Blogparade: Wie weit darf Bildbearbeitung gehen?

Ich bin jetzt schon auf einigen Blogs über die Parade von reisen-fotografie.de zum Thema wie weit Bildbearbeitung eigentlich gehen darf, gestoßen.

Ich habe mich ja mit einer Bildergalerie aus Zusammenschnipseln zum Thema „was macht Lightroom eigentlich aus meinen Bildern“ schonmal mit diesem Thema befasst. Also im Grunde befasst man sich als Fotoblogger natürlich gewissermaßen unentwegt mit diesem Thema, weil sie sich manchmal bei jeder Bearbeitungssession neu stellt. Soll ich jedes Foto individuell nach seinen Voraussetzungen bestmöglich bearbeiten oder möchte ich einen durchgehenden Look in der Galerie? Soll das Bild seine Farbe behalten oder vielleicht un Graustufen umgewandelt werden? Passen Ausschnitt und Ausrichtung?

Meinem Empfinden nach ist Bildbearbeitung auch immer einem gewissen modischen Trend unterworfen, wie ich das schon bei der Filterra-Appvorstellung geschrieben habe. Als sich Freewares wie Photoscapes in der breiten Masse zu verbreiten begannen, waren Sepia- und Filmeffekte in starkem Gebrauch, Vignettierungen und Weichzeichner. Irgendwie eine experimentelle Phase, in der sich Colorkeys zu verbreiten begannen und sowas wie „alles erlaubt“ war, ohne viel Urteilerei. Der Trend geht nun seit längerer Zeit wieder mehr zu einer natürlicheren Bearbeitung, die weniger das Medium Foto als das Motiv selbst in den Vordergrund stellt. Auch bei mir ist das so. Während ich, als ich mit dem Bloggen begonnen habe, Bilder praktisch unbearbeitet veröfftlichte (mangels Software), hatte ich ein paar Monate später keine Skrupel, sehr verfremdende Effekte zu verwenden. Rahmen, Filmeffekte, Colorkey, Weichzeichner, Bildfehler, Unschärfeeffekte, alles wild durcheinander. Aus heutiger Sicht finde ich das meiste davon irgendwie furchtbar und frage mich, wie ich je so begeistert davon sein konnte.

Als ich Lightroom für mich entdeckte, wurden die Bilder wieder natürlicher.

Doch dann tauchten die Presets für Lightroom und die Filter der iPhonography in meinem Leben auf und auf einmal entdeckte ich damit auch wieder mehr Möglichkeiten, die Bilder stärker zu verändern.

Rückblickend muss ich jedoch erstaunt sagen, dass die stark verfremdeten Bilder tatsächlich weniger Raum einnehmen als ursprünglich gedacht. Ich suchte sichtlich bald meinen Weg in der Bearbeitung, der dem Bild die Stimmung verlieh, die ich dabei empfand, ohne auf den ersten Blick total surreal zu sein. Für alle, die zum Zeitpunkt des damaligen vorher-nachher-Beitrages noch nicht mitgelesen haben, zeige ich euch hier noch einmal einige Beispiele:

Bei mir kommt außerdem noch der Faktor Zeit dazu: ich habe nicht die Zeit (und auch nicht die Lust, zugegebenermaßen), mich jedem Bild eine Stunde oder mehr zu widmen. Also das hätte ich, wenn ich wesentlich weniger Bilder zeigen würde, aber das möchte ich nicht. Die Galerien, die ich mit euch teile, haben für mich Bedeutung und ich möchte nicht, dass so vieles davon ungesehen bleibt. Darum sollte der Bearbeitungsprozess eines einzelnen Bildes – außer in Ausnahmefällen – nicht mehr als ein paar Minuten in Anspruch nehmen – was aufwändige PS-Retusche damit schon einmal ausschließt. In Ausnahmefällen benutze ich Stempel- und Korrekturwerkzeuge, aber auch nur dann, wenn mir das einzelne Bild SEHR wichtig ist und mich ein Element SEHR stört.


So, nun kennt ihr meine persönliche Herangehensweise und die Gründe, die dahinterstehen: nämlich das Gefühl, das Bilder für mich transportieren sollen. Im Allgemeinen denke ich allerdings, dass jeder seinen eigenen Weg finden soll. Ich finde nichts davon richtig oder falsch. Objektivität in der Fotografie ist in meinen Augen ohnehin eine Illusion, da allein schon Brennweite, Blickwinkel, Verschlussdauer, Aufnahmezeitpunkt und und und dieselbige ausschließen. Warum also nicht das beste herausholen, das dem Bild innewohnt? Wo bei mir die Bildbearbeitung endet, ist die Montage. Wenn Himmel getauscht und ganze Elemente eliminiert werden, ist das Endergebnis in meinen Augen kein Foto mehr, sondern eine Grafik. Das ist auch total in Ordnung, es ist schließlich Kunst – und Kunst darf ja irgendwie alles. Es ist nur einfach für mich etwas Anderes.