Ocean Dreams & Blogparade „Mein schönster Reisemoment“

Alle paar Wochen oder Monate habe ich das Bedürfnis, meine USA-Fotos zu durchstöbern. Und alle paar Mal, die ich sie durchstöbere, gibt es eine kleine Serie, die ich so noch nicht bearbeitet oder veröffentlicht habe und die dann ihren Weg hierher findet. Dieses Mal ist es eine Serie vom Highway No. 1 am Weg zwischen Monterey und Big Sur.

Außerdem will ich gerne an der Blogparade „Mein schönster Reisemoment“ teilnehmen, die von geckofootsteps.de ins Leben gerufen wurde und noch bis 15. April läuft. Als ich bei Ilona von dieser schönen Parade gelesen habe, hat es in meinen Gedanken gleich zu arbeiten begonnen, mir fielen x verschiedene Erlebnisse ein und da dachte ich, wenn es so sprudelt, dann will es auch geschrieben werden.

Über das Reisen an sich habe ich ja schon den einen oder anderen Artikel geschrieben (wie diesen hier), vielleicht, weil es für so viele Menschen so viel bedeutet und bei mir erst so verhältnismäßig spät – im Zuge der Fotografie – aufgetaucht ist. Heute ist die Wunschzieleliste schier endlos und ich habe das Gefühl, in diesem einen kurzen Leben nie alles sehen zu können, was ich mir zu sehen wünsche.

Nun aber zurück zu meinem schönsten Reisemoment. Als erstes fielen mir die Wale ein. Das Whale Watching vor der kalifornischen Küste im Channel Island Nationalpark wird vermutlich immer eines meiner top Highlights bleiben – denn wie oft hat man die Gelegenheit, diese unglaublich großen, majestätischen und geheimnisvollen Meeressäugetiere in ihrem freien Lebensumfeld besuchen zu können? Der Moment, als die erste Schwanzflosse aus dem Wasser ragte und geräuschlos wieder hineinglitt, als wir die Wale singen hörten? Das gehört also ganz bestimmt zu den bemerkenswertesten Momenten in diesen 17 Tagen. Auch ein immer heißer Anwärter – der Helikopterflug über den Grand Canyon. Dieser eine Moment, wenn du im Hubschrauber sitzt und aus den 40m Wald unter dir auf einmal eine mehrere hundert Meter tiefe Steinschlucht in den leuchtendsten Rottönen wird, durch die sich der türkisblaue Colorado River schlängelt? Oder, wenn ich länger zurückdenke: dieser eine Morgen, als ich in unserer Außenkabine aufwachte, erwartungsvoll aus dem Fenster blickte und die Weißen Klippen von Dover direkt vor mir aus dem Meer ragten? Als ich auf unserer Norwegen-Reise nach dem Frühstück kurz auf die Schiffsterrasse ging um einen Blick auf die Landschaft zu werfen und das erste Mal mitten in einem Fjord stand? War es, als ich vor dem Pantheon in Rom stand und das Gefühl hatte, hinter dem dunklen Tor verbirgt sich eine Zeitmaschine, die mich ins Antike Italien bringt? Als mich Mallorca mehr als jedes andere Reiseziel mit seiner Naturschönheit und dem türkisblauen Meer überrascht hatte? Als ich mitten in Pompeji stand, die Stadt, deren Geschichte mich schon so lange faszinierte, und diesen wundervollen Blick auf den Vesuv erhaschte? Als ich in Paris in der Sonne am Place de la Trocadéro saß und nur für den Moment lebte? Als ich in Rimini auf der Ufermauer saß, sich der Vollmond im Wasser spiegelte und ich damals dachte, ja, alles wird gut? Oder als ich zum ersten Mal an Deck eines Schiffs den Wind und die Energie spürte, als es ablegte, nur um wenig später am offenen Meer zu sein, von dem ich mich kaum losreißen konnte? Einer der besonderen Moment war auch jener, als ich meinen allerallerersten Urlaub ohne Eltern erleben durfte, und sich in mir in der Aprilsonne auf der Bundesstraße irgendwo zwischen Kärnten und Tirol mit Kettcar „im Taxi weinen“ ein unbändiges Freiheits- und Glücksgefühl breitmachte, das heute noch nachhallt, wenn ich das Lied höre. Diese Liste ließe sich tatsächlich ewig fortsetzen, denn es gibt unzählige Momente, die mir viel (sehr viel) bedeuteten. Die mir nach wie vor lebhaft in Erinnerung sind, auch wenn seither schon Jahre verstrichen sind. Viele Momente, die zum Glück mit Bildern untermalt sind, damit die Erinnerung auch in Zukunft gestützt wird. Doch was war es jetzt, DER Moment? Ich will euch nicht länger auf die Folter spannen und nehme euch wieder mit zurück nach Amerika.

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Ja, das Bild ist durchaus hässlich und die Bearbeitung mangelhaft. Trotzdem will ich euch damit etwas zeigen. Dies war der erste Blick, den ich auf die Golden Gate Bridge machen durfte. Mit Zaun und Absperrung und Schildern und Gitter und Beton und feuchtem Nieselregenwetter. Aber ich war so unendlich überwältigt, tatsächlich DA zu sein. Ich war zwar schon 2 Tage in San Francisco, hatte aber bisher noch nicht ganz begriffen, dass ich gerade dabei war, einen so lange gehegten Traum zu verwirklichen. Dass ich diese Dinge, die ich sonst aus der Ferne und auf Fotos von anderen bewundert hatte, nun tatsächlich selbst erleben werde. Und in diesem Moment traf mich die Bewusstseinskeule und mir sind glatt zwei Tränen über die Wangen gerollt, weil ich so unglaublich überwältigt war. So lange hatte ich davon geträumt und so lange nicht geglaubt, dass ich es einmal machen werde. So weit fliegen, so viel planen, für andere ist das alles ein Klacks, für mich war es trotz allem ein Abenteuer. Und das Bewusstwerden, dass ich es schaffen konnte, Träume umzusetzen, wenn ich nur den Mut hatte, es auch auszusprechen und zu versuchen.