Isabel Allende – Das Geisterhaus

Seit ich meinen Kopf ein klein wenig freier hab, hat mich das Lesevirus wieder gepackt. An diesem Buch habe ich sehr lange (ich schätze mal so drei Monate) gelesen. Allerdings lag das daran, dass ich dazwischen hauptsächlich ich-hab-keinen-kopf-für-lesen-Phasen hatte. Am Samstag bin ich mit dem Buch fertig geworden. Mein Fazit ist: mitreißend.

Das Buch hat zweierlei Aspekte. Zum ersten ist es eine Familiengeschichte und zum zweiten basiert es auf den realen Geschehnissen in Chile in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Den Inhalt entnehme ich mal wieder dankend von Amazon und modifiziere ihn ein wenig:  Anhand der Tagebücher von Albas Großmutter Clara wird die bewegende Familiengeschichte rekonstruiert. Am Anfang geht es um Claras Elternhaus, ihre Geschwister und die Verbindung zwischen dem Großgrundbesitzer Trueba und Clara de Valle, der Schwester der verstorbenen Verlobten Truebas. Er zeigt sich gegenüber seiner Familie und seinen Arbeitern als kompromissloser Patriarch. Ihm gegenüber stehen die Frauen der Familie: die hellseherisch begabte Clara und die Tochter Blanca, die sich in einen Anführer der kommunistischen Partei verliebt und dadurch viele Schwierigkeiten erlebt. Trueba duldet die Beziehung nicht, er selbst kandidiert als Senator der konservativen Partei und unterstützt einen Militärputsch. Erst als seine Enkelin Alba in ein Konzentrationslager gebracht wird, begreift Trueba die Fehler seines Lebens.

Diese kurze Zusammenfassung beschreibt zwar im Groben den Inhalt, nicht aber den Zauber ders Buches. Es ist ein Buch, das diesen Flair der spanischen Literatur auch ins Deutsche retten konnte. Mich hat es stellenweise an den Stil von Gabriel Garcia Marquez erinnert. Das Buch beginnt in Claras Kindheit und beschreibt das Familienleben einer gut situierten chilenischen Familie im früheren 20. Jahrhundert. Es drückt eine unglaubliche Liebe zum Detail aus und trifft Emotionen, obwohl es sich um eine ferne Kultur und vergangene Zeit handelt. Es beginnt mit Hang zur Mystik und zum Übersinnlichen, das mit der Zeit aber von der Politik und der Realität überlagert wird und spiegelt so wohl auch die Entwicklung des Landes in dieser Zeit wider. Während man also die Familiengeschichte von Clara, Blanca, Alba, Jaime, Nicolas, Esteban Trueba, Pedro Tercero, Miguel und all den anderen liest, bekommt man subtil ein Gefühl für das Leben dort in dieser Zeit.