Mein Lightroom-Workflow & Lieblingspresets

Ich starte ins neue Jahr mit so etwas wie einem kleinen Tutorial, denn die liebe Anne von vom-landleben.de hat mich auf die Idee gebracht, einen Post über meinen Lightroom-Workflow zu schreiben und das fand ich eigentlich eine schöne Posting-Idee. Zumal ich da dem einen oder anderen von euch vielleicht am Ende des Posts auch noch eine kleine Freude machen kann 🙂

Fotografie & Bildbearbeitung – ein wunderbares Hobby, das enorm zeitintensiv ist. Wenn man – wie ich – kein über die Maßen geduldiger Mensch ist und Zeit immer und überall der verknappende Faktor ist, dann braucht man gewisse Abläufe, um einerseits sich selbst gerecht zu werden, aber andererseits auch nicht sein ganzes Leben vor dem Bildschirm zu verbringen. Meine Fotos liegen mir so sehr am Herzen wie wenig anderes „Dingliches“. Sie sind mein Denkarium, meine ausgelagerte Erinnerung, meine Biografie. Sie speichern meine Gedanken und Gefühle und ermöglichen mir eine weit intensivere Erinnerung an Erlebnisse, als ich sie ohne visuelle Behelfe hätte. Ihr seht also – es ist mir schon wichtig, dass meine Bilder liebevoll und mit dem Respekt behandelt werden, der ihnen gebührt. Gleichzeitig muss aber auch noch Zeit zum Leben bleiben, für Freunde, Beziehung und auch für Bücher und Serien, daher habe ich aufgegeben, perfektionistisch zu sein und begnüge mich mit den bestmöglichen 90 %, die ich aus 40 % der Zeit herausholen kann. Maßgeblich dafür, dass ich mit dem Endergebnis meiner Bilder zufrieden bin, sind die so genannten „Presets“. Wir kennen sie besser aus mobilen Apps unter dem Titel „Filter“ (obwohl ersteres wohl eher korrekt ist) – aber ihr wisst schon, was ich meine.

Lightroom ist ein Wahnsinnstool, von dem ich vielleicht 5 % kenne und verstehe. Dennoch ist es für mich das beste, um meine „großen“ Bilder zu bearbeiten und meistens (!) benötigt die Bearbeitung eines Bilds nicht länger als 1, 2 Minuten. Hierbei kommt mir die

Entwicklung zu einheitlichen Bildlook: Die Farbgebung

zugute. Ich bin nicht über die Maßen konsequent im Umsetzen eines Looks, weil ich so unterschiedliche Dinge fotografiere, mich in den Motiven nicht einschränken will und außerdem jedem Bild, das mir etwas bedeutet, gerecht werden will. Aber ich arbeite mit Galerien und sammle Bilder zusammen, denen dasselbe Styling steht und damit bin ich schon einmal wesentlich schneller als früher, als ich für jede einzelne Datei alle Vorgaben durchgeschaut habe.

Organisation ist die halbe Miete: die Lightroom Bibliothek

…und die sieht bei jedem anders aus. Das ginge natürlich noch besser, aber jeder hat seine Spleens und ich mag es so am liebsten. Also: wenn ich von einem Fotoausflug zurückkomme, lade ich erst einmal alle Bilder in Lightroom. Danach klicke ich mich schnell durch die gesamte Galerie und lösche einmal alles, das unscharf ist oder mir von Motiv und Aufbau letztlich nicht gefällt. Dann bleibt noch eine Anzahl Motiven zurück, wo es natürlich auch nocht viele Redundanzen gibt. Hier entscheide ich meist im Vorfeld, ob ein Motiv wichtig genug ist, davon mehrere Bilder zu zeigen (wie die Golden Gate Bridge oder Schönbrunn oder oder oder) oder ob ich mich für das beste Motiv einer Serie entscheide und es im Rahmen eines übergeordneten Themas online stelle. Dadurch entwickle ich langsam ein Gefühl dafür, was zusammenpasst und was letztendlich wie online kommen kann.

Nach der gedanklichen Gruppierung der Elemente geht es los mit dem Probieren. Handelt es sich um Nachtaufnahmen? Um Natur oder Architektur? Je nachdem, zu welchem Thema die Serie fotografiert wurde, greife ich auf meine Lieblingspresets zurück und probiere ein bisschen herum, bis ich einen Look gefunden habe, der mir gefällt und zu Stimmung und Thema passt.

Kopierfunktion, ftw: Presets nutzen und kopieren

Eine der besten Funktionen aller Zeiten ist die Kopierfunktion. Denn nun muss ich nicht jedes Mal ein neues Preset anlegen oder eines aktivieren und dann manuell wieder nachziehen, sondern ich kann für eine Serie einfach von einem fertig bearbeiteten Bild die Einstellungen kopieren und auf jedes andere, das ich in Lightroom geladen habe, übertragen. Dann ist die Nachbesserarbeit schon wesentlich weniger aufwändig, denn meist muss ich dann nur noch ein bisschen an Helligkeit und Klarheit und an den Einstellungen der Gradationskurven bzw. des Histogramms herumwerken (das hört sich aufwändiger an als es ist – nach den ersten paar bearbeiteten Bildern dauert das grade mal eine Minute).

So – und das war auch schon fast alles.

Letzter Feinschliff: Zuschneiden und Bereichsreparatur

Normalerweise achte ich beim Fotogafieren auf den Bildausschnitt. Da ich gerne die volle Dateigröße zur Verfügung habe, bin ich nur selten ein Fan vom Zuschneiden. Manchmal lässt es sich jedoch nicht vermeiden, entweder, weil man nicht das richtige Equipment dabei hat, oder weil es nunmal nicht die perfekte Perspektive gibt, oder oder oder. Dann behelfe ich mir gelegentlich mit dem Zuschneidetool.

Ein weiteres Tool, das ich sehr liebgewonnen habe, ist die Bereichsreparatur. Oft hat man Staub auf der Linse oder einen verschwommenen Vogelfleck im Himmel oder andere Elemente, die die Bildharmonie stören. In nicht seltenen Fällen gehöre ich zu den unordentlichen Menschen, die das erst bemerken, wenn mich jemand aus meinem Kommentatorenclub darauf aufmerksam macht. Mea culpa! Gelegentlich springt es mir dann aber auch selbst ins Auge und dann bin ich sehr dankbar für dieses wunderbare, Photoshop entlehnte Werkzeug, das mit einem Klick kleine Bild“fehler“ ungeschehen macht.

Zusammenfassend kann ich also sagen: wichtig für mich, um die Zeit, die ich für die Bildbearbeitung aufwende, möglichst gering zu halten und dennoch ein passables Ergebnis zu erzielen, ist zuerst einmal der Überblick über meine Bilder. Denn erst, wenn ich weiß, was wie zusammenpasst, was sich wie gruppieren lässt, kann ich ein Gefühl für die Stimmung entwickeln, die ich den Bildern geben kann und die für mich das wichtigste ist. Danach geht es ans Aussuchen des Farblooks über die Presets, die derzeit für mich am besten passen. Das ändert sich im Laufe der Zeit bei mir übrigens immer wieder, da auch Bildbearbeitung stark gewissen modischen Trends unterworfen ist und für mich auch auf Jahreszeit und Motiv ankommt. Wenn ich mich entschieden habe, welche Stimmung die Bilder vermitteln sollen, wird dieser Look auf all jene Motive, die ich gruppieren will, via copy und paste übertragen und manuell nochmal nachgebessert, wenn es notwendig ist. Wenn zusammenpasst, was zusammengehört, wird noch ein bisschen ausgerichtet, transformiert und bereichsrepariert.

Als allerletztes werden die Bilder einmal in voller Größe und Qualität exportiert und dann noch einmal für den Blog. Hier nehme ich folgende Einstellungen vor: In Bildschirm einpassen: Lange Kante mit 1200px, Auflösung 150dpi und meinem Logo als Wasserzeichen.

Beispiel – Ausgangsbild (Out of Cam):

Zum Abschluss hab ich dann noch was Tolles für euch: Links, wo ich meine liebsten Presets herhabe, die ich in meinem Lightroom ein bisschen angepasst habe und die bei den meisten meiner Bilder Verwendung finden:

VSCO Looks:

https://drive.google.com/open?id=1RwyS4_e8rmcsZq0lXKY36fWtDkgw0lKf

Presets von Fab Vienna, die ich nach Rücksprache euch hier freundlicherweise zur Verfügung stellen darf:

https://drive.google.com/open?id=1VIm4addyw3xSl1TKXojavWwqm9IUNcgg

https://www.instagram.com/fabolus_vienna/

Presets von zwei tollen Weddings-Photographers. Die Presets sind nach Anmeldung im Store kostenlos:

https://store.carmenandingo.com/download-free-presets/

Ein weiteres Set toller Presets findet ihr bei Jennifer Wettig:

https://jennifer-wettig.de/lightroom-presets/

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Jede Variante wäre für mich im Rahmen der Galerie drumherum denkbar. Es gibt Bilder, bei denen sofort klar ist, welche Stimmung sie transportieren sollen und bei denen die Auswahl einfach ist. Und dann gibt es wiederum Motive oder Serien, bei denen ich lange tüftle, weil ich mehrere Versionen mag und es mir schwer fällt, mich auf nur eine zu beschränken. Ich finde es jedenfalls immer und immer wieder enorm spannend, mit dem mächtigen Programm Lightroom zu experimentieren, zu sehen, wie sehr sich die Bildaussage durch die Bearbeitung ändert – und habe aber dennoch den Ehrgeiz, mich nicht völlig in den Tiefen und Untiefen des Programms zu verlieren, obwohl es immer wieder dazu einlädt.

So, nun hoffe ich, dass für den/die eine/n oder andere/n von euch etwas dabei war, das euch Freude macht, ob es ein Tipp oder eines der Presets ist und wünsche euch allen noch einmal einen wunderbaren Start ins neue Jahr!

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