Dieser Sommer!

Der August geht dem Ende zu und wenn der August vorbei ist, dann ist es auch der Sommer – ganz offiziell. Denn auch wenn der Kalender etwas anderes sagt, ab September fühlt sich die Welt nach Herbst an und das Jahr geht irgendwie in seinen Endspurt. Und ich kann es wieder einmal kaum glauben. Wie ist das möglich, dass dieses 2017 nun schon in so großen Stücken hinter uns liegt? Ich weiß es nicht – es war doch gerade noch Frühling, die Bäume waren kahl, die Luft kalt und in der Luft war noch der herbe Geruch des Winters zu erfühlen. In Prag fror ich noch in der Winterjacke und auf einmal tauschte ich sie gegen Bikini in Kroatien, wir sagten ja, kletterten auf Berge, tauchten in den See und nun stehen wir da: am Ende des Sommers.

In diesem besonderen Jahr 2017 habe ich mir fest vorgenommen, dass der Sommer schön werden sollte. Genussvoll, ausgelassen, lustig, intensiv. Ich wollte das Leben wieder spüren, das ich eine Weile schwer vermisst habe. Und ich denke, wenn ich ein vorsichtiges Fazit ziehen darf, ist es mir gelungen. Und da in den Zeiten, in denen das Leben groß geschrieben wird, die Kamera bei mir meist unbeachtet herumliegt, so habe ich doch den Apfel in der Tasche, der viele dieser Momente trotzdem festhält – an denen ich euch hier nun teilhaben lassen will.

Mein Sommer 2017 begann in Kroatien. Als ich an stand, wo ich schon so lange stehen wollte: auf den Stegen der Plitvicer Seen.

Nur wenig später durfte ich noch einen zweiten Ort auf meiner Bucket List abhaken, der einer der ersten war, der seinen Weg überhaupt dahin gefunden hat: Dubrovnik.

Als wäre dieser Kroatien-Roadtrip damit nicht schon Grund genug, um einen Stockerlplatz der tollen Reisen zu erhalten, hatte ich tatsächlich die Gelegenheit, meiner Unterwasserangst so richtig den Stinkefinger zu zeigen und schnorchelte an jeder Bucht, die so seeigelfrei war, dass man sich irgendwie einen Weg ins Wasser bahnen konnte. Als Erinnerung an diesen wundervollen Triumph über mich selbst schenkte mir das Mittelmeer drei schimmernde Muscheln, die hoffentlich bald meinen Hals und meine Ohren zieren können. Es war eine Reise, auf der ich zu einer inneren Ruhe fand, die ich vielleicht noch nie in meinem Leben gespürt habe und die das ewige Gedankenkarussell einfach einmal schweigen ließ.

Ich kletterte auf Steine und mein Rücken trug einen ganzen Tag lang meinen eigenen Rucksack.

Ich aß Fisch.

Ich lauschte der Brandung, ließ mich von glitzernden Steinen verzaubern und träumte in den Sonnenuntergang.

Ich heiratete.

Ich fand endlich wieder Zeit, meine Leihpensionistenpferdedame ein bisschen zum frischen Gras zu bringen.

Ich durfte mit einer meiner langjährigsten Freundinnen eine österreichisch-finnisch(schwedische) Hochzeit feiern.

Ich setzte mich spontan nach der Arbeit ins Auto, um im Sonnenuntergang am See zu picknicken. Ich schwamm, ohne den Grund zu sehen. Ich tauchte zum ersten Mal mit Flossen und einer schweren Sauerstoffflasche am Rücken.

Ich liebe diese Stadt und ich hasse sie gleichermaßen, aber ihre wunderschönen Plätze werden nie aufhören, mich zu verzaubern.

Ich war Burgfräulein für eine Nacht.

Ich ließ mich vom Sommerregen kühlen.

Ich bestieg meine ersten drei Klettersteige, erkannte Fortschritte, verliebte mich wieder neu und unsterblich in die Natur dieses Landes, überschritt meine Grenzen, schaffte mehr, als ich mir zugetraut hätte, rutschte ab, holte mir blaue Flecken und bin voll und ganz infiziert mit dem Virus der Sehnsucht der Weite, der Freiheit, der Echtheit, der Grenzerfahrung.

Dieser Sommer hat mir so Vieles gegeben, das ich mir so lange gewünscht habe und es fällt mir dieses Mal schwer, mich zu trennen, auch wenn bereits schon wieder so Vieles auf uns wartet. Ich möchte noch einen Moment innehalten, atmen und das Gefühl dieses Sommers noch einmal ganz tief in mir aufnehmen, bis ich bereit bin, es zu den Akten zu legen.

Diesen Sommer durfte mein Herz erstmals wirklich spüren, was mein Kopf schon lange weiß: das Glück, hier zu leben.


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