„Ein perfekt perfekter Tag braucht Wasser und Berge“

…diese Worte gebrauchte ich Ende September 2016, als versuchte, zum Ausdruck zu bringen, wie sehr ich diese großen und ruhigen Naturlandschaften liebe. Ich hatte mich an diesem Tag von der Zugspitze und dem Eibsee verzaubern lassen und war vollgefüllt mit Glücksgefühlen und hatte „die Füße im Laub, den Kopf in den Wolken“ – meine Beschreibung zwischen völligem geerdet sein mit der Natur und federleichtem Herzen. Nach dem großen „Ja“ am Wolfgangsee wurde dieses Zitat zu einem geflügelten Wort, an das ich immer denken muss, wenn ich grade an einem dieser zauberhaften Schauplätze sehe.

Als ich im letzten Jahr mit meinem Papa unterwegs zu einem Meeting im Südwesten war, hatten wir zwischendurch ein paar Stunden Zeit, die wir vertrödeln konnten. Unsere Reise sollte uns nach Osttirol führen und so kamen wir erst einmal durch Kärnten durch. Irgendwo las ich ein Schild „Weissensee“. Einer dieser Orte, die ich schon so lange besuchen wollte, die aber irgendwie weit genug weg und abgelegen genug sind, dass ich es noch nicht geschafft hatte. Da mein Papa ausflugstechnisch zum Glück spontan und flexibel ist, machten wir kurzerhand einen U-Turn und bogen ab auf die Straße Richtung Weissensee.

Ich kenne den Weissensee vom Hörensagen schon lange, vor vielen Jahren erhaschte ich einen Blick darauf über ein Facebookfoto der Exfreundin meines besten Freundes. Damals dachte ich: „oh, wow“, vergaß ihn aber auch wieder. Einige Zeit später begegnete er mir in den Erzählungen einer lieben ehemaligen Arbeitskollegin, die im Sommer immer einige Zeit dort verbrachte zum Seele baumeln lassen und fotografieren.

*

An sie dachte ich auch an diesem Tag, denn mit der Meldung, dass Claudia an den Folgen ihrer Krebserkrankung verstorben sei, begann der Jänner vor 3 Jahren – der erste in Folge von nun bereits drei, in denen ich mich von jemandem verabschieden musste.

*

Wir kannten uns nicht gut, aber wir hatten eine dieser seltsamen und seltenen Verbindungen. Diese Chemie und dieser Funke, der überspringt, wenn man das erste Mal miteinander spricht und sich fühlt, als hätte man jemanden gefunden, den man lange vermisst hat.

Ich wollte schon vorher einmal zu diesem See, doch seit dieser Nachricht hatte ich das Gefühl, dass ich mich dort noch einmal von ihr verabschieden können würde.

Es war völlig außerhalb der Saison – nicht mehr Winter und noch nicht Frühling – also waren nur ein paar Einheimische anzutreffen, die uns fast skeptisch wahrnahmen. Ansonsten herrschte überall absolute Ruhe. Die Luft stand still, sodass sich das Panorama fast perfekt im Wasser spiegelte. Es war ein magischer Moment, die ersten warmen Sonnenstrahlen nach dem Winter, die Farben und dieser Ort, mitten in der Natur.

Mach’s gut.

*

Etwas später kamen wir noch durch Velden am Wörthersee durch und auch dort konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, ein paar Momentaufnahmen mitzunehmen.

*

Der Tag endete mit dem Blick auf die Lienzer Dolomiten.

Verfasst von

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, Freudianer, Tolkienist, Freizeitfetischist, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Träumermädchen. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

35 Kommentare zu „„Ein perfekt perfekter Tag braucht Wasser und Berge“

  1. Wasser und Berge bringen definitiv mehr als nur schöne Fotos hervor – ich liebe das auch. Einfach nur wandern oder auch nur hinsetzen, sehen und genießen, einfach mal die Seele baumeln lassen … das tut gut …

    Danke für den schönen Start in den Tag 🙂

    LG, Birgit

    1. ja, gell. wasser und berge sind meine energielieferanten nummer eins. das ist wie eine lebensakkuschnellladestation oder so 😀 am besten natürlich in ruhe, wandernd, mit den füßen spürend und den lungen atmend.

  2. Schon verrückt das wir inzwischen in dem Alter sind, in dem es einfach passieren kann, dass einem die Menschen wegsterben… Das ist hart und schwer zu akzeptieren. Die Geschichte prägt natürlich auch die Bilder… Und trotzdem hast Du natürlich mehr als Recht. Wasser und Berge sind wundervolle Zutaten für das eigene Glück. Ihr seid ja da mehr als gesegnet 😉 Wundervolle Aufnahmen….!

    1. ja, das ist es. obwohl die freundin 27 und die ehemalige kollegin 42 war. sterben kann man letztlich immer, aber je älter man wird, umso öfter kommt man wohl oder übel damit in kontakt. allerdings erinnert mich die natur auch immer daran, dass wir alle letztlich nicht so wichtig sind. wir kommen und wir gehen. wir prägen hoffentlich das leben der menschen um uns. aber für den kosmos ist es keine so große sache. und auf eine seltsame art beruhigt mich das.

  3. ja, diese Tage im Winter, an denen man merkt, dass da doch noch immer etwas ist in der Natur. Dass nichts wirklich jemals tot ist, dass sich da noch Leben rührt, „untendrunter“, unter all der Winterkruste… Ich finde, sie sind besonders nötig, damit man diese Winter durchhält. Für mich zumindest.

    1. ja, genau! in dem fall war es einer der ersten tage, an denen wieder warme sonnenstrahlen auf der haut spürbar waren. wo man das gefühl hatte, dass man bäumen dabei hätte zuschauen können, wie sie knospen aufsetzen.
      ich finde diese tage auch extrem wichtig. hier bei uns in wien sind sie ja immer besonders rar gesät. das erinnert mich daran, dass ich dringend mal wieder raus aus der stadt müsste.

  4. Tolle Bilder und sooo blau!! Herrlich.
    Sie passen sehr zu deinem Text. Sammle die Bilder, die Momente, die Erinnerungen, es kann alles sehr schnell vorbei sein. Ich stelle fest, dass mir solche Erfahrungen bislang lange fern geblieben sind. Eine flüchtige Freundin, mit der es mir ähnlich ging, wie dir, verstarb vor mehr als zwanzig Jahren ganz plötzlich und überraschend. Ich kannte sie gar nicht lange, aber wir waren auf irgendeine Weise verbunden. Und ihr Tod hat mich umgehauen damals. Ich denke heute noch manchmal an sie, sie hat lange auf meiner Bettkante gesessen und war irgendwie noch da. Mit ihr verbinde ich andere Farben, aber ich verstehe deine blauen Bilder irgendwie zu deinen Worten … das Blau hat etwas unendliches und zugleich löst sich darin irgendetwas auf.

    1. ja, nicht wahr. ich war eigentlich völlig geflasht von diesen farben, so intensiv, das erlebt man selten um diese jahreszeit, finde ich. darum war es wohl auch besonders schön.
      danke für deinen kommentar und das was du schreibst. es ist schön, wenn das verstanden wird. manchmal in dieser welt habe ich das gefühl, dass betroffenheit vermessen ist, dass ich kein recht darauf habe, erschüttert zu sein. aber eigentlich ist es doch etwas wunderbares, wenn menschen spuren hinterlassen, wenn man sie nicht vergisst und sie ein bisschen teil bleiben.

  5. Wunderschöne Fotos vom Weissensee mit tollen Spiegelungen hast du gemacht. Ein besonderer Ort, der für eine Verabschiedung ganz gut passt und den Gedanken hilft zum Loslassen
    LG Andrea

  6. Boah, Gänsehaut. Eine ganz emotionale Geschichte mit dem Abschied und der Verbindung zu dem Ort.
    Das war beim Lesen gerade eine Reise zwischen Schönheit und dem unverständlichen Abschiednehmen.
    Wow.

  7. Was für ein wahrer, wahrer Satz. Das braucht ein perfekter Tag wirklich! Wunderschöne Szenerie!
    Das mit deiner Freundin tut mir natürlich leid… so was ist nie schön, aber besondern bei Leuten, mit denen man irgendwie sofort „klickt“ stelle ich es mir besonders hart vor.

    Deinen vorherigen Text kann ich aber auch sehr gut nachvollziehen. Ist schon interessant, was man im Laufe der Jahre für Strömungen miterlebt. Und gerade was Blogs angeht, finde ich die Entwicklung nicht immer gut. Es gibt meiner Meinung nach echt zu viel inhaltsloses momentan. Und Instagram macht das nicht gerade besser. Da sind die „Influencer“ ja besonders hohl…

    Haha, Pinterest ist schon eine Goldgrube. Und gerade Brautfrisuren habe sich seitdem echt verbessert. Man sieht nicht mehr so altbackene Hochsteckfrisuren. Man kann das ja jetzt auch echt so viel hübscher und lockerer machen.

    1. dankeschön ❤ ich beneide dich ja immer, weil du den eibsee und die zugspitze ums eck hast und dir damit ganz gut so einen "perfekten" tag gönnen kannst 🙂

      tod ist wohl immer erschütternd und bei menschen, die in wahrheit lang "vor ihrer zeit" gehen mussten oder gegangen sind nochmal mehr. aber das leben fragt leider nicht.

      ich muss auch sagen, dass von all den leuten, die ich aus der blogosphäre kenne, tatsächlich keiner zu so nem klassischen "influencer" geworden ist. und viele halten das ja auch gar nicht lange durch. 24/7 ihr leben zu plakatieren, das packt ohnehin keiner. irgendwie denke ich, man verkauft da echt seine seele zu einem sehr niedrigen preis. denn letztlich sind die auch alle nichts anderes, als verkäuferinnen, von denen aber soviel mehr einsatz gefordert wird. aber wer weiß, möglicherweise ist "influencer" das neue "modelbusiness". ich sehe instagram vor allem was junge frauen angeht, extrem kritisch.

      ja, pinterest hingegen ist wirklich noch etwas wie inspirationsquelle. da gibt es soooviele schöne ideen. auch zu günstigen preisen und zum selbermachen. das mag ich daran einfach gern.

  8. Ein schöner kleiner Kurzurlaub zum Feierabend. Danke dafür!
    Seen und Berge – eine ganz wunderbare Kombination und ich bin immer wieder froh, dass ich es nicht allzu weit zu den schönen Orten habe.
    Schon deine Bilder vom Eibsee habe ich genossen. Besonders, weil ich ihn kenne und gerne dort bin. Auch diese sind ein feiner Urlaub für die Augen.

    1. immer wieder gern ❤
      das glaub ich gern. da bist du in münchen ja doch noch eine ecke besser dran als ich hier in wien. aber ich will nicht jammern 🙂
      den eibsee fand ich ganz besonders schön und den wollte ich schon ewig sehen. aber auch ein bisschen näher an meinem heimatort gibt es noch den einen oder anderen spot abzuklappern.

  9. Deiner Beschreibung eines perfekten Tages würde ich mich gleich anschließen! Wunderschöne Fotos und bestimmt der richtige Ort/Zeitpunkt um sich an einen geliebten Menschen zurück zu erinnern…

  10. Ein wunderbarer Beitrag, mit dem du das Leben und die Natur feierst. Und gleichzeitig an die, die es nicht mehr genießen können, erinnerst.
    Gerade in den Bergen hab ich immer so eine Art Ewigkeitsgefühl – wenn dann noch Wasser hinzu kommt, das entweder rauscht und plätschert und Energie verströmt, oder auch mal einfach nur einen stillen Spiegel abgibt – dann ist es wirklich perfekt!!!
    Als wir vor wenigen Tagen im magischen Milford Sound auf Neuseelands Südinsel waren, musste ich sofort an deinen Satz denken – der passte für diesen Tag einfach hundertprozentig!!!

    Und deshalb hab ich ihn einfach für meinen Beitrag über diese unglaubliche Berge-Wasser-Kombination verwendet – https://fernwehheilen.com/2018/02/19/ein-perfekt-perfekter-tag/ – natürlich nicht, ohne dich als Urheberin zu nennen!

    Ich hoffe sehr, dass du mir meinen Ideenklau verzeihst – aber mir fiel wirklich nichts passenderes ein, um diesen perfekt perfekten Tag zu beschreiben! 💚💙💛

    1. ach meine liebe, das freut mich ja total ❤ ich stimme dir absolut zu und finde es schön, dass mein virtueller beitrag so reale spuren bei dir hinterlassen hat ❤ und ich bin schon mehr als gespannt, was du dazu veröffentlicht hast!

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