Lost Place – eine verlassene Heilanstalt in Fenstern & Gedanken über die Empfindung von Bedeutungslosigkeit

Wie ihr sicher schon bemerkt habt, habe ich meine Fotostrecken von der verlassenen Heilanstalt thematisch aufgeteilt. Ein Teil davon zeigt Bilder von Fenstern – weil Fenster immer auch eng mit symbolischer Bedeutung verknüpft sind – durchsichtig sein, in die Ferne schauen, träumen, nicht direkt hinsehen. Und weil eben grade Fenster eine metaphorische Bedeutung haben, habe ich diesen Post dazu ausgewählt, ein paar meiner gegenwärtig präsenten Gedanken niederzuschreiben.

Einigen von euch ist vielleicht schon aufgefallen, dass meine Grundsatzgedanken in den letzten Monaten (wieder) deutlich aktiver geworden sind. Es ist ein bisschen, als hätten sie in den letzten Jahren einen verordneten Dornröschenschlaf gehalten. Verordnet deswegen, weil ich ihrer müde geworden war. Mein ganzes Leben lang schon ist es immer laut in meinem Kopf. Es dreht sich und bewegt sich, es hinterfragt und beurteilt, jammert, jubelt und will leiden oder verbessern. Das ist anstrengend. Ich hatte genug davon. Ich dachte, mit Ende meines zweiten Studiums und Beginn meines ersten wirklich studienbezogenen Vollzeitjobs sollte/könnte/müsste das nun ja wohl ein Ende haben – und habe die Gedanken schlafen geschickt. Eine Zeit lang dachte ich, dass Ruhe eingekehrt wäre, in meinem Kopf. Aber dann kam der Rücken – und irgendwann die Erkenntnis, dass sich die schlafenden Gedanken nun halt anderswo manifestierten. Als ich das begriff bemerkte ich langsam, dass das Grübeln keineswegs verschwunden, sondern nur ruhiggestellt worden war. Seitdem versuche ich es wieder zuzulassen und trotz aller Anstrengung willkommen zu heißen – und es zu nutzen.

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Vieles dreht sich um Zwischenmenschliches – und letztendlich um die Bedeutung, die es hat. Ich bemerke in den letzten Jahren verstärkt das Phänomen, „dass die Zeit immer schneller vergeht“. Doch das ist eigentlich nicht richtig. Es ist nicht die Zeit, die schneller vergeht, es sind die Momente, die weniger Bedeutung haben und einem rückblickend das Gefühl geben, nicht so viel Bemerkens- und Erinnernswertes erlebt zu haben, was wiederum dazu führt, dass die einheitlich wahrgenommenen Ereignisse sich „schneller“ anfühlen.

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Vielleicht geht es ja auch nur mir so, aber ich für mich muss definitiv sagen, dass es aktuell nicht besonders viele Ereignisse gibt, an die ich mich an 20 Jahren noch erinnern werde. Nicht, weil ich nichts Schönes erlebe. Aber einfach, weil es die Relevanz nicht mehr erreicht. Neutraler Alltagsflow statt Gefühlshochschaubahn.

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In einem sehr spannenden Artikel (den ich leider nicht mehr finde) habe ich darüber gelesen, dass durchschnittlich 70 % unserer Erinnerungen bis Anfang 20 abgespeichert werden. Für unser restliches Leben bleibt uns also weniger als ein Drittel Erinnerungskapazität zur Verfügung. Das liegt wohl daran, dass mehr Routine einkehrt, man mit weniger bahnbrechend Neuem konfrontiert ist, undundund. Das erlebe ich momentan einfach sehr deutlich. Die meisten Dinge, die ich mache, verschwimmen in den Gedanken, einzelne Ausflüge oder Treffen mit Freunden stechen selten heraus, auch wenn sie sehr schön sind.

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Es fehlt die Begeisterung, das absolute, die Vorfreude, das intensive Erleben des Moments. Irgendwann unterwegs scheinen mir diese Fähigkeiten abhanden gekommen zu sein. Natürlich genieße ich die Gespräche mit Freunden, bei gutem Essen. Sicherlich ist es schön, mit dem Herzkönig Bekanntes und Unbekanntes mit der Kamera zu erkunden. Aber nichts davon bleibt, so wirklich, wie damals, als die Nächte und die Sommer endlos waren.

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Dieser “Lost Place” wurde um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert erbaut, um die Tuberkulose, die in Berlin gewütet hatte, einzudämmen, indem die Kranken räumlich von den Gesunden getrennt wurden. Man hatte gerade herausgefunden, dass Tuberkulose eine übertragbare Krankheit war und reagierte auf das “Aussterben” der Stadt. Das Gebiet dort ist idyllisch und wunderschön, auch die Häuser wurden ansprechend und liebevoll gestaltet, um den Patienten das Gefühl zu geben, sich hier wohlfühlen zu können. Da es noch kein Antibiotikum gegen die Krankheit gab, war das das einzige, was man tun konnte, um die Heilung zu unterstützen. Zum Teil sieht man diese Bemühungen heute noch, beispielsweise in den Fliesenböden oder an den Wanddekorationen. Sie wurde als Trainingscenter für die olympischen Spiele genutzt und später als Krankenhaus für NS-Funktionäre. In diesem Krankenhaus selbst wurden keine Menschenexperimente von Nazis durchgeführt, man weiß allerdings, dass in Gesprächsrunden Pläne darüber geschmiedet wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das ehemalige Krankenhaus umfunktioniert zu einer russischen Militärkaserne, als die es auch bis zur Wende 1989 benutzt wurde. In der Nacht, als die Russen Deutschland verlassen mussten (so berichten Augenzeugen), wurde in riesigen LKWs die gesamte verblieben Einrichtung (Heizhaus, Sanitäranlagen, etc.) abgebaut und mitgenommen, weswegen auch innen alles leer ist.

68 Replies to “Lost Place – eine verlassene Heilanstalt in Fenstern & Gedanken über die Empfindung von Bedeutungslosigkeit”

  1. Wow. Das hat gesessen. Danke für diesen schönen, bewegenden Text. So hab ich das noch nie betrachtet dass es womöglich die Momente sind, die an Bedeutung verlieren und nicht die Zeit an sich, die schneller vergeht. Vielleicht brauche ich deswegen immer irgendeine „Action“ in meinem Leben. Oder mach sie mir deswegen. Weil mir gelegentlich auch diese „besonderen Momente“ fehlen. Keine Ahnung. Muss das noch sickern lassen und darüber nachdenken. 😉
    Die Fotos passen jedenfalls ganz wunderbar dazu. 🙂 sie haben mich ein wenig an den Film „barfuss“ erinnert…
    Schade dass dieses schöne Haus so in Vergessenheit geraten ist. Das hätte so viel Potential in sich. 🙂

    1. bitte gern! der ist mir sehr unter den nägeln gebrannt und musste irgendwie raus. das thema beschäftigt mich momentan enorm.
      dass der bedarf nach action da her kommt, kann ich mir aber durchaus sehr gut vorstellen.

      das haus ist wirklich schön, ja. manchmal werden die dann auch gekauft und restauriert, da gibt es grade nen neuen besitzer. da das aber unsummen an geld verschlingt, ist das immer so eine sache…

  2. Ich finde, dass hier Fotos und Text sehr fein zusammen gehen. Sehr reflektierter Beitarag!!! Was du schreibts betrifft denke ich viele Menschen…die das subjektive Gefühl haben, dass im Rückblick die Zeit schneller vergeht…ich frag michmanchmal ob das deswegen ist, weil unsere Lebensumstände eine gewisse Monotonie erzeugen…ich meine im jungen bis späten Erwachsenenalter verlangt man uns schon sehr viel an Leistung ab…dann gibt man uns 5 Wochen Urlaub und gut is…oder verändern wir uns selbst und beginnen wir immer mehr Schubladen mit vorgefertigten Ansichten und Gedanken zu füllen…wie es auch ist…es bleibt nur uns auf den Moment zu berufen…

    1. hallo lunochod, danke für deinen kommentar! es freut mich, dass du dich da auch wiederfinden konntest. die monotonie spielt sicher eine rolle – obwohl wir monotonie im grunde schon früher haben, sie da aber irgendwie doch nicht so monoton wahrnehmen. es muss auch ein emotionales thema sein, ein abstumpfen, weil die „firsts“ im leben weniger werden und man das meiste aus seinem alltag halt doch schon kennt.

  3. Schöne Bilder sehr fein kombiniert mit einem Text, der mich für einige Zeit zum Nachdenken angeregt hat. Das Ergebnis: Ich kann Dir leider nicht zustimmen, dass das Gefühl, die Zeit laufe schneller, durch weniger starke Eindrücke oder Impulse im Leben ausgelöst wird und ich stimme Dir auch nicht zu wenn Du schreibst:
    „In einem sehr spannenden Artikel (den ich leider nicht mehr finde) habe ich darüber gelesen, dass durchschnittlich 70 % unserer Erinnerungen bis Anfang 20 abgespeichert werden. Für unser restliches Leben bleibt uns also weniger als ein Drittel Erinnerungskapazität zur Verfügung.“

    Wir nutzen insgesamt nur 10% unserer Gehirnkapazitäten und da wird sicherlich noch Platz für Erinnerungen für die Zeit nach unserem 20. Lebensjahr sein. Es liegt an uns diese Moment so intensiv zu gestalten, dass sie auch in Erinnerung bleiben. Wie, das muss jeder für sich herausfinden.

    Aber ja, gefühlt läuft die Zeit auch für mich mit meinen fast 50 Lenzen immer schneller, aber nur weil ich Sorge habe nicht genug Zeit zu haben noch all die Dinge zu tun die ich tun möchte.

    Danke für diesen Beitrag und die Bilder!

      1. Danke für den Hinweis – mir war nicht bekannt, dass es sich dabei um einen Mythos handelt; wieder was gelernt.
        Interessant ist auch zu wissen, dass 70% der Erinnerungen bis zum 20. Lebensjahr gespeichert werden oder so wie hier geschrieben 70% des Erinnerungsvermögens bis zum 20. Lebensjahr belegt sind. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass das bei mir anders ist, denn ich erinnere mich an deutlich mehr Ereignisse die nach meinem 20. Lebensjahr liegen. Aber da die Gehirnforschung erst am Anfang steht – was sollen wir uns streiten….
        Mein Kompliment zu den Bildern möchte ich an dieser Stelle nochmals wiederholen.

    1. hallo jörg. ich denke, was das anbelangt gibt es kein richtig oder falsch – für jeden stellt es sich anders dar und jeder nimmt es anders wahr.
      wenn für dich das mit den erinnerungen nicht zutrifft, finde ich das eigentlich doch auch sehr beneidenswert und auch nach den kommentaren zu schließen dürftest du da auch irgendwo die ausnahme sein. die 10 % Nutzung des Speichers wurden tatsächlich widerlegt, so kann man das nicht sagen. und man hat halt nur bedingt einfluss darauf, was wie intensiv verknüpft wahrgenommen und abgespeichert wird. ich versuche grade, den mechanismus zu erkunden, bin aber nicht sicher, ob sich mir das eines tages wirklich offenbaren wird.

  4. Liebe Paleica,

    Ich freue mich über einen solchen Text von dir. Es ist rein vom Verlauf des Lebens so, dass man einfach in der Zeit bis Mitte Zwanzig viele Veränderungen erlebt, man ist ständig dabei etwas neues zu lernen. Aber bedingt dadurch, dass das der Lauf einfach so ist. Na klar, viele Erlebnisse in der Schulzeit, danach die Studienzeit und mit dem ersten Job und einer festen Beziehung kehrt ein bisschen Ruhe und Routine ein. Ich habe das alles schon hinter mir…. Ich weiß ja nicht, ob du Kinder haben möchtest, aber das stellt dich auf jeden Fall vor ganz andere Herausforderungen, das heißt, das Leben völlig neu ausrichten. Und ganz viele Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten.

    Und ich liebe das Bild mit dem Loch in der Scheibe. Sehr schön.

    Liebe Grüße, Bee

    1. liebe bee, danke, das ist schön zu lesen! ich freu mich, dass diese beiträge auch gelesen werden. es ist ja schon immer ein stück überwindung, so etwas über sich preis zu geben. das feedback belohnt aber sehr dafür 🙂
      ich bin sicher, dass kinder das ganze noch einmal ankurbeln. aber ich habe das gefühl, bevor man gewisse dinge in und mit sich selbst nicht gelöst hat, sollte man das thema noch ein wenig hinten anstellen…

  5. Das hast Du wirklich sehr schön geschrieben und die Bilder sind einfach wunderbar passend! Vielleicht ist es jetzt Zeit Deine Gedanken, alte Verletzungen und Dich selbst zu heilen? Vielleicht wird Dein Rücken dadurch heil? Wer weiß das? Ich würde es probieren. 😉
    LG Susanne

    1. dankeschön meine liebe susanne! ich nehme mir momentan sehr viel zeit, um genau daran zu arbeiten 🙂

  6. Ich kenne dieses Gefühl wenn es ständig zu laut im Kopf ist. Je stiller es im Außen wird, desto lauter wird es in meinem Kopf. Der Gedanke, daß die Momente an Bedeutung verlieren, stimmt mich ein bißchen traurig. Weil ich das ähnlich empfinde, irgendwie scheint sich meine Gefühlsskala in den letzten Jahren auf neutral eingependelt zu haben. Manchmal ist das nicht schlecht, es ist nicht so anstrengend ich zu sein. Manchmal ist es jedoch einfach nur traurig weil die wirklich schönen Momente scheinbar an mir vorbei ziehen ohne den tiefen Abdruck zu hinterlassen den sie früher einmal in meinem Leben gelassen hätten.

    Wenn ich eine Kamera, ein Buch oder Stricknadeln in der Hand halte, dann wird es manchmal ganz leise in meinem Kopf.

  7. Da ist sie wieder, die verlassene ‚Heilanstalt‘. Gerade gestern sah ich sie zufällig in einem anderen Blog. Die Fotos der Vergänglichkeit passen gut zu deinen Gedanken. Ich las neulich mal das, was du auch ausdrückst, dass die Zeit (subjektiv) schneller vergeht, weil sich vieles wiederholt. Das meiste hat man schon mal gesehen, gedacht, erlebt …
    Ich empfinde das schnelle Vergehen beim Beobachten der Natur, der Jahreszeiten. Heute ist Schluss mit Spargel – wie viele Spargelzeiten werde ich noch erleben? Und nur noch zwei Monate Sommer, dann fängt schon wieder der Herbst an … Da hilft wahrscheinlich nur der Versuch, so viel wie möglich im Hier und Jetzt zu leben und alles zu genießen, was sich bietet.
    Liebe nachdenkliche Grüße,
    Ingrid

  8. Eine Minute des Glücks scheint nur zehn Sekunden zu haben, doch durch die ständige Erinnerung an diesen Glücksmoment im Laufe der Jahre wird diese Minute zu Stunden – und haben wir zu wenige glückliche Minuten, kann eine Minute sogar zu einer Ewigkeit werden. Eine unglückliche Minute hingegen dehnt sich zu Stunden und kann im Laufe der Jahre dazu führen, als prägend für das „ganze Leben“ angesehen zu werden. Wenn die Glücksminuten fehlen oder schlicht, wenn das „normale“ Leben nicht als Glück empfunden wird. Vielleicht sollten wir im Leben also nicht die Dauer des Selbigen bewerten, sondern die Momente, die es uns beschert … Aber Du hast natürlich recht: viele Momente, die wir bereits ähnlich erlebt haben, zählen wir gar nicht mehr zu unserem aktiven (Er)-Leben – deshalb vergeht die Zeit scheinbar schneller, je mehr Erfahrungen wir gesammelt haben. Zeit also, sich wieder auf Momente zu besinnen.
    LG

  9. Ein toller Text. Danke. 🙂
    Ich habe auch oft das Gefühl, dass die wirklich bedeutsamen Momente fehlen. Ich bin leider nur noch selten so aufgeregt, dass es kribbelt. Das meiste habe ich so – oder so ähnlich schonmal erlebt.

    Ich denke, das darin aber auch die Chance liegt die Dinge intensiver zu erleben – weil man den Geist frei genug hat, um auf die Details zu achten. Ich merke das oft auch bei meinen Texten: Es geht mir meist gar nicht mehr so sehr um die Sache an sich – sondern um die eine Situation färbenden Details.

    Liebe Grüße zu dir,
    Sarah

    Deine Fotos sind toll. ❤

  10. Wenn ich glücklich bin, dann denke ich nicht anach, warum das so ist, ich bin einfach glücklich.. Das Zitat hab ich schon lange im Kopf und es könnte eine mögliche Erklärung sein. Und natürlich nimmst Du mit vergehender Zeit die Dinge anders wahr – alles andere wäre erschreckend. Es gibt zwar Erfahrungen, die man selbst nicht in der Hand hat und die einem ins Leben eingreifen (was ich gerade erlebe), aber ansonsten gilt doch: Du selbst hast es in der Hand,. Deinen eigenen Zugang zu Deiner Welt zu ändern: das Tempo, die Umstände, die Zusammensetzung der Beteiligten. Sorry, wenn das etwas altväterlich rüberkommt, es ist nicht so gemeint. – Schöne Bilder!

  11. Vorweg – die Bilder sind klasse. Aber habe dir ja neulich schon geschrieben, dass ich Lost Places unglaublich toll und spannend finde 🙂

    Was dein Text und die Grübeleien angeht…der ist so schön wenngleich er mich auch irgendwie traurig stimmt. Zum einen finde ich es schön, dass du den Grübeleien auch wieder ein wenig Raum gewährst. Sie sind ja ein Teil von dir.
    Aber alle Gefühle drum herum, dass es manchmal laut ist im Kopf – ist ok. Man muss den Gedanken eine Stimme geben, ob nun im Kopf oder niedergeschrieben. Denn solange man dies nicht tut werden sie immer weiter versuchen sich Gehör zu verschaffen, bis irgendwann der Kopf explodiert.
    Die andere Seite, die Tatsache, dass vielleicht ab einem gewissen Alter nicht mehr so viel Raum bleibt um Erinnerungen zu schaffen…Das lies mich jetzt irgendwie ein wenig traurig zurück, weil ich den Wahrheitsgehalt – wenn ich nun mein Leben betrachte irgendwie erkenne. Das ist ja irgendwie schade, aber andererseits auch nachvollziehbar. Früher war man wild und ungebändigt hat ständig neue Verrücktheiten probiert…Vielleicht wird man irgendwann ruhiger? Oder hat man einfach irgendwann die vielen „1. Male“ ausgeschöpft und genug Erfahrungen gesammelt? Bin hin und her gerissen. Klar, irgendwann kehrt der Alltag ein und das Leben ist nicht mehr bunt und wild. Aber vielleicht muss man sich das einfach mal zugestehen, dass der Alltag Alltag ist, aber das trotz allem auch schön sein kann.

    Ich finde es auf jeden Fall schön, dass du dir das Grübeln zu gestehst, das lese ich so unglaublich gerne ❤

    1. ach meine liebe frauheldin, ich danke dir sehr für diesen wunderbaren kommentar! es ist immer so schön, wenn man ein bisschen was von sich offenbart und man bemerkt, dass das auch angenommen wird und ankommt.

      es explodiert entweder der kopf oder es leidet der körper. in beiden fällen ist das jedenfalls nicht gut. ich weiß nicht, warum es in unserer gesellschaft, dich doch eigentlich so ich-zentriert ist, dennoch so schwer ist, auf die ureigensten stimmen und bedürfnisse zu hören.

      alltag ist im allgemeinen ja auch total ok. ich glaube nicht, dass ich so ganz generell mit diesem auf und ab und dieser hochschaubahn tauschen wollen würde. aber oft habe ich das gefühl, man verlernt die fähigkeit für diese tiefen empfindungen ganz. obwohl ich mittlerweile auch ein wenig drüber nachdenke, wie sehr es auch am umfeld liegt. wie sehr man resonanz braucht dafür, um diese empfindungen zu entwickeln und wie sehr man von der fähigkeit seines gegenübers abhängt, so tief zu empfinden. denn den meisten menschen geht es wohl verloren, die wenigsten denken aber sonderlich viel darüber nach wieso, sondern nehmen es eben zur kenntnis.

  12. Hmmm … interessant. Das Gefühl, die Zeit würde rennen, habe ich schon sehr lange.
    Und zwar egal, ob ich vor mich hindümple und nichts an mich heran lasse und nichts von Bedeutung erscheint oder ob ich es schaffe, den Moment auszukosten und zu versuchen, ganz im Jetzt zu sein. Trotzdem: schwupp!! Ist es vorbei und dann kommt das nächste und das nächste und und und ….
    Ich finde es interessanter, zu schauen, was berührt, was bewegt mich. Vielleicht ist die Neigung, sich weniger einzulassen, weniger offener zu sein, sich weniger für den Augenblick zu begeistertern, sich einzulassen auch in Unbekanntes, riskant stark geworden.
    Ich weiß es nicht. Und hinzu kommt, dass ich gefühlt andauernd was erlebe, jeden Tag, wenn ich versuche, es bewusst zu tun. Und ein Termin jagt den anderen.
    Manchmal bin ich dafür auch zu müde. Und es strengt mich an. Ich erlebe dann soviel, dass ich gar nicht hinterher komme, die ganzen Inputs zu verarbeiten …. und Ruhe will. Zum Durchatmen und Verarbeiten. Die suchen ja bekanntlich inzwischen viele.
    Also, schwer zu erklärendes Phänomen. Aber schlussendlich, wie sagte neulich jemand: das Leben ist ja auch kein Dauer-Orgasmus 😀
    Ist es nicht?? Eigentlich schade…, aber vielleicht ist unser Anspruch an das Leben auch einfach hoch.
    Aber ich stimme zu: es liegt schon sehr an einem selbst, wie man Erlebnisse, Momente und Eindrücke wahrnimmt. Und daran kann man arbeiten.

    1. ich kenne das alles auch gut was du beschreibst. ich nehme auch unheimlich viel wahr und brauche manchmal zeit, es zu verarbeiten. kann mich nicht immer ganz drauf einlassen, bin manchmal überfordert, auch von viel positivem input. aber rückblickend erlangen die dinge einfach nicht dieselbe bedeutung. es bleibt nicht hängen, die geschichten, bei denen man zusammensitzt und in melancholischen „weißt du nochs…“ schwelgt, sie bleiben überwiegend die gleichen. wobei hier glaube ich viele faktoren mitspielen. nicht nur man selbst – auch andere menschen, mit denen man so etwas teilt, denn alleine entstehen diese geschichten selten.

  13. Ich kenne diesen dauerdenkenden Kopf. Wie oft ich mir schon einen Drucker gewünscht habe, den ich an meinem Kopf anschließen kann, um mal ein wenig „Druck“ ablassen zu können….

  14. Faszinierende Fotos, ich liebe solche Lost Places bei uns hier ist da leider gar nichts zu finden.

    LG Soni

  15. Solche verlassenen Häuser sind immer etwas gruselig aber machen einen auch total neugierig finde ich.
    Ich liebe die Fassade des Hauses im letzten Bild, total schön eingefangen! 🙂

    1. ja, gruselig sind sie wirklich, aber faszinierend-gruselig. ich möcht dort aber echt nicht allein rumlaufen, auch wenn ich nicht an geister glaube 😉
      dankeschön. diese alten fachwerkhäuser sind echt so schön gemacht.

        1. ja, definitiv. vor allem waren ja andere fotografen acuh dort. aber als ich einmal allein durch den ganzen gebäudekomplex gegangen bin weil ich raus wollte, da war es schon, als würde ich auf einmal anfangen stimmen zu hören O.o

  16. Tolle Bilder, aber noch viel besserer Text!
    Ich denke das größte Problem ist schlicht und einfach, dass man das Meiste schon kennt. Bspw. Geurtstag! Man war das toll als Kind. Und jetzt, als Erwachsener? Mööp, schon wieder Geburtstag? Soll ich feiern? Langweilig!
    Das Gleicht beim Urlaub. Als Kind: Wow, das Meer, wow Buddeln, wooooow!
    Als Erwachsener: Schon 100x gesehen.
    Nicht ohne Grund werden Filme immer heftiger, Werbung immer greller und Sportarten immer extremer. Aber das kann eigentlich keine Lösung sein.
    Wichtig ist, dass man sich auch über die kleinen Dinge des Lebens freuen kann und diese wertschätzt.
    Fällt manchmal schwer, ich weiß 🙂

    Liebe Grüße,
    Marc

    1. hallo marc, vielen lieben dank für deinen tollen kommentar!
      ich denke aber, dass das freuen und wertschätzen erst ein erster schritt ist. ein wichtiger – der wichtigste! vielleicht. aber die empfindung muss so nah an einen rankommen, dass sie auch in der erinnerung abgespeichert wird. dass sie den moment überdauert. das finde ich im moment das schwierigste daran.

  17. Hallo Paleica,

    erstmal: sehr schöne Bilder!

    Mit dem Text hast du absolut recht. Vieles verschwimmt, vieles nimmt man nicht mehr richtig wahr.

    Ich glaube, ein Grund dafür ist, dass wir tagtäglich so viele verschiedene Sache erleben und unser Kopf einfach etwas filtern muss 😉

    Bei wirklich schönen Dingen sollte man versuchen, diese bewusster wahrzunehmen und dazu bewusst die verschiedenen Sinne nutzen. Was rieche ich, wenn ich durch dieses alte Gebäude gehe, was fühle ich, usw.

    Gruß
    Christian

    1. hallo christian! dieses bewusste wahrnehmen hilft definitiv. da kann man diverseste dinge tun, um das zu unterstützen und da bin ich auch ein großer fan davon. trotzdem erlebe ich, dass die dinge für den moment großartig sind und mich begeistern und alles stimmt. aber das gefühl bewahrt sich in der erinnerung nicht. ich kann es nicht abrufen, wenn ich zurückdenke, während das bei viel früheren erinnerungen ein standardprozess ist.

  18. Liebe Chrisitna, das ist wirkich „Futter fürs Denken“ … Ein Gedanke, der mich nicht loslässt, seit ich diesen Post gesen habe: Die erinnerungswürdigen Einzelereignisse werden weniger, und wir werden vielleicht im Laufe unseres Lebens immer anspruchsvoller, was deren Qualität betrifft. Bestimmte Feste und Urlaube stechen heraus.
    Auf der anderen Seite gibt es so viele schöne kleine Momente, die sich z.T. auch wiederholen (lassen), dass sie für mich eine Art Grundrauschen erzeugen: Nicht der eine Tanz, das eine Essen – aber generell mit meiner Herzdame zu tanzen, mit ihr und Freunden zu kochen, zu essen. Das sind die Momente, wo wir ab und zu innehalten und einer sagt: „Uns geht’s gut.“ Bedeutungslos? Für mich haben diese ‚Alltage‘ auch Bedeutung, und auch sie lagern sich als Erinnerung ab (und wenn es nur meine Füße sind, die sich an den Slowfox erinnern). Gruß – T.

    1. …Christina natürlich! Auch die Anrede sollte man noch einmal lesen – Entschuldigung!

      1. kein problem – ein vertippsler ist mir lieber als ein namendreher – christine, christiane o.ä. 😉

    2. lieber T., diese dinge haben zweifelsohne bedeutung und zwar ganz große. ich weiß nur, dass ich in meinem speziellen fall schwierigkeiten damit habe, diese bedeutungsvollen kleinigkeiten in die erinnerung zu transportieren. sie sind da, im moment und sie sind schön. aber sie sind einerseits nicht von so tiefer emotionalität geprägt wie das früher der fall war und vor allem ist dieses gefühl in der erinnerung zumeist nicht mehr abrufbar, während viel frühere emotionale ereignisse viel klarer erinnerlich sind.

      1. …vielleicht muss man für die jüngere Vergangenheit seine ganz persönliche Proustsche Madeleine finden. Was natürlich nicht leicht ist. LG!

        1. zu meiner schande muss ich gestehen: ich musste das jetzt googeln. aber proust ist mir irgendwie auf all meinen wegen immer nur vom hörensagen begegnet. das scheint ein versäumnis.

          1. …auch der Germanist hat’s nicht gelesen bislang – aber mir sind jede Menge Interpretationen und Zitate über den Weg gelaufen. „Die Proustsche Madeleine“ hat sich in dieser Form wohl verselbständigt. Also wahrscheinlich ein Versäumnis, aber: Don’t worry!

            1. ich habe mir grade von der FAZ auf die sprünge helfen lassen. ich habe übrigens solche proustschen madeleines. bei mir sind das parfums. darüber könnte ich traktate schreiben 😉 aber auch diese beschränken sich in der intensität auf eine phase meines lebens und schaffen nicht die gleiche relevanz, als sie es früher getan haben. allerdings stimme ich absolut zu, dass man über sinneswahrnehmungen wie geschmack (oder bei mir geruch) erinnerungen verbindet. ich habe dazu mal gelesen, dass das die stärksten „anker“ sind, die vom gehirn gespeichert werden.

  19. Hammer Bilder. Wow, bin ziemlich beeindruckt von den Ideen, den Umsetzungen und der location. Du weißt ich wünsche mir so nen Lost Place mal selbst machen zu können. Und es juckt mich wieder ne ordentliche Portion mehr in den Fingern. Ich will auch solche Ausblicke haben 😉 Im Ernst, ganz tolle Fotos und ein sehr spannender Text mit interessanten Fakten. Wirkt vllt noch ein bisschen länger in mir 😉

    1. dankeschön ❤ also wenn du sowas machen willst, dann schau dir wirklich mal die lost places bei go2know an. die haben echt tolle im angebot und es gibt keinen stress mit dem gesetz und du musst keine angst haben, dass etwas passiert. ist zwar kein echtes urbexen, aber zum anfangen finde ich es schon okay 🙂 und glaub mir, die perspektiven drängen sich auf. man kann gar nicht anders 🙂

      danke auch für die lieben worte zum text. das ist schön zu hören.

  20. Ja es fällt vermehrt auf, aber ich finde es toll. Weiter so! Mehr Grundsatzgedanken. 😉
    Ich finde es immer wieder faszinierend, wie unser Körper uns zu verstehen gibt, wenn etwas nicht ok ist. Verrückt, dass wir auch körperliche Leiden haben, wenn wir seelische Belastungen ausstehen müssen. -.-

    Das ist wirklich eine interessante Sichtweise bzgl. der zu schnell vergehenden Zeit. So habe ich das gar noch nicht betrachtet. O.O
    Auf jeden Fall finden sich hier sehr viele interessante Gedankengänge wieder, die mich grübeln und vielleicht auch das ein oder andere verändern lassen.

    Die Bilder sind wunderschön und auch die thematische Fokussierung auf die Fenster finde ich ganz toll. Auf dem letzten Bild habe ich mich ja in das Haus verliebt. Das wäre so ein Haus, das ich gerne kaufen und neu herrichten wollen würde. xD

    *
    Bei mir ist in letzter Zeit wirklich viel los, dass ich unglaublich hinterherhinke. -.-“ Das nervt mich total, aber jetzt hab ich mir erst mal vorgenommen, die ganzen Kommentare zu beantworten in der Hoffnung, dass ich bald durch bin. *haha*
    Sitzsäcke sind eine wundervolle Erfindung. Muss ich ganz ehrlich sagen. Das einzige Problem: Man kommt/will nicht mehr raus. xD
    Lymphödem ist nervig ja… aber man kann ganz gut damit leben. Sind halt viele Physiotermine, aber damit kommt man irgendwann auch ganz gut zurecht. ^^

    Und das Lichtthema ist jetzt auch schon vorbei. Ich habe mir eine Aufgabe dafür gestellt und dann konnte ich sie nicht umsetzen, weil es tagelang geregnet hat. Aber gestern bin ich losmarschiert, hab Fotos gemacht und bin total happy. Morgen kommen die fehlenden und vielleicht auch schon das neue Thema online. 🙂

    Den Fingern ging es wirklich lange besser und dann war die Pause zwischen der manuellen Therapie zu lange. War heute zum ersten Mal wieder und jetzt geht’s wieder mit Schmerzen los. xD Naja… aber hauptsache es hilft. 🙂
    Oh WOW! Das sind ja wirklich RICHTIG gute Neuigkeiten. Herzlichen Glückwunsch! Halte an dieser Hoffnung fest und schöpfe daraus jede Menge Geduld. Ich drücke dir weiterhin ganz fleißig das Däumlein, damit es bald besser wird. :-*

    Du könntest die Programmierer des Layouts ja einfach anschreiben, vielleicht gibt es eine einfache Lösung dafür. Ansonsten gewöhnen sich die Leser schon noch daran. 😉 Ich finde das Layout auch hübsch. ^^

    Ooooah… vielleicht würden die Mangos mir dann auch schmecken? Aber ich verpasse den Zeitraum immer, wenn sie gut sind… kurz bevor man sie wegschmeißen sollte. xD Tjaja… entweder bin ich zu früh oder zu spät. Merkt man das an der Konsistenz, wenn man sie berührt? ^^
    Couscous und Bulgur sind jetzt nicht ganz so meins, aber je nach Rezept kann man das ja auch mit was anderem machen. Klingt auf jeden Fall interessant in Kombination mit dem Granatapfel. :9

    Ja die Schäferhundkatze war wirklich verrückt. Ein großer Schäferhund und wenn er auf den Schoß gesprungen ist, sich eingekringelt hat, dann war es plötzlich eine Katze. ♥
    Es gibt so Phasen in denen man sich einfach nicht an Träume erinnert, habe ich auch manchmal. Letztens hatte ich wieder mal einen Hochzeitstraum und es lief alles perfekt. Der Albtraum daran war, dass ich mitten drin aufgewacht bin und nicht mehr weiter träumen konnte. -.-“

    Hmm… also mit Cewe-Fotobüchern hab ich jetzt nicht so gute Erfahrungen gemacht, aber wenn es für dich bisher gepasst hat, kann es so verkehrt nicht sein. Ich werde vermutlich bei meinem Anbieter bleiben. *haha*
    Die Petzval sind auch ziemlich teuer, wenn ich mich recht entsinne. O.O Aber ich kann gut verstehen warum du damit liebäugelst. ^^

    Ich wünsche dir einen ganz wundervollen letzten Arbeitstag für diese Woche. :-*

    1. 😀 keine sorge, da kommt noch einiges. für montag ist noch ein ziemlich persönlicher und intensiver artikel geplant, dann ist aber erstmal pause, muss ja auch mal alles sickern ^.^
      oft wäre es schon toll, wenn man in so einem haus mit so einer geschichte wohnen könnte. leider stehen die halt auch meist unter denkmalschutz und herrichten kostet oft noch viel mehr als neu bauen, das kann man sich dazu auch noch kaum leisten. schon schade.

      das glaub ich dir, aber jetzt ist halt auch hochzeitsendspurt, da bleiben andere dinge einfach liegen. mach dir nix draus, danach wirds sicher wieder einfacher!

      dass das bei dir mit den fingern wieder losgeht ist schon lästig. kenne ich aber bei mir auch. ich hatte jetzt einige zeit ruhe und jetzt ist es wieder schlechter, cih merke auch, dass die linke seite irgendwie recht verkrampft ist, während es der rechten langsam etwas besser zu gehen scheint. ich schiebe das einfach darauf, dass da hinten einfach alles in bewegung ist und es eben dauert, bis sich alles wieder „richtig“ zusammenbaut und die muskulatur sich dann auch angepasst hat.

      ach ich weiß nicht. das ist ja irgendeine amerikanische firma, von dem her ist das die frage. obwohl ich natürlich auch mal ins forum schreiben könnte, da es ein kostenpflichtiges team ist gibt es da normal sehr guten support. aber ich habe bermekt, wenn ich fotos dazwischen schalte, funktioniert das scrollen besser. und eigentlich finde ich das ohnehin irgendwie die schönere aufteilung, beschwerden kamen jetzt auch keine mehr, also gehe ich davon aus, dass nicht deswegen leser ausbleiben ^.^

      ja man merkt das schon. sie müssen auf jeden fall weich sein. also nciht gatschig, aber weich. so ähnlich wie nektarinen eigentlich.

      nagut meine liebe, ich wünsche dir ein wundervolles wochenende ohne hochzeitspannen 🙂

  21. Jetzt habe ich mit dem Kommentarschreiben schon wieder solange rumgetrödelt, dass ich beinahe vergessen habe, was ich eigentlich schreiben wollte. Dieses Gefühl des Gedankenkreises und das es immer laut im Kopf ist, das kenne ich leider auch nur zu gut. Wirklich schlimm war es bei mir zum Ende der Schulzeit und dann wieder ein paar Jahre später während des Studiums, bis es mich komplett lahmgelegt hat, für mehrere Monate. Ein paar Jahre Psychoanalyse und der Lauf der Zeit haben mir letztendlich geholfen, dass endlich ein bisschen Ruhe einkehrt und ehrlich gesagt bin ich froh darüber. Wirklich kontrollieren kann ich es noch immer nicht dauerhaft, vermutlich wird es mein Leben lang auf und ab gehen, aber so bin ich nun mal.

    Das Gefühl, das die Zeit heute schneller vergeht, habe ich eigentlich nicht, was vermutlich einfach nur daran liegt, dass mein Leben nicht besonders spannend ist. Haha. Ob wir mit fortgeschrittenem Alter tatsächlich weniger Erinnerungen abspeichern können, weiss ich nicht genau, vielleicht muss man sich einfach nur zusätzlicher Hilfsmittel bedienen. Da sind wir als Fotografen und Blogger eigentlich in einer ziemlich guten Position, würde ich mal behaupten. ich glaube nicht, dass es möglich oder vielleicht auch notwendig ist, durch vergangene Erlebnisse erzeugte Gefühle später wieder abrufen zu können. Wichtig ist doch nur, sich an die Dinge zu erinnern, die diese Gefühle ausgelöst haben und sie bei Bedarf einfach neu zu durchleben. Und wenn das nicht funktioniert, sie mit neuen Erfahrungen zu ersetzen. Diesen Trick benutze ich im Prinzip seit dem ich den Blog habe: ich weiss, dass mir das sowohl das Schreiben als auch das Fotografieren Freude bereitet, darauf kann ich zurück greifen, auch wenn es mir schlecht geht. Und auch wenn es nicht immer sofort funktioniert, ist es zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

    1. 😀 das kenne ich.

      ich glaub halt, wenn man das naturell dazu hat, dann gibt es kein stilllegen. diese gedanken sind ja und sie beschäftigen und beeinflussen uns. wenn wir sie abstellen, dann schaden sie uns. ob es im Allgemeinen ein fluch oder segen ist, die gedanken im allgemeinen zu haben, hab ich für mich noch nicht herausgefunden. für dich hoffe ich jedenfalls, dass sie dihc nicht nochmal so lahmlegen, wie das schonmal vorgekommen ist.

      ich finde das toll, dass die methode für dich so gut funktioniert. bei mir klappt das nicht so gut, weil bei mir erinnerung und personen in ganz engem zusammenhang stehen und das eine für mich nie abgekoppelt vom anderen funktioniert. das heißt also, ich brauche nicht nur das tool, das den moment bannt – sei es ein foto oder ein text – sondern auch noch die person, mit der ich das erlebte geteilt habe.

  22. Wird höchste Zeit das wir uns einen USB Anschluss im Kopf einpflanzen lassen können. Dann könnte man wöchentlich eine Sicherung speichern und Platz für neues schaffen. 😉
    Wie immer, schöne Fotos zum Thema von Dir!

    Liebe Grüße, Gerd

    1. das wäre sooo gut. à la „Pensieve“, wie es J.K. Rowling in Harry Potter beschrieben hat 🙂

  23. Hallo Christina,
    diesen Post mit den wunderschönen Bildern aus Berlin habe ich jetzt lange offen im Browser, immer wieder habe ich nach den richtigen Worten gesucht und sie dann in den vielen Kommentaren weiter oben gefunden.
    Es ist alles gesagt?
    Helfen Hinweise aus meiner Geschichte?
    Eigene Gedanken?
    Wohl eher nicht, dazu kennen wir uns zu wenig.
    Aber, was nimmst du mit aus der Unterhaltung hier mit den vielen interessanten Menschen, vielen Anregungen, ein Lichtblick für die Zukunft?
    Wie könnte der aussehen?
    Würde mich sehr interessieren.
    Mit diesen Gedanken zur Nacht wünsche ich einen intensiv-schönen Wochenbeginn.
    Vielleicht nochwas. Kennst du Sense8, eine Science Fiction Serie, in der 8 Menschen über den Globus miteinander vernetzt sind, auf vielen Ebenen. Schon ein bisschen vergleichbar mit dem Netz an Menschen, das du alleine mit diesem Post inspiriert hast. Stark.

    1. lieber jörg, wie soll ich auf diese vielen fragen in nur einem kommentar antworten?
      sagen wir mal so: die kommentare zu solchen texten sind es, die das bloggen für mich so wertvoll machen. ich bin dankbar für jede persönliche assoziation und freue mich über alles, das mir sagt, dass ich mit meinen gedanken das leben eines anderen menschen ein klein wenig berühren konnte.
      ich hab von der serie schon gehört aber sie leider noch nie gesehen. sense8? das muss ich mir jetzt endlich mal merken.

  24. Ich bin mir nicht sicher, ob das Leben mit den Jahren immer weniger bereit hält. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es um den großartigen ersten Moment, um den Knall, geht. Denn gerade als Kind sind es ja die kleinen, ja alltäglichen Dinge, die uns oft fasziniert haben – wie etwas das Glitzern der Tautropfen im Morgenschein.

    Woran es dann liegt, wenn man das Gefühl hat? Ich weiß es nicht. Das ist bestimmt auch individuell. Ich glaube es liegt oft daran, dass der Alltag viele Widrigkeiten bereit hält. Um mit diesen klar zu kommen, entwickelt man Strategien, die aber auch etwas „abstumpfen“. Die Wahrnehmung ist es, die sich ändert, denn eigentlich ist es jedes Mal ein erstes Mal – einen Moment wird es so nicht ein zweites Mal geben. Alles ist ein Geheimnis. Alles bezaubernd. Dazu passt Krieg, Leid und Elend nicht..

    Ich mag das neue Layout hier!

    1. liebe melanie, genau das ist es. viele kleine dinge werden in jungen jahren wie ein „großer knall“ empfunden. mit der zeit kennt man das aber alles und die dinge müssen immer großartiger werden, um im ansatz ähnliche emotionen auszulösen – zumindest meiner erfahrung nach. das abstumpfen ist hierbei das große problem…

      danke übrigens, das freut mich sehr 🙂 ich mags grad auch, mal sehen, wie lange es bleibt 😉

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