Mein Mond und ich

Es gibt Bilder auf dieser Welt, die lassen uns nicht mehr los.
Einmal geprägt, erinnern sie uns immer wieder an den Moment, als wir sie zum ersten Mal ‚richtig‘ wahrnahmen.

Vor 5 Jahren, 2 Monaten und 3 Wochen saßen wir auf dieser Parkbank. Nach einem Heurigenbesuch. Nach einem Heurigenbesuch saßen wir also auf dieser Parkbank mit Blick über die beleuchtete Großstadt. Du saßest in meinem Leben, und wir schauten auf deins. Ich fühlte mich wohl in deiner Nähe. Geborgen. Doch ich war nicht sicher. Bis ich nach oben schaute, und der Mond mir buttergelb zulächelte. In diesem Moment hatte ich das Gefühl, mein Herz wäre auf einmal doppelt so groß und ein Eimer Glück wäre über mir ausgeleert worden. Überall kribbelte und prickelte es, von den Haar- bis zu den Zehenspitzen. Ich weiß nicht, ob du diesen Moment bemerkt hast. Ich glaube, ich nahm deine Hand, damals. Wir plauderten noch weiter, vertraut, als würden wir uns schon ewig kennen.
Doch irgendwann – ich war ja erst 16 – mussten wir die gemütliche Parkbank und den lauen Sommerabend hinter uns lassen. Nachhausegehzeit. Am Weg in die Realität gab es noch eine Seitengasse, in die ich dich fast unmerklich hineinschubste. Ich zeigte gen Himmel und sagte: ‚Schau, der Mond ist doch heute wunderschön!‘. Und als du dann deinen Blick von diesem verzaubernden Himmelskörper wieder abwandst um mir verstohlen in die Augen zu blicken, hatte er mir genau soviel Mut gegeben, dich zu küssen. Der Abend, die Zeit nach wochenlangem hin und her endete mit einer SMS meinerseits – ‚wenn du möchtest darfst du das als Entscheidung verstehen :)‘.

Seitdem stand unsere Beziehung unter der Patronanz des Erdtrabanten. Und schon wieder wollte ich schreiben ’steht‘. Denn so wie unser Maskottchen zunimmt, abnimmt, und sogar manchmal verschwindet, so empfinde ich dich. Was gibt es für eine passendere Metapher für eine Beziehung als diese? Sogar im Juli saßen wir noch am Strand von Rimini und küssten uns unter seinem kühlen, sicheren Schein.
Es gibt Hochs und Tiefs. Und manchmal verliert man sich sogar aus den Augen. Doch durch den Schutz des Mondes werde ich den Glauben nicht los, dass du nicht verschwindest. Du bist Teil meines Lebens. Die letzten 5 Jahre warst du es sehr intensiv, die aktuellen 3 Monate nur bedingt. Aber immer präsent. Ich spüre dich und deine Kraft und deine Anziehung. Und durch den verdammten Mond haftet der Glauben in meinem Herzen und schlimmer noch, in meinem Kopf, dass du wiederkommst. Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Denn auch der Mond erscheint jedes Mal erneut… Und das bist du, mein Mond, mein ständiger Begleiter.

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Paleica

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

19 Kommentare zu „Mein Mond und ich“

  1. Wow..wunderschön (traurig) geschrieben

    Gut, ich bin wohl noch nicht in dem Alter, um Ratschläge oder ähnliches zu geben. Ich glaube, die willst du auch gar nicht hören und ich bin mir auch nicht sicher, ob man in so einer Situation überhaupt Ratschläge geben kann, aber mein wirrer Verstand sagt mir: Leide! Übertreib es damit nicht, aber ich glaube, da muss man einfach durch. Das muss ich dir wahrscheinlich auch nicht sagen…
    Aber die Zeit geht vorbei und irgendwann erkennst du, dass es noch viel mehr Monde gibt, die du jetzt nur noch nicht siehst..und auch nicht sehen willst.

    Es haben auch schon ein paar andere vor dir geschafft, du bist nicht allein! Ich wünsche dir alles Gute dabei!

    So und jetzt darfst du dir sagen: „Ach, halt doch die Schnauze!“ 😉

  2. Hallo paleica,

    vorhin ging eine nette Dame deren Sohn (7) der Freund meiner Vorletzten (7) ist (hier sind Schulferien, da dürfen die Kleinen länger wach bleiben…). Sie ist nicht am Ende des Trennungsjahres, sondern Monate darüber hinaus. Er hat sie und den kleinen Racker für eine „Andere“ und zwei Rackern „getauscht“. Wer weis wie es kam? Sie jedenfalls nicht. Das blinkende Licht fällt mir ein. Sie hat es auch nicht gesehen. Nun ist alles sehr schwer. Wir gewähren ihr gerne Asyl, wenn unsere bescheidene Zeit es her gibt. Sie braucht das Gespräch. Die moralische Unterstützung für all die Amtsgänge, weil ihm sein leibliches Kind scheinbar absolut egal geworden ist. Der Kleine leidet sehr. Er ist verwirrt. Versteht nicht einmal was hier vorgeht. Er stellt Fragen. Unangenehme Fragen. Sie ist manchmal reichlich verzweifelt. Kommt her und kocht mit meiner Frau für dann ein halbes Dutzend Kinder, plappert und schnattert über Belanglosigkeiten, freut sich an all dem Lärm, dem Geschrei der vielen Kindern, dem glücklichen Spiel ihres Sohnes, dem Leben an und für sich. Hier tankt Sie Mut und neue Kraft.

    Geh hinaus und Lebe! Tanke Mut und Kraft. Ein positiver Mensch wie Du hat bestimmt die eine oder andere Tankstelle in seinem Umfeld 😉

    LG

  3. Ein sehr tiefsinniger und bewegender Text, der zum Nachdenken anregt und keinerlei weiterer Worte bedarf…
    Sei lieb gegrüßt und laß Dir den Mond nie nehmen.
    Kvelli

  4. eine bewegende, doch traurige züge tragende geschichte. ich kann mir vorstellen, wie diese gefühle wirbel der gedanken, wünsche und träume aufwirbeln…

    ist meine mail gar nicht angekommen? frag nur, weil ich keine antwort bekam.
    melde mich jetzt auch vom urlaub zurück.

  5. Eine wahnsenig schöne Liebesgeschichte bze. Erklärung, die tief unter die Haut geht.
    Ja, jedes Leben wird von Neuem und Veränderungen geprägt. Aber die schönen Erinnerungen und die Hoffnung selber kann einem keiner nehmen. NIEMALS!!!

  6. Wunderschön, die Bilder und wie du das Gefühl beschrieben hast. Da bekomme ich gleich wieder Regentupfer in die Augen *gg*!
    Ich sende dir liebe Grüße und wünsche ein wunderschönes Wochenende!

    Angie

  7. Wie lange war ich nicht mehr hier …
    und werde jetzt begrüßt von so einem schönen Blog, mit vielen bezaubernden Einträgen. Mir gefallen die „Blickwinkel“-Fotografien.
    Auch einen schönen, inspirierenden und auch irgendwie traurigen Eintrag hast du hier gemacht … =)

    Liebe Grüße
    Flügel

  8. paleica, es gibt in WP eine einstellung, in dem man einen bestimmten beitrag „oben“ lassen kann. man kann also neues hinzufügen, ohne das der „wichtige“ beitrag verschwindet. muss mal gucken, wo das noch zu finden war.

  9. An Wortman & paleica
    .. wegen der Einstellung – einen gewissen Artikel immer als ersten gereiht zu haben: Bei Artikel schreiben – oder halt bearbeiten – rechts oben unter STATUS .. Artikel immer als neuesten zeigen – im Kästchen ein Häkchen machen.
    Liebe Grüße an Euch beide ..

  10. meine Zweibeinerin sagt: In solchen Phasen ist es sinnvoll das zu tun, was man gerne tut, aber die Motivation verloren hat. Und schwarz/weis soll da ganz dolle helfen, hat sie noch gesagt.
    ich knuddel dich mal hinter deinen ohren und schnurr dir ins selbige ;-))

    1. nein – die beschäftigung mit den irren gedanken der anderen macht glaub ich manchmal den eigenen freien geist ein wenig kaputt. also ich glaube, wenn man sich ernsthaft mit feuerbach&co auseinandersetzen muss, verliert man die freude am denken 😉 aber ich nehme das kompliment… 🙂

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