Gastbeitrag: der Dschungelpungin erzählt von verlorenem Metall

Liebe Leser, heute gibt es etwas Neues im Episodenfilm: einen Gastbeitrag. Und einen ganz tollen noch dazu. Andreas aka Dschungelpinguin hat einen beeindruckenden Ort entdeckt. Einen privaten Schrottplatz. Davon will er euch erzählen und Fotos zeigen. Für alle Lost Place-Liebhaber unbedingt empfehlenswert!

[Ich verweile diese Woche übrigens arbeitsbedingt nicht im Lande und werde daher eure Kommentare erst zeitverzögert beantworten können!]

Gastbeitrag „Dauerparker im Grünen – Schlummern bis verrotten“

Ich habe einen Tipp bekommen. Wenn das stimmt, dann muss ich da hin. Unbedingt. Kennt man die Bilder doch von alten amerikanischen Schrottplätzen: Dauerparker – Oldtimer, die von der Natur gewonnen werden und langsam verrotten. Die Kontaktdaten sind schnell gefunden. Einziger Wehrmutstropfen, der Park ist nur sonntags zugänglich. Hält das Wetter? Ist das wirklich so wie man sich das vorstellt. Um es vorweg zu nehmen: es ist besser!

Sonntag, nach der „Sendung mit der Maus“. Denn das läßt sich der Eigentümer nicht entgehen. Was für ihn völlig normal ist, bringt den Besucher aus dem Staunen nicht mehr raus: ZDF (Zahlen-Daten-Fakten): 50 Oldtimer aus dem Jahre 1950 in einem Garten, umwuchert von alten Bäumen, die sich so langsam ihr Territorium wiederholen. 20 Euro kostet der Spaß. Und es wird ein riesen Spaß werden. Gerade hast du die Kamera auf einen Oldtimer eingestellt und justiert, schon siehst du ein anderes, besseres, interessanteres Szenario. Übrigens, die 20 Euro pro Fotograf sind Spargeld. Der Besitzer möchte sich noch einen Doppeldecker in den Garten hängen.

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Gerade so kurz vor Ende der „Sendung mit der Maus“ komme ich an. Muss langsam fahren. Nicht, weil ich aus der Ferne schon die Autos sehe, sondern weil einige Gestalten mit Tasche und Stativ langsam auf der Strasse und dem kleinen Vorplatz das Areal rund vor dem Park in Beschlag nehmen. Einige Fotografen sind auf dem Weg, einige auf der Straße. Parken geht nur auf dem öffentlichen Parkplatz eines Museums. Natürlich ist alles knalle voll. Aber mein kleines Auto findet überall Platz. So auch auf dem völlig überfüllten Parkplatz.

Raus, raus … nichts wie hin. Die Spannung und die Vorfreude steigt ins Unermessliche. Kamera, Stativ, Wasser und was zu essen und los. Rucksack hier und Tasche da. Man sieht aus als wolle man dort über Nacht bleiben.

Mitunter stehe ich genauso dumm auf der Straße herum wie die anderen Fotografen, über die ich mich aufgeregt habe. Aber egal. Das Ziel ist so nah!

Das mit der Übernachtung hab ich dem Besitzer während des Smalltalks dann gesagt. Der hat nur gelacht. „Mach doch! Mir doch egal“, sagt er nur darauf. „Was für eine coole Socke“, entgleitet mir. Er lacht nur, weil sich heute das chinesische Fernsehen angesagt hat. Er scheint völlig relaxed zu sein, nimmt mir die 20 Euro ab und sagt: “Alles klar, du kannst fotografieren, bis der Arzt kommt“. Welcher Arzt denke ich, habe ich im geistigen Auge schon das erste Objekt der Begierde gesehen.

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Es kam Hammer hart. Zum Glück hab ich genug Speicherkarten dabei. Los geht’s mit einem Mercedes vor einer quitsch bunten Graffiti-Wand. Sagenhaft! Jetzt muss ich zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich ein Detailfreak bin. Ganze Autos zu fotografieren liegt mir absolut fern. Im Klang der verschiedenen Auslöser rechts und links findet sich ein Schatz nach dem anderen. Unglaublich. Hier ein Porsche 356, dort ein Rolls-Royce Silver Wraith. Automobile Schätze. Der normale Autosammler würde diese Fahrzeuge mit hingebungsvoller Liebe behandeln. Kein Staubkorn darf dem Lack auch nur einen Moment begegnen. Schon gar Regentropfen die eine Rostgefahr erhöhen. Diese Autos sind aber nicht ummantelt. Sie sind zwischen Büschen und Bäumen in einem Waldstück langsam am verrotten. Weiteren 48 Klassiker, alle Baujahr 1950, schauen mich an. Wahnsinn. Morbidität sondern Gleichen.

Abgekämpft, nach vier Stunden, sind aberhunderte Bilder entstanden. Die zu sichten und zu bearbeiten wird seine Zeit in Anspruch nehmen. Der persönliche Eindruck wird ewig bleiben. Zeitreise in eine andere Welt.

Wer sich übrigens fragt, wieso sind eigentlich so viele Sektflaschen in einem Schatz gibt es eine plausible Antwort. Die Partygäste damals benötigten einen Mülleimer. Was liegt näher, als ein Schrottauto zu benutzen? Da war es wieder: cooler Typ!

Hinweis: sämtliche Fahrzeuge sind entkernt hinsichtlich Motor, Öl und Sonderabfall. Der Wald ist biologisch in einwandfreiem Zustand. Natürlich wird es Menschen geben, die kritischer Auffassung sind. Man kann unterschiedlicher Auffassung sein, muss aber auch Staunen dulden.

Eins noch: „Ich wollte die Situation von 1950 einfrieren. Eben auch die der Autos aus meinem Geburtsjahr“. Der Besitzer betreibt einen Edelautoverkauf in Düsseldorf. Autos ab 46 Teuro. Auch empfehlenswert!

Copyright: Andreas Rueb alias Dschungelpinguin.com