Lebenszimmer – eine Metapher

Das Leben ist eine lange Reihe von Zimmern. Und die Menschen, auf die wir in diesen Zimmern treffen, die bestimmen unser Leben.

Patientin von Dr. House

***

Manche dieser Zimmer sind groß, quadratisch und hell, andere wiederum sind kleine, düstere Rechtecke. Es sind Mansardenzimmer, Altbauzimmer, holzvertäfelte Zimmer, moderne, stylische, abgefuckte, schöne, hässliche, welche mit Tapeten und welche ohne.

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Genauso wie die Menschen in diesen Zimmern sind. Frauen, Männer, Kinder und Alte. Schöne, hässliche, liebevolle und grauenvolle. Alle begleiten sie uns, die einen nehmen uns an der Hand und führen uns von Tür zu Tür, der eine oder andere durchquert mit uns sogar mehrere Zimmer, die anderen stoßen uns, sodass wir beinahe stolpern. Manche Zimmer sind vielleicht sogar menschenleer, durch diese müssen wir dann alleine gehen. Wir sehen dann nichts als unsere verschwommene, verzerrte Spiegelung im Fensterglas.

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In manchen Zimmern bleiben wir lange, freiwillig oder unfreiwillig, andere verlassen wir ebenso freiwillig oder unfreiwillig ganz blitzartig. Hin und wieder schleicht man nur kurz hindurch, hat kaum den Boden auf der Vorderseite berührt, ist man auf der Hinterseite auch schon wieder davon. Manche verlassen wir gerne, bei anderen zerreißt es uns beinahe das Herz. An manche denken wir liebevoll zurück, bei anderen verkrampft sich der Magen und es stellen sich uns alle Haare auf. Bei vielen sind wir froh, dass wir sie durchschreiten durften, bei manchen wünschen wir uns, wir hätten sie nie betreten.
Aber eines haben sie gemeinsam, alle diese Zimmer. Sie gehören zu uns, denn sie sind unser Leben.

Published by

Paleica

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Psychotante. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

20 Antworten auf „Lebenszimmer – eine Metapher

  1. Hallo du (:

    Ja, BWL ist erstaunlich gut geloffen, ch glaub ich hab meine 2 retten können (:
    Doch leider gehts immer weiter mit lernen. bis zum 20. Juni noch :L dann hab ich alles überstanden. Ich hoff ich pack das.

    Des hört sich voll interessant an, was du studierts.
    Was genau lernt man da so? Und wie findest du es? ^^
    Und was kann man damit dann anfangen?

    Achso du bist aus Österreich. Ist ja jetzt doof xD Nene, ich denk des wird vom studiengang ähnlich sein, falls es hier überhaupt sowas gibt..
    Weil ich such was in Baden-Württemnberg, damit ich nich so weit weg von zu Hause bin.. Hftl gibts hier was ähnliches.
    Also erzähl mal bitte drauf los. des wär total nett (:

    Was machst du so am Wochenende?

    LG.

  2. Deine Einfügungen zu diesen Lebenszimmern sind schon mehr als trefflich. Meistens ist es ja so, ein Leben, ein menschliches, es beginnt in irgendeinem Zimmer, manchmal in einer Kammer, auf ’nem Autositz, in der freien Natur, auf’m Heuboden, wobei geschlossene Räume, Zimmer häufig bevorzugt werden.
    Und in den meisten Fällen endet ein Leben auch wieder in irgendeinem Zimmer, jedenfalls dann, wenn alles nach Plan verläuft.
    Zimmer bieten Geborgenheit, von den Anfängen des Lebens bis zum Ende…
    Sei lieb gegrüßt
    Kvelli

    Ach ja, zu James Blue, Montana.
    Die Frage kann ich nicht beantworten, denn meistens fällt mir unterwegs irgendwas ein, das ich dann einfach irgendwann mal gebrauche. Als ich vor längerer Zeit anfing zu schreiben, da dachte ich, ein Pseydonym muss einfach sein, wer schreibt denn schon unter richtigem Namen. Na ja, zumindest die großen Schreiberlinge tun es meistens nicht…:-)

  3. @ sabine: sommerpause? ach wieso denn??? und keine kommentarfunktion? schaaade! trotzdem nicht vergessen ab und zu bei mir vorbeizuschauen, ja?

  4. Die Episode bei House habe ich auch gesehen ..

    Trifft auch voll zu! Und Du hast dies genial interpretiert… stimme da voll und ganz zu. Insbesondere mit dem letzten Satz … dass die „Zimmer“ alle Teil von uns sind, von unserem Leben … letzlich kann man sogar sagen, die „Zimmer sind, ich, Du, er, Sie es … “ Denn wir sind ja, was wir erlebt haben, und mit den Erfahrungen, wie wir die Welt sehen …

    Schönen 1. Mai noch ..

    Cya

  5. echt gelungener vergleich. 😉
    manche zimmertüren muss man von außen verriegeln, damit man nicht nochmal zurück kann, auch wenn man etwas vergessen hat oder, dass jemand sie von innen öffnen kann… ist manchmal auch echt besser so 😉

    1. ja, da hast du recht. aber manchmal dauert es verdammt lange, bis wir soweit sind, dass wir es schaffen, sie zu verriegeln. dass wir nicht mehr andauernd zurücklaufen um nachzuschauen, was es neues gibt. bei manchen schafft man das vielleicht sogar nie.

  6. Na hey. Coole Paris-Bilder 🙂
    Die Zimmer-Metapher gefällt mir. Ich hatte meine bisher immer mit einem Zug: das Leben ist eine Reise, und man weiß nie, wann jemand zu- oder wieder aussteigt. Manche Reisegefährten kommen freiwillig mit und manche kann man sich nicht aussuchen. Und wenn man einmal selbst aussteigt, weiß man nie, wer gerade zurück bleibt und weiterfährt…
    Meine private Abneigung gegen Onlinesein war mit Stress in der Firma begründet – wenn man täglich mehrere Stunden beruflich vorm Netz sitzt, mag man zuhause nicht mehr so wirklich. Aber der Zustand hat sich eh schon wieder normalisiert.
    Dein psychischer Stress hat hoffentlich auch kurze Unterbrechungen? Notabschaltungen müssen sein, dann und wann. Aber so im Großen und Ganzen – gehts dir eh gut?
    Alles Liebe dir.

  7. *seufz*
    Als ich die Folge meiner Lieblingsserie(ja, ich bekenne mich dazu!) gesehen hab, musste ich auch noch lange über dieses Zitat nachdenken.

    Textlich und vor allem bildlich sehr schön dargestellt.

    1. vielen dank! schön, dass du den text gefunden hast. ich musste auch drüber nachdenken und es hat mir ausgesprochen gut gefallen. also das zitat. ich finde, da steckt unheimlich viel wahrheit drin. wenn man das erkannt hat, dann kann man manche dinge vielleicht besser akzeptieren.

      1. Ja, vor allem macht es einem bewusst, wie klein unsere Welt eigentlich ist.
        Akzeptieren ist das richtige Wort.

      2. das stimmt. die welt ist tatsächlich klein. und ja, akzeptieren. ich glaube, so richtig damit klarkommen kann man eh nicht wirklich. aber akzeptieren lernen muss man es eben.

  8. Das Fenster
    neulich, als mich wieder einmal viele Menschen so maßlos geärgert hatten, und als auch die Tiere bitter enttäuschten, denen ich mich in solchen Situationen zuzuwenden pflege, beschloß ich eine heimliche Liebe zu den Dingen.

    Die Dinge, so wähnte ich, würden mich nicht enttäuschen. Sie sind arglos wie ich, freundlich wie ich, großzügig wie ich – und so weiter.
    Ich fing mit einem Fenster an. Ja, – das Fenster ist schon ein guter Kamerad! Du schaust hindurch und sonst nichts. Und das Fenster schaut von sich selbst ab in deine Richtung und blickt dich zugleich unaufdringlich an. Und so geht es immer fort, bis es finster wird.

    Im Finsteren wird das Fenster einer stillen Gottheit gleich. Ganz langsam zieht alles durch das Grau der Dämmerung heraus in das Blau des Abends, dann in das Sammet der Nacht.
    Und, wie das Fenster ja eigentlich aus Nichts ist (freilich hat es einen Rahmen, um das ahnungslose Glas aufzunehmen), – also aus sichtbarem Nichts besteht (aber nur am Tage!), so ist es nachts aus unsichtbarem Nichts.
    Das ist etwas sehr Besonderes und Kostbares! Grobe Menschen kennen diese Freude nicht, – sie knipsen das Licht an – tausend Watt!

    Es gibt noch andere gute Freunde unter den Dingen. Die Sonnenuhr etwa. Sie geht und geht doch nicht. Du kannst die Stille des Schattens hören, wenn du ganz aufmerksam bist. Wie er langsam heranschleicht. Jedes Fensterkreuz ist ja ein Gnomon. Das schleichende Schattenkreuz auf den Dielen deiner Studierstube, – lautlos, wie ein Schmetterling, der gerade unbemerkt schlüpft, zeichnet es sich selbst und das bewegt einen doch, – oder nicht?

    So bin ich umgeben von vielen guten Freunden. Beteigeuze zum Beispiel und ich sind alte Bekannte. Wenn ich Geschichten schreibe, blinkt er mir zu. Ich weiß nicht, was es bedeutet, aber glaube, ahnen zu dürfen. Er blinkt: „Nur zu, es wird diesen oder jenen vielleicht anrühren, – unsere Ewigkeit!“

    © f e d e r h a l t e r

      1. Nein – kannte ich bisher nicht. Aber, – hab es mir grade bestellt. Danke für den Hinweis.

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