Reisen, Ethik, Moral, Wettbewerb und Gewissen

Wenn’s ums Reisen geht, dann geht es oft um so Vieles. Reisen bedeutet für jeden, der es gerne tut, etwas anderes. Und für die, die es nicht gerne tun, auch. Flucht, Selbstfindung, Erfahrungen sammeln, Fotografieren, Seele baumeln, das Leben verstehen, es gibt tausende und abertausende Facetten der Gründe, es zu tun (oder zu lassen). Jeder davon ist individuell, auch wenn uns das Internet so oft und gerne vorgaukelt, dass dem nicht so wäre. Denn Reisen, das zieht eine Assoziationskette hinter sich her wie kaum ein anderer Begriff. Wahrscheinlich gibt es außer fürs Glücklichsein (und Reisen wird ja oft als Allheilmittel dafür angepriesen) kaum ein anderes Konzept, für das auch nur annähernd soviele vermeintlich SEO wirksame 7 Punkte-Listen geschrieben wurden. Da ich ein Medienmensch bin, kann auch ich nicht behaupten, frei von diesen Einflüssen zu sein. Instagram, Pinterest und Co. machen genial einfache Planung möglich, laden die künftig verbrachten Urlaubstage aber schon im Vorhinein mit einer Menge bestimmter Erwartungen auf.

Aber nicht nur die Suche nach speziellen Plätzen führt dazu, dass wir schon im Vorhinein eine sehr konkrete Erwartungshaltung ihnen gegenüber haben. Allein das Reisen selbst, das wie wir Reisen, warum und wohin, die Auswahl der Destination, die Art und Weise wie wir dahin kommen, wie wir weiterkommen und wie wir schlafen sind relevante Aspekte unseres Reisens; aber nicht nur für uns – und hier kommt der Knackpunkt – sondern auch für unsere Außenwirkung.

Dies mag für viele Menschen nicht gelten, aber mich beschäftigt es immer wieder. Ich bezeichne mich als jemand, der gerne reist. Da ich jedoch üblicherweise an sicheren und touristischen Orten unterwegs bin, bin ich gefühlt immer auf der Hut, ob ums Eck jemand wartet, der mich deswegen kritisieren will, denn der Hickhack der #travelblogger untereinander ist ähnlich liebevoll wie der der #mamablogs. Bin ich eine Reisende, wenn ich auf einen gewissen Standard bei Übernachtungen achte? Darf ich mich als Reisende bezeichnen, obwohl ich noch nie als Backpacker (oder anders) in (Südost)Asien war? Darf man als jemand, der Asien und Afrika nicht ganz oben auf seiner Agenda hat, überhaupt von sich als reiseinteressiert sprechen? Darf man einen Reisefotoblog führen, wenn man sich in Marokko und Tunesien nicht wohlfühlt? Ist meine Reiseerfahrung echt, wenn ich mit allem Komfort von zuhause unterwegs bin, oder „gilt“ sie womöglich nur dann, wenn ich seit Tagen ohne vernünftige Dusche und aufgrund der Stockbettnachbarn ohne nennenswerten Schlaf, dafür mit handtellergroßen Küchenschaben als Bettgenossen einen Cocktail aus einer Kokosnuss am weißen Strand schlürfe? Denn so fühlt es sich manchmal für mich an. Und dann finde ich mich dämlich.

Trotzdem kommt es immer wieder. Ist das, was ich tue, tatsächlich reisen oder ist es nur das Konsumieren einer Show, die man mir als Tourist vorspielt, weil ich in meinen wenigen, vollzeitjobbedingten Urlaubstagen nicht schaffe, wirklich hinter die Kulissen zu blicken? Und MUSS ich hinter die Kulissen blicken oder darf ich mich mit den Eindrücken zufrieden geben, die mir präsentiert werden?

Eine Brücke entlang der Florida Keys, die während des Hurricane Irma zerstört wurde

In den allermeisten Fällen reise ich an Orte, weil ich an Natur und Landschaft interessiert bin. In Städten meist am Flair, am Ambiente und an dem einen oder anderen Bauwerk. Gelegentlich auch an der Kulinarik. Kultur ist nicht mein Steckenpferd und – so unpopulär das klingt – Menschen sind eher ein notwendiges Übel. Das bedeutet nicht, dass ich es nicht spannend finde, mit denen zu plaudern, die dort leben. Aber es ist mehr ein Zufallsprodukt und nicht das primäre Ziel und oft genug ist es mir lästig, wenn ich die Aura eines Ortes spüren will. Wenn ich die Natur erleben will, würde ich am liebsten alles Menschliche drumherum abschalten, denn die Menschen stören den Eindruck nur und machen ohnehin meistens alles kaputt.

Diese Einleitung ist nun also die Basis für zwei thematische Richtungen: einmal geht es dahin, dass ich darauf hinaus will, dass jeder, der etwas von der Welt erleben will, bestimmte Gründe dafür hat und sich bestimmte Erfahrungen wünscht – andere (manchmal unvermeidbare) können dabei lästig sein – und dürfen das auch, denn Reisen ist kein Wettbewerb. Es hat nicht die Person das Reisen gewonnen, die die größten Misslichkeiten und unbequemsten Schlafstätten aushalten konnte. Es hat überhaupt niemand von uns das Reisen gewonnen, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als würden wir alle einem Preis hinterherrennen. Reisen ist ein Luxusprodukt. Es ist eine wunderbare, persönliche Horizonterweiterung, aber es verschmutzt die Umwelt. Wir reisen, weil wir es können und weil wir es dürfen, nicht, weil wir jemandem etwas beweisen müssen. Doch dieses Gefühl schleicht sich bei mir immer wieder ein, obwohl ich nicht einmal weiß, wer dieser jemand ist. Vielleicht Big Brother? So lange habe ich überlegt, ob unsere Hochzeitsreise „angemessen“ ist. Ob Florida und die Mexiko/Kuba-Kreuzfahrt abenteuerlich genug sind. Reisen ist zum absoluten Prestige geworden. Wie werden meine Freunde, meine Familie, meine Kollegen auf diese Reise reagieren? Werden sie mir auf die Schulter klopfen, werden sie neidisch sein, werden sie den Plan belächeln und abtun?

Und ich frage mich: wie zur Hölle bin ich in diese völlig schwachsinnige Denkspirale reingerutscht? Ja, ich kenne die Antwort. Es gab einmal jemanden, dem ich etwas beweisen wollte und ich habe mich an diese Art zu denken gewöhnt, sie begleitet mich, obwohl es diesen jemand schon lange nicht mehr gibt. Als ich also am Ende unserer Reise in Fort Myers am Pier stand und der Sonne zusah, wie sie langsam, ganz langsam, im Atlantik versank und mir vor Faszination über dieses Wunder, das sich jeden Tag aufs Neue zuträgt, fast die Luft wegblieb, sagte ich mir selbst: scheiß drauf!

Das, was wir erleben, ist echt! Reisen muss nicht schwer und schwierig sein, man muss nicht immer und ununterbrochen an seinen Grenzen sein und darüber hinaus gehen, um die Welt wahrhaftig zu erleben. Denn die Welt IST, da, genau da, wo du jetzt stehst und genau so, wie du sie jetzt siehst, in dem Moment, für dich.

Aber damit ist noch nicht Schluss, denn es gibt noch einen weiteren Aspekt und dabei geht es um Moral und Ethik. Wie oft ich von den indonesischen Traumstränden lese und vom charmanten Verfall Havannas und all der Romantisierung von Problemfeldern. Plastikmüll, soweit das Auge reicht, Armut und schlechte medizinische Versorgung und das sich Erheben all der #travelistas und #travelitos, die ein paar Monate ihren Lebensstandard herunterschrauben, unheimlich viel Spaß haben, das Leben genießen und diese wahnsinnig echten und ehrlichen Erfahrungen machen, bevor sie wieder in ihr komfortables, europäisches Leben zurückkehren, während die Bewohner des Landes in den „charmant morbiden“ Gebäuden dauerhaft wohnen.

Ich will damit die persönliche Erfahrung nicht gering schätzen, denn diese halte ich für sehr wertvoll und ich beneide viele von ihnen auch, dass sie den Schritt gewagt haben, diese Erfahrung zu machen – versteht mich nicht falsch! Aber ich bin hin- und hergerissen. Ist es tatsächlich so durch und durch positiv, an diese Orte zu reisen, noch mehr an der Verschmutzung mitveranwortlich zu sein? Ist es okay, an Orte zu reisen, sich an Strand und Meer zu fläzen, wenn im Nebenort die Familien nicht wissen, woher sie die grundlegendste medizinische Versorgung erhalten sollen? Schadet oder hilft man den Menschen in diesem Land mehr, wenn man es besucht? Inwieweit kann man überhaupt ein bewusster Reisender sein, wie sind locker flockiges Urlaubsflair mit den Eindrücken eines Entwicklungslandes vereinbar?

Auf diese Fragen habe ich keine umfassende Antwort und ich vermute, dass es auch keine allgemeingültige Antwort geben wird – abgesehen vom Offensichtlichen, wie zu versuchen, vor allem lokale Unternehmen zu frequentieren und seinen eigenen Müll wegzuräumen. Wie ich selbst künftig mit dieser Frage umgehen werde, wird sich wohl von Destination zu Destination entscheiden. Dennoch finde ich es wichtig (für mich), überhaupt einmal diese Fragen in den Raum zu stellen und nicht nur blind den positiven Klischees entgegen zu fliegen, denn jedes Land hat schöne und hässliche Seiten und in meinen Augen habe ich es dann erst wirklich bereist, wenn ich es geschafft habe, das Schöne zu genießen, ohne das Hässliche völlig auszublenden.

Was hier auf dem Bild lustig aussieht, ist alles andere als das. Der Alligator spielt nicht, er versucht mehrmals, den Plastikball zu schnappen, zu kauen und zu fressen. Zum Glück schafft er es nicht (zumindest nicht, solange wir da sind), denn wenn es ihm gelänge, könnte ein achtlos weggeworfenes Spielzeug das Todesurteil dieses wunderschönen Lebewesens sein.

Darum:

Take nothing but picutes. Leave nothing but footprints.

Verfasst von

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, Freudianer, Tolkienist, Freizeitfetischist, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Träumermädchen. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

60 Kommentare zu „Reisen, Ethik, Moral, Wettbewerb und Gewissen

  1. Ich lese zwar selten einen Travelblog, aber das Thema finde ich trotzdem spannend.

    Zu der Frage „Welcher Reisetyp sind Sie?“ habe ich gestern einen Artikel gelesen. Darin hieß es u.a. „Fragen Sie sich, warum Sie dort hinreisen: Fahren Sie dort nur hin, damit Sie anderen auf Facebook davon berichten können? Vielleicht ist ja ein Wanderurlaub in Bayern genau das richtige für Sie.“

    Ich glaube, diese Frage stellen sich Reiseblogger nicht.

    PS: Ich hoffe auch, dass es dem Alligator nicht gelang, den Ball zu schnappen.

    LG
    Ulrkke

    1. liebe ulrike, diese frage finde ich extrem wichtig. es ist uns nämlich etwas abhanden gekommen, uns zu fragen, was zu uns passt, weil eben das bereisen vieler exotischer destinationen schon fast als notwendig erscheint. aus diesem rad wollte ich mich immer wieder ausklinken und hoffe auch, dass es noch viele andere tun werden. wir alle sind unterschiedliche menschen und das schlägt sich nieder in allem, was wir tun, auch im reisen.

      und JA, das hoffe ich auch inständig…

    1. totaler schwachsinn eigentlich. immerhin sind es EURE tage und grade wenn man nicht mehr im heimatland wohnt, kann das was besonderes sein, vor allem, es auch gemeinsam zu machen.

    2. Was heißt „wir waren nur in Österreich wandern“? Vielleicht habt ihr viel mehr für euch wertvolle Dinge erlebt, die anderen, die „nur“ Strandurlaub machen, entgehen…

      Mir wollte neulich jemand mein Reiseziel Dänemark madig machen, mit den Worten, da wäre es ja wie hier, statt dessen solle ich doch nach Ägypten reisen, da würde ich ja so viel mehr sehen und vor allem eine 7000 Jahre alte Kultur. Ich hab ihn reden lassen, denn wenn ich im Moment eins brauche, dann sind es Ruhe und Natur.

      In diesem Sinne beneide ich euch schon fast um euren Urlaub in Österreich

      LG
      Ulrike

      1. es ist eigentlich überhaupt unverschämt, anderen ihre reiseziele verderben zu wollen. warum auch? was hat die person davon? sowas ist wirklich ärgerlich und im privaten umgebe ich mich auch nicht mit menschen, die so etwas tun.
        dänemark ist bestimmt toll, da will ich auch gerne mal hin!

      2. Hi, bin jetzt wieder zurück aus dem Urlaub. Ich bin um überwiegend positive Eindrücke und Erfahrungen reicher und um eine Kamera ärmer. Aber wozu hat man denn sonst sein Handy dabei?

      3. oh nein, was ist denn mit deiner kamera passiert? :-O ja das handy kann zum glück in der not einiges ausgleichen…

      4. Tja, das war ein typischer Fall von eigener Dummheit. Ich bin in Flensburg losgefahren, ohne zu prüfen, dass der Kofferraum richtig zu ist, und dann ist so einiges während der Fahr nach Dänemark rausgefallen, ohne dass ich es gleich gemerkt habe.

        In Dänemark habe ich dann festgestellt, dass eine Jacke und die Kameratasche mit Kamera, Akkus, Ladegerät und Kabel rausgefallen ist.

        von den übrigen Fotos erstelle ich im Moment bei pinterest ein Album, das noch recht wenige Bilder beinhaltet.

      5. 😦 das ist ja super blöde, du liebe zeit. kein schöner start für den urlaub 😦 aber gut, dass du es nicht allzu schwer nimmst…

      6. Ich habe das beste daraus gemacht und glaube mir, ich hatte die beste Zeit seit langem; vor allem, weil ich endlich die unvollendeten Pläne komplett durchgezogen habe – und die wahren Erinnerungen, die sind im Kopf und in meinem Herzen; ich habe sogar angefangen, wieder Tagebuch zu schreiben. Richtig auf Papier und mit Stift.

      7. oh wie schön ❤ ich schreibe dieses jahr auch einen papierkalender. ich klebe dinge rein, schreibe planlisten und und und. das ist schon eine sehr wertvolle sache, die mir durch facebook und co lange verloren gegangen ist.

  2. „Darf man als jemand, der Asien und Afrika nicht ganz oben auf seiner Agenda hat, überhaupt von sich als reiseinteressiert sprechen? “ Mit der Frage hast du mich gepackt!
    Ich finde es immer wieder spannend, wie viele Menschen sich über die Flugmeilen bis zum Urlaubsziel definieren. Ich denke dazu, dass diese keine dieser Meilen im Wortsinne „erfahren“ haben.
    Auch wenn meine Reisen häufig von kürzerer Strecke sind, denke ich , ich kann zu Recht behaupten, die mit dem Rad oder Segelschiff besuchten Orte „erfahren“ zu haben. Mir die Strecke zu eigen gemacht zu haben. Mein Wunsch wäre, mehr Leute für solches reisen begeistern zu können. Das Fernwehfeuer zieht mich auch nach draußen, aber warum muss es viele Zug- oder Flugstunden entfernt sein, nur um von entfernten Orten zu berichten. Wildnis und Ruhe, beides findet man auch in Deutschland. Und Heldengeschichten kann man auch davon genügend erzählen. Ich selbst habe es meinen Lebtag noch nicht aus Europa heraus geschafft, und fände es auch nicht schlimm, wenn das eine Weile so bleibt.

    Ein weiterer Gedanke, der mir zu der Reise möglichst aufwendig und weit weg kommt, ist der, der Ungeduld: Wenn ich eine Fährpassage einrechne, oder gleich segele, brauch ich eine ganze Weile bis zum Ziel. Vielen Reisenden ist es wichtiger schnellstmöglich möglichst weit weg zu sein. Eine kleine Bilanz dazu: Was für den geübten Wanderer eine Tagesstrecke ist, wird für einen Radfahrer oder Reiter eine Strecke einer guten Stunde bis zwei Stunden. Was ein Radfahrer am Tag schafft, ist für den PKW eine Stundenleistung. Was dieser am Tag fährt, schafft wiederum ein Flugzeug in einer guten Stunde. Mit jedem Schritt schrumpfen die Wege weiter, es bleibt nur noch der Wert des Zieles.

    Das Schubladendenken der Travelblogger habe ich im Outdoorbereich gesehen. Zitat: “ Wer der Zahnbürste nicht den Griff absägt, ist kein richtiger Ultralight-Camper“. Muss ich das denn sein? Alleine meine Kamera sprengt das Gewichtsbudget der UL-Fraktion… Ich finde nur manche Ausrüstungsgegenstände aus deren Konzeption praktisch, und werde in den Foren gleich mit solchen Thesen bombadiert.

    Ein Gedanke noch zu deinen Ethikfragen, den ich manchem, der zum Badeurlaub in ein schönes Hotel in der Südsee fliegt, gerne einbläuen würde:
    Ist es ok, das Flugzeug zu einem Urlaubsziel zu nehmen, dass durch genau diese CO2-Emissionen in Bälde UNTER dem Meeresspiegel liegen wird?

    Im Umkehrschluss ein paar positive Worte: Ich denke, alle, die die Schönheit der Welt, aber auch ihre Zerbrechlichkeit und Gefährdung der Öffentlichkeit zeigen, tun etwas sehr gutes: Niemand wird die Umwelt schützen, nur weil es richtig ist. Wir alle haben die Aufgabe, denke ich, mit unseren Bildern und Texten, die Umwelt als schützenswert zu zeigen. Wenn es dann Menschen gibt, die es nicht schaffen, diese Orte zu bereisen, aber sie als schön und schützenswert gezeigt bekommen, und sich dann selbst für den Schutz, bzw. im sozialen Bereich die Verbesserung der Umstände, einsetzen, dann haben wir es richtig gemacht.

    Liebe Grüße aus Leipzig
    Jakob

    1. hallo jakob!
      erstmal viiiielen dank für deinen mega ausführlichen kommentar! :-O
      „sich über die flugmeilen definieren“ oh ja, das hast du absolut auf den punkt getroffen! je weiter, desto wertvoller.
      Was die zeit anbelangt, ist es halt (bei mir zB) oft ein problem der urlaubstage. ich würde zb lieber gemütlich mit dem schiff über den atlantik fahren, mit den begrenzten urlaubstagen werde ich andererseits zu einer „effizienz“ gezwungen, wenn ich ein bestimmtes reiseziel gern sehen möchte. aber recht hast du allemal. daher finde ich wandern auch so eine schöne sache. mir ist selbst mal so eine kleine „weisheit“ eingeschossen: wenn dir die welt zu klein ist, geh zu fuß. ich finde es nämlich sehr heilsam entfernungen so auch einmal wirklich erfahren zu können, denn das ist schon etwas, das haften bleibt, finde ich. zu wissen, wie lang man für 5km zu fuß braucht und sich bewusst zu machen, wieviele km man zurückgelegt hat und wie lange man dafür ohne hilfsmittel gebraucht hätte.
      darum mache ich aber auch so gerne roadtrips, da hier der weg zum ziel wird und auch die strecke wertvoll ist.

      liebe grüße nach leipzig und danke noch einmal für deine worte ❤

      1. „Der Weg als das Ziel“ genau das ist es, was ich mit dem Wortspiel des „Erfahrens“ meine. Die Idee zu diesem Wortspiel kam aus einem Austausch in Bündischer Runde mit vielen Pfadfindern. Bei den Pfadis heißt das gemeinsame Reisen Lager oder Fahrt. Mit Rucksack und Kothe losziehen wird auf Fahrt gehen oder gar auf Großfahrt gehen genannt.

        VG
        Jakob

      2. das klingt alles nach so einer wunderbar bodenständigen und ursprünglichen welt. ich wollte ja als kind acuh gern zu den pfadfindern, aber meine eltern waren für so gemeinschaftliche aktivitäten nicht zu haben.

  3. liebe paleica, das ist ein spannender bericht, spannende gedanken zum thema reisen. anfangs, als ich die vielen fragen las, dachte ich: was für ein stress für urlaub! das ist doch urlaub! (und kein wettbewerb, wie du irgendwo schreibst). du schreibst von einer erfahrung/ einem menschen, der dir ein bestimmtes (vergleichendes?) denken „beigebracht“ hat. ich war sehr froh, als ich las, du habest es hinter dir gelassen und dass du „drauf scheißt“. sehr gut. denn dem urlaub wird doch einiges genommen, wenn es umdeklariert wird zum wettbewerb. es geht doch darum, also mir, neue eindrücke zu erleben, neues zu entdecken, zu sehen, auszuprobieren, sich auf fremdem terrain umzuschauen und „einzuleben“, sich dort zu bewegen, orte zu erkunden und, für mich zumindest, auch mit anderen menschen, seien es reisende oder einheimische, ins gespräch zu kommen. ich mag das, auch wenn ich nicht unentwegt damit beschäftigt bin, aber ich gehe offen durch die welt und bin einem gespräch mit anderen nicht abgeneigt mich auszutauschen, wenn es sich ergibt oder anbietet. (allerdings nicht andauernd, ich „sammle schon auch gerne eine weile nur für mich alleine“).
    ich finde das wichtigste bei der auswahl eines urlaubszieles ist, sich zu fragen, was man gerade braucht… zerstreuung, stadtleben, oder mehr natur oder beides. wieviel zeit habe ich? was erlaubt mein urlaubsbudget? was wollte ich immer schon mal „live“ erleben.
    den gedanken des reisens in „arme länder“ finde ich wichtig. durch tourismus verdienen die länder und einheimischen, was sie ohne tourismus nicht hätten. das sieht man manchmal ja, nachdem eine natur-oder andere katastrophe über ein gebiet hereingebrochen ist: die touristen bleiben aus. für die einheimischen ist das eine zusätzliche katastrophe, denn sie leben davon. andererseits gehen von menschenmassen durchaus auch nachteilige spuren aus. vermüllung, vertrampelung (hihi) in der natur, vielleicht auch tatsächlich ausbeutung. ich halts für wichtig, den menschen vor ort auch z.b. trinkgeld da zu lassen und nicht darauf aus zu sein, sich „durchzumogeln“ und z.b. kostenlos essen und wohnen bei einheimischen, wie das manche machen, obwohl sie genügend geld haben.
    im urlaub sich benehmen zu wissen, auch wenn einen niemand kennt, das gehört für mich dazu, wie auch, keine müllberge zu hinterlassen oder sonstwie „zu schaden“.
    ich finde, es gibt keine „must-go“-places, das ist eine individuelle geschichte, jeder soll dorthin reisen, wohin es einen zieht. deine fotos sind übrigens ganz großartig. das miami-foto hat es mir besonders angetan.
    ich wünsche euch beiden jedenfalls schöne, erholsame und inspirierende urlaube. liebe grüße und danke für den interessanten beitrag. ❤

    1. weißt du, das ironische ist, dass mir das wettbewerbsdenken ganz zu beginn erstmal geholfen hat, überhaupt das „reisen“ voranzutreiben. da hatte es also durchaus sein gutes. aber irgendwann hat es dann einfach begonnen, überhand zu nehmen. wenn man jeden möglichen freien tag verplant, ohne zu berücksichtigen, dass man manchmal auch durchschnaufen und erlebtes verarbeiten muss, ist doch etwas achtung geboten.

      ich danke dir sehr herzlich für deine worte und geteilten gedanken, denen ich nur zustimmen kann. es tut gut, so etwas „bodenständiges“ (im positivsten sinne) zu lesen.

      1. interessant zu lesen, wie es vom anfangs störenden impuls zu etwas gutem und freierem führte. danke für das kompliment, ich lese dich auch so gern. ❤ hab einen schönen entspannten abend ohne blöde kommentare. 🙂 liebe grüße!

      2. ja, das war ehrlich gesagt auch für mich eine spannende erkenntnis!
        ich wünsch dir von herzen einen wunderbaren start in die woche! ❤

  4. Liebe Christina,

    Reisen ist zum Prestige geworden, wie wahr! In der Schule ist es unmöglich, wenn man nicht in jeden Ferien wegfährt, schlimm.

    Für mich ist wichtig, habe ich mich erholt? An allererster Stelle, denn ich reise für Entspannung, auch um Neues kennenzulernen, aber in erster Linie für eine entspannte Auszeit. Wo ich dafür hinfahre, ist mir fast egal, ich liebe das Meer, auch die Berge. In Bezug auf die Unterbringung bin ich ein Snob, ich habe es gerne sehr nett.

    Schön ist, wenn man etwas mitnimmt, ein Rezept, das man zu Hause nachkocht, Musik, die man gehört hat, das rundet es für mich ab.

    Ganz liebe Grüße, Bee

    1. wow, bei schülern geht das auch schon los? das ist ja wahnsinn… wenn ich mir das überlege… bei uns war das null thema. ich habe nichtmal ahnung, wo meine mitschüler unterwegs waren und ob überhaupt.
      ich verstehe das übrigens. aber ist man deswegen ein snob? ich weiß nicht, nur weil jemand gern eine saubere und bequeme unterkunft hat, ist er noch lang kein „schlechterer“ reisender als jemand, der gern irgendwo mit seinem schlafsack am boden pennt.
      mitbringsel für zuhause, ja, das ist fein. da sind mir die fotos dann auch besonders wichtig.

  5. Hi

    Spannendes Thema!
    Vorwegmal denke ich das uns das Reisen generell, weltoffener und toleranter macht. Natürlich endet bei jedem Menschen die Komfortzone wo anders. Außerdem seh ich das zum Teil bei unserer Elterngeneration, die kann man mangels Englischkentnisse nicht so einfach in jedem Land „aussetzen“.
    Ich persöhnlich habs ja lieber gerne abenteuerlich, fehlender Komfort und andere Reise- Unannehmlichkeiten inklusive. Was mich dann aber doch abschreckt ist wenn ich mir wo unerwünscht oder nur als Übel zum Zweck (als Geldquelle) vorkomme. Ist mit teilweise auf meinem Indonesientrip, vor zwei einhalb Jahren, so ergangen.
    Außerdem muß man ja nicht immer weit weg um Abenteuer zu erleben, ich denke da nur an meine Dolomitenüberquerung…

    Was ich in all meinen Reisejahren gelernt habe:
    Besser wo länger bleiben, auch wenn man so vielleicht weniger Orte sieht.
    Dafür hat man mehr Zeit um in andere Kulturen hineinzuschnuppern, andere Leute kennen zulernen, Momente zu geniesen und sich ein wenig zuhause zu fühlen oder sich die eine oder andere Urlaubsangewohnheit in den Alttag mitzuhehmen.

    Glg Peter

    1. damit hast du sicher recht. obwohl es auch da einen unterschied macht, glaube ich: wieviel impact hat das reisen auf jemanden, der 14 Tage in seinem Hotel sitzt und außer der Strandliege und den Kellnern mit niemandem in Kontakt kommt? Dennoch ist es vermutlich besser, als er sitzt im hof des gemeindebaus. um noch ein klischee zu bedienen.
      ja, DU bist definitiv und unbestritten einer derjenigen, die sich mit fug und recht „reisender“ nennen dürfen 🙂 ich bewundere dich auch ehrlich dafür, wie du all das nicht nur wegsteckst, sondern deine eigene tolle reiseerfahrung draus mitnimmst. wenn ich nass und kalt schlafen müsste, könnte ich wohl an nix anderes mehr denken.
      was du über indonesien schreibst ist auch etwas, das mich in der region schwer abschreckt, das mag ich nämlich auch gar nicht, was dazu führt, dass einige ziele trotz toller möglichkeiten in der liste ne ecke nach hinten gerutscht sind.

  6. Hallo, als erstes möchte ich hier Bee zitieren.

    „Reisen ist zum Prestige geworden, wie wahr! In der Schule ist es unmöglich, wenn man nicht in jeden Ferien wegfährt, schlimm.“

    Ich finde dies ebenfalls schlimm, zumal sich die Dinge ja hier langsam hochaddieren. Klamotten, Reisen etc..
    Gut dies war nur mal mit am Rande.

    Reisen! Weswegen Reise ich, für mich ist es relativ simpel. Ich bin eher der Seele baumeln lassen Urlauber, wobei hier natürlich die Fotografie dazugehört. Bei der Fotografie kann man auch so schön die Seele baumeln lassen. Land, Leute kennenlernen auch gerne abseits von den typisch touristischen Orten.
    Eins darf natürlich nicht fehlen das essen. Ich liebe essen landestypische Speisen zu geniessen bzw. zu probieren.
    Und hier und da etwas mitzunehmen von der Kultur, von dem essen etc.

    Liebe Grüsse
    Andreas

    1. hallo andreas! ja, wenn ich das lese, finde ich das auch schlimm – und bin einmal mehr dankbar, auf welcher insel der seligen ich diesbezüglich aufwachsen durfte. bei uns gab es das nie, dass irgendjemand irgendwas haben oder tun musste, um teil der gemeinschaft zu sein.

      mit dem essen geht es mir genauso! darum habe ich schwere hemmungen, gegenden zu bereisen, die mir vom essen her nicht zusagen ^.^ ich finde, im essen steckt wahnsinnig viel kultur.

    1. hallo bernd, das ist ein wunderschönes zitat und auch eines, das sehr metaphorisch auf das leben übertragen verstanden werden kann. danke für deine worte!

  7. Ich habe meinen Kommentar gerade drei mal gelöscht und er wird und wird nicht besser. Mein Kopf ist ein Sieb und das tut mir gerade heute leid, weil ich diesen Artikel von dir so großartig finde. Er wirft so viele Fragen in den Raum, die ich mir selbst stelle und lässt mich über vieles nachdenken, auf das ich zuvor noch gar nicht gekommen bin. Er ist toll! Und er hätte mehr verdient als diese drei Worte. Sorry!!

  8. Habe viel über das Reisen nachgedacht und finde, dass jeder seine ganz individuellen wahren Gründe hat, warum er reist. Das kann Suche nach Entspannung sein, Remmidemmi, braun werden, Flucht, protzen, Neugier, Erweiterung, Zerstreutheit finden, die Suche nach einer Sache oder einem Gefühl, das man daheim nicht finden kann… …viele , viele Gründe und alle ganz individuell.
    Ich habe die Tage in unserem Gespräch geschrieben… …augenzwinkernd… …das ‚experimentelles Reisen‘ (geiles Wort übrigens) vielleicht ja auch den Unterschied zwischen Jazz und Pop beschreiben könnte. Liegt da eine Wertung drin? …ich versuche mich die ganze Zeit dagegen zu wehren es als Wertung zu empfinden… …aber irgendwie scheint es wohl doch eine zu sein. Vielleicht für mich. Für das was ich für MICH als Maßstab an MEINE Reisen nutze. Ich kann damit aber keinesfalls Reisen anderer Menschen werten… …wie denn auch.. …es sind ja ihre Reisen und ihre Gefühle und Erinnerungen daran.
    Ich kann mich natürlich nicht davon freisprechen von Meinung anderer ganz unbeeinflusst zu sein… …aber beim Reisen ist es mir echt Latte was andere denken (ich meine wenn bei denen negative Gefühle und Gedanken mitschwingen). Da kommen dann Kommentare wie: „..oh, wie kannst du denn nach einer JAZZ-Reise jetzt eine POP-Reise machen… …das passt doch gar nicht zu dir..“ …..hhmm, wie willst du wissen was zu mir passt? Ich suche ja selbst nach dem was zu mir passt. – Was ich einfach sagen will ist: ich weiß natürlich vorher nicht, was bei einer Reise herumkommt… …aber ich kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Reise gut wird, wenn sie auch ein wenig über den momentanen eigenen Tellerrand hinausgehe… ….Tellerrand heißt jetzt nicht wilder und weiter… …es bedeutet vielmehr, dass zu finden, was ich noch nicht habe. Wie sagt man doch so schön: desperate times call for desperate meassures. 🙂

    1. den vergleich von jazz-reisen und pop-reisen fand ich schon genial, als du ihn geschrieben hast! ich glaube aber eben, dass das ein thema ist, in dem wertung so schwer verhaftet, das es kaum möglich ist, neutral zu bleiben. komisch, oder? ich denke aber auch, dass man das für sich ruhig werten darf, anderen ihre eigene wahrheit aber unbedingt zugestehen muss (solange sie niemanden schädigen).

      danke auch dir vielmals fürs teilen deiner gedanken, es ist so schön, das zu lesen. ich verstehe sehr gut was du meinst und ich finde es toll, dass du mittlerweile an diesem punkt bist!

  9. Was für ein toller Beitrag der passender nicht hätte kommen können. Mich beschäftigt das Thema schon ne ganze Weile und momentan spitzt es sich ein bisschen zu… Egal ob es an den tollen Reise-Dokus auf Netflix und Co liegt oder an all den Reiseeindrücken der Instagramer und Facebooker… Ich hinterfrage gerade viel, überlege was ich will, was kindergerecht ist, was mir gerecht wird und warum ich nur so wenig Zeit dafür hab. Das alles macht mich unzufreiden. Weil ich mich leiten lasse. Von aussen und von Vorgaben die ich mir selber mache… Ich hänge ebenfalls in dieser Spirale und weiß auch genau warum…

    1. oh ich weiß so genau was du meinst. es ist heutzutage – grade für menschen wie uns, die einfach permanent online geschehen um sich haben – glaube ich extrem schwer zu differenzieren, was erwartungen sind, egal ob sie von außen oder innen kommen und was wünsche sind. wir alle beschäftigen uns wohl damit, unser leben bestmöglich zu leben und das ist ohnehin nicht immer einfach. was also ist durch seine herausforderung noch bereicherung, was nur mehr stress? was tun wir, weil wir unsicher sind was wir wollen, aber sicher, dass es dafür herzen gibt? bis zu einem gewissen grad sind wir wohl beeinflusst, ob wir wollen oder nicht. wo dieser grat liegt, das gilt es immer wieder herauszufinden.

      1. …und das ist halt nicht wirklich einfach… Aber was ist schon einfach in dieser Welt? Und genau da drehen wir uns wieder im Kreis… Aber ich glaube fest an uns!!

      2. ich denke wichtig ist einfach nur, dass man wachsam bleibt und sich selbst immer wieder hinterfragt. man merkt es eh. wenn freizeitaktivitäten zum stressen anfangen oder wenn man nur noch unterwegs ist mit dem gedanken, was auf insta passt.

      3. Stimmt schon, wer kennt dieses Gefühl des langsamen hineindriften in die virtuelle Welt nicht….? Ist schon wichtig da auch wieder rauszukommen…

  10. Oh man… so viele Gedanken sprudeln mir gleich aus dem Kopf.
    Ich dachte als Kind immer, wir machen nie richtig „Urlaub“ weil wir entweder in Österreich oder Schweden waren und da auch nie in all inclusive resort hotels mit pool sondern ganz langweilig am Bauernhof beim Opa und der Oma oder in der Ferienhütte vom Opa. Was wollte ich immer woanders hin, während meine Eltern uns zu „Kultur“ gezwungen haben (also eine Wanderung oder ein Freilichtmuseum). Jetzt bin ich dankbar für diese Zeit und es hat sicher auch mein Reisen geprägt. Ich steh so gar nicht auf Menschenmassen und Anziehupunkte, lieber in ner Seitengasse und fernab von dem touristengetummel.
    Und zur Hochzeitsreise: wir waren im Salzkammergut und ich hab ewig gebraucht bis ich damit ein verstanden war, denn in meinem Kopf dachte ich, ist es denn eine Hochzeitsreise wenn es nicht auf die Malediven, die Seychellen, nach Hawaii geht?

    Ps. Cruise war auch ne Überlegung, aber logistisch war es dann doch zu kompliziert;-)

    1. eine freundin von mir (die weiter oben kommentiert hat) ist auch ausgewandert und war zur hochzeitsreise auch in österreich. ich kann das gut verstehen, dass man sich zu diesem anlass dann die zeit nimmt, auch mal wieder länger zuhause zu sein, auch wenn es nicht mehr zuhause ist und da wieder erinnerungen aufzufrischen, neue eindrücke zu sammeln, sich selber zu erden. gleichzeitig ist es schon verrückt, welchen druck man sicht macht mit dem reisen, anstatt einfach zu tun, was passt. warum man sich da selber so blockiert, dass man nicht mehr weiß, ob sich das richtig anfühlt.
      ich war übrigens mit meinen eltern meistens mit dem auto unterwegs, viel übers land fahren und war davon irgendwie damals sehr genervt. später hab ich sie gewissermaßen 2, 3x „gezwungen“, einen cluburlaub zu machen. als early teenager war das für mich mega wichtig, gleichzeitig glaube ich heute aber schon, dass ich sehr davon profitiert habe, wie ich das reisen an sich die jahre davor kennengelernt hab.

  11. Mein Hirn sprudelt gerade über und ich kann gar nicht mehr alles zusammen fassen was ich sagen wollte. In erster Linie bin ich der Meinung, dass jeder selbst entscheiden sollte, wie er seinen Urlaub verbringt. Wir wurden bei unserer Hochzeitsreise belächelt, weil wir wieder in das gleiche Hotel wie beim letzten Mal sind. Aber wir haben das explizit so gewählt, weil wir abschalten wollten. Direkte Entspannung und wir wussten, dass wir die dort bekommen. Wir haben es nicht bereut. Wir haben sogar mehr unternommen als im letzten Urlaub, waren mutig und auf Achse und vor allen Dingen entspannt. So richtig entspannt. Und es hält noch bis heute an, wenn ich an das Meer zurück denke und an die schönen Tage die ich dort mit meinem Mann verbracht habe.

    Ich weiß nicht ob es bestimmten Gebieten von Nutzen ist, wenn der Tourismus hochgekurbelt wird und ich finde das auch etwas kritisch. Einer meiner ehemaligen Chefs hat immer in Südafrika Urlaub gemacht und immer protzige Bilder geschickt. Aber bei dem Blick auf das Bild, stellte sich auch immer das Gefühl von „Protz zwischen all den Slums“ ein. Weißt du was ich meine? Ich weiß nicht ob ich das könnte. Ich würde auch gerne mal den Tafelberg und Südafrika sehen, aber ich würde nicht den Protz so raushängen lassen. Ich weiß nicht recht wie ich es ausdrücken soll.

    Der Artikel hat mir gut gefallen und er regt definitiv zum Denken an. Auch einige der Kommentare sind nicht ohne. 👍

    1. ich finde es echt sooo wahnsinnig spannend, wie unterschiedlich allein hier in meiner kleinen filterbubble gereist wird. gleiches hotel, das man kennt und mag is doch eine total clevere idee. und das spannende ist, dass tatsächlich auch die ähnlichen erfahrungen sind, es wurde von außen belächelt und kopf geschüttelt. wahnsinn, wie sich alle menschen anmaßen, darüber zu urteilen, wie andere reisen.

      ich weiß genau was du meinst – genau das ist nämlich auch etwas, mit dem ich schwierigkeiten habe. dieses „ich bin achso ein kosmopolit und pose mit schwarzen kiddies“ – das finde ich schon eher fragwürdig. ich denke, man sollte einen gewissen ethischen gedanken schon mittragen, grade wenn man in kritischere gebiete reist.

      danke für deine lieben worte zum text, der schlummerte schon sehr lang in mir ❤

  12. So ne ähnliche Diskussion hatte ich gesten mit ner Freundin. Sie meinte sie würde in ihr Hotel fahren und der Rest sei egal und ich hab einige Ziele aus gewissen Überlegungen ausgeschlossen. Wir haben das Gespräch dann mit dem Einvernehmen beendet, dass das jeder für sich selbst enscheiden muss.

    1. ich denke, das ist auch letztlich der einzig mögliche ausgang. obwohl ich das persönlich auch nicht verstehen kann, ist es legitim, wenn andere das so machen. solang man dann nicht gemeinsam unterwegs ist 😉

  13. Das ist ja interessant! Ich komme ja eher aus der Ecke der Mamablogger, wenn ich mich da mit dem Thema Neue Medien auch eher in einer Nische befinde. Aber ich hätte jetzt nie gedacht, dass es diese Gebashe auch unter Travelbloggern gibt. Mein Mann und ich sind keine Globetrotter. Für uns hat Reisen keinen so hohen Stellenwert. Auch wir haben beinahe mitleidige Blicke geernetet, als wir erzählten, als wir nach der Hochzeit „nur“ von unserem Kurzurlaub im Hundertwasser-Hotel erzählen konnten. Es gibt schon noch so ein paar Ziele, die uns interessieren. Norwegen, Schweden oder Finnland zum Beispiel. Ich fliege nicht gerne weit. Deswegen bin ich da eh schon eingeschränkt. Aber ich bin auch nicht neidisch, wenn andere mir von ihren Reisen erzählen.
    Im Moment habe ich ein kleines Problem damit, dass meine Eltern eine Kreuzfahrt nach der anderen machen. Ja, für sie ist es eine Möglichkeit jetzt noch einiges nachzuholen, von dem sie meinen, dass sie es in den letzten Jahrzehnten mit uns Kindern verpasst haben. Aber mir gefällt diese Art zu Reisen nicht. Diese riesigen Schiffe, die an ganz bezaubernden Orten ankern und die Aussicht verschandeln …

    LG Tina

    1. hallo tina – und herzlich willkommen hier in meinem blog!
      mamablogger sind da ja glaube ich schon seeeehr speziell, aber bei den travelbloggern ist es glaube ich nicht allzu viel anders. traurig eigentlich. wo ist denn nur der communitygedanke hin?
      ich finde es spannend und total in ordnung zu sagen, reisen ist für uns nicht so wichtig. skandinavien ist übrigens toll. das sind wunderbare ziele! aber es gibt ja auch andere dinge im leben, die man machen kann. schön zu sehen, dass sich manche diesem hype entziehen!

      ich finde kreuzfahren halt (leider) wunderbar bequem. aber es hat auch riesige nachteile, die man bedenken sollte und die eigentlich besser nicht zu unterstützen sind, da verstehe ich deine bedenken gut…

  14. Ein wunderbarer Bericht übers Reisen, den ich eigentlich zu hundert Prozent unterschreiben kann.

    Zumal ich eh auf dem Standpunkt stehe, jeder soll so reisen, wie es ihm am meisten Spaß macht. Irgendwelchen Trends zu folgen, istbzmindest nicht mein Ding.

    LG Thomas

    1. dankeschön lieber thomas! und ich finde es toll, dass du diese meinung vertrittst. das ist nicht selbstverständlich. ich sehe das aber definitiv genauso!

  15. Sehr persönlich, liebenswert, zum Nachdenken anregend… liebe Paleica in manchem Satz finde ich mich, muss kichern. Aber auch wieder herausgewachsen anders. Es war eben eine andere Zeit als ich die erste Reise antrat, niemals ein Flugzeug betreten wollte und dann doch via Flug Irland für mich entdeckte.

    Und mir so vollkommen gleichgültig war und ist, was der Mitmensch über mein Reiseziel etc. denkt.

    Vermutlich hängt es jedoch damit zusammen, dass mein Vater beruflich über Jahrzehnte im Ausland weilte!?

    Übrigens etliche Jahre in Bad Radkersburg und später in Kalabrien, in Spanien, in der Türkei und zuletzt in China. Dort zu leben wo andere Menschen Urlaub machen hat eine besondere Qualität. Er brachte Eindrücke mit, die der Tourist im Spa niemals finden kann… das steckt an, nämlich hinzuspüren und das habe ich in Irland intensiv getan. Und genossen!

    Ich wünsche Dir ein wunderschönes Wochenende und sende herzliche Grüßle aus Augsburg, Heidrun

    1. liebe heidrun, das klingt mir, als hättest auch du deine sehr persönliche geschichte zum reisen! wie schön, dass du frei bist von diesen lästigen gedanken, was andere denken. ich gebe mir große mühe, das auch zu schaffen.
      die lebensgeschichte deines vaters klingt sehr spannend. an fremden orten der welt zu leben ist gewiss eine ganz besondere erfahrung.
      alles liebe nach augsburg!

  16. Falls ich etwas von meinem Geographie-Studium mit Schwerpunkt Tourismusforschung mitnehmen konnte, ist der Fakt dass der „0815 Neckermann Tourist“, der in seinem Hotel in einem für den Tourismus „geopferten“ Strand seinen Urlaub verbringt, den geringsten Schaden an seiner Umwelt anrichtet. Es sind die Backpacker, die „off the beaten path“ reisen, die viel größere Auswirkungen mit sich bringen wenn sie in noch unberührte Gebiete vorbringen. Dass sollte jedem, der davon schwärmt wie toll es ist den einsamsten Strand oder die (von Touristen) unentdeckte Stadt gesehen zu haben, bewusst sein. Obwohl ich selber viel herumkomme, bin ich solchen „Neuentdeckungen“ sehr skeptisch gegenüber obwohl es mich gleichzeitig reizt. Es ist eine Gratwanderung. Ich würde nie jemanden verurteilen, der sich auf Trampelpfaden bewegt (was ich selber gern tue), denn schlussendlich ist jede Erfahrung eine persönliche und einzigartige – so wie deine wunderschönen Ausschnitte aus deinen Flitterwochen!

    1. danke für deine worte ❤ und dass das tatsächlich so erwiesen ist, wusste ich gar nicht! wieder was gelernt 🙂 aber es macht natürlich sinn, zumal viele backpacker leider ja auch nicht grade so sorgsam mit der umwelt umgehen.
      die trampelpfade haben halt auch ihre gründe, warum sie entstanden ist – meist gibt es dort halt doch auch was interessantes zu sehen, das man sich nicht entgehen lassen will. ich finde letztlich auch, dass jeder das tun soll, was er für richtig hält und dabei so wenig wie möglich schaden anrichten…

  17. Ja, spannendes Thema, wie ich finde. Für mich als Vielreisender gibt es einen klaren Grenze zwischen Urlaub und Reisen. Letzteres kann wesentlich nachhaltiger sein. Gerade bei vielen exotischen Ländern ist es so, dass der auf die vielen Urlauber gezielte Tourismus den Rest des Landes ernährt. Mit fatalen Folgen für die heimische Bevölkerung.

    Beste Grüße
    Jerome
    http://www.cielolibre.wordpress.com

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