Glück ist unabhängig von Erfolg. Und Erfolg ist subjektiv.

Als ich letztens durch meinen Facebook-Stream scrollte, wurden mir kurz hintereinander zwei Geburtstagsposts von Schulkollegen angezeigt. Beide haben im selben Jahr im Abstand von 4 Tagen Geburtstag. Beide sind einige Jahre lang mit mir zur Schule gegangen. Fast 12 Jahre nach unseren Abschlüssen stehen wir alle an völlig unterschiedlichen Punkten im Leben und mittlerweile lässt sich schon eine gewisse Einschätzung darüber abgeben, wer welchen Weg eingeschlagen hatte und in welche Richtung die einzelnen von uns erstmal unterwegs sind.

Im Laufe meiner Schulzeit begegneten mir sehr unterschiedliche Menschen. Tolle und weniger tolle, emotional und mathematisch intelligente, Allroundgenies und Allrounddeppen. Wie immer gibt es diese Personen, die von Lehrern als begabt angesehen werden und die als intelligent gelten und prädestiniert für ein großartiges Leben. Dann gibt es die, bei denen die Lehrer sehr offensichtlich keine Hoffnung haben und relativ abgeschrieben werden. Und dazwischen gibt es alle anderen. Heute kann ich bestätigen: Ja, drei unserer „Intelligenzbestien“ sind ganz objektiv richtig erfolgreich geworden. Traurig ist nebenbei gesagt, dass für den großen Erfolg offenbar Amerika (u.A. als Land der Wissenschaft) immer noch unabdingbar ist und Österreich diese Möglichkeiten nicht bietet, weil bei uns dergleichen überhaupt nicht wertgeschätzt und gefördert wird. Aber unabhängig davon, denn das ist nicht das Thema dieses Artikels: jede dieser drei Personen hat einen Lebenslauf, bei dem einem Gegenüber erstmal die Augen aus dem Kopf fallen und man kaum glauben kann, dass ein Mensch mit 30 all das schon erreicht haben kann. Sie haben natürlich viele spannende Geschichten zu erzählen und ringen allen unseren Jahrgangseltern Bewunderung ab. Manchmal vielleicht sogar kleine neidische Blicke, dass es nicht die eigenen Sprösslinge sind, die mit dieser CV brillieren können.

Für mich war so ein Leben nie erstrebenswert oder Ziel meiner Aktionen. Ich hätte nie eine Beziehung für ein Stipendium im Ausland aufgegeben. Das mag rückständig sein und ich ernte dafür viel Unverständnis. Aber für mich war es nunmal nichts. Ich hätte mir gut vorstellen können, mal ein paar Monate weg zu sein, aber die Zelte anderswo aufschlagen hat sich bisher nicht ergeben und aktiv habe ich nicht danach gesucht.

Ich gehörte ja eher zu den „mittendrin“-Schülern. Mir wurde zumeist unterstellt, dass ich einigermaßen intelligent, aber nicht übermäßig eifrig wäre. Ich war nie ein Sorgenkind, aber auch selten ein strahlender Meisterschüler. Meine Ambitionen lagen schon immer im emotionalen Bereich und ich habe mich immer schon über die Intensität und Wahrhaftigkeit meiner Freundschaften und nicht über meine Schulnoten oder Praktika definiert. Das hat sich letztendlich auch im Beruf so fortgesetzt.

Daraus resultierte ein akzeptabler, aber sicherlich nicht sonderlich spannender Lebenslauf. Ich habe außer auf Reisen nie Auslandserfahrung gemacht und ja, manchmal frage ich mich, wie es mir dabei gegangen wäre, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich deswegen meines Lebens nicht mehr froh werden könnte. Ich habe studiert und zwei Abschlüsse gemacht und mache nun einen stinknormalen Job, von dem ich mir manchmal wünsche, dass er lustiger wäre, der mich sicherlich nicht mit purer Glückseligkeit erfüllt, aber das würde auch kein anderer – denn meine Interessen sind so breit gefächert, dass ich eigentlich nichts auf dieser Welt so gerne mache, dass ich es 40 Stunden die Woche machen will. Also ist Arbeit für mich ein Mittel zum Zweck, das schon okay sein sollte, aber nicht mein Lebensinhalt. Ich bin beeindruckt, wenn ich Bilder von unseren drei Genies sehe, aber glücklicherweise nicht neidisch. Ich möchte nicht tauschen. Und dafür gibt es einen einfachen Grund: jeder von ihnen ist immer noch ein Mensch und jede Erfolgsstory ist immer noch ein Leben. Ein Leben mit Hochs und Tiefs und die sind mindestens so hoch und tief wie bei meinem überschaubaren, kleinen Leben.

Ich habe wirklich ein großes Glück, wenn ich mich umschaue, denn was diese Dinge betrifft, bin ich weitgehend neidbefreit. Denn eine Sache haben mich diese drei Menschen vor allem gelehrt: Anerkennung von außen trägt absolut nichts zum Glück von innen bei. Auch wenn ihnen oft genug Anerkennung, Bewunderung und eben auch Neid entgegenschlägt: sie sind immer noch dieselben Menschen und haben weitgehend immer noch die gleichen Gefühle, die gleichen Sorgen und Zweifel.

Lebensentwürfe, wie diese drei Menschen sie leben, sind extrem energieintensiv. So ein Leben fällt einem nicht in den Schoß. Als Außenstehender sieht man meist nur das Ergebnis, doch den Weg dahin, den sieht man nicht. Entweder hat man ihn nicht miterlebt oder man will ihn vielleicht auch verleugnen. Wieviele Stunden sie einsam und überfordert waren, wieviel Arbeit hinter all dem steckte und auf wieviel sie verzichten mussten, um dorthin zu gelangen, wird selten bemerkt.

Darum gebührt ihnen allen auch meine Hochachtung, denn ich weiß, dass es oft steinige Wege waren, für die sie sich entschieden haben. Wege, die viele andere (mich eingeschlossen) nicht hätten gehen wollen. Und vielleicht auch können.

Und auch, wenn man noch so staunenden Augen gegenüber steht, wenn man von den Erfolgen auf der anderen Seite der neuen Welt spricht – für manche ist das große Glück ein kleiner Sonnenaufgang vor der Haustüre.