Erinnerungen an Norwegen und eine Antwort zur ewigen Frage des „Ich“

Es ist noch nicht ganz vorbei mit meinen sprudelnden „Kopfgefühlen“ und „Herzgedanken“. Vielleicht ist das der Abschluss, um das Triumvirat der Beiträge zum weit gefassen Thema „wer bin ich und wer will ich sein“ zu vervollständigen. Den Anstoß bot dazu ja die Blogparade „ab morgen darfst du nochmal leben„. Durch die für mich einerseits distanzierte Rückschau und emotionale Bewertung meiner großen Lebensentscheidungen ist anscheinend ein weiteres Steinchen ins Rollen gekommen. Die erste Antwort darauf gab es letzte Woche mit den „Gedanken über die Empfindung der Bedeutungslosigkeit„. Manchmal braucht es, wenn man in so einem Prozess unterwegs ist, nicht viel um einen Schritt weiterzugehen. Um neue Antworten zu finden und neue Fragen zu stellen. Und da stehen wir heute. Untermalt mit neu bearbeiteten und noch nicht gezeigten Impressionen von meiner Norwegen-Kreuzfahrt im Mai 2013 gibt es ein paar Impulse zur ewigen Frage des „Ich“.

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Wer bin eigentlich ICH? Diese Frage beschäftigt vermutlich viele Menschen. Ich bin Christina. 28 Jahre jung. 1,66 cm klein. Ich habe immer irgendwas zwischen dunkelblond und dunkelbraunen Haaren, zwischen schulterlang und naja, länger halt. Ich trage gerne Sonnenbrillen und Handtaschen (wenn der Rücken es zulässt). Jeans und flache Schuhe. Ich hab etwas mehr Kilos als ich möchte, aber keine Lust mehr, mich deswegen über die Maßen aufzuregen. Ich bin ein Beziehungstyp. Ein Musikliebemädchen. Filmliebhaberin und Momentesammlerin. Tolkien-Fan und Freud-Jüngerin.

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Es gibt viele Worte, mit denen ich mich beschreiben kann. Aber was beschreiben diese Worte? Sie beschreiben meinen Charakter, mein Aussehen – aber beschreiben sie mein Wesen?

Was ist die Essenz von mir? Was ist das Innerste, was mich ausmacht? Der kleinste gemeinsame Nenner meines Ichs?

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Ich stolperte über dieses Foto. Ein Unfall, als wir gerade dabei waren, dieses Foto zu machen. Irgendetwas daran gefiel mir, trotz Haut- und Speckfalten und Doppelkinn und Plastiksackerl. Ich finde mich in diesem Foto. Ich bin ich in diesem Foto.

Ich erinnere mich daran, wie wir dieses Bild gemacht haben. Das Herumgehopse, Selbstauslöser, hinlaufen, auf die Kanone klettern, rechtzeitig da sein (oder auch nicht), in die Kamera grinsen (oder auch nicht), Outfit justieren, nochmal von vorn. Wir hatten Riesenspaß dabei, obwohl wir sahen, dass ein mega Gewitter im Anzug war und wir aller Wahrscheinlichkeit nach pitschnass zum Schiff zurückkommen würden. In diesem Moment war alles perfekt. Es war sogar der Tag, an dem wir zwei ansonsten so der Melancholie zugeneigten Deprivögel feststellten: wir sind eigentlich grade verdammt unbeschwert und glücklich.

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Nach der Reise hat sich etwas verändert. Auf einmal war da Endgültigkeit. Vom Weg, den ich eingeschlagen hatte. Ernsthaftigkeit. Vom Berufsleben ohne Ausrede zum Studieren. Gleichgültigkeit. Vom Kind des anderen. Vermeintlich – denn nichts ist endgültig und nichts ist ernsthaft und nichts ist gleichgültig – doch das konnte ich damals nicht wissen.

Aber diese Attribute haben mein Wesen begraben und mich vergessen lassen, weil ich es nicht mehr sein konnte.

Manchmal sieht man vor lauter Wald die Bäume, manchmal vor lauter Gischt das Wasser nicht.

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Und dann gibt es Menschen, fremde Menschen, die einem vielleicht nicht mal über die Maßen sympathisch sind. Aber sie sagen etwas, das Puzzlesteine, die man schon aufgrund ihrer Ähnlichkeit zusammengesammelt hat, verbindet. Und auf einmal gibt man sich selbst eine Antwort.

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„Ihr Körper ist ein Ferrari aber Sie fahren ihn wie einen VW Polo. Hören Sie auf damit.“

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„Ihre emotionale Anspannung ist in etwa so, als stünden Sie kurz vor einer Hochzeit oder kurz nach einer Trennung. Aber bei Ihnen ist das der Normalzustand, oder?“

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„Hören Sie auf damit, alles zu bewerten und in Empfindungen umzuwandeln. Nehmen Sie wahr – aber beurteilen Sie nicht. Sie können es ohnehin nicht ändern. Die Natur ist nicht dazu geschaffen, um beurteilt zu werden.“

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„Fragen Sie sich, wer Sie sein wollen. Konzentrieren Sie sich nicht auf das jetzt, auf die Schmerzen, auf das Negative. Fragen Sie sich, wo Sie hinwollen und fokussieren Sie das. Sie brauchen ein Ziel.“

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Ich habe ein Ziel. Ich will wieder werden wer ich bin. Begeistert. Fordernd. Melancholisch. Anstrengend. Rockergirl. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. Emotional, präsent, nachdenklich, reflektiert und sensibel, laut, den Kopf voller Pläne und das Herz voller Ideen. Ich bin kein stilles Bächlein, das langsam vor sich hinplätschert. Ich bin ein Wasserfall.