Mein Wort für 2018 und ein Splittermoment.

Ohne Bilder.

Es war vor einer Woche, der 3. Tag in diesem neuen Jahr. Den ersten verbrachten wir weitgehend erschöpft und auf der Couch gammelnd, da wir seit langem mal wieder ein sehr ausgiebiges und lustiges Silvester gefeiert hatten. Am 2. läutete der Wecker zu früh, wir waren noch nicht wieder erholt von der durchtanzten Nacht und pilgerten zum Geburtstagsfrühstück. Den restlichen Tag verplemperten wir im Dorotheum, beim Essen und mit einem neuen PC Game. Doch am 3. war es an der Zeit, das frisch geschlüpfte Jahr beginnen zu lassen. Ich warf einen Blick in die To Do Liste, raffte mich zu einem Anruf auf, begann mit dem Basteln der Dankeskarten und vor allem: zeichnete mein Wort für dieses Jahr, in dem das 21. Jahrhundert nun Volljährigkeit erlangen sollte. Ich bin kein Numerologe, habe aber dennoch gewisse Affinitäten oder Antipathien zu zahlen. An sich mag ich ungerade Ziffern und Zahlen, geraden gegenüber hege ich meist eher eine Abneigung, außer es sind runde Zahlen und üblicherweise mache ich bei der 8 eine Ausnahme, da sie das aufgestellte Unendlichzeichen ist und unabhängig davon recht hübsch aussieht. Ich wollte in diesem Jahr also eine Ausnahme machen und die gerade Zahl am Ende nicht vorverurteilen.

Ich zeichnete mein Wort, dessen Findung etwas länger gedauert hatte als die Gelassenheit 2017. Zuerst kam mir der Selbstwert in den Sinn, doch ich war nicht restlos überzeugt, mein Gefühl sagte mir, dass es etwas besseres geben müsse. Und dann kam es, im Halbschlaf, kurz vor dem Aufwachen, da dachte ich: was ist das Gegenteil von ängstlich sein? Etwas, das Furchtlosigkeit ausdrückt, ohne eine Negativbezeichnung zu sein. Und da war mein Wort:

Mut

2018 möchte ich mutig sein. Ich will mutig sein und tun, was ich für richtig halte. Ich will mutig sein und Entscheidungen nicht aus Angst, sondern aus Überzeugung treffen.

Mut, Mut, Mut. Was für ein wunderbares Wort, das in meinem Leben und in meinem „Gedankenschatz“ viel zu kurz kam, da es immer die Sicherheit war, die meine Werte dominiert hatte. Durch sie entfernte ich mich immer weiter von dem, was ich bin und was ich sein möchte und daher bemühe ich jetzt den Mut, um mir wieder näher zu kommen.

Ich will mutig sein und mein Leben in die Hand nehmen. Denn ich habe nur eines und es ist dieses und am Ende ist es sowieso vorbei.

Ich war beschwingt und begeistert, ich empfand genau das, was ich empfinden wollte, wenn ich mein Wort gefunden hatte. Ich glaubte, Recht zu behalten, oh ja, dieses Jahr könnte wundervoll werden, gerade Zahl hin oder her.

Nach einem wunderbaren Abend mit Musical Melodies von Mark Seibert war ich so voll Energie, ja, das bin ich! Doch dann kam die Hiobsbotschaft. Eine Whatsapp-Nachricht auf meinem Sperrbildschirm, liebe Christina, Nadine hat… und ohne weiterzulesen wusste ich, dass es nun passiert war, worüber ich mich schon lange sorge. Trotzdem kam es so unerwartet, denn ich hatte gedacht, ich dürfe mich verabschieden. Es ist so vieles unfertig, ungesagt, unerzählt, aber vermutlich liegt das in der Natur der Sache, in diesem Alter. Nur wenige Stunden später faltete ich das Kuvert für ihre Karte, die ich ihr mit ein paar Bildern der Hochzeit beim nächsten Treffen mitbringen wollte. Nun werde ich sie wohl auf ihr Grab legen.

Aber dafür verspreche ich eines: Nadinechen, ich werde für dich mutig sein, weil du es nicht mehr kannst. Ich werde jeden Tag aufstehen, für dich, weil es dir nicht mehr vergönnt ist. Ich werde Bergluft und Meerluft und Wienluft atmen und dir von jedem meiner Atemzüge ein klein wenig abgeben. Ich bemerke erst jetzt, wie oft ich an dich denke. Und weil ich sonst nichts mehr tun kann, werde ich versuchen, die beste Version von mir zu sein, die mir möglich ist, denn das ist dein Vermächtnis.