Das war 2020: mein Jahr mit dem Wort „Selbstvertrauen“

Wie schreibt man ein Fazit über ein Jahr wie dieses? Als ich im Jänner mein Wort „Selbstvertrauen“ definierte und meine Gedanken dazu hier veröffentlichte ahnte ich noch absolut gar nichts davon, was auf mich zukommen würde. Ich dachte, mein Leben wäre endlich auf Schiene, endlich – so dachte ich – war ich auf allen Ebenen dorthin unterwegs wo ich vorhatte unterwegs zu sein. Und 2020 so: hold my beer (wo kommt eigentlich dieser seltsame Meme her?)

Selbstvertrauen, mir selbst zu vertrauen, ist ein sehr altes Thema für mich.

…schrieb ich in diesem Post am Anfang des Jahres. Dass ich damit eine Büchse der Pandora geöffnet hatte, war mir nicht bewusst. Wie alt das Thema ist auch nicht. Wie tief es gehen und was ich alles ausgraben würde sah ich nicht kommen. Nur eines kann ich vorausgreifend in der Retrospektive sagen: dass das Wort (wieder einmal) den Nagel mehr als auf den Kopf getroffen hat.

Darum möchte ich mich in diesem Jahr, mit diesem ganz besonderen Neubeginn, genau dort hin wenden, genau da ansetzen und Situationen, denen ich schon mein Leben lang aus dem Weg gehe, neu bewerten, mit einem neuen Blick neu erleben. Ich will es mehr genießen, Erfahrungen außerhalb meiner Komfortzone zu machen, ich will mir selbst mehr zutrauen, ich will meiner Angst Fehler zu machen oder bei etwas zu scheitern begegnen und zulassen, dass es sie gibt. Ich will mir selbst zugestehen, dass ich nicht alles, was ich angreife, versuche, ausprobiere, schon können muss. Ich will lernen, dass Fehler in Ordnung sind, denn sie gehören zum Leben. Ohne Fehler gibt es keine Entwicklung, kein Wachstum.

Und ohne Entwicklung und Wachstum gibt es nur existieren, aber kein Leben.

Oh und wie ich das gemacht habe. Kein Stein blieb in diesem Jahr auf dem anderen. Ich flog so hoch und fiel so tief. Noch nie war ich so spontan, so abenteuerlustig, seit langem empfand ich nicht mehr so viel Vorfreude und Aufregung wie in den ersten Monaten. Und dann kam der Lockdown und mit dem Lockdown brach ein ganzes Kartenhaus zusammen von dem ich dachte, dass es wenigstens aus Ziegelmassivbauweise bestand. Im Moment bin ich noch dabei all den Staub, den Schutt und die Asche zu beseitigen. Die eine oder andere Wand im Erdgeschoß scheint noch einsturzgefährdet zu stehen und muss abgetragen werden, damit auf dem Fundament wirklich etwas Neues entstehen kann, das nicht Gefahr laufen muss, vom Alten erschlagen zu werden. Die Baustelle ist riesengroß, dreckig und unübersichtlich und manchmal weiß ich nicht genau, welcher Schritt als nächster zu tun ist und manchmal scheine ich etwas zu vergessen oder es nicht gut genug zu machen. Da will ich schon den Grundriss neu aufstellen, während am anderen Ende wieder etwas wegbricht und erst ordnungsgemäß gesichert und entsorgt werden muss.

Das alles ist selbstverständlich eine Metapher.

Aber ja. Das Leben ist halt eine Baustelle. Mal ist nur eine Glühbirne zu tauschen und mal gibt’s einen Rohrbuch und man braucht eine Grundrenovierung. You win. You lose. It’s the chance you have to take with life (analog zu Queen, die damit love meinen, aber ist das nicht eh irgendwie immer wieder das gleiche?).

Noch ist der Blick auf die Zukunft diffus und unklar, verschwommen, aber immerhin ist er bunt geblieben oder vielleicht: wieder bunt geworden.

Ich habe in meinem Leben viele Entscheidungen aus Angst getroffen. Aus Angst zu versagen. Aus Angst zu enttäuschen. Aus Angst zu verlieren. Aus Angst verletzt zu werden. Aus Angst etwas nicht zu schaffen, etwas nicht zu können, mich zu blamieren. Aus Angst nicht (mehr) geliebt zu werden. Seit ich mich 2017 für mein Studium zur Psychotherapie inskribiert habe, habe ich begonnen, diese Entscheidungen nach und nach zu verändern. Mich der Angst zu stellen. Ins kalte Wasser zu springen. Die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. Mir selbst wieder treu zu werden. Happy birthday to me.

Hilf mir gerade zu steh’n!
Hilf mir die Wahrheit zu sehn!
Hilf mir mich gegen den Strom zu dreh’n,
Hilf mir den schweren, den g’raden Weg zu gehn!

Reinhard Mey, Hilf mir

Der Beitrag kam dieses Jahr etwas früher als sonst. Ich mache kein Geheimnis daraus – ich bin mit 2020 einfach durch. Das Wort für 2021… ist schon in der Pipeline. Stay tuned, oder so.

Meine Worte aus den vergangenen Jahren:

Verfasst von

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

20 Kommentare zu „Das war 2020: mein Jahr mit dem Wort „Selbstvertrauen“

  1. Ich bin da auch ganz bei Dir. Das mit dem Selbstvertrauen wirst Du schaffen, auch wenn alles anders war, wie geplant und ja ich bin auch durch mit 2020 und wie…… es kann nur besser werden und wir räumen weiter auf, damit der Start in 2021 dann auch gute Bedingungen hat. Für den Rest der Zeit räume ich noch auf, damit der Blick wieder freier wird. Viele liebe Grüße und ganz viel Kraft von Marion aka Frau Doktor

    1. liebe marion, herzlichen dank für deine worte! du sagst es – ein bisschen aufräumen für das kommende jahr. obwohl ich ein wenig das gefühl habe, dass das aufräumen von 2020 bei mir noch länger dauern wird. aber das ist irgendwo auch okay, so ist halt das leben…

  2. Meine Liebe,
    2020 war für uns alle ein sehr herausforderndes Jahr – und doch haben wir es durch geschafft. Dafür können wir stolz auf uns sein! ❤
    Ich wünsche dir (und uns allen) von Herzen, dass 2021 besser wird als 2020. Ich bin mir sicher, dass du es noch einmal schaffen wirst, so spontan und so abenteuerlustig zu sein wie Anfang 2020. ❤
    Fühl dich gedrückt,
    Karina

    1. das ist glaube ich wirklich die beste beschreibung für 2020 „wir haben es geschafft“. leider ist für mich noch einiges offen, aber ich hoffe hoffe hoffe, dass das in den nächsten wochen abgeschlossen werden kann. dann wäre mal ein erstes aufatmen möglich. und wenn die impfung wirkt… dann könnte sich auch global die lage wieder etwas entspannend. ach das wäre toll.

      1. ich danke dir meine liebe! im moment zieht es sich noch wie kaugummi.. immer wenn man das gefühl hat, es ist soweit, zieht es sich noch einmal in die länge…

      2. Ich bin mir sicher, dass sich bald alles fügen wird – wir müssen nur daran glauben und Geduld haben. (Geduld ist nicht die größte Tugend der Schütze-Geborenen, ich weiß. ;D ). Fühl dich gedrückt und schöne Ostern! ❤

  3. Hallo liebe Paleica,

    Du sagst es, „das Leben ist eine Baustelle“. Von daher kann ich Dein Wort 2020 nur teilen, auch wenn unser Bauchgefühl ab und zu anderes von uns will. In diesem Sinne – ich wünsche Dir eine schöne Weihnachtszeit und komme gut ins neue Jahr.

    Liebe Grüße
    Gerd

    1. lieber gerd, danke für deine wünsche! ja, du sagst es – das bauchgefühl würde wohl manchmal gern einfach ankommen und ruhe haben – aber so ist das leben nunmal nicht…
      ich hoffe, du hattest einen guten start im neuen jahr!

  4. Klingt als hättest du ein sehr spannendes, forderndes Jahr hinter dir!
    Ich hoffe, du hast jetzt die Möglichkeit ein wenig zur Ruhe zu kommen und neue Kraft für das nächste Jahr zu sammeln!

    1. oh ja, das hab ich wirklich. ich denke, es war mit sicherheit mindestens unter den top 3 meiner challenging years. obwohl, eigentlihc will ich da gar nicht erst anfangen eine rangfolge zu erstellen – es gab ja doch einige sehr herausfordernde zeiten und sie scheinen immer wieder zu kommen. manchmal frage ich mich, wie andere menschen das machen, bei vielen wirkt es so, als würde das leben so dahinplätschern, das tut es bei mir nie.

  5. Huhu Paleica,

    Haste dir ja ein klasse Jahr ausgesucht um Selbstvertrauen zu erlangen. Meins ist dieses Jahr richtig weit nach unten gerutscht und ich klammere mich an nächstes Jahr und hoffe dass es besser wird.

    Ich drück für uns beide mal Däumchen.

    Hab ein paar erholsame Tage und rutsch gut rein,

    Viele Grüße
    Caro

    1. liebe caro, für mich war es auch schwierig, ich hatte zwischendrin sogar vergessen, dass ich es mir zum thema gemacht hatte. doch war es unbewusst irgendwie da und hat mich begleitet und vielleicht sind solche jahre manchmal grade die besten, um sich diesem thema zu widmen, sich dran zu erinnern, sich selbst zu vertrauen, denn das ist irgendwie letztlich die basis von fast allem (wie ich dieses jahr sehr deutlich und schmerzhaft gelernt habe)

      ich drücke dir jedenfalls auch beide daumen, dass es für dich im kommenden jahr besser wird und du gut ins neue starten konntest!

  6. Well then … Happy birthday to you!
    Ein sehr schöner Beitrag. Du scheinst dich gut zu kennen und ich frage mich ernsthaft, ob ich mich auch nur halb so gut kenne wie du dich. Respekt! Die Idee mit dem Wort des Jahres wie ein Mantra finde ich wirklich toll!
    Ich glaube nebenbei gesagt jeder trifft Entscheidungen aus Angst, hin und wieder oder auch mal öfter. Und dieses Ding mit der Zukunft ist ja – wäre die nicht so verschwommen, wäre das Leben ziemlich langweilig, oder?

    1. liebe miss booleana, ich danke dir von herzen für deine worte, es berührt mich sehr was du geschrieben hast. das sich selbst kennenzulernen oder auch manchmal zu erkennen ist sowas wie eine lebenslange aufgabe glaube ich, der man sehr viel zeit und energie widmen muss. für mich ist es aus verschiedenen gründen wichtig, um bei mir selber zu bleiben. aber es ist unglaublich spannend was man so entdeckt und zu spüren wenn sich in einem was verändert. ich bin mir aber sicher, wenn du dir die zeit nimmst, dass du auch vieles entdecken kannst und vieles weißt, von dem du jetzt vielleicht glaubst dass du es nicht tust.

      ich denke entscheidungen aus angst werden oft getroffen – aber ich denke auch, dass das oft schwierigkeiten mit sich bringt. für mich jedenfalls waren es meist entscheidungen, mit denen ich lange gehadert habe. aber ja – dass die zukunft unbekannt ist, ist bestimmt besser so 🙂

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