Prag und die Karlsbrücke & ein paar Gedanken über das Glücklichsein.

Das letzte Märzwochenende verbrachte ich in Prag. Ich besuchte dort meine älteste Freundin und habe trotz Rückenschmerzen frühfrühlingshaften Sonnenschein mit viel leckerem Essen und wunderbaren Gesprächen genossen. Zum Fotografieren blieb nicht viel Zeit und Muße, aber so ganz ohne Bilder um die Karlsbrücke gehts halt doch nicht.

Liebeslieschendani hat mich auf die Idee gebracht, über 5 aktuell tolle Dinge in meinem Leben zu schreiben. Erst dachte ich: nah, doch nicht jetzt, wo ich im Grunde nur versuche, trotz Dauerschmerzen (mal mehr, mal weniger) irgendwie über die Runden zu kommen ohne zum grantelnden Suderanten zu werden. Und dann dachte ich: oh doch! Genau darum und genau jetzt! Also: 5 Dinge, die mein Leben lebenswert machen, auch wenn gerade ein großer Brückenpfeiler „Gesundheit“ nicht so mitmacht, wie er sollte (denn wann machen diese Grundpfeiler denn schon mal alle mit? Und dann beginnt man wieder mit der Prokrastination des Glücklichseins.)

Kochen: Neue Rezepte ausprobieren und dem Körper Gutes tun

Was ich so alles koche, das könnt ihr übrigens hier verfolgen. Jedenfalls bin ich im Moment abends mehr zuhause, weil unterwegs sein zum Teil einfach zu mühsam ist (das stimmt, seit das Wetter schöner ist, nicht mehr so ganz ganz, aber dennoch). Die Zeit kann ich endlich nutzen, um in der Küche zu experimentieren, total viel neue Zutaten ausprobieren und mich mit Rezepten spielen. So haben schon Bulgur und Quinoa, Couscous, Melanzani, Granatapfel, Zucchinichips und vieles mehr ihren Weg auf meinen Speiseplan gefunden (und warten darauf, wieder und wieder gekocht zu werden 😀 )

Bloggen: Sich Zeit nehmen, aus Gedanken Worte und Bilder werden zu lassen

Los war ja immer was, hier im Episodenfilm. Aber ich habe ja auch öfter drüber geschrieben, dass ich das Gefühl habe, dass etwas wenig Persönlichkeit in den Fotogalerien mitschwingt. Wenn man sich intensiv mit physischen Problemen auseinandersetzt, schwingt auch immer viel Psychisches mit. Das spiegelt sich hier unweigerlich wider. Ich schreibe wieder Texte und lasse Gedanken fließen und genieße es, meinen Gefühlen wieder näher zu kommen. Es sprudelt grade nur so, an Dingen die gedacht, geschrieben, gesagt werden wollen. Das habe ich sehr vermisst.

Lesen: in andere Welten abtauchen

Während der Strombehandlung, während dem Warten auf den Physio, es gibt wieder mehr Gelegenheiten, ein Buch zur Hand zu nehmen.

Spielen: Pubquiz, Roomescape-Games und Gesellschaftsspiele

Beim letzten (und meinem ersten) Pubquiz hab ich einige Punkte für uns herausgeholt, yeah! Mittlerweile haben wir auch schon viele Schlüssel gefunden, Schlösser geknackt und Zahlencodes gelöst. Und die nächsten Spieltermine stehen schon fest. Ein Riesenspaß! Außerdem sind wir bereits Meister im Umschreiben von Dingen, Rekordhalter im Begrifferaten und kennen langsam aber sicher die Trivial Pursuit-Fragen auswendig.

Stricken: Anziehsachen selber machen und Antiwegwerfwert schaffen

Eines meiner liebsten Hobbies als Kind – handarbeiten, ist über die Jahre völlig in der Versenkung verschwunden. Dank hipper Stricksets und -anleitungen habe ich Schlumpfhauben, Schlauchschals und geraffte Stirnbänder gestrickt – die ich allesamt liebe! Und ich habe immerhin noch 4 jungfräuliche Knäuel vorrätig, die auf Verarbeitung warten.

*

Und zum Schluss: Bei Lexa habe ich eine wunderbare Blogparadenidee aufgegriffen. Sie möchte wissen, wann wir glücklich sind.

Das ist eine berechtigte und sehr schöne Frage, die auf den ersten Blick so leicht zu beantworten wirkt, aber dann doch immer weitere Kreise zieht. Ich bemühe an dieser Stelle mal wieder eins meiner Lieblingszitate von Kettcar:

Zu erkennen, dass man glücklich war, ist leicht. Zu erkennen, dass man glücklich ist, ist Kunst.

Und vielleicht liegt genau hier der Unterschied. Wenn ich mich frage, wann ich glücklich sein kann, dann ist der erste Impuls: „Wenn die Grundpfeiler Gesundheit, Sicherheit, Familie, Freunde und Liebe in Ordnung sind.“ Jein. Denn man ist nicht automatisch glücklich, nur weil nicht grade irgendwo ein Unglück passiert (zumindest nicht aus meiner Erfahrung). Gleichzeitig ist Glück auch inzwischen drinnen möglich. Selbst in Phasen der Trauer, der Schmerzen oder Sorgen kann man Glück empfinden – vielleicht auch genau dann. Vielleicht ist das wahre Glück, das richtige Glücklichsein, genau das, wenn du in dem Moment diese Welle an Wärme empfindest, dieses Gefühl, das dich nichts anderes als lächeln lässt, egal was sonst gerade los ist in deinem Leben. Weil du gerade von jemandem eine Nachricht bekommen hast, der im richtigen Moment die richtigen Worte für dich gefunden hat. Weil dir gerade nichts fehlt in diesem Moment und sich die kaputte Welt trotzdem so perfekt anfühlt. Weil die Natur, das Wasser, der Himmel so unbeschreiblich schön sind und alle Sorgen und Nöte nichtig scheinen lassen. Weil jemand extra zu dir gefahren ist, um dich vor einem sechsbeinigen Monster zu retten. Weil du gerade in der Sonne an der Spree sitzt oder im Tretboot am Stubenbergsee und nichts als der Moment zählt. Weil beim ausgedehnten, gemeinsamen Brunch mit einer Freundin auch am 3. Tag die Gesprächsthemen noch zuviele sind um heimzufahren. Weil dir jemand sagt „Wenn ich sterben müsste, dann hoffe ich nur, dass du da bist damit ich dir sagen kann, wie dankbar ich dafür bin, dich gehabt zu haben.“ Weil es Menschen gibt, die einem das Gefühl geben, für ihr Leben von Bedeutung zu sein. Weil man das Gefühl hat, etwas geschafft zu haben, auf das man lange hingearbeitet hat. Weil man überzeugt davon ist, den richtigen Weg gefunden zu haben. Weil sich Glück immer im Kleinen offenbart, während man aufs Große wartet.

Oft werden Glück und Zufriedenheit verwechselt. Denn Zufriedenheit ist ein Grundgefühl, das man empfindet, wenn alles grade so, wie man sich wohlfühlt. Zufriedenheit kann man bewusst anstreben, kann man lernen und leben. Glück hingegen kann glaube ich nie ein Dauerzustand sein. Wenn wir also „nach Glück streben“, dann werden wir immer auf der Reise nach dem Regenbogen sein, irgendwo im Wartezimmer. Denn das Glück findet uns, man kann ihm nicht nachjagen und das Glück kommt und geht, es bleibt nicht an einem Ort. An dieser Stelle noch ein anderes Zitat:

We do not remember days. We remember moments.

Glücklichsein kann man lernen, verlernen und wieder lernen. Um die glücklichen Momente zu bemerken und zu begreifen, fotografiere ich. Um nicht zu vergessen und das Gefühlspaket des Moments auch später noch durchleben zu können. Um das Leben festzuhalten. Glück empfinde ich beim Essen, bei meinen Lieblingsliedern, wenn das Flugzeug startet, wenn ich Waldluft atme, wenn Filmszenen Gänsehaut auslösen, manchmal wenn ich neue Sachen kaufe und in alte Hosen passe, wenn ich ein perfektes Foto mache, wenn das Meer rauscht, wenn der Regen gegen die Scheiben prasselt, wenn ich in einem Buch versinke, wenn ich mich in den Schnee fallen lasse und auf einer Schaukel sitze, wenn ich Sport machen kann, wenn ich abends mal alleine bin und Zeit für mich habe, wenn Gespräche fließen, dass man nicht aufhören kann zu reden und viel zu spät schlafen geht, wenn man vor lauter Lachen nicht mehr sprechen kann und „wenn die Wolken lila sind.“

Drum: „Lass uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen.“

Für alle, die es mochten und vielleicht schon längst wieder vergessen haben:

Und dann verabschiede ich mich nach dieser Textflut mit dem titelgebenden Zitat für den Musicblog:

Live is about love, last minutes and lost evenings.