der haut eines anderen steckt und es schadet vermutlich niemandem, das „beurteilen“ anderer ein wenig zurückzuschrauben…

  2. Starke Worte und die dazu passenden starken Bilder.
    Leider fällt es mir als Mann nicht so leicht, meine Gedanken in Worte zu fassen.
    Aber du bist interessant und begabt in dem was du tust – mit Worten und Bildern. Und vielleicht wärst du das nicht in dem Maße, wenn du nicht diesen inneren Kampf mit dir führen müsstest.
    Vielleicht schaffst du es irgendwann, deine vermeintliche Schwäche als Stärke anzusehen.

    • hallo! vielen dank für deinen kommentar und deine worte, das ist schön zu hören.
      und ja, da sprichst du sicher einen wichtigen punkt an. diese situation ist ein teil von mir, der meine persönlichkeit mit ausmacht und ohne diese gefühle wäre ich sicher nicht die, die ich heute bin. es ist auch ein thema, das mich schon weit mehr als die hälfte meines lebens begleitet und beschäftigt und ich weiß auch, dass viel kreativer schaffensprozess aus den dunklen phasen kommt. daher konnte ich bisher meist recht gut damit umgehen – was sicher darin begründet war, dass diese phasen einen für mich ersichtlichen ursprung hatten. beim letzten mal war es anders und ich habe gemerkt, dass ich keine kontrolle mehr darüber hatte. wenn es anfängt, den körper kaputt zu machen, dann muss man hilfe annehmen, glaube ich.

      • Hey du, irgendwie mag mich dein neues Theme nicht – macht mich einfach zu „Anonymous“… Dreist. 😀

        Ich finde es beeindruckend, dass du mit dem Thema so Offensiv umgehst und das ist wohl auch der beste Weg, um mit so einem lästigen Anhängsel umzugehen. Respekt!

        Ich habe in meinem Bekanntenkreis viele Mädels, die unter Depressionen leiden, die nicht so offen darüber sprechen können – komischerweise.

        Liebe Grüße, dein Aj

        • sowas fieses! das liegt möglicherweise daran, dass ich etwas umstellen musste, weil WP nämlich unfreundlicherweise manche menschen hier nicht kommentieren lassen wollte. sorry mein lieber, aber dein icon wird angezeigt und wie könnte ich dich vergessen 😉

          ich glaube, es muss einfach jeder seinen weg finden und für manche ist es einfacher zu schweigen, weil sie sich schwer tun, darüber zu reden oder weil es ihnen das gefühl gibt, nicht „normal“ zu sein. ich war nie so, ich war immer ein offenes buch und ich fand es immer wichtig, dinge nicht für sich zu behalten – so halte ich es nun auch damit. schließlich ist es für das gegenüber einfacher zu reagieren oder zu verstehen, wenn er/sie weiß, woran manches oft liegt…

  3. ein unglaublich toller , mutiger und ehrlicher Beitrag ! Ich persönlich glaub dass fast jeder 2. oder 3. Mensch heutzutage davon betroffen ist oder kurz davor steht. In der heutigen Zeit ( vor allem in der Berufswelt ) sind wir alle überfordert und es werden Leistungen erwartet die die wenigsten leisten können und wenn dann wird noch eins draufgesetzt ( du weißt was ich meine )! Die Spirale der Anforderungen wird immer höher und es gehört viel Mut dazu zu sagen – jetzt reicht es – ! Ich bewundere dich dass du über dieses Thema so offen schreibst und die Fotos passen einfach grandiose dazu ! Manni

    • vielen dank manni! ich glaube auch, dass sehr viele menschen dahingehend schwierigkeiten haben, dass es oft übergangen und übersehen wird und dass es einfach noch immer nicht genug in der gesellschaft angekommen ist. jede zeit hat ihre psychischen herausforderungen und unsere sind wohl diese. die menschen werden mit der zeit vermutlich lernen, in irgendeiner form darauf zu reagieren, aber bis dahin ist es eben so und dann wird wieder dafür wohl etwas neues kommen…
      das ist halt der vorteil, einen blog nicht mit klarnamen zu schreiben – man kann dinge ansprechen, die man so nicht sagen würde, wenn man nicht weiß, wo im berufsleben es einem dann wieder begegnet…

      • Ich zieh den Hut vor dir ganz ehrlich !!!
        Jeder hat mit seinen Problemen zu kämpfen ob jetzt im privaten oder beruflichen Bereich. Hilfe oder Verständnis ist eigentlich nur von denen zu erwarten die in der gleichen oder ähnlichen Sitiuation sich befinden. Alle anderen haben dafür relative wenig Verständnis aber nur so lange bis es sie selber trifft !!! Ich ganz großes Thema in der heutigen Zeit !!!

        • da hast du leider sehr recht. obwohl ich – wie ich schon bei anne geschrieben habe – ehrlich gesagt mittlerweile selbst für die verständnis aufbringe, die keines haben. denn ich habe selbst erlebt, wie es ist, keine ahnung von einem thema zu haben. ich habe mich allerdings durch lesen dann angenähert und kann es mittlerweile wesentlich besser nachvollziehen und weiß, dass mein „urteilen“ darüber mehr als ungerecht war. mehr empathie und verständnis täte aber den meisten menschen sicherlich gut, denn mir kommt vor, dass es davon nur wenig gibt auf dieser welt…

          • Dann sind die Menschen zu beineiden die dich als Zuhörerin haben !!! Sicherlich ein Thema das man stundenlang diskutieren könnten aber das würde den Rahmen hier sprengen ! Danke nochmals für das tolle Feedback !!!

            • ach danke lieber manni. ich bin nicht immer so eine gute zuhörerin, aber zumindest gebe ich mir große mühe, immer für die menschen, die mir nahe stehen, da zu sein, wenn sie es brauchen. denn es gibt nichts schlimmeres, als bei sorgen kein offenes ohr zu finden.

  4. Liebe Paleica,

    was für ein ehrlicher und berührender Beitrag. Ich kann mir vorstellen, dass es dir sicher nicht leicht gefallen ist, ihn zu schreiben und zu veröffentlichen. Danke für deinen Mut und deine Offenheit.

    „Aber es ist nicht meine Schuld.“ – das finde ich so verdammt wichtig. Niemand kann etwas dafür, wenn er krank wird – egal ob die klassische Grippe oder halt im Hirn oder Herzen. Auch wenn es immer noch diese unsichtbare Grenze zwischen gesellschaftlich akzeptierten Krankheiten gibt und jenen, die man so oft lieber für sich behält… was absurd in Anbetracht der Tatsache, dass beispielsweise in Deutschland jeder Dritte (!) zumindest phasenweise mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. In Österreich sehen die Statistiken vermutlich nicht viel anders aus.

    Ganz, ganz früher, so vor rund zehn Jahren, habe ich mal in einem damaligen Blog über meine Problemthemen geschrieben. Sind ein bisschen anders gelagert als deine, aber das tut nichts zur Sache. Fakt ist – irgendwann habe ich das alles gelöscht, Nicknames in Selbsthilfe-Foren geändert, sämtliche Verbindungen gekappt zwischen dem „normalen Leben“ (Uni, Job, Freunde /Bekannte, Blog, …) und dem, was hinter geschlossenen Türen stattfindet, was ich mir nach außen hin nicht anmerken lasse. Um niemanden zu überfordern, nicht zur Last zu fallen, nicht mitleidheischend zu wirken und auch keine beruflichen Chancen zu verspielen. Denn dass ich weiß, dass ich dann und wann zwar so meine Probleme habe, meine Leistungsfähigkeit im Job dadurch aber nicht beeinflusst wird, ist die eine Sache. Dass gewisse Diagnosen einen Rattenschwanz an Klischees hinter sich herziehen, eine ganz andere.

    Manchmal hadere ich mit dieser Entscheidung, weil die gesellschaftliche Akzeptanz ja nicht besser wird, wenn man nicht darüber spricht. Weil ich mir das Gleiche sage, was auch du geschrieben hast – es ist nicht meine Schuld, und ich sollte mich nicht dafür schämen müssen, wenn ich halt nicht immer so easy-peasy durchs Leben tanze. Und gleichzeitig will ich gar nicht öffentlich darüber schreiben, weil ich nicht so selbstbewusst bin und da nicht einfach drüber stehe. Dass ich mich seit zwei, drei Jahren traue, trotz diverser Narben im Sommer kurzärmelig herumzulaufen, war für mich ein riesiger Schritt. Manchmal sind mir die Blicke – ob echt oder eingebildet – immer noch sehr unangenehm und ich muss mich zusammenreißen, sie einfach auszublenden und mich deswegen nicht bei 30°C im Schatten in ein langärmliges Shirt zu quetschen, meine Lebensqualität dadurch nicht beeinträchtigen zu lassen-

    Ich finde es bewundernswert und stark, dass du deine Krankheit nicht einfach hinnimmst, sondern dagegen ankämpfst – für dich kämpfst. Lass dich nicht unterkriegen. ❤

    Oh, und deine Fotos sind mal wieder wunderschön, das wollte ich noch gesagt haben.

    Alles Liebe,
    Anne

    • liebe anne, ich danke dir ganz herzlich für deinen kommentar ❤

      nein, das ist es nicht und ich wollte wohl vor etwa einem jahr schon zum ersten mal etwas dazu schreiben, aber irgenwdie wollten die worte nicht kommen. ich hatte aber das gefühl, dass ich es muss, einfach weil ich überzeugt davon bin, dass diese stigmatisierung aufhören muss. ich kenne so viele menschen, die phasenweise wirklich große schwierigkeiten haben klarzukommen und die sich dessen gar nicht bewusst sind, dass sie überhaupt wirklich ein problem haben – von hilfe einmal ganz abgesehen. dazu kommt, dass die hilfe außer in den wirklich lebensbedrohenden fällen auch denen vorbehalten ist, die es sich leisten können, denn die krankenkassen zahlen hier in Ö wirklich nur verschwindend kleine beträge zu therapien dazu. eine therapie hat immer noch etwas "esoterisches". tabletten gibt es dafür recht leicht und gratis wenn man weiß, wo und wie man danach fragt und das sehe ich ebenfalls ein problem. je mehr menschen über einen verantwortungsvollen umgang darüber sprechen und wenn man eben sieht, dass es menschen aus allen schichten und mit allen lebensentwürfen betrifft, umso größer ist die chance, dass diese situation irgendwann besser wird. zumindest hoffe ich das sehr.

      die schuld-frage sehe ich auch als zentrales thema. man glaubt oft, wenn man jemandem die schuld geben kann, geht es besser. aber a) ist wohl in den meisten fällen niemand im herkömmlichen sinn schuld und b) würde es nicht einmal etwas ändern. ich bin mir sicher, dass die statistik in Ö der in D recht ähnlich ist und das ist eigentlich besonders tragisch, weil wir in ländern leben, in denen der wohlstand so groß ist wie fast nirgends sonst und dennoch tauchen vermehrt diese probleme auf. aber ich hab es schon wo anders geschrieben – jede epoche hat wohl ihre herausforderungen und krankheiten und in unserer ist es vermutlich diese.

      deine gedanken zu den beruflichen chancen verstehe ich sehr gut. deswegen läuft dieser blog hier immer noch semi-anonym und ich hoffe, dass es mir weiterhin gelingt, diese beiden identitäten zumindest in die eine richtung auseinanderzuhalten. das war früher deutlich einfacher als jetzt und es stört mich sehr, dass ich das nicht mehr so gut kontrollieren kann. denn ich glaube, dass es vielen "von uns" – egal, wie die probleme genau aussehen – einfach gut getan hat, dieses "anonyme" internet zu haben, in dem man den müll loswerden konnte, der in der realität einfach zu schwierig war. man hat andere getroffen, denen es ähnlich ging und konnte sich austauschen und auskotzen, ohne groß drüber nachzudenken, wen man damit verschreckt.

      ich muss sagen, dass ich auch im täglichen leben offen darüber spreche, aber da suche ich mir halt dann natürlich aus, wem ich es erzähle und wem nicht. privat mache ich kein geheimnis daraus, weil alle menschen, die das nicht wissen sollen, es nicht wert sind, privatzeit geschenkt zu bekommen. aber ich mag es nicht, dass es diese entfernten bekannten, die man halt in irgendwelchen netzwerken irgendwann mal eingesammelt haben, unkontrolliert erfahren können. ich mag die vorstellung nicht, dass menschen die mich halb kennen, hinter meinem rücken darüber reden. daher ist es vermutlich fast ironisch, dass ich es hier schreibe. aber bei menschen, die mich gar nicht persönlich kennen, mache ich mir diese sorgen weniger. oder es stört mich weniger. weil ich damit dann bestimmt nicht live und in farbe konfrontiert werde.

      ich finde es toll, dass du diesen schritt gemacht hast und ich stelle mir das auch richtig schwer vor. meine physiotherapeutin hat auch solche narben und es kann gut sein, dass die menschen das bemerken, da wirst du recht haben. obwohl ich wiederum glaube, dass viele, die nie mit solchen themen zu tun hatten, das auch gar nicht zuordnen können und die, die wissen, was es damit auf sich hat, mit diesem erkennen respektvoll umgehen. es wird immer die paar wenigen geben, die das nicht tun. aber ich glaube, da muss man sich einfach vor augen halten, dass es nun mal arschlöcher gibt auf dieser welt. und dass menschen schwierigkeiten haben, sich in etwas einzufühlen, das sie nicht kennen. ich habe das auch selbst schon erlebt und seitdem stehe ich da glaube ich etwas mehr drüber. denn ich konnte nie verstehen, dass es für frauen so schwierig ist, es zu verkraften ein kind während der schwangerschaft zu verlieren. das hört sich vermutlich krass an, aber ich hatte einfach keinen bezug dazu, wie es sich anfühlt und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass man diesen zellhaufen als mehr als das wahrnimmt. erst durch viele blogartikel, die ich zu dem thema gelesen habe und einer freundin, der es passiert ist, habe ich begonnen, das wirklich zu begreifen. und davor war ich auch eines dieser arschlöcher, die es nicht verstanden haben. ich habe allerdings auch gesehen, dass man nur mehr verständnis schaffen kann, in dem man es erklärt und da wurde ich einfach acuh wieder in der überzeugung bestärkt, nicht über meine thematik zu schweigen.

      so, das ist etwas ausgeufert, aber alle diese themen könnten bücher füllen – ich hoffe, du verstehst, was ich meine und ich danke dir nochmal für deinen kommentar und deine offenen worte und ich möchte nochmal sagen, dass es ganz toll ist, dass du diesen schritt gemacht hast und dass du es selbst akzeptierst und dich nicht (mehr) vor anderen damit versteckst. denn genau das ist es: NIEMAND sollte sich schämen müssen, weil er etwas empfindet, mit dem er nicht klarkommt. das haben wir uns alle nicht ausgesucht.

      alles liebe auch für dich ❤

  5. Liebe Palaeica, oh, was für ein wichtiger Beitrag. Danke, dass du so mutig und schonungslos bist. Das fällt schwer hier im öffentlichen Netz und es ist doch so wichtig, weil es viel mehr Menschen betrifft, als wir glauben. Und so sehr man es als nicht Betroffener auch verachtet, Medikamente können ein Segen sein, wenn man aus Gedankenschleifen nicht mehr herauskommt. Lieber rechtzeitig handeln als kostbare Jahre des Lebens mit TRauer und Düsternis vertreiben. Und deswegen finde ich es so wichtig, dass du dich „outest“, psychische Krankheiten werden noch immer viel zu wenig akzeptiert und zu sehr belächelt. Das aber tut man nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem man selbst betroffen ist, weil jemand ganz Nahes oder man selbst darunter leidet. Bei mir war der „Einschlag“ sehr nah und es ist fürchterlich, wenn man keine Medikamente nimmt. Aber das ist eine andere Geschichte. Durch welche Tür ein wenig Sonne ins Herz fällt, ist doch letztlich egal, hautpsache, die Sonne kommt wieder durch. In diesem Sinne wünsche ich dir viele Lichtstrahlen. Und ja, deine Fotos: Solche Bilder können nur Menschen machen, die eben eine so differenzierte Gefühlswelt haben. Wunderschön, verwöhn uns bloß weiter damit.
    Ganz liebe Grüße
    Andrea

    • hallo andrea,
      vielen herzlichen dank für deinen kommentar! ich sehe das auch so. das ist auch ein grund, warum mein blog nach wie vor unter einem nickname läuft und auch nicht mit anderen sozialen netzen verknüpft ist, denn dann wäre es um ecken schwieriger, diese dinge so offen in worte zu fassen. aber ich glaube, dass es einfach wichtig ist, darüber zu schreiben und zu versuchen, ein bewusstsein zu schaffen (einerseits) und auch anderen, die es betrifft, zu zeigen, dass sie nicht alleine sind (andererseits). denn auch das hat mir schon oft geholfen.

      rechtzeitig ist nämlich auch so eine sache. es muss schon sehr schlecht sein, dass mal irgendwo alarmglocken läuten und in wahrheit könnte man sich viel schmerz und leid ersparen, wenn man früher darauf reagieren würde. aber auch unter ärzten gibt es da noch diskrepanzen. grade manche der älteren semester sehen psychosomatik nach wie vor als eine art hokuspokus.

      ich weiß heute, dass jeder, der es nicht versteht, einfach glück hat. früher war das unverständnis meist schmerzhaft. aber ich habe diese erkenntnis auch gehabt, dass es nur die verstehen, die bezug dazu haben – und glücklich sei jeder, dem es erspart bleibt. es tut mir sehr leid, dass du zu den anderen gehörst und ich hoffe, dass diese person es schafft, hilft zu finden und sonne zu sehen.

      dein letzter satz hat mich sehr berührt. danke dir vielmals ❤

      • Liebe Paleica, so tiefe Worte, danke dir dafür. Ich freu mich übrigens schon auf weitere, tiefgründige Bilder von dir, die direkt aus der Seele kommen. Liebe Grüße

        • das sind große worte, die du meinen bildern schenkst und ich werde mir ebenso große mühe geben, ihnen zu entsprechen. es ist vielleicht kein zufall, dass ich diese motive zumeist in dieser jahreszeit finde.

  6. Ich hoffe, es wirkt nicht negativ, wenn ich sage: es überrascht mich nicht! Einfach deshalb, weil ich diese Gefühle phasenweise selbst kannte (von allem in meiner Essstörungszeit) und auch ein Mitglied meiner engsten Familie betroffen ist und seit über zehn Jahren Antidepressiva nimmt. Ich habe es gelesen, zwischen den Zeilen, aber für mich in den Formulierungen ganz klar erkennbar. Ich glaube, manche Gedanken macht man sich nur, wenn man die Anlage zu depressivem Verhalten hat. Ich finde es jedenfalls gut, dass du darüber sprichst. Hier ist es wie mit allen vermeintlichen Stigmata: je mehr Menschen darüber sprechen, desto normaler wird es. Und es ist gut, wenn du erkannt hat, dass Hilfe gut ist 😘

    • liebe fee, nein, es wirkt nicht negativ. diese thematik ist ein teil von mir und ich habe sie bewusst und auch unbewusst immer wieder hier aufgegriffen. ich bin aber auch überzeugt von dem, was du sagst – dass es vor allem diejenigen erkennen, die wissen, wovon ich spreche. und ja, das sehe ich auch so: je mehr leute aufhören, aus diesem problem ein geheimnis zu machen, umso weniger lässt es sich an den rand drängen und das wäre so wichtig.

  7. Ein ehrlicher und informativer Beitrag, mit Bildern, die dazu passen.
    Viele Jahre ging es mir so und ich hatte viele Therapien, aber Medikamente halfen mir nicht. Damals gab es noch nicht so gute Medikamente wie heute.
    Ich war kraftlos, mutlos und sehr ängstlich.
    Irgendwann….ich weiss nicht mehr wann…da ging es mir besser und ist bis heute so geblieben. Es gibt immer mal wieder Phasen, die sind aber nur von kurzer Dauer.
    Alles Gute wünsche ich dir und viel öfter Sonnenschein ❤❤

    • liebe mathilda, die medikamente haben sich – das hat mir auch mein arzt gesagt – in den letzten Jahren sehr stark verändert. ich hab auch gelesen, dass jeder mensch unterschiedlich darauf reagiert und dass sie eben auch oft gar keine wirkung zeigen. insofern habe ich wohl glück, dass ich zu denen gehöre, denen sie das leben wirklich enorm erleichtern.
      aber es ist wunderbar und toll, dass es dir besser geht und das auch stabil ist. du hast es ja auch nicht immer so einfach.
      alles liebe auch für dich!

      • Die waren nicht gut für mich, halfen auch nicht und mir war immer nur schwindelig.
        Ein Segen, dass es heute bessere Medikamente gibt.
        Bin auch so froh, dass es jetzt kein Dauerzustand mehr ist, zumal ich ja noch meine beiden kleinen Kinder hatte. Das war schon nicht einfach 😯
        Alles Gute auch für dich !

        • das ist ja fürchterlich. Nein, bei solche Nebenwirkungen ist es nicht gut, wenn man das weiter nimmt. Aber zum Glück brauchst du es heutzutage auch gar nicht mehr! Mit Kindern stelle ich mir das sehr schwer vor – das ist wohl mitunter einer der Gründe, der mich vom Kinderkriegen auch ein wenig „abschreckt“…
          ich danke dir!

  8. Liebe Paleica, so ein mutiger Text ! Ja, der blog ist anonym, trotzdem. Es werden wohl fast alle Menschen meinen, dass es für alle gut wäre, mehr und persönlicher über psychische Probleme zu sprechen, aber es dann selbst zu tun, ist doch noch ein mutiger Schritt.

    Ich bin zu meinem Glück von dem Thema nicht betroffen, kenne aber etliche Leute, die es wohl sind und von denen die allermeisten zu Medikamenten greifen.Sehr vernünftig und klug finde ich das. Natürlich ist es wohl kein angenehmes Gefühl von „Chemie“ abhängig zu sein, aber zu leiden und die mögliche Hilfe auszuschlagen ist eigentlich nicht sehr gescheit …..
    Mir haben schon immer deine „düsteren“ Bilder am besten gefallen, warum auch immer ……

    • ja das denke ich auch. deswegen versuche ich da auch sonst bewusst und offen damit umzugehen. klar binde ich es nicht jedem auf die nase, vor allem aus dem beruflichen umfeld, aber in einem rahmen, in dem ich zb auch über eine andere krankheit reden würde, erwähne ich es sehr wohl. viele menschen interessiert das auch und ich hab bisher zum Glück eigentlich noch keine negativen Rückmeldungen bekommen. Aber ich habe wohl auch die entsprechende Filterbubble dafür…

      Es ist halt so ein Zwiespalt. Das Düstere ist einem oft sehr vertraut, es ist sowas wie das „sichere“ Terrain. Es ist einfacher für mich, melancholisch zu sein und ein wenig im Weltschmerz zu ertrinken, es ist das, was ich kenne, es ist das, was ich auch irgendwo immer war. Ich merke auch, dass die Kreativität unter der besseren Stimmung „leider“. Das ist wohl auch der Grund, warum viele Menschen, die das betrifft, sich extrem schwer tun, eine entsprechende Hilfe auch konsequent zu verwenden…

  9. Liebe Paleica,
    es gibt vieles was unbedingt gesagt werden sollte, aber keiner wagt es, darüber zu sprechen. Irgendwie, Irgendwo leben wir alle wie auf einer einsamen Insel und winken ab und an, mehr oder weniger, offen oder versteckt mit dem „weißen Fähnchen“.
    Es ist dumm, sich nicht helfen zu lassen, wenn Hilfe möglich ist. Dieses „ich schaff das“ macht viel mehr Menschen kaputt, die irgendwann kapitulieren und „das Handtuch werfen“!
    Ich freue mich, wenn Du so und jetzt, hier und heute ein angenehmeres Leben führen kannst. Gerade Deine wunderbaren, oft mystischen Bilder zeigen, es ist nicht nur düster, immer lugt irgendwo etwas Leben, etwas Farbe, etwas Staunenswertes, etwas Besonderes hervor. Das mag ich an Deinen Bildern so sehr. Diese besondere Gabe des Sehens und Dein Können, dies einzufangen.
    Angenehmen Donnerstag und lieben Gruß
    moni

    • liebe moni, ich weiß was du meinst – obwohl ich ehrlich sagen muss, dass ich diese erfahrung stärker aus der generation meiner eltern – der du vielleicht näher bist als meiner – kenne. zumindest im privaten umfeld ist es in meinem freundeskreis ZUM GLÜCK üblich, über dinge zu reden, die einen belasten. auch über die substanziellen und echten sachen. alle meine freunde wissen das und viele davon haben mich auf dem weg begleitet und unterstützt und waren für mich da, das hat mir immer enorm geholfen und mich auch oft schon aus früheren löchern gezogen. das schlimmste ist für mich, wenn es mir schlecht geht und grade niemand da ist, dem ich mich anvertrauen kann – das kann ich kaum ertragen.

      ich hoffe einfach, dass jeder, der sich ein herz fasst und es an- und ausspricht, dazu beiträgt, dass es irgendwann einen dominoeffekt gibt und die menschen anfangen, zu reden. schweigen ist eine extreme last und eine starke „kette“, die uns niederhält.

      es ist wunderschön was du über meine bilder schreibst und ja, das beschreibt mein seelenleben wohl ganz gut. ich fühle mich magisch angezogen von allem, das düster und melancholisch ist, aber ich suche (und finde zum glück meistens) den lichtschimmer darin. letztes jahr hatte ich das verloren und das war wirklich schlimm.

  10. Liebe Paleica, das ist ein Thema, das viele berührt und sehr komplex ist, wenn man doch wüsste, wann man was richtig macht, denn herbstliche Gefühle hat jeder, aber wie man da raus kommt, da gibt es viele Wege, lass es dir gut gehen, Klaus

    • klaus, es ist in wahrheit „einfach“ ein körperliches problem. man braucht hilfe und zum glück leben wir in einer gegend, in der es die gibt. wenn man sie annimmt, hat man gute chancen, damit umgehen zu lernen.

  11. Danke und Respekt für Deine Offenheit! Dass es keine „anerkannte“ Krankheit ist, ist eine Krankheit unserer Gesellschaft, denn es ist eben eine Krankheit, eine „ganz normale“, wobei krank ja nie der Normalzustand ist.
    Ich drück Dich!!

    • ja meine liebe, da hast du mit sicherheit recht. leider fällt es menschen schwer, dinge anzuerkennen, die man nicht röntgen, ins mrt oder ins ct schieben kann. aber wer weiß, vielleicht gibt es eines tages auch geräte, die energie- und hormonströme im körper anzeigen… zum glück passiert aber viel auf dem gebiet und es beginnt sich zumindest in gewissen gesellschaftlichen schichten eine akzeptanz dafür zu entwickeln… darüber zu reden, unaufhörlich, ist die aufgabe all jener, die es können.

  12. Es wäre vermessen und auch dumm zu sagen, ich weiß nun wie du dich fühlst. Das kann ich nicht. Aber du beschreibst es so gut, ehrlich und klar, dass ich das Gefühl habe besser zu begreifen, was „nicht nur traurig“ bedeutet. Es ist ein ganz besonderer Beitrag.
    Ich mag deine Herbst Bilder und ich freue mich über jeden Sonnenstrahl, der zwischen Bildern und Worten durch blitzt. Mögen noch ganz viele kommen.
    In Gedanken bei dir 😘

    • vielen dank liebe mitzi. ich glaube, du bist eine von denen, die zu diesem thema schon wesentlich mehr miterleben musste als man den meisten wünscht und indem ich – wenn auch nur in einer sehr viel „harmloseren“ version – auf der anderen seite stehe, ist es für mich wunderschön zu wissen, dass es menschen gibt, die jemanden selbst mit dieser dunkelheit lieben können. auch wenn es mir das herz bricht zu wissen, wie es damals geendet hat. ich hoffe du verstehst das nicht falsch. aber oft ist man überzeugt davon, dass niemand bei einem bleiben wird, wenn man einmal nicht funktioniert.

      • Es gibt keine harmlose Version :-*. Wahrscheinlich genauso wenig wie „gute Gründe“.
        Das Gefühl „funktionieren zu müssen“ kann ich dir nachfühlen. Auch wieder anders, aber doch. Ein schlimmer Gedanke, bei dem man an schlechten Tagen nur verlieren kann. Du aber, verlierst auf Dauer nicht. Das weiß ich. Da bin ich mir einfach ganz sicher. :-*

        • da hast du vielleicht recht. aber dennoch gibt es, finde ich, eine art grenze zwischen „uns“, denen es zwar das leben verdunkelt, aber unseren willen dazu nicht nimmt und die wir dran glauben, dass wir den weg aus der dunkelheit jedes mal wieder finden werden – und denen, die das nicht tun und die nicht (mehr) an hilfe glauben und sie auch nicht annehmen können. ich denke, das ist wohl mein großes glück an der sache. diese kleine stimme in meinem herzen, die nicht nur hoffnungslos romantisch, sondern auch irrational optimistisch ist und die immer an ein morgen glaubt, auch wenn das „wie“ grade nicht sicht- und greifbar ist…

  13. Ich bin jemand der diese Schwere in sich gar nicht kennt. In mir fühlt es sich meist recht luftig an. Mein Kopf denkt gern nach und macht sich über alles mögliche Sorgen, aber ich bin ein guter Loslasser, wenige Dinge machen mich länger betrübt. Das ist einfach eine Eigenschaft von mir, sie ist in mir, genau so wie der Herbst in dir. Und dieses „luftige“ist auch nicht immer gut. Ich wische echte Probleme ganz leicht weg und tu so als ob sie nich da wären… wahrlich nicht immer erstrebenswert. Aber so bin ich eben, und du eben anders.

    Ich finde irgendwie nix Besonderes dabei, dass du Antidepressiva nimmst. Sie helfen dir – ist doch gut! Ja, auch ich finde nur Tabletten schlucken löst nichts – aber wenn es welche gibt die helfen… her damit! Schön wenn sie dich unterstützen! Ich finde es macht nicht schwächer Hilfe anzunehmen. Zu wissen wann man „hilfe“ sagt ist eine Form von Intelligenz.

    Du musst dich wirklich nicht dafür entschuldigen wie es in die aussieht. Entweder man mag dich so – oder eben nicht. Na die Nicht-Woller haben dann aber ganz schönes Pech gehabt. Ätsch.

    • liebe eva, ich gestehe, dass ich dich dennoch darum beneide, dass du das nicht kennst – auch wenn selbst das sicherlich nicht immer nur vorteile hat. themen im leben hat jeder und „überlebensstrategien“, damit umzugehen. allein die reflexion ist aber wichtig und es geht ja vorrangig auch darum, dass man im zusammenleben mit anderen kompromisse findet zwischen dem eigenen umgang mit der welt und dem der anderen.

      es macht nicht schwächer, hilfe anzunehmen. das ist ein wichtiger satz. ironischerweise lebe ich da sonst problemlos danach. nur wenn es um dieses thema ging, kam es mir so lange falsch vor.

      und ja, du hast sicherlich recht. wer einen nicht mag, der soll es eben lassen. aber das ist leider eines dieser fiesen und heimtückischen probleme, dass man immer an sich zweifelt, dass man immer angst hat, dass es gar nicht MÖGLICH ist, gemocht zu werden, weil man nunmal so ist wie man ist. ich bin da heute sehr viel weiter als ich es zwischendrin war, aber phasenweise rutsche ich dort dennoch wieder hinein – schließlich will man ja keine belastung für jemanden sein.

      • Ja, ich versteh dich. Belastung mag man nicht sein! Und doch… jene die dich leiben sehen dich nicht als „Klotz am Bein“. Und ja… bei anderen sieht man immer alles klarer! Aus seinen eigenen Gedanken kommt man einfach nicht so leicht raus. Aber dass du drüber schreiben, reden kannst zeigt schon dass es dich wohl nimmer gar so arg beutelt – und das ist schön!

        • das schreiben ist zum glück seit ich einen stift halten kann für mich immer ein rettungsanker gewesen und eine kompassnadel, die mir gezeigt hat, wo ich grade stehe.

          auch deinem ersten satz stimme ich zu. dennoch – wenn es düster wird, kann man sich auf einmal nicht mehr vorstellen, dass es jemanden gibt, der einen trotzdem mag. es erscheint unmöglich…

  14. Liebe Palaica, als würde ich über mich selbst einen Text lesen, so fühle ich mich, wenn ich Deinen heutigen Post lese. Genau so ist es mir auch etliche Jahre, auch schon ab dem Teenageralter ergangen. Die Schmerzen, die mein ständiger Begleiter sind, sind natürlich auch dafür verantwortlich aber wohl doch nicht alleine. Irgendwann, als ich dann Mutter war, war es nicht mehr tragbar, diese Krankheit nur mental zu behandeln, ich begann auch damit Antidepressiva zu nehmen – schon meinem Kind zu liebe, damit es eine gute Kindheit hat. Sie sind sowohl ein Segen (ich nehme sie noch immer) manchmal sind sie auch ein Fluch (wenn ich nur an die Nebenwirkungen denke) aber alles in allem helfen sie einem, wieder ein Mensch zu sein und ein Leben zu führen, das sich Leben nennen kann. Ich versuche nach vielen Jahren nun, die Dosis etwas zu mindern und gleichzeitig Zucker aus meinem Leben etwas zu bannen (dieser soll auch Depressionen begünstigen). Aber ob ich jemals ohne sein kann, ich weiss es nicht! Dennoch bin ich mit ihnen ein Mensch, der wieder Dinge tun kann und wieder Freude hat. Dies wünsche ich Dir auch, dass Du das Leben wieder genießen kannst und kein schlechtes Gewissen hast, denn es ist eine der schlimmsten Krankheiten auf dieser Welt und man kann mit Gesprächen viel erzielen aber manchmal halt doch nicht alles. Nimm diese Hilfe an und vielleicht kannst Du ja auch eines Tages wieder darauf verzichten … bis dahin aber, sei stolz auf Dich und darauf dass Du für Dich eine Entscheidung getroffen hast, welche Dir das Leben lebenswert macht und Deinem Mann die Frau gibt, die er so sehr liebt. Ich wünsche Dir alles Gute … und denke immer daran, nicht Dein Kopf ist krank, sondern Dein Körper, der nicht ausreichend der wichtigen Stoffe produzieren kann! LG von Marion

    • Liebe Palaica, jetzt fällt mir nochmals etwas Wichtiges zum Thema ein. Es ist in unserer heutigen Zeit nur wichtig zu finktionieren, alles andere scheint uninteressant zu sein. Aber die Dunkelziffer derer, die im verborgenen Leiden, sich puschen mit Drogen, die insgeheim eigentlich nicht mehr funktionieren möchten, ist riesengroß. Wer macht uns eigentlich diese Vorgabe, dass wir Maschinen zu sein haben, keine Ausfälle und Störungen aufweisen dürfen? Recht hast Du, genau diese Störungen und Probleme auszusprechen und in die Bloggerwelt hinauszuschrei(b)en … Denn wenn wir nur Maschinen wären, was wären wir dann? Lediglich ersetzbare Massenware und das sind wir doch bei Weitem nicht. Schau doch Deine Arbeit an, die Du wöchentlich postest. Das ist doch das Ergebnis eines fühlenden und denkenden Menschen, der seine Zweifel, Änste, Nöte und Schmerzen in die Bilder einfließen lässt, die er uns schenkt. Was wären wir ohne unsere Gefühle und unsere Eigenheiten … lasst uns keine Maschinen mehr sein, die am Ende durchbrennen, wenn sie überhitzt und überlastet sind. Gönne Dir Deine Gefühle, wenn sie unerträglich sind, gönne Dir die Hilfe, die Du brauchst … Du lebst Dein Leben nicht für andere sondern nur für Dich! Bleib so offen und mutig, wie bisher – ich wünschte, ich könnte das in meinem Blog auch, so wie Du. Ich zolle Dir meinen größten Respekt .. sei stolz auf Dich! Nochmals LG von Marion

      • ich glaube, es ist die angst vor dem verlust der existenz. wir leben in einem system, in dem wir funktonieren und dafür belohnt ( = bezahlt) werden. dann wissen wir, dass wir versorgt sind und dass alles in ordnung ist. wenn wir der dysfunktion nachgehen, können wir alles verlieren und dann geht es uns vermutlich noch schlechter. und solange der großteil der menschen da mitspielt, wird sich daran auch nichts ändern. die zeiten haben sich extrem verändert und die belastung durch das arbeitsleben und die rahmenbedingungen des privatlebens sind ganz andere geworden. die menschen müssen erst wieder lernen, mit diesem „neuen“ lebensstil umzugehen und ich hoffe sehr, dass das eines tages passieren wird.

        ich glaube auch, dass im allgemeinen grade eine identitätskrise des menschen am köcheln ist. es gibt das thema, durch maschinen ersetzt zu werden, also arbeiten wir effizienter, um das zu verhindern. nichts und niemand kann jedoch so effizient arbeiten, wie eine maschine. das einzige kriterium, das uns wirklich von robotern unterscheidet sind nunmal eben genau unser charakter, unsere gefühle, unsere fähigkeit, gedanken zu artikulieren. vielleicht muss ein umdenken stattfinden, die die wertigkeit des menschen neu definiert.

        so, das war möglicherweise grade etwas wirres geschwurbel, aber ich gebe zu, diese gedanken sind neu und noch nicht zu ende gedacht. dein kommentar hat da gerade etwas angestoßen…

        und zum schluss danke ich dir noch einmal von herzen für die lieben worte, ganz besonders die hier am schluss ❤

    • liebe marion,
      es tut mir einerseits sehr leid zu lesen, dass du auch damit zu kämpfen hast – andererseits tut es auch gut zu lesen, dass man nicht alleine ist, dass es auch anderen so geht. dass die tabletten bei dir solche nebenwirkungen haben, tut mir sehr leid 😦
      die erfahrung, die du gemacht hast, habe ich auch so erlebt. es ist einfach wieder ein leben, man hat wieder freude an den dingen, die man tut. mittlerweile schaffe ich es gut, das zu differenzieren und ich habe zum glück auch keine schuldgefühle mehr. es ist wie es ist und ich habe es mir nicht ausgesucht. nun will und kann ich nur den besten weg finden, damit zu leben, wie andere es eben mit anderen problemen tun. und zu meinem glück GIBT es überhaupt mittel und wege.

  15. Ich nehme auch antidepressiva. Erst nahm ich auch citalopram (wegen meiner Amgstzustände), von denen wurde mir aber dermaßen schlecht, dass ich mich den ganzen Tag übergeben hätte können. Es hat lange gedauert, bis ich mir eingestehen komnte; es ist ok, nicht ok zu sein. Und es nicht etwas, was ich mache oder bin, sondern es sind hormone und chemie die nicht ganz funktionieren (ich habe außerdem schilddrüsenunterfunktion und hashimoto).
    Mittlerweile weiß ich,wenn die Medizin mir hilft, am morgen aufzustehen und den tag zu meistern, dann will ich das auch in anspruch nehmen. Klar, medizin allein lässt nicht alles besser werden, aber es ist ein anfang und hilft diesen nebel zu lichten.
    Danke für deine Ehrlichkeit, es ist so ein sensibles Thema. Leider oft ein tabu, oft mit Vorwürfen verbunden (du hast doch keinen Grund traurig zu sein etc).

    • liebe lisa, danke auch dir für deine offenheit, darauf zu reagieren. es freut mich zu hören, dass auch du einen weg gefunden hast, damit umzugehen und es erklärt das eine oder andere, das ich beim lesen auf deinem blog schon bemerkt habe. nebenwirkungen habe ich vom citalopram glücklicherweise keine, aber ich weiß, dass mein arzt das grundsätzlich erstmal als übergangslösung angedacht hat. irgendwann im herbst steht also ein neuerliches gespräch an, wie wir da weitertun. ich bin übrigens aufs neue erstaunt, erschüttert, betroffen, wieviele menschen ich kenne, die es betrifft und wie wenig darüber gesprochen wird.

  16. Hey.

    Was für ein Post, wow. Danke für deine Ehrlichkeit ♥ Fühl dich gedrückt, du bist damit nicht alleine.
    Darf ich fragen, welche Schmerzen du physisch hattest? Ich habe momentan auch mit mehreren unterschiedlichen körperlichen Schmerzen zu kämpfen und vermute auch einen Zusammenhang.

    Kannst mir auch gerne eine Mail schreiben. oceanhippie@gmx.net

    Liebste Grüße
    Lu (:

    • liebe lu, danke für deine worte und deine ausführlichen erzählungen. ich drücke dir die daumen, dass auch du bald einen weg findest, mit dem es dir besser geht!

  17. Spannender, ehrlicher Text und sehr stimmungsvolle Bilder dazu.
    Es gehört viel Mut dazu über dieses immer noch sehr tabuisierte Thema so offen und ehrlich zu schreiben.
    Ich hatte in meinem Leben zwar auch schon die eine oder andere Krise aber Deppresionen kenne ich nur von einer ehemaligen Partnerin, war keine einfache Zeit. Da sitzt man daneben und kommt sich total hilflos vor.

    Ich find es gut das du dir mehrere Meinungen eingeholt hast, denn irgendwie war es damals bei meiner Ex so das sie gleich nach dem ersten Arztbesuch eine Probepackung mitbekommen hat… das fand ich da schon recht vorschnell…
    Anderseits wenn man schon andere Therapiewege ausprobiert und sich das gut überlegt hat warum sollte man keine Medikamente nehmen die einem helfen das Leben zu meistern.

    Alles liebe Peter

    • ich danke dir, peter!
      ich glaube, ich sehe mich irgendwo in der verantwortung dafür, darüber zu reden und aufklärungsarbeit zu leisten, wo ich kann, denn ich weiß, dass es vielen noch wesentlich schlechter geht als mir und sie können es im gegensatz zu mir nicht.

      als partner von jemandem, der davon betroffen ist, ist es bestimmt auch sehr schwer. es war auch für meinen damals freund, heute mann, sicherlich keine einfache zeit. ich kann mich noch gut erinnern, dass wir auch keine gute phase hatten, bevor diese diagnose dann ausgesprochen wurde, weil er es auch nicht verstehen und ich es ihm auch nicht erklären konnte. er war zum teil denke ich sehr verzweifelt und ich auch. mein glück ist, dass ich nicht so stark davon betroffen bin, weswegen bei mir nur „leichte“ maßnahmen notwendig sind, um „normal“ zu funktionieren. Viele, die davon wesentlich schwerwiegender betroffen sind, schaffen es gar nicht, den schritt zu tun und hilfe anzunehmen.

      leider ist es in Ö ja relativ einfach, an medikamente zu kommen – wohingegen therapien nur mit geld einigermaßen einfach zugänglich sind. grade bei dem krankheitsbild darf man einen betroffenen normalerweise aber nicht einfach mit einer tablettenpackung alleine lassen. das finde ich teilweise echt unfassbar…

  18. Ich finde das einen sehr wichtigen und sehr guten Blogpost!
    Ich denke nämlich, dass es vielen ganz genauso ergeht wie dir. Gerade weil es eben keine Krankheit im klassischen Sinn ist, schämen sich viel zu viele offen damit umzugehen und machen die Sache damit für die Betroffenen ja nur noch schlimmer. Dabei hilft es ja manchmal schon, wenn man sich etwas weniger „unnormal“ fühlt!
    Klar, ich bin auch absolut der Meinung, dass Antidepressiva nicht die ultimative Lösung für dein Problem sind, aber manchmal muss man auch erst einfach mal irgendwie aus den Dingen rauskommen, die der Körper für Jahre gelernt hat. Irgendwo muss ein Anfang sein. Und wenn es dir hilft, dich besser zu fühlen, wieder mehr Freude am Leben zu haben, dann ist das ein erster, sehr wichtiger Schritt.
    Und da du dennoch alles so nüchtern und rational siehst, bin ich mir sicher, dass du auch irgendwann wieder ohne Medikamente ein erfülltes Leben führen wirst!

    So, jetzt kommt’s mir irgendwie doof vor so einen krassen Themenwechsel herbei zu führen; aber na ja… 😉

    Die deutsche Bahn ist ein Moloch! Es ist unverschämt was man zahlt und was dafür bekommt. Die Verspätungen usw sind das eine, aber stundenlang einem überhitzen Zug zu sitzen, weil mal wieder die Klimaanlage nicht funktioniert? Da hilft’s mir dann auch nix mehr, wenn ich pünktlich aber total am Ende ankomme…
    Auf manchen Strecken macht das Auto für mich einfach keinen Sinn, gerade wenn man nur zu Besuch irgendwohin unterwegs ist. Dennoch ärgere ich mich wirklich beinahe jedes Mal über diese Zustände. Mein bereits gebuchter Zug für nächste Woche wurde mir gestern auch abgesagt und somit weiß ich jetzt schon, dass mich da das Chaos erwartet.

    Pinterest ist total seltsam. Ich hab’s zwar relativ regelmäßig genutzt, hatte aber eine recht maue Statistik. Ohne Grund ist die letzte Woche einfach explodiert. Die Plattform verstehe ich also noch weniger als Instagram mit seinen Bots. 😉

    Prime lohnt sich für uns auch von den Versandkosten her schon. Aber leider ist das Angebot echt nicht soooo toll, gerade was die Serien angeht… Netflix war also irgendwann echt ein muss und jetzt kann ich nicht mehr ohne! ^^

    • danke fürs lesen des posts und danke auch für dein liebes feedback!
      ich glaube auch, dass es wirklich viele menschen gibt, die davon betroffen sind. manche mehr, manche weniger, bei manchen ist es vielleicht nur eine depressive episode, bei manchen ist es etwas, das sie schon das ganze leben begleitet. mir hat gerade in diesem bezug das „alte“ internet enorm geholfen, weil ich da einfach viele menschen getroffen habe, die auch in diesen hirnwichsereien festhingen und die diesen hang auch hatten. das war für mich immer schon ein rettungsanker, denn es gab durchaus zeiten, in denen ich mich in meinem täglichen umfeld wie ein alien gefühlt habe.
      ob es ohne medikamente irgendwann gehen wird, wird sich zeigen. ich versuche das einfach nicht zu werten – das einzige, was mir wichtig ist, ist die lebensqualität. und wenn es dafür eben ein wenig chemie braucht, dann soll das so sein. ich will dieses leben jetzt einfach echt nicht mehr hergeben.

      ich drücke dir jedenfalls trotzdem die daumen, dass du deinen weg trotz deutscher bahn irgendwie bewältigst! mein papa hatte letzte woche auch das vergnügen mit der ÖBB – entgegen meiner einschätzung. 2 fahrten, 2 komplette chaossituationen.

      bisher muss ich sagen, merke ich noch gar nix davon, dass ich pinterest nutze – aber ich nutze es auch nicht so arg viel. mal schauen.

  19. Ein wunderbarer Post. Danke dafür. Warum psychische Erkrankungen so stigamtisiert werden, ist mir ein Rätsel…als könne man sich seine Krankheiten aussuchen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in der Gesellschaft sehr viel anerkannter, obwohl so mancher Patient daran einen Anteil trägt…Interessant dabei…ein Patient mit Bluthochdruck nimmt ganz selbstverständlich seine Tabletten, warum also nicht akzeptieren, dass auch eine Depression medikamentös behandelt werden kann…?
    Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft!

    Liebe Grüße, Lotta.

    • liebe lotta, wenn man es so betrachtet, ist es absolut unverständlich. leider kann man herz-kreislauf probleme meist irgendwie auf nem diagramm darstellen und psychische krankheiten nicht. und alles, auf das man nicht zeigen oder das man nicht röntgen kann, glauben menschen ja oft nicht. zudem es auch in der behandlung immer noch so ist, dass viele ärzte der „alten schule“ psychotherapie und psychosomatik nicht ernst nehmen (das musste ich selbst erleben). ich denke, der wichtigste schritt wäre, dass in der medizin psychotherapie von ärzten genauso anerkannt wird wie physiotherapie und dass es auch eine klare unterscheidung gibt zwischen medizinisch fundierter therapie und anderen heilungsverfahren, die teils in der esoterik angesiedelt sind. nicht, dass ich damit sagen will, dass zweitere methoden nicht helfen können. aber für die akzeptanz wäre es einfach wichtig zu sagen: das ist schulmedizinisch anerkannt.

      • Manchmal muss man auch bei seinen Ärzten solange suchen, bis der Deckel auf den Topf passt…;-).

        Ich sehe eher ein Problem darin, dass die Kapazitäten für Psychotherapien meist zeitlich beschränkt sind. Der Patient braucht JETZT Hilfe, bekommt aber einen Termin erst in einem halben Jahr…wenn überhaupt. Bei posttraumatischen Belastungsstörungen z. B. dann eine echte Katastrophe…

        • du sagst es 🙂 das einzig tragische ist, dass die ärzte, die sich zeit nehmen (können), um einem zu helfen, meist recht viel privates geld kosten 😦 aber gut, ich bin in der glücklichen lage, dass ich mir das leisten konnte.

          und ja, damit hast du recht. in Ö gibt es ja überhaupt praktisch keine ambulanten therapien, die von der KK übernommen werden, soweit ich weiß…

    • herzlichen dank für deinen kommentar und deine lieben worte. wenn der artikel das schaffen würde, dann wäre ich wirklich glücklich!

  20. Ich sah in deinen Beiträgen immer eine gewisse Melancholie, die aber nie übertrieben war, aber auch ganz viel Hoffnung, Liebe fürs Detail und Wertschätzung für die kleinen Dinge im Alltag. Das fand ich immer sehr inspirierend. Ich glaube, du hast der Thematik einen ganzen Brocken an Schrecken abgenommen!

    • danke dir liebe julia, es tut wirklich gut, das zu lesen – denn genau das ist es auch, das ich immer versucht habe. man kann aus dem düsteren sehr viel für kreative prozesse ziehen, aber aktuell genieße ich es einfach, dass sich das düstere ein wenig zurückgezogen hat, auch wenn das heißt, dass in meinem kopf weniger „erschaffen“ wird…
      und genau das wäre mein wunsch. dass man einfach „normal“ damit umgeht. es ist wie es ist und es gibt hilfe.

  21. Meine Liebe,
    ich danke dir für deine Offenheit und diesen Beitrag. ♡ Auch ich gehöre diesem Clan an und hätte es niemals in Worte fassen können. Irgendwann gehört man zu diesen Menschen, lebt irgendwie damit, gewöhnt sich irgendwie daran. Man ist glücklich, wenn die Chemie hilft und man eine begleitende Therapie bekommt – aber man traut sich nicht recht, darüber zu reden, weil man gleich ein Stigma weg hat. Traurigerweise. Wenn man sich umsieht oder umhört ist es, wie du sagst: so viele Menschen hatten selber schon psychische Probleme oder deren Bekannten-/Familienkreis. Mir haben damals auch Citalopram (20 mg zum Frühstück) über 2-3 Jahre geholfen, am Anfang dazu noch Schlaftropfen. Mitte 2015 konnte ich die Tabletten absetzen. Seit 2 Wochen nehme ich nun Opipram (50 g am Abend), um schlafen zu können. Die Krankheit begleitet einen immerfort und sie kann jederzeit wieder aufbrechen – aus den verschiedensten Gründen. Das ist eigentlich das schwerste daran. Fühl dich gedrückt und ganz liebe Grüße, Karina

    • und ich danke dir fürs lesen und dafür, dass du dich mir auch mitgeteilt hast. ich habe ja das riesen glück, dass eine therapie in meiner filterbubble eher normal ist als ein stigma, was es mir sicher möglich und leichter macht, auch hier drüber zu schreiben und offener mit dem thema umzugehen. beruflich ist es was anderes, aber da bin ich auch mit anderen körperlichen problemen vorsichtig.
      das schlimme ist halt mitunter auch, dass es viele menschen betrifft, die wiederum nicht das glück haben, in einem umfeld zu leben, in denen sie bestärkt werden, sich helfen zu lassen. das finde ich dann besonders schlimm und da sieht man dann wieder, wo ganz arge defizite liegen.

      es ist halt im grunde wie diabetes. die wahrscheinlichkeit, dass dein körper plötzlich mit den stoffen umgehen kann, wenn er es nie konnte, ist halt doch nicht sooo groß. zumindest glaube ich das. ich merke erst jetzt zum ersten mal in meinem leben, wie es ist, wenn man sich nicht immer das worst case szenario ausmalt. wenn man mal mutig ist, auch wenn es keinen plan c, d, e und f gibt. dass man manchmal einfach leben darf, ohne warum zu fragen.

  22. Ich bin sehr froh das wir dieses Thema schonmal ausserhalb des Blogs hatten… Es ist ein verdammt starkes und übermächtiges Thema. Eins, das unendlich auseinandergenommen werden kann. Gut, das ich nicht das Gefühl hab, dies hier tun zu müssen, denn wir haben das schon getan. Geschützt… Aber dennoch ziehe ich alle Hüte dieser Welt vor Deinem Mut und Deinen Worten die Du gefunden hast. Das wird Menschen helfen… Und das ist vielleicht das schönste was Worte je bewirken können…

    • ja, das ist es leider und es ist vermutlich eines, das einen betroffenen auch nicht mehr loslässt, weil es einfach teil des lebens und des körpers ist.
      es freut mich auch unheimlich, das zu hören, denn das hoffe ich so sehr. es soll sich niemand so fremd und falsch fühlen, wie man das von so vielen gehört hat – weil es genügend betroffene gibt, die darüber reden. die stimmen dazu werden in den letzten jahren zum glück lauter…

  23. Liebe Paleica!

    ein wichtiges Thema und ein sehr großes wenn man selber betroffen ist oder mit jemanden zusammenlebt, der selber davon betroffen ist. Ich wünsch dir alles Gute und dass die Medikamente dir helfen, egal ob nur für eine Phase oder für länger. Ich denke die Kombination macht es aus, aus Psychotherapie und den Tabletten. Wenn das der Weg ist, dass es dir besser geht, so ist es der richtige. und ja, was die Psychotherapie angeht ist es traurig, wie wenig Kassenplätze es gibt, mit den langen Wartezeiten, damit die Kosten wirklich übernommen werden. Das wichtigste ist, dass du dich dann wieder besser im Stande fühlst den Alltag zu bewältigen. Fühl dich von mir umarmt!

    • oh ja, das denke ich auch. es gehört beides dazu und man muss auch versuchen, trigger kennen- und verstehen zu lernen und auch zu reagieren, sich zu kennen, zu wissen, wo man sich selber helfen kann und wo nicht mehr so gut.
      danke für deine lieben worte ❤

      • genau, die Trigger werden leider gottes immer wieder kommen. Ich denke am Anfang mit den Medikamenten und dann vielleicht später unter der Hilfe mit der oder dem Psychotherapeut(in) wird es einfacher die Impulse zu steuern.

  24. Riesen Respekt! So ein „Outing“ erfordert sehr viel Mut und Stärke, und aus diesem Grund wirst du diesen „Dämon“ irgendwann besiegen, da bin ich mir ganz sicher!

    Herzallerliebste Grüße,
    Amara

    • liebe amara, danke fürs lesen und deine lieben worte! ob es irgendwann aufhören wird, da zu sein, weiß ich nicht. aber ich weiß jetzt zumindest, dass es möglichkeiten gibt, damit zu leben, sich zu helfen, sich helfen zu lassen. und das allein ist schon eine enorme verbesserung!

  25. ich kann es gar nicht aussprechen, wie gut ich es finde, dass du das thema ansprichst. ich finde, es gehört noch viel mehr thematisiert in unserer gesellschaft.

    der satz „Chemie für die, die ihr Leben nunmal nicht auf die Reihe kriegen“ hat mich richtig wütend gemacht, ich hab das schon viel zu oft gehört. ich finde solche aussagen einfach nur komplett daneben. wenn leute es einfach nicht verstehen, dass eine psychische krankheit – egal in welcher form – auch eine krankheit ist, wie sich das bein brechen zb. und es ist einfach unfair zu sagen, „der bekommt sein leben nicht auf die reihe“, wenn die person einfach nichts dafür kann. keiner hat sich das ausgesucht, krank zu sein. ich find es ganz schade, dass es noch immer ein stigma zu psychischen krankheiten gibt. es wird zwar besser, aber ist trotzdem bei weitem noch nicht dort, wo es sein könnte oder sollte. genau deswegen find ichs super, dass du darüber sprichst – auch wenn es bestimmt nicht schnell hingeschrieben ist, und doch meist (leider noch) überwindung kostet, so etwas auszusprechen. vielen dank!

    • danke dir liebe christina! ich finde das auch sehr wichtig und ich denke, jeder kann nur bei sich selbst beginnen und von seiner geschichte erzählen.
      es ist wirklich ziemlich dramatisch, wie medikamente in dem bereich wahrgenommen werden aber man darf auch nicht vergessen, dass es ein heikles thema ist, dem man sich mit viel bewusstsein und unterstützung nähern muss. eigentlich ist es generell erschreckend, dass 120 jahre nach freuds erkenntnissen dieses thema immer noch so mystifiziert sind und für viele noch irgendwie der esoterik zuzuordnen sind. ich denke, dass da vor allem die medizin in der verantwortung ist, dem entgegen zu wirken und mit diesen vorurteilen aufzuräumen.

      • ja, und auch wenn man nicht über sich selbst reden möchte ist es schon mal sehr gut, wenn man das thema allgemein einfach mal anspricht und offen damit umgeht.
        und klar, ich find auch, dass alles mit medikamenten ein heikles thema ist und man so sachen bzw risiken wie zb eine mögliche abhängigkeit nicht außer acht lassen sollte. von seiten der medizin braucht es echt noch eine bessere aufklärung zu dem thema, aber auch noch viel mehr Forschung zu dem thema ist notwendig, um bessere oder effektivere heilmethoden zu finden. es ist eh auch unglaublich, dass bis vor rund 40 jahren eine lobotomie noch eine gängige heilmethode war, unvorstellbar!

        • absolut, so sehe ich das auch. erst gestern habe ich erfahren, dass ein freund seit 8 jahren an einer mittelschweren depression leidet und dass es ihm nun seit ein paar wochen besser geht. selbst seine frau wusste das nicht, obwohl sie gemerkt hat, dass etwas stimmt, weil sie ihn gar nicht anders kannte. es ist einfach überall und auch wenn man hie und da was vermutet, so reicht das meist nicht, um es anzusprechen, wenn man die person nicht besonders gut kennt und selbst wenn ist es noch lange nicht gesagt, dass hilfe möglich ist.

          forschung ist mit sicherheit ein extrem wichtiger aspekt, damit bewusstsein geschaffen werden kann. ich denke, dass es auf der welt wesentlich besser aussehen würden, wenn nicht soviele menschen in ihren traumatas und seelischen schmerzen gefangen werden.

          lobotomie – ja, unvorstellbar. psychiatrie des 20. jahrhunderts ist ohnehin eine reine geschichte des grauens…

          • oh ja, das ist wieder ein exemplar dafür, dass man echt oft gar nicht weiß, was in den menschen rund um uns vorgeht (auch bei ganz vielen, die uns echt nahe stehen).

            das würde es bestimmt! hoffen wir mal, dass sich da noch einiges tut & etwas in bewegung gesetzt wird 🙂

            • oh ja, das ist wirklich wahr. ich hab die woche ein video gesehen, dass chesters frau anscheinend geteilt hat und das gemacht wurde, ein paar stunden, bevor er sich umgebracht hat – mit den worten „so sah chesters depression für uns aus“. ich fand das unheimlich berührend, weil ihm wirklich GAR NICHTS von seinem plan anzumerken war und weil ich mir gar nicht vorstellen will, wie das für den ehepartner einer berühmten person ist, die dann aus aller welt beschuldigt wird, es nicht bemerkt zu haben und es verhindern könnten hätte. niemand kann in jemand anderen reinschauen, wenn der es nicht zulässt – dessen sollte man sich vermutlich immer bewusst sein.

              • oh mann, sowas ist immer heftig :/ ja echt, als person die irgendwie in der öffentlichkeit steht, wird man sowieso immer schneller an den pranger gestellt und verurteilt find ich, vor allem bei solchen sachen (wo man ja sowieso nie die ’schuld‘ einer einzigen person oder so zuschieben könnte, geschweigedenn überhaupt jemandem zuschieben könnte)

              • das ist leider wahr. insofern kann ich es kaum nachvollziehen, dass menschen heutzutage überhaupt noch berühmt werden WOLLEN. da wird man doch ständig mit shitstorms und und und überhäuft, und wenn man noch so wenig dafür kann.
                über schuld in dem zusammenhang zu sprechen, ist nach aktuellem forschungsstand glaube ich sowieso ein riesen problem. ich vermute, dass sogar nur selten wirklich böse absicht dahinter stehen, SELBST WENN es grade in dem fall wohl auslöser und „verursacher“ dahinter stehen.

              • das stimmt. aber meistens denken solche leute, die um jeden preis berühmt werden wollen, gar nicht an sowas.
                ja das stimmt, das ist echt ein problem. aber dann gibts wieder so krasse fälle wie zb aus den USA, wo so ein teenie girl ihrem (ex)freund einredet, sich das leben zu nehmen. aber das ist ja wieder ein echt schlimmes beispiel in die andere richtung.

              • es ist leider ein thema, das in alle richtungen fürchterlich ist. und bei teenagern nochmal ein anderes kaliber, weil da ja risiko-bewusstsein und gewisse gehirnareale noch nicht so ausgebildet sind und daher oft die konsequenzen nicht in dem ausmaß wahrgenommen werden wie bei erwachsenen.

  26. Hallo Paleica,

    ich finde es, genau wie viele der Vorkommentatoren wichtig, dass dieses Thema angesprochen wird. Für jemanden, der den seelischen Zustand nicht selbst kennt, hast du deine Gefühle und Problematiken sehr gut umschrieben. Deine Fotos helfen auch ein wenig bildlich zu begreifen, wie man die Welt sieht. Vermutlich wird jeder Betroffene zunächst versuchen allein aus der Düsternis zu kommen, aber Hilfe anzunehmen und es wie in deinem Fall auch auszusprechen ist beispielhaft. Die Dinge anzuerkennen und Hilfe anzunehmen, ist viel mutiger als zu versuchen die Umstände unter den Teppich zu kehren. Ich wünsche dir weiterhin die Kraft, die du mit deinem Beitrag bewiesen hast und viele sonnige Augenblicke.

    Liebe Grüße
    Sandra

    • hallo sandra,
      es freut mich sehr, dass meine worte für menschen, die (zum glück) nicht betroffen sind, nachvollziehbar sind. auch das ist oft schwer, sich verständlich zu machen. denn so wie ich es kaum anders kenne, ist es für die anderen umgekehrt… hilfe anzunehmen hat tatsächlich auch etwas mit mut zu tun – mut, sich selbst und seiner umwelt einzugestehen, dass man ein problem hat und das ist oft das schwerste von allem.
      danke für deine lieben worte!

  27. Warum Hilfe anzunehmen für manche so schwer ist, ist irgendwie merkwürdig. Ich habe auch oft Probleme damit, meine Mutter noch größere. Ich kann nachvollziehen wie es ist auf der Türschwelle zu stehen. Sich einzugestehen, das man eine Krankheit hat, die man nicht allein einfach überwinden kann. Hilfe anzunehmen ist oft so einfach und doch gleichzeitig so schwer. Ich freue mich sehr, dass du dir Hilfe gesucht hast und die angebotene Hilfe für dich auch ein machbarer Weg war und ist, und dir wieder Freude bringt. Und ich finde es richtig klasse, dass du mich (uns) an diesem Teil deines Lebens teilhaben lässt und es auch thematisierst.
    Fühle dich gedrückt.

    Lieben Gruß, nossy

    • ich verstehe das auch nicht. und vor allem ist es seltsam, weil ich dabei normalerweise auch keine schwierigkeiten habe. warum es gerade hierbei für mich dann sooo eine hürde war, ist mir ehrlich gesagt selbst nicht klar. ich danke dir auch fürs lesen und fürs teilen deiner gedanken ❤

  28. Pingback: Coole Blogbeiträge Woche 35 oder so ähnlich ...

  29. Danke. Danke für diesen Beitrag. Ich gehöre auch zum Club, allerdings bin ich nicht so sehr betroffen, wie du. Aber auch ich bin ein melancholisches, schwermütiges Kind gewesen. Dabei sah ich mich Eltern gegenüber, die den Krieg erlebt haben und mir immer wieder erklärt haben: „Dir geht es doch gut! Was willst du eigentlich?“ und: „Reiß dich doch mal zusammen!“.
    Mit der Zeit habe ich gelernt, mit diesem „Blues“ zu leben und komme ganz gut klar.
    Irgendwann werde ich auf meinem Blog auch mal über dieses Thema schreiben, weil es auch gerade Frauen in den Wechseljahren betrifft.
    Liebe Grüße Sabienes

    • liebe sabiene, ich kenne das so gut. diese fragen, wieso bist du so, du hast doch keinen grund dazu… ja, wenn man darauf eine antwort wüsste. ich erinnere mich noch gut an eine situation, ich war damals 18 und grade im letzten schuljahr vor der matura und zum ersten mal in meinem leben UNBESCHWERT. da war ein total neues und überwältigendes gefühl für mich und ich habe das damals auch meiner mutter gesagt – dass ich mich zum ersten mal so fühle. und von ihr kam dann ein relativ verständnisloser kommentar „naja, wieso solltest du dich auch nicht so fühlen, du lebst ja grad wie im paradies“ – also etwas in diese richtung. das war für mich damals sehr verletzend und einer dieser knackpunkt-momente, an dem ich verstanden habe, dass ich sichtlich anders ticke und empfinde, als man das gemeinhin tun „sollte“.

      oh ja, mach das mal! ich würde es gern lesen!

  30. Oh meine liebe liebe Paleica,
    es stimmt mich traurig und zuversichtlich zugleich. Ich weiß nicht wie ich es genauer betiteln soll. Du hast einen wundervollen, überaus ehrlichen Beitrag geschrieben, sehr anschaulich geschildert wie es ist und ich verstehe jedes einzelne Wort. Nicht (nur) auf deren Begrifflichkeit hin, sondern auch emotional. Ich weiß wie es ist, auch wenn ich bis jetzt noch ohne AD auskomme. Ich bin froh, dass du die helfenden Hand ergriffen hast und dem ganzen auf den Grund gehst. Nur so können wir verstehen und „heilen“. Die Psyche macht so viel aus und beeinflusst unseren Körper so enorm, umso bedauerlicher, dass es immer noch so verschrien ist, wenn man äußert, dass man Depressionen hat.

    Allein das erschwert es einem sich selbst einzugestehen, dass man eben nicht einfach nur traurig ist. :/

    Aber nun… lass uns anstoßen auf bessere Zeiten. Auf weniger graue Nebelschwaden und mehr von allem anderen! ♥

    *

    Bei uns hat leider kaum etwas seinen eigenen Platz und wird dann von einem Eck zum nächsten geschoben. Aber wir sind auf dem Weg der Besserung und ich denke das wird super, wenn wir erst mal fertig sind. 🙂 Ich freue mich da schon sehr drauf. 😀 Es gibt Unmengen an Literatur zu diesem Thema. Auch wie man den Haushalt schmeißt und so weiter. Das kann im schlimmsten Fall auch ziemlich uferlos werden. Am wichtigsten ist denke ich, dass man seinen Weg findet und ihn dann beibehält. Und langsam habe ich sogar das Gefühl einen Weg gefunden zu haben. Jetzt erst mal abwarten, weiter machen und sehen wohin es führt.

    Da bin ich absolut deiner Meinung. Auch, dass es mal Phasen gibt in denen man eher „nebeneinander“ her lebt, sich dennoch liebt und gut miteinander auskommt. All diese Dinge haben mir gezeigt, dass er der Richtige ist und ich hätte auch keinen anderen haben wollen. ♥

    Ich bin schon sehr gespannt wie die große Feier bei euch dann abläuft. Ich drück euch ganz fest den Daumen und wünsch euch jetzt schon mal eine Menge Spaß! 😀

    Allerliebste Grüße

    • liebe shanee, danke fürs lesen und für deine wunderbar lieben worte ❤ es tut gut zu lesen, wenn andere menschen diese gedanken und gefühle nachvollziehen können. ich muss ehrlich sagen, dass für mich glaube ich die 40h im büro durchaus ein thema sind, die dazu geführt haben, dass ich grade eben nicht ohne die tabletten auskomme. es fehlt einfach die regenerationszeit, die ich früher hatte, die zeit alleine, um energie zu finden. ich muss auch sagen, dass ich das in meinem umfeld noch nicht oft wirklich so ausgesprochen habe und dass es durchaus menschen gibt (mitunter meine eltern) die ich da gar nicht sooo sehr damit konfrontiere, weil ich weiß, dass sie damit nicht umgehen können. trotzdem macht es das für mich schwerer. menschen neigen dazu, immer gründe finden zu wollen und schuldige und das hilft einfach in der situation gar nicht.

      im moment sind die nebelschwaden grad etwas dichter, ich vermute aber, dass das mit der schwermut zusammenhängt, die mich im herbst immer schon überfallen hat und da auch ein stück "gewohnheit" dabei ist – aber ich spüre sie, sehe sie, versuche sie zu reflektieren und mich von ihr nicht übermannen zu lassen.

      **

      ich glaube auch, dass es für den haushalt wichtig ist, einfach seinen weg zu finden, wie das für einen passt und funktioniert. ich bin ganz froh, dass das bei uns soweit recht reibungslos läuft, auch wenn es einiges an verbesserungspotenzial gäbe, aber da ich die zeit dafür nicht investieren will, ist das eben zu akzpetieren. alles geht nicht ^.^

      danke auch für die lieben wünsche. jetzt ist es ja wirklich nicht mehr lang – weniger als 1 monat O.o und langsam sollte ich wohl wirklich beginnen, ein bisschen zu organisieren und zu schauen, was wir noch brauchen…

  31. Als auch Betroffener finde ich, dass hier einige Dinge falsch beschrieben werden, die aber sehr wichtig sind. Depressionen und/oder Schmerzen welcher Art auch immer in die Kategorie psychische Erkrankungen zu stecken ist ein vollkommen falscher Ansatz, der ganze Mensch also auch Körper und Geist sind davon betroffen, weil alles mit allem zusammenhängt. Eine Depression ist eine affektive Störung, d. h. sie äussert sich vordringlich im Gemüt, Ursachen gibt es so viele wie es Menschen gibt, eine gewisse genetische Veranlagung ist aber sehr wahrscheinlich. Und ja, dieses ist eine anerkannte Krankheit, wie bei einem Diabetiker ist eine medikamentöse Therapie oft sinnvoll bzw. zwingend erforderlich, die auf den Serotonin-, Dopamin- oder auch den Noadrenalin-Stoffwechsel wirken. Der Diabetiker spritzt sich halt ein Hormon, bei der Depression nimmt man ein Horman oral ein.. Das Dumme allerdings daran, die Anti-Depressiva wirken bei jedem anders, d. h. zusammen mit einem möglichst erfahrenen Psychiater (besser immer noch in einer Klinik) sucht man das möglichst Wirksamste, das ist ein Ausprobieren und Experimentieren, mit Citalopram wird sehr oft erst einmal angefangen. Diese Medikamente sind eine Art Auffangnetz, welche einen vor Schlimmerem bewahren sollen im Idealfall. Sich über die Depression ganz genau zu informieren, ist sehr sehr wichtig, nach meiner Erfahrung können das nur Fachkliniken wirklich leisten, die dann immer parallel auch kognitiv-verhaltenstherapeutisch arbeiten, weil Medikamente allein sind eine Sackgasse. Ansonsten Sport und Bewegung wirken sich auch immer sehr positiv aus und ganz wichtig Entspannungstechniken, welcher Art auch immer, bei Depressionen wird in der Regel die Jacobson-Methode in Kliniken trainiert, die mag ich gar nicht, aber Yoga, Chi Gong, Mental-Training, Autogenes Training oder oder, tun da sicherlich auch gute Dienste. Und ganz wichtig, jede depressive Episode geht auch irgendwann einmal zu Ende, sich dieses während einer solchen immer wieder vor Augen zu halten als mentale Stütze, erleichtert das Ganze enorm. Ich hoffe, das hilft ein ganz wenig weiter.

    • hallo,
      erstmal danke fürs lesen und deinen kommentar. es ist mir klar, dass aus medizinischer sicht nicht alles korrekt formuliert ist, darauf habe ich im text auch zwischendrin mal hingewiesen – eben auch WEIL meine beschäftigung mit dem thema noch nicht so weit voran geschritten ist, ich aber dennoch über den emotionalen aspekt schreiben wollte.
      dass depressionen an sich eine anerkannte krankheit sind, ist zum glück mittlerweile unbestreitbar. aber diese wahrnehmung ist dennoch in der bevölkerung leider noch nicht angekommen. von deinem blog her kann ich es nicht sagen, aber ich weiß auf jeden fall, dass der therapeutische ansatz in österreich nicht genau gleich ist wie in deutschland. ich stimme dir aber absolut zu, dass medikamente ALLEIN niemals eine gute und ausgewogene therapie sein können und dass sport auf jeden fall einen enormen beitrag leisten kann, um sich wieder besser zu fühlen.
      ich für mich kann nur sagen, dass ich mit diesem „grauen schleier“ schon seit meiner kindheit lebe und es nur wenige unterbrechungen davon gab und die meist nur ein paar wochen oder monate angehalten haben. seit dem vollzeitjob ist es definitiv schwieriger geworden, weil mir einfach die langen erholungsphasen fehlen, die durch die schul- und studienzeit in meinem leben integriert waren. das hat für mich letztlich sicher den trigger gegeben, dass es ohne medikamente nicht mehr bewältigbar war. wie es sich weiterentwickelt und weitergehen wird, wird man sehen. es ist in jedem fall – wie du auch erwähnst – etwas sehr individuelles und man muss eben immer den weg finden, der einem selbst hilft. die richtige kombination von methoden, die man anwendet. die richtigen medikamente, die richtige therapie und den richtigen sport.

      • das mit dem arbeiten hat sich für mich inzwischen erledigt (bin aber auch schon viele jahre älter). dadurch ist bei mir jetzt vieles besser geworden. du solltest dir evtl. überlegen, deine arbeitszeit irgendwann ein wenig zu reduzieren falls möglich, denn ohne derartige freiräume ist das nicht so leicht bei rezidivierenden depressionen wie bei mir und dir. in meinem blog gibt es große zeitliche lücken, nun weißt du auch warum und wieso.

        • das kann ich mir vorstellen. ich würde das gerne, aber es ist nicht so einfach, wie ich mir das wünschen würde. in unserer firma ist das für mich nicht gewünscht und in meiner branche sind teilzeitstellen mehr als mangelware, da vollzeitstellen durch das überangebot an arbeitskräften schon ziemlich billig sind. derzeit habe ich mich – wenn auch mit hilfe der medikamente – recht gut arrangiert und für die zukunft wird es dann vielleicht auch die eine oder andere option geben, das zu ändern.

          interessanterweise ist der blog eigentlich meine einzige richtige konstante. den am leben zu halten ist irgendwie auch sowas wie meine eigene ganz grundlegende motivation. schräg, wie der mensch manchmal tickt…

  32. Ohne jetzt die Kommentare gelesen zu haben, blieb mir von deinem Artikel etwas, dem ich widersprechen möchte: „…keine anerkannte Krankheit…“ Depression ist eine anerkannte Krankheit oder irre ich?
    Sehr mutig, dich hier zu outen. Ich finde es toll, dass du darüber so offen schreibst. Chapeau!
    LG, Conny

    • liebe conny, doch natürlich ist depression in der medizin eine anerkannte krankheit. ich meinte in dem kontext, dass es von der gesellschaft nicht anerkannt ist. die menschen reagieren völlig anders, wenn jemand krebs hat oder einen herzinfarkt oder diabetes als wenn es um depressionen geht.

  33. Liebe Paleica,
    ich finde es mutig und toll, dass du so offen darüber schreibst und denke, dass deine Worte vielen Mut machen, zu ihrer Depression zu stehen. Ich glaube, dieses Thema betrifft fast jeden direkt oder indirekt (durch Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder) irgendwie und wir sollten allgemein offener damit umgehen, denn Sich Verstecken müssen macht es nur noch schlimmer…
    Ich wünsche dir viel Kraft und fühl dich gedrückt ♥

    • ja, das finde ich auch! man hat es sich schließlich nicht ausgesucht – und je präsenter die betroffenen und ihre angehörigen sind, umso weniger lässt sich das von „den anderen“ stigmatisieren. danke für deine lieben worte und für den zuspruch! ich glaube, du weißt ja mindestens so sehr wie ich, wie das ist…

      • Ich kann es nachvollziehen, da es mir vor einigen Jahren nach der Trennung von meinem nun Exmann ähnlich ging – ob das eine „echte“ Depression war, weiß ich zwar nicht, aber ich erinnere mich daran, wie es sich angefühlt hat und ich bin froh, dass ich aus diesem „schwarzen Loch“ herausgekommen bin…wenn du dich immer so fühlst (auch ohne konkreten Anlass) muss das sehr schlimm sein… 😦
        Liebe Grüße, Netty

        • liebe netty, es tut mir leid zu lesen, dass du ebenfalls so eine erfahrung machen musstest. ich kenne das auch, dieses loch, in das man nach einer trennung fällt. das ist schon auch eine besonders intensive und schwierige situation. gut, dass das bei dir wieder vorbeigegangen ist. das ist es bei mir übrigens auch. zum glück ist diese tiefe und intensität kein dauerzustand. es ist nur etwas, das zurück bleibt. und das einen manchmal auch ohne so harten anlass überfällt.

  34. manchmal müssen siolche worte einfach raus, und das scheint bei dir auch so gewesen zu sein. danke für den einblick, der wirklich gut beschrieben ist. so kann man sich schon etwas reinfühlen, auch wenn man mit dieser krankheit nichtzu kämpfen hat. gerade hab ich einen kleinen eintrag zum herbst geschrieben und dann kam mir dein eintrag unter die augen. da ich den herbst liebe, finde ich deine bilder dazu wunderschön. die thematig dazu, und was der herbst im übertragenen sinne für dich bedeutet, bringt mich zum nachdenken. es ist gut, mal über den tellerrand zu schauen.

    alles gute dir!

    • absolut. ich habe das so lange mit mir herumgetragen und ich musste einfach was dazu schreiben, einerseits, weil es für mich eine große sache ist und große sachen hier einfach ihren platz finden sollen und andererseits weil ich das gefühl hab, dass diejenigen „von uns“ die können, darüber reden sollen, um die situation für alle anderen vielleicht ein klein wenig besser zu machen.
      danke fürs vorbeischauen und für deine worte!

      • gerne, nichts zu danken! ich lese gerne die blogs denen ich folge (nur eben oftmals sehr zeitverzögert), und wenn ich worte habe, lasse ich sie auch sehr gerne da. 🙂

  35. Pingback: Go East 2017: Maribor und die Schwäne – episoden.film

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