Tutorial: Sonne simulieren für Gegenlichteffekt

Unlängst habe ich in einer Facebook-Fotogruppe ein Bild gesehen, das nach Gegenlichtfotografie ausgesehen hat. Der Kommentar des Urhebers war allerdings: „Sonne gab es keine, ich hab simuliert.“ Auf die Frage einer anderen Userin, wie denn das gemacht wurde, sperrte ich meine Augen weit auf, da die Methodik ziemlich einfach klang. Ich liebe diesen Effekt und auf dem entsprechenden Bild sah er toll aus. Was könnte ich also rausholen? Und wenn ich etwas rausholen könnte, wäre das vielleicht auch für euch interessant?

Die erste Schwierigkeit bestand einmal darin, ein passendes Bild auszuwählen. Das Bild darf nicht zuviel reinen Himmel haben, sonst verschwindet der Effekt. Es ist also wichtig, dass dünklere Struktur im Hintergrund ist. So durchforstete ich meine Alben nach Bildern, die sich dafür eignen könnten.

dsc_1915Das aktuellste Bild, das ich verwendet habe, stammt aus dem Dezember 2016. Eine traumhafte Winterlandschaft voll angereifter Bäume, die leider ein bisschen durch den weißen Himmel „absaufen“. Mit dem hinzugefügten Sonneneffekt erhält man doch deutlich mehr Strahlen.

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dsc_0839Ein weiteres Winterbild aus dem Winter 2015. Unsere Lieblingsstrecke im Lainzer Tiergarten. Auch hier wieder das Problem – der weiße Himmel ist langweilig. Vielleicht seht ihr in diesem Bild schon etwas besser, was ich damit meine, dass dünklere Struktur im Vordergrund notwendig ist.

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dsc00108Meinen ersten Versuch wagte ich am Votivkirchenmagnolienbild. An diesem Motiv hatte ich es am meisten bedauert, weit und breit keine Sonne zu sehen. Man sieht hier allerdings wiederum, dass es weniger gut funktioniert als bei den anderen Bildern.

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dsc_0388Herbst im Schlossgarten Schönbrunn. Auch dieses Motiv wird durch den Sonneneffekt deutlich aufgepeppt.

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dsc_5892Da das Ausgangsfoto die Strahlenmethodik auf einem Bild mit einem Menschen anwendet, begab ich mich auf die Suche, wie denn das wirken würde. Menschen sind ja nicht grade meine bevorzugten Objekte, also musste erstmal ein ziemlich altes (aber immer noch sehr gemochtes) Bild meiner Eltern aus Prag herhalten. In der allerersten Bearbeitung 2010 hatte ich dem Foto eine weiße Vignette verpasst, um es freundlicher zu gestalten, da das Licht recht düster war. Hier muss ich sagen: Sonneneffekt, ftw!

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dsc_0104Besonders gut passt der Effekt finde ich in diesem Bild. Durch die große Unschärfe im Hintergrund fällt es kaum auf, dass hier partiell simuliert wurde und meinem Gefühl nach ist hier das Effekt/Unauffälligkeitsverhältnis am besten.

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Ganz zum Schluss habe ich mich noch einmal über zwei der Hochzeitsfotos hergemacht, die ich von meiner Ex-Schwägerin und ganz lieben Freundin gemacht habe, da ich auf Hochzeitsbildern zum allerersten Mal diese Spielerei entdeckt habe. Auch hier muss ich sagen: es klappt eigentlich sehr gut. Die Bilder gewinnen ganz deutlich gegenüber denen, auf denen kein Gegenlichteffekt erzeugt wurde.

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So und nun fragt ihr euch wahrscheinlich, ob ich eventuell beizeiten dran denke, euch zu verraten, wie ich das denn gemacht habe. Das ist im Grunde wirklich erstaunlich einfach. Ihr braucht dazu nur Lightroom zu öffnen (ich habe hier die Verson CC, keine Gewähr, dass es bei anderen Versionen nicht etwas anders aussieht) und ein ausgewähltes Foto reinzuladen. Dann klickt ihr bei Entwickeln auf den Radial Filter. Mit dem zieht ihr eine Form, wo der Lichtfleck erscheinen soll. Wichtig sind folgende Einstellungen: weiche Kante auf 100% und dann „Maske umkehren“. Danach zieht ihr den Temperatur-Regler des Radialfilters ins warme und schraubt die Belichtung noch etwas rauf. Um den Effekt bei einigen Bildern noch zu verbessern, habe ich den Regler „Dunst entfernen“ nach links gezogen. Voilà, das wars!

sonneneffekt_screen

Für den analogen Effekt in den Bildern habe ich das Preset VSCO T1 verwendet.

Ich weiß nicht, ob ihr diesen Effekt im Allgemeinen mögt, ich finde ihn toll. Ich habe mich schon letztens an zwei verschiedenen Tutorials versucht, die über Photoshop mehr Strahlen ins Bild bringen sollen. Vielleicht liegt es an meiner Photoshop-Unfähigkeit oder an meinen Bildern oder an den Tutorials – das Ergebnis war jedenfalls schauderhaft. Das hier hingegen geht nicht nur super einfach und super schnell, es hat auch noch von allen Versuchen bisher das weit beste Ergebnis erzielt.