Beauty just waits to be found und ein Text namens „Leb-los“.

Einer meiner liebsten Ausflüge diesen kahlen Winter mit dem Pentacon. Licht, Bokeh, Lebloses und Lebendiges, Morbides und Vergängliches, Schönheit im Detail versteckt ließ mein Herz hüpfen. Momentan teile ich die Fotos ein bisschen mehr auf. Ich stelle fest, wenn zuviele Bilder in einem Beitrag sind, gehen sie ein wenig unter und da ich momentan keine Tonnen an überschüssigem Bildmaterial auf Lager habe, das ich dringend loswerden muss, kann ich es euch ein wenig gemächlicher zeigen.

In meinem Leben ist offensichtlich gerade wieder eine Phase der Reflexion angebrochen. Dazu gehört auch immer, altes Zeug von mir zu lesen, denn die Erinnerung allein ist oft kein guter Zeitzeuge. Ich habe vor vielen Jahren Texte geschrieben, manche davon sind heute weit weg und ich kann mich selbst kaum in den Worten identifizieren. Andere sind so nah, als wären gerade eben Gedanken zu Buchstaben, zu Worten und Sätzen geworden. Wenn es passt, werde ich hier den einen oder anderen unterbringen, für alle, die es lesen möchten und für mich, als Doku. Den ersten davon gibt es nun zu diesen Bildern. Er trug den Titel „Leb-los“ und ansonsten gibt es gar nicht viel dazu zu sagen.

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Liebe gute alte Zeit
bleib ein bisschen stehn’n
ruh‘ dich aus für eine Weile
denn es ist grad‘ so schön…

[Dritte Wahl – Zeit bleib stehen]

Es gibt Winterzeiten im Leben, wo alles erstarrt ist. Rundherum nur Kälte. Alles scheint leblos. Nur ein paar gefallene Blätter erinnern noch dunkel, als Schatten ihrer selbst, braun, vertrocknet, an die Zeit, in der alles noch voll in Blüte stand. Damals, als du noch ohne Jacke vor die Türe gehen konntest weil der Frost in deinem Herzen noch nicht Einzug gehalten hatte. Damals, als du getanzt hast bis in die Morgenstunden. Als das Lachen noch unbeschwert war.

Diese Momente scheinen ewig her zu sein. Aus einem anderen Leben, beinahe. Du kannst deine Verwunderung noch schwach fühlen als die ersten Blätter sich lösten und energielos zu Boden sanken. Du hast nicht weiter nachgedacht. Es kam dir gar nicht in den Sinn, dass der Sommer eines Tages vorbei sein könnte. Doch unweigerlich ist der Herbst gefolgt, in dem die bunten, kräftigen Farben dich von allem Sterbenden ringsum ablenkten. Dann passierte das Unerwartete doch. Die Farben wichen dem Grau und du konntest das volle Ausmaß der Leblosigkeit sehen. Alles war kahl, nichts war mehr übrig vom Strahlen der Vergangenheit. Es hat dich gepackt, es hat dich mit sich in die Katakomben gezogen. Alles war schwarz und düster, schwammig, nicht fassbar. Du hast dich mitreißen lassen in das wabernde Dunkel, das dich umgeben hat.

Aber irgendwann, da hat es ein kleiner Sonnenstrahl geschafft zu dir durchzudringen. Er hat dich im Ohr gekitzelt als er flüsterte:

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
so voll von weggeworf’ner Zeit
deine Träume schiebst du endlos vor dir her.
Du willst noch leben irgendwann
doch wenn nicht heute wann denn dann?
Irgendwann ist auch auch Traum zu lange her…

Immer vorwärts Schritt um Schritt, es geht kein Weg zurück…

[Wolfsheim – Kein Zurück]

Originaltext vom 20. Jänner 2009