#travelathome Österreich Highlights: Großglockner bei Nacht & [Wort]: tumb

Die wunderbare Bee hat mich für eine gefühlt schier unlösbare Aufgabe gestellt, als sie mir das Wort „tumb“ geschenkt hat. Seit Monaten liegt es nun in dieser Liste und starrt mich jedes Mal auffordernd an. Schon X-Mal habe ich die Duden-Seite geöffnet und mir gedacht, jetzt ist es soweit. Stunden später habe ich sie frustriert wieder geschlossen und bin ohne Beitrag von Dannen gezogen. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass man Sprache und Gedanken nicht drängen kann, denn irgendwann springt der Funke und eine Assoziationskette wird ausgelöst.

Ich habe noch viel zu lernen in der Sternenhimmelfotografie. Genau gesagt habe ich keine Ahnung davon. Es fehlt mir Perfektionsgeist und Geduld. An diesem besagte Abend schüttete es allerdings wie verrückt und auf Österreichs Dach hatten wir so etwa 7 Grad – die Verlockung, nach einem langen Tag nach Besteigung der Krimmler Wasserfälle also noch in der feuchten, nächtlichen Kälte zu bibbern war endenwollend. Dennoch wollte ich das Sternenhimmelfoto nicht unversucht lassen, immerhin war die Aussicht darauf der ausschlaggebende Grund gewesen, dass wir uns für diese Unterkunft mitten am Berg entschieden hatten. Also mehrere Schichten angezogen, Fenster auf und Kamera auf dem Fensterbrett positioniert. Der Fernauslöser war wie üblich mal wieder daheim geblieben, aber dem Auslöseverwackeln lässt sich ja glücklicherweise mit dem Selbstauslöser entgegen wirken.

Wir verbrachten also mindestens eine Stunde damit, die Himmelsflecken, die nicht von Wolken verdeckt wurden, einzufangen. Währenddessen schlug mein Herz höher, denn auch wenn das Ergebnis auf der Kamera nicht meinen Anforderungen entsprach, der Himmel entsprach in jedem Fall mitunter dem schönsten, das ich mir vorstellen konnte. Ringsum waren nur die Bergspitzen zu sehen und je länger man seinen Blick in die Dunkelheit richtete, umso mehr helle Punkte und Pünktchen schienen vor unseren Augen aufzuleuchten. Die Stille und die Atmosphäre waren wunderschön.

Was hat das alles jedoch nun mit dem Begriff „tumb“ zu tun?

„Tumb“, sagt das Wictionary, bedeutet töricht, einfältig, schlichten Geistes seiend (abwertend). Als sinnverwandte Wörter werden ahnungslos, arglos, bedenkenlos, blauäugig und naiv angegeben. Beim Lesen dieser Begriffe sprangen mir sogleich ihre Gegenteil in den Sinn, vorrangig „hinterlistig“ und „durchtrieben“. Vielleicht gibt es weniger wertende Begriffe, doch so funktionieren Assoziationen nunmal. Und dann stellte ich mir eine andere Frage: ist naiv zu sein, arglos zu sein, denn so übel? Wie würde es der Menschheit ergehen, wenn mehr Menschen schlichten Geistes wären?

Wer kann, wenn er den Sternenhimmel betrachtet und diese perfekte Schönheit sieht, Pläne schmieden die jemandem schadet? Sollten wir nicht alle viel öfter tumb (bedenkenlos und blauäugig) in den Himmel schauen und naiv darauf vertrauen, dass alles gut sein kann? Würde mehr Tumbheit die Verletzungen der Erde vielleicht sogar heilen?

[Edit: soeben fiel mir ein, dass der neue Lightroom möglicherweise endlich die RAW-Dateien meiner neuen Kamera öffnen kann. Also habe ich die Bilder nochmal neu aus den RAWs entwickelt. Zum Vergleich.]


Ihr wollt mir auch ein Wort schenken? Dann bitte hier entlang 🙂