Neuerscheinung Selbstfürsorge

Schneequadrate und weiße Bäume und warum ein Kreatief okay sein kann.

Ich habe eine Fotogratief. Seit unserer Hochzeitsreise im April/Mai habe ich kaum noch eine von den Kameras in der Hand gehabt. Nur der Apfel, der ist mein ständiger Begleiter, dokumentiert und konserviert Momente, aber um des Festhalten Willens, nicht, um wirklich zu sehen. Denn das ist der Unterschied, zwischen der Dicken und dem Schlanken. Die eine ist dazu da, ruhig zu werden, geduldig zu sein, die Welt bewusst anschauen, einen Schritt zurückzugehen, von draußen zu betrachten, zu gestalten. Der andere ist just point and click, mitnehmen was geht, ein visuelles Denkarium.

Die Luft ist ein bisschen draußen aus dieser Geschichte. Alles hier schon x Mal gesehen, die Entwürfe voll und voller von diesen umwerfenden, alles überlagernden Erinnerungen, wozu also dem x-ten Blatt, dem zigsten Gegenlicht nachjagen? Wozu?

Die Wahrheit ist: ich weiß es nicht. Vielleicht für nichts. Die Fotografie ist in mein Leben getreten, als es sehr düster war und sie hat mir geholfen, Licht zu finden. So sehr. Sie hat mich gerettet. Ich bin ihr ewig dankbar und verbunden. Aber sie ist ein bisschen zu einer Last geworden. Von einem Zepter zur Krücke. Ich muss, muss, muss, denn ich versäume. Alle größeren Planungen darauf ausrichten, wo es etwas zu Fotografieren gibt. Alle Aktivitäten immer vom beobachtenden Posten mitzuerleben, um kein Motiv zu verpassen und dann doch zu finden, dass the perfect shot nicht dabei war. Frust statt Freude.

Ich habe vor langer Zeit aufgegeben, der Perfektion nachzujagen. Das ist einer der Gründe, warum der Schlanke immer öfter gefühlt ausreicht. Warum ich mich nicht mit der Dicken belasten will. Die Zeiten ändern sich. Die Zeiten ändern dich. Und das ist gut so. Man muss es nur wahrnehmen, zulassen und nicht krampfhaft an Gewohnheiten festhalten, weil sie eben gewohnt sind.

Ich liebe die Fotografie und auf die eine oder andere Art kann ich mir kaum vorstellen, dass sie nicht immer Bestandteil meines Lebens bleiben wird – so lange es sie als Medium gibt. Aber es ist in Ordnung, Veränderung zuzulassen. Es ist in Ordnung, wenn die Dicke auch mal Staub ansetzt. Wenn ich an einem Blatt vorbeigehe und sei es auch noch so schön. Wenn ich einfach nur durch die Schneelandschaft gehe oder fahre und sie im Moment wahrnehme, denn das ist es, worauf es wirklich ankommt.

Sieh. Spüre. Begreife. Das Leben ist jetzt. Und sollte ich diese Erkenntnis beginnen zu verlieren, weiß ich ja, wo ich sie wieder suchen kann.

43 Kommentare

    1. danke für das wunderbare kompliment! es hilft mir oft, dinge die ich spüre in worte zu fassen. und ja, das LEBEN, auf das man immer wartet, während es gefahr droht, an einem vorbei zu ziehen…

      1. Manche Leute stellen an ihr Leben viel zu viele Ansprüche, permanent, und zerstören damit ein gut Teil davon …
        Liebe Abendgrüße vom Lu

  1. Ja, das ist doch eine super Erkenntnis! Veränderung macht wahrscheinlich immer nachdenklich, weil wir Gewohnheitstiere sind – aber umso besser, wenn man sich drauf einlassen kann.

    1. ja, ich denke auch, dass das in der natur der sache liegt. aber wie sagt man so schön „das einzig beständige ist die veränderung“ – also besser, sie so gut wie möglich anzunehmen.

  2. Ach, diese weiße Pracht wirkt aber gar nicht so fotograkreauntief … 😉 Sehr winterlich. Und das Leben ändert sich und einen ohnehin ständig. Es ist ein/im Fluss!

    1. das stimmt – aber die bilder sind ja auch schon 2 jahre alt und wurden von mir noch einmal neu bearbeitet 🙂
      wie hat einer der schlauen griechischen philosophen schon gesagt? panta rhei – alles fließt.

  3. Stimmt, es gibt diese Tiefs. und ich halte es für extrem wichtig, auf solche Tiefs zu reagieren. Nicht mit Aktion sondern einfach darauf hören und sie zulassen. Die gehen auch wieder weg, manchmal schnell manchmal langsam. Aber vertreiben ist schwer, von daher lass sie zu und komm eines Tages voller Schwung wieder. Und bis dahin teile ruhig Deine Gedanken, das hilft ja auch immer 😉

    1. das denke ich auch. je mehr man dagegen arbeitet, umso mehr verfestigen sich diese zustände glaube ich. wenn man sie einfach sein lässt, bemerkt, dann ziehen sie auch wieder vorbei. es fällt mir nur manchmal schwer hinzunehmen, dass ich so wenig worte finde, obwohl mein kopf so voll davon ist und sie sich so schwer mit bildern verknüpfen lassen, von denen ich so viele zu zeigen hätte… aber auch das ist wohl eine übung, diesen zustand anzumnehmen und nicht etwas anderes erzwingen zu wollen.

      1. Und lass Dir das von aussen sagen, Deine Beiträge reflektieren momentan schon eine gewisse Schwere, sie sind also ehrlich und kommen nicht gekünstelt daher… Das muss man auch erstmal schaffen…

      2. ❤ ja, das tun sie wohl. drum sind es auch weniger geworden, weil das oberflächliche bilderzeigen einfach grade noch weniger zu mir passt und für mich sehr unbefriedigend ist. es geht viel vor in mir, wie immer und dann oft auch noch durch das studium und die selbsterfahrung angestoßen. bis sich da gefühle zu gedanken und zu worten formen dauert es einfach seine zeit…

    1. das ist vermutlich ganz normal. für mich ist es nur ungewohnt, weil die intensive fotografiephase eigentlich über jahre angehalten hat, aber durch die wesentlich besseren smartphonekameras hat sich einfach auch mein fotografieverhalten sehr verändert…

  4. Ich sehe das immer auf meiner Festplatte. Da fehlen manchmal ganze Monate, in anderen gibt es nur ein paar Fotos von den Katzen. Da fotografiere ich nur in den Urlauben, aber nicht im Alltag… so gehts manchmal.
    Ich hatte jetzt auch monatelang echt ein Schreibetief. Irgendwie hab ich kaum noch gebloggt. Irgendwie sind auch meine treuen Leser und Kommentierer dadurch ziemlich abgesprungen :-/

    1. ich kenne das… im internet verändert sich alles rasend schnell und wenn man mal ein paar monate nicht dabei ist, dann sind auch x andere schon weg und eben keine neuen dazugekommen. ich merke es ja bei mir selber, ich habe nur mehr ganz selten und wenig zeit, zu bloggen und zu kommentieren. es ist schade, aber das leben lässt sich leider manchmal nicht aufhalten. ich hoffe jedoch, dass du trotzdem nicht ganz den spaß dran verlierst ❤ für mich sind das oft auch phasen in denen ich mich irgendwie wieder mehr drauf besinne, das ganze blogzeug wenn dann vor allem für mich zu tun, dann finde ich meist auch wieder mehr freude.

  5. „Die Zeiten ändern sich. Die Zeiten ändern dich.“ Das hast du so schön gesagt und genau, man kann sein Hobby nicht immer zu 100% gleich lieben und das ist auch vollkommen okay.

  6. Liebe Palaica,
    Du schreibst mir wieder einmal aus dem Herzen heraus … wie schon so oft. Bei mir ist die Fotografie und somit auch der Blog momentan auch in der Versenkung gelandet. Ab und an mache ich einige Bilder, aber ich habe auch das Gefühl, alles schon einmal augenommen zu haben …. und ständig diese Suche nach dem richtigen Motiv. Bei mir war der Auslöser die Gesundheit, die mich nicht mehr machen ließ, was ich doch so lange gewohnt war. Aber es ist gut so, ich habe nun wieder angefangen zu malen ….. wie ich es vor über 20 Jahren einmal getan habe. Auch dieses Hobby schult das Auge, man muss sich jedoch für einen eingefangenen Moment deutlich mehr Zeit nehmen und das gefällt mir. Ich wünsche Dir ein friedliches Weihnachtsfest und ruhige Momente, die im Gedächtnis bleiben mögen …. LG MarionNette

    1. oh wirklich? malen ist ja auch ein tolles hobby. das finde ich wirklich schön, ich selber bin aber irgendwie total talentfrei dafür, leider. vielleicht ist das einfach an die stelle des bloggens gerückt – mehr im innen als im außen…
      auch für dich ein wunderbares fest und einen schönen start ins neue jahr!

  7. Hi!
    Ich hatte vor vier Jahrendas letzte mal einen Pinsel in der Hand und hab damals eines meiner gelungensten Bilder gemalt. Irgendwie war dann die Luft in punkto Malerei draußen, und ich habe mich noch intensiver in die Fotografie gestürzt. Gestern habe ich seit langen wieder mal etwas gezeichnet, auch wenn es nur eine Einladung für eine Silvesterparty war hat es mir großen Spaß gemacht, mal schaun vielleicht schwing ich im neuen Jahr doch wiedermal den Pinsel.
    Alles hat so seine Zeit. Und oft ist es besser man lasst die Dinge eine Weile in Ruhe und wartet bis es wieder kribbelt in den Fingern. Ich habe auch des öfteren so Schaffenspausen.

    LG Peter

    1. lieber peter, danke fürs teilen deiner eigenen erfahrung, es tut immer gut zu sehen, dass es anderen ähnlich geht. toll, dass du doch mal wieder gezeichnet hast und wer weiß, vielleicht kommt es auch wieder? ich habe auch gelernt, dass etwas erzwingen überhaupt keinen sinn macht, davon entfernt man sich maximal noch weiter davon.

      1. Genau 🙂 . Und oft führt auch eines zum anderen, ich seh die Zeit wo ich viel gemalt hab nachträglich auch ein wenig als Wegbereiter in die Fotografie.

      2. das ist absolut richtig. und bei mir war die fotografie immer ein mittel dazu, zu sehen, wahrzunehmen. etwas, das mir aktuell eigentlich schon sehr gut gelingt. ich bin sehr oft überwältigt von schönen dingen, die ich sehe und gleichzeitig auch oft frustriert, weil ich es nicht schaffe, ihnen fotografisch gerecht zu werden. vielleicht rührt da auch einiges an dieser gewissen lethargie her…

  8. So wie die Felder brauchen auch wir Zeiten der Brache. Es fühlt sich vielleicht leer und unproduktiv an, aber in uns wird „ der Boden“ für neues Wachstum bereitet. So empfinde ich das.
    Liebe Grüße zu dir.

    1. was für ein schönes gleichnis, danke liebe beate dafür! ja ich denke eigentlich auch, dass es so ist – solang man nicht die verbindung zu sich selbst verliert!
      alles liebe für dich!

  9. Tief nenne ich es mittlerweile nicht mehr. Es ist schon ein merkwürdig Ding bei uns Fotografen, dass wir meinen, es läuft nur rund, wenn wir die Welt permanent durch den Sucher betrachten. Wir meinen, eine Kamera muss immer dabei sein und die Speicherkarte voll mit tollen Bildern, was auch immer das Kriterium dafür sein mag….. Ich kenne kaum eine andere kreative Branche, in der dieser Maßstab vom Künstler selbst angelegt wird. Ich mache ein Bild, also bin ich? 😉 Hmm, das könnte ich eigentlich in einem Blogpost weiterdenken 👍.

    1. hm, das ist ein interessanter gedanke. aber JA, dem kann ich definitiv zustimmen. tage existieren grade in der retrospektive für mich dann nur wirklich, wenn ich eine visuelle erinnerungsstütze daran habe. ist das nicht verrückt?
      auf den post dazu bin ich schon gespannt 🙂 !

  10. Alles hat seine Zeit und jetzt ist halt etwas anderes wichtig. Du weißt aber, wie man mit der Dicken umgeht und könntest es im Zweifelsfall – wenn Du es wolltest … Warum etwas tun, was man nicht tun möchte – nur um anderen zu gefallen? Wenn es eine Last ist, kann es nicht Hobby und schön sein – also nimm die Schlanke, die ja mittlerweile echt gute Bilder machen kann! Und vor allem – mach Dir keinen Kopp drum! Ich wünsche Dir und Deinen Lieben zauberhafte Weihnachten und ein Neues Jahr mit vielen glücklichen Tagen!

    Herzliche Grüße
    Birgit

    1. ja, du sagst es. für mich war die fotografie eine lange zeit aus bestimmten gründen extrem wichtig und hat mir sehr geholfen, aber vieles in mir hat sich verändert und jetzt ist halt oft das gefühl „wofür“ – und solange das so ist und es sich mehr wie eine belastung anfühlt, werde ich es einfach lassen und mich auf momentaufnahmen beschränken.
      ich hoffe liebe birgit, du bist gut im neuen jahr angekommen! alles liebe für dich!

  11. Ich bin sicher irgendwann packt dich die Motivation wieder, aber wenn es im Moment so ist, dann ist es einfach so… Wäre ja schade, wenn sich das ganze mehr als Frust als Lust anfühlt. Und ja, es tut bestimmt gut, Dinge im Moment wahrzunehmen, ohne den ständigen Drang es als perfektes Foto festhalten zu müssen. Vielleicht schaffe ich das ja auch einmal, wobei meine spiegellose meistens klein genug ist um sie fast überall hin mitzunehmen 😉 Dass du ein gutes visuelles Gespür hast, hast du uns zu genüge bewiesen, deshalb machst du mit dem Apfel bessere Bilder als viele andere mit der DSLR 😉

    1. 🙂 🙂 danke für deinen letzten satz! bei mir ist halt ein großes thema, dass mich die auswahl an technik oft eher einschränkt und belastet und mir die eingeschränkten möglichkeiten der smartphones daher gar nicht ungelegen kommen. hier muss man einfach das beste draus machen mit dem was man hat und das liegt mir offenbar mehr, als in einer situation zu entscheiden, mit welchem equipment ich am meisten aus einer szenerie rausholen kann. mit dem smartphone habe ich den drang ja auch noch, aber durch die verschiebung der medien, die überquellenden entwürfe hier und meine nutzung von instagram rein durch apfelfotos hat sich wohl der fokus verändert. aber es ist nunmal wie es ist udn auf reisen schleppe ich ja doch immer noch etwas mehr mit, weil mir die qualität da dann nicht reicht. aber für den alltag passt es gut und für fotoausflüge in dem sinn ist wohl einfach grade nicht die zeit.

  12. Dein Blogartikel spricht mich sehr an – gerade heute habe ich auch etwas zum Thema mangelnde Kreativität verfasst 😉
    Mir ist es im letzten Jahr ähnlich ergangen und ich suche neue Wege, um wieder mehr Spass an der Fotografie zu entdecken. In den letzten Jahren hatte ich andere Prioritäten und da darf das Fotografieren auch mal zu kurz kommen oder es wird halt nur schnell ein Handyfoto gemacht (mittlerweile habe ich sogar eine seperate Kategorie auf meinem Blog dafür)…Trotzdem hat mir die Fotografie in den vergangenen Jahren viel geholfen, schwere Zeiten durchzustehen und sie ist nach wie vor sehr wichtig für mich!
    Naja, es wäre ja fast unnatürlich, wenn man immer voller Inspiration ist 😉
    Ich wünsche dir privat und auch für’s Fotografieren alles Gute für das neue Jahr!
    Liebe Grüße,
    Netty

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