Kurpark Oberlaa 1 und „Lebenszimmer“

Analogdigitales Gemisch vom ersten Märzwochenende aus dem Kurpark Oberlaa und die letzten einsamen, einzelnen, verlorenen Blätter des vorigen Herbstes. Versprochen. Vielleicht 😉

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Das Leben ist eine lange Reihe von Zimmern. Und die Menschen, auf die wir in diesen Zimmern treffen, die bestimmen unser Leben.
Patientin von Dr. House

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Manche dieser Zimmer sind groß, quadratisch und hell, andere wiederum sind kleine, düstere Rechtecke. Es sind Mansardenzimmer, Altbauzimmer, holzvertäfelte Zimmer, moderne, stylische, abgefuckte, schöne, hässliche, welche mit Tapeten und welche ohne.

Genauso wie die Menschen in diesen Zimmern sind. Frauen, Männer, Kinder und Alte. Schöne, hässliche, liebevolle und grauenvolle. Alle begleiten sie uns, die einen nehmen uns an der Hand und führen uns von Tür zu Tür, der eine oder andere durchquert mit uns sogar mehrere Zimmer, die anderen stoßen uns, sodass wir beinahe stolpern. Manche Zimmer sind vielleicht sogar menschenleer, durch diese müssen wir dann alleine gehen. Wir sehen dann nichts als unsere verschwommene, verzerrte Spiegelung im Fensterglas.

In manchen Zimmern bleiben wir lange, freiwillig oder unfreiwillig, andere verlassen wir ebenso freiwillig oder unfreiwillig ganz blitzartig. Hin und wieder schleicht man nur kurz hindurch, hat kaum den Boden auf der Vorderseite berührt, ist man auf der Hinterseite auch schon wieder davon. Manche verlassen wir gerne, bei anderen zerreißt es uns beinahe das Herz. An manche denken wir liebevoll zurück, bei anderen verkrampft sich der Magen und es stellen sich uns alle Haare auf. Bei vielen sind wir froh, dass wir sie durchschreiten durften, bei manchen wünschen wir uns, wir hätten sie nie betreten.
Aber eines haben sie gemeinsam, alle diese Zimmer. Sie gehören zu uns, denn sie sind unser Leben.

Geschrieben am 30.4.2009