Es ist 2008. Ich sitze am Schreibtisch vor dem ebenerdigen Fenster, das den Blick auf den Gehsteig freigibt. Es ist Herbst, irgendwo zwischen September und Oktober, es wird früh dunkel und es ist kühl in diesem Jahr. Vor allem in der Vorstadt sind die Abende feucht und klamm, vielleicht liegt es auch an der Wohnung, die Wohnung ist klein, sie ist nordseitig, hat hohe Räume, sie ist alt, sehr alt und in den Ecken ein klein wenig modrig. Sie ist schön, mit ihren Parkettböden und hohen Türstöcken und sie ist gemütlich, meine kleine Höhle, auch wenn ich sie mit Spinnen teile, immerhin ist es für ein paar Monate mein erstes eigenes Türschloss, hinter dem ich die Welt aussperren kann.

Wenn es hier draußen leise ist, ist es in mir drinnen oft laut. Sehr laut. Wenn es hier draußen zu lange leise bleibt, dann wird es in mir drinnen irgendwann so laut, dass es an einer anderen Stelle einen Knall gibt. Dieser Knall passierte am Abend des 5. Juli bei der konzertanten Aufführung des Musicals „Elisabeth“, vor dem Schloss Schönbrunn. Seit mittlerweile 20 Jahren liebe ich diese Musik (und den Ort noch länger), auch wenn sie lange von meinem Radar verschwunden war. Zu den Konzertkarten kam ich mehr durch Zufall als durch Absicht, dass es stattfand hatte ich bis wenige Tage vorher fast vergessen und dann, am Abend zuvor, meldete sich ins Bewusstsein: du wirst dieses Stück sehen, das dir schon so lange so viel bedeutet, mit der Künstlerin, deren Stimme du schon so lange so sehr liebst – und ich wurde aufgekratzt, nervös, vorfreudig – in einem Ausmaß, das ich schon ewig nicht mehr erlebt hatte. Zur Einstimmung suchte ich auf Youtube das Hauptlied, aus der Uraufführung, 1992, Theater an der Wien. Zum ersten Mal hörte ich sie nicht nur singen, ich sah sie als Elisabeth und in mir passierte etwas. Zum ersten Mal begriff ich wirklich, was dieses Lied bedeutete.

Einer meiner liebsten Ausflüge diesen kahlen Winter mit dem Pentacon. Licht, Bokeh, Lebloses und Lebendiges, Morbides und Vergängliches, Schönheit im Detail versteckt ließ mein Herz hüpfen. Momentan teile ich die Fotos ein bisschen mehr auf. Ich stelle fest, wenn zuviele Bilder in einem Beitrag sind, gehen sie ein wenig unter und da ich momentan keine Tonnen an überschüssigem Bildmaterial auf Lager habe, das ich dringend loswerden muss, kann ich es euch ein wenig gemächlicher zeigen.

Ein Thema, das ich so sehr mag, das aber fotografisch unglaublich schwierig umsetzbar ist. Also habe ich überlegt und bin auf die – zugegeben nicht sonderlich kreative – Lösung gekommen, ein Musikinstrument zu fotografieren. Allerdings habe ich mir ja vorgenommen, mich mehr mit dem Makro zu beschäftigen und finde, dass sich da schon ein paar nette Details haben finden lassen.

Anfang April hat mich eine liebe Bekannte zu einem Produktshooting gebeten. Ich habe für mich beschlossen, nur noch Aufträge zu machen, aus denen ich mir einen kreativen Output erwarten kann. Keine Veranstaltungsfotos oder Ähnliches mehr. Es ist schließlich ein Hobby, mit dem ich nicht meinen Lebensunterhalt verdiene(n muss) und so sehe ich das auch in dem, was ich möglicherweise für andere fotografiere. Das hat jedenfalls nach sehr viel Spaß geklungen und so war es dann auch.

Nun endlich auch der zweite Teil von der Post-Osterserie. Ohne viele Worte, denn zu sagen gibt es nicht soviel. Ich hatte ein wunderbares langes Wochenende und bin heute recht unsanft wieder in den Alltag gestoßen worden. Ich gewöhne mich, aber ich hab es mir etwas harmonischer und einfacher vorgestellt. Ich reflektiere viel und komme zu unterschiedlichen Schlüssen. Aber das soll hier alles kein Thema sein (:

BowlenglasIn den letzten Wochen ist nicht viel Zeit zum Fotografieren, Bilderbearbeiten und Bloggen geblieben. Trotzdem sind ein paar Schnappschüsse entstanden, die ich euch gern zeigen möchte. Vier davon sind während eines Ausflugs in den Schlosspark Laxenburg entstanden (der wunderschön war, fotografisch aber nicht sehr viel hergegeben hat), die anderen beiden am Abend unseres Maturajahrgangstreffens.